Reagiere ich über?

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Jadzia
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Jadzia »

Das geht gar nicht was der Trainer da macht.

Dein Sohn ist in so einer Situation hilflos weil er nicht kommunizieren kann. das darf man nicht ausnutzen, sowas kann blöde Folgen habe.
Leider nehmen manche Lehrer solche Aussagen wie autistisch nicht ernst, weil sie es nicht verstehen und damit nicht auskennen.
es scheint schwer zu sein zuzugeben, daß sie mit so einer Situation überfordert und überfragt sind.

So eine Person ist nicht gut für deinen Sohn.

Niemand kann alles immer richtig mache. Aber wenn man nicht bereit ist sich einzulassen und auch mal seine eigene Sicht zu reflektieren, sollte man sich so einer Aufgabe auch nicht stellen.
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Jadzia mit Dax (03/11)

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nido56
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von nido56 »

Mein Sohn ist nicht autistische, aber nach so einem Erlebnis würde er sicher auch nicht mehr da hin wollen. Genau genommen hat er tatsächlich nach einem Kurs Judo aufgehört, weil er mit der "was uns nicht umbringt, macht uns härter" Mentalität nicht klar kam.

Und mach dir jetzt um Gottes Willen keine Vorwürfe. Mir ist es auch schon passiert, dass ich eine Situation erstmal falsch eingeschätzt habe und erst später verstanden, wie schlimm es für meinen Sohn wirklich war.

Du wirst deinen Sohn leider nicht vor allen schlimmen Erfahrungen bewahren können, aber du nimmst ihn ernst, du stärkst ihn und begleitest ihn. Der Moment wird ihn daher nicht kaputt machen.
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Waschbaer78
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Waschbaer78 »

Danke nochmal für euren Input.Das tut mir gut,ich bin selber durch den Wind.
Wir lassen es jetzt mal sacken,so oder so ist da noch ein Gespräch fällig.
Ich möchte das so für mein Kind nicht.Der macht nämlich über seine emotionalen Bedürfnisse alles mit,weil er nie wagen würde nicht zu „gehorchen“Er kann nicht sagen „nein ich renne jetzt nicht,ich hab kaum Luft bekommen muss mich mal hinsetzen“
Wir hatten Kampfsport extra rausgesucht,weil er es wollte und wir ihn stärken wollten,aber nicht kaputt machen.
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AnnaKatharina
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von AnnaKatharina »

Das man eine Situation falsch einschätzt, kann passieren.
Das man denkt, jemand wisse schon was er tue und ihn daher machen lässt, kann passieren.
--> Abhaken, beim nächsten Mal anders machen.

Gerade bei Kampfsportarten scheint es reichlich Trainer zu geben, die aus der "Aufstehen, Weitermachen"-Ecke kommen. Hab ich zumindest den Eindruck. Das passt für viele Kinder nicht.

Ganz davon abgesehen ist ein Sporttrainer, der in der Regel ja keinerlei (sonder)pädagogische Ausbildung hat, im Zweifel auch einfach überfordert mit Kindern, die von der Norm abweichen.

Darf ich fragen, warum ihr euch gerad eine Kampfsportart für ihn ausgesucht habt?
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Pupu
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Pupu »

Was für eine doofe Situation!
Der Trainer klingt rein vom Lesen her eigentlich nicht so, als wäre er nach der "nur die Harten kommen in den Garten"-Mentalität vorgegangen, sondern eher nach dem Motto wenn man vom Pferd fällt muss man wieder draufsteigen, damit man keine Angst vorm Reiten bekommt... die Tatsache, dass R wieder aufgestanden ist und gerannt ist, bestätigte ihn wohl einfach in seiner Wahrnehmung, dass es keine schwerwiegende Verletzung ist. Ich denke, er hat es einfach gut gemeint.

Für Außenstehende ist es bestimmt wahnsinnig schwer, die Zeichen zu deuten, die ein Autist gibt oder nicht gibt. Als Mütter sind wir drauf trainiert, viele Jahre lang... für ihn war es das erste Mal. Und er scheint ja den guten Willen gehabt zu haben, R in die Gruppe zu integrieren, mit all seinen Besonderheiten. Aber ich z.B. hätte ohne Vorwissen zum Thema die Situation wohl ganz leicht genauso falsch einschätzen können. Ich kann dem Trainer da also nichtmal wirklich einen Vorwurf machen, den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben. Aber natürlich ist dein Sohn trotzdem negativ davon beeinflusst worden :( Und das ist einfach Mist und sehr schade...

Vielleicht schlaft ihr beide erstmal eine Nacht drüber und schaut morgen, ob ihr die Situation ein wenig auflösen könnt. Und überlegt euch Strategien, falls so etwas ähnliches nochmals vorkommt... aus jeder negativen Situation lernt man ja zumindest immer etwas, nimmt etwas draus mit - und das ist auch gut, auch wenn wir unsere Kinder am liebsten vor allem schützen würden. Aber auch solche Stolpersteine sind wichtig für die Entwicklung, finde ich.

Ich hoffe, R kommt gut darüber hinweg. Ich drück euch beide mal virtuell!
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blauelagune
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von blauelagune »

Ich erinnere mich noch an den Strang, als ihr nach einem Sport gesucht habt.

Dem Trainer wird gar nicht klar sein, was ein Autist ist und was bedeutet, wenn er weint. Für viele ist es völlig okay, danach einfach weiter zu machen, noch mal ein positives Erlebnis zu schaffen.

Mach Dir bitte keine Vorwürfe! Ich hoffe, Dein Junge hat sich nicht doch noch ernsthaft verletzt.
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Lanali
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Lanali »

Liebe Waschbär,
ich sehe es wie Nido, mach dir keine Vorwürfe, wenn man in einer Situation drin steckt, dann weiß man oft erst hinterher, wie man "besser" hätte handeln sollen.

Allerdings möchte ich auch ein bisschen den Trainer in Schutz nehmen. Ich weiß jetzt natürlich nicht, welche Ausbildung euer Trainer hatte, aber ich habe selbst jahrelang Sportgruppen trainiert. In meiner Ausbildung (Trainer C) wurde der Umgang mit autistischen Kindern kein einziges Mal erwähnt und ich gehe davon aus, dass dies oft so ist. Und selbst wenn er vielleicht einmal ein paar Stunden etwas darüber gehört hätte, wäre er immer noch nicht geschult im Umgang mit Autisten.
Er hätte nun also direkt am Anfang sagen können, nein, er nimmt keine Autisten, weil er das sicher nicht kann, ... dann wird es aber für euch schwer einen Platz in einem nicht auf Integration ausgerichteten Sport zu finden.
Oder er dachte, er traut es sich zu, so wie in eurem Fall.
Ich denke, ihr habt ihm viel über euren Sohn erzählt, aber er hat ja nun keine Anleitung bekommen, wie er in welcher Situation reagieren soll und so hat er hier eben so entschieden, wie er bei anderen Kindern auch entscheiden würde. (Das Aufstehen nach einem Sturz und weitermachen, damit man keine Angst davor bekommt, ist ja keine seltene Situation und hat nicht unbedingt was mit "macht uns nur härter" zu tun.).

Ich denke, er hat in eurem Fall klar falsch entschieden. Das Weinen hätte ein Alarmzeichen für ihn sein müssen. Aber vielleicht hatte er gerade total Streß mit noch anderen Kindern, oder er hat eben genau an eure Erzählungen gedacht und gehofft, dass er nun die richtige Entscheidung trifft.
Wenn es dir wichtig ist, dass dein Sohn dort hingeht, würde ich an deiner Stelle nochmal mit dem Trainer sprechen. Wenn du dann das Gefühl hast, dass er auch im Nachhinein überhaupt kein Verständnis dafür hat, dass seine Reaktion falsch war, dann weißt du sicher, dass es nichts für euch ist. Falls es ihm aber total leid tut und vielleicht sogar selbst nachging, hätte er vielleicht eine zweite Chance verdient.

Und bevor jetzt alle mit mir schimpfen: Ich will den Trainer nicht in Schutz nehmen. Ich kenne ihn nicht und war nicht da.
Ich schreibe nur aus meiner eigenen Perspektive als Trainerin, dass die Erwartungen der Eltern (und Kinder) oft sehr, sehr hoch sind und Sporttrainer oft ehrenamtlich oder für sehr wenig Geld und mit sehr wenig Ausbildung in Sozialkompetenz ihre Zeit zur Verfügung stellen.

Ich sehe Pupu gerade in der Vorschau, genau so meine ich das auch.
Liebe Grüße
Lanali mit B. (01/2010), S. (11/2012) und N. (09/17)
Waschbaer78
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Waschbaer78 »

Ja darfst du
Erstens,weil er es sich gewünscht hat
Zweitens, weil es uns in der Reha empfohlen wurde
Und drittens,weil,wir dann eigentlich eine Gruppe gefunden haben,die nicht wettkampforientiert ist und man uns sagte dass sie Erfahrungen haben mit ADHS,ASS und geistiger Einschränkung und an sich die klare Struktur super ist für unseren Sohn.Aber dass das Empathie ausschließt mussten wir heute leider erfahren.Es lief ja fast 5 Monate gut.

Ich lese Pupu..ja an sich hast du Recht,aber wenn dem Kind andauernd die Tränen noch laufen und er von sich selber sagt er hätte mit so vielen Autisten gearbeitet,finde ich es befremdlich.Wobei, es gibt da ja auch unterschiedliche Ansätze in der Arbeit mit Autisten..ich halte nur nicht viel von der Abrichtmethode,sondern versuche meinem Sohn beizubringen sich mitzuteilen .

Jetzt lese ich euch andere zwei...
Ja bewusst böse hat er es nicht gemeint,aber uns wurde anfangs gesagt da besteht Erfahrung.Und ich habe ihn heute versucht nochmal zu erklären,dass bei 7ns weinen ein Alarmzeichen ist.Ich hatte Einwönde,die er abtat mit dem Kommentar er kenne sich mit Autisten aus.
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OrangerStier
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von OrangerStier »

Ich denke auch das der Trainer sich einfach nicht bewusst darüber war das ein Autistisches Kind anders "funktioniert". Vor allem seine Antwort lässt das vermuten. Für ein normales Kind stimmt das oft schon das danach ein Positives Gefühl her muss. Ich bin such schon als Teenie vom Pferd gefallen und sollte danach trotzdem den Ausritt machen. Hab ich auch bevor ich angst vorm Pferd bekommen konnte.
Ich würde wenn du eine Chance siehst das du deinen Sohn umgestimmt bekommst noch mal mit dem Trainer reden. Schauen wie er im nachgang damit umgeht. Wenn er nicht versteht was falsch war würde ich auch nicht mehr hin gehen.
Wenn er es einsieht und es versteht, wäre es ja ein Versuch das du mit deinem Sohn darüber sprichst das der Trainer einen Fehler gemacht hat und nicht erkannt hat wie schlecht es deinem Sohn ging.
Dein Sohn geht ja schon seit Mai dort hin und wir wissen ja nicht ob dein Sohn im Training schon öfter gefallen ist und dann ganz normal weiter machen konnte weil es nicht schlimm war und der Lehrer eben den Unterschied mit dem Weinen nicht gesehen bzw. Vergessen hat.

Ich lese dich gerade vlt. Sprichst du noch mal in ruhe mit den Trainer, in so einer Situation vor allen ist es ja auch nicht leicht zu sagen ja ich habe einen Fehler gemacht.
Kampfsport an sich kann ich nachvollziehen. Ich kenne es z.b. beim Karate das es feste Strukturen sind und gerade in den Anfangsklassen nicht unbedingt "Kampf" ist.

Ich würde wenn ihr dem ganzen noch mal eine Chance gibt ruhig noch ein zwei mal so da sein das du Training mit bekommst damit du siehst wenn was ist. Zumindest wenn dein Sohn dir solche Dinge nicht slbst immer mitteilen würde.
Stiermama mit Fee 02/19 und Zauberer 12/22

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Pupu
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Re: Reagiere ich über?

Beitrag von Pupu »

Waschbaer78 hat geschrieben: 10.09.2019, 21:43 Ja bewusst böse hat er es nicht gemeint,aber uns wurde anfangs gesagt da besteht Erfahrung.Und ich habe ihn heute versucht nochmal zu erklären,dass bei 7ns weinen ein Alarmzeichen ist.Ich hatte Einwönde,die er abtat mit dem Kommentar er kenne sich mit Autisten aus.
Ja, dann klingt es direkt anders. Es kann zwar immernoch Verlegenheit in dem Moment gewesen sein... aber so eine Reaktion würde mich auch erstmal abschrecken.
Autisten sind ja alle verschieden - einmal der Autismus selbst, der sich bei jedem anders äußert, und dann sind die Kinder selbst auch in ihren Persönlichkeiten noch alle verschieden... ein Patentrezept wird es da wohl eher nicht geben. Schade, dass es bei euch so schiefgelaufen ist! Ich hoffe, der Trainer lernt trotzdem etwas daraus.
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