Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
Benutzeravatar
RedsMama
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1020
Registriert: 26.04.2016, 18:16
Wohnort: Bonn

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von RedsMama »

Klarrti hat geschrieben: 16.07.2019, 14:57 Ist es noch nicht zu spät mit einer 3 Jährigen mit der 2. Sprache anzufangen? Und wie fängt man da an, erst mit übersetzen oder mit Bilderbüchern ohne übersetzen?
Der Hintergrund ist folgender, meine Muttersprache ist russisch, aber ich bin mit 11 Jahren nach Deutschland gekommen, also nun vor 30 Jahren. Wir reden in der Familie hauptsächlich deutsch, aber halt nicht nur. Mein russisch ist aber schon ziemlich auf dem kindlichen Niveau geblieben. Deswegen habe ich mit unserer Tochter auch nie russisch gesprochen, singe aber immer wieder mal Kinderlieder auf russisch. Auch sonst hört sie die Sprache ab und an. Jetzt wollte sie mit mir vor 2 Tagen ein russisches Lied zusammen singen und ich war erstaunt wie gut sie es konnte. Ich habe sie am nächsten Tag gefragt, ob sie die Sprache lernen möchte und ihr dann einige Gegenstände und Handlungen auf russisch gesagt und sie wollte dann immer die Übersetzung dazu haben. Wie geh ich am besten vor? Mit ihr versuchen russisch zu sprechen? Aber ich befürchte ich stoß an meine Grenzen mit den Vokabeln. Meine Eltern in die Pflicht nehmen?
Es ist nie zu spät und es ist ein riesiges Geschenk, dass du ihr gibst. Ja, deine Eltern und alle andere Leute einspannen, und die Vokabeln kannst du mit ihr nachschauen, wenn du sie nicht kennst. Sprache ist vor allem Struktur, Melodie, Aussprache, Gefühl... Das ist es, was Muttersprachler können. Für einzelne Vokabeln gibt es Wörterbücher :wink:

Wenn sie sprachbegabt ist, würde ich tatsächlich versuchen, mit ihr direkt auf Russisch zu sprechen. Aber auf jedenfall vorlesen (und dabei erklären), singen, spielen, immer wenn es geht, immer wieder.
Liebe Grüße
R.

I knew exactly how to raise my kid when I became pregnant. Then he was born...
I know nothing.
I am much wiser now.


Jeder wird perfekt und vollständig geboren. Unsere Job als Eltern ist nicht unsere Kinder zu erziehen, sondern sie davor zu schützen, gebrochen zu werden.

R., K., der großartige Weltenbummler 10/15 und die Strahlende Königin 06/18.


RL calls, wenig hier. Bitte PN oder zitieren wenn es dringend ist!
Benutzeravatar
RedsMama
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1020
Registriert: 26.04.2016, 18:16
Wohnort: Bonn

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von RedsMama »

Wir machen Urlaub in Portugal und alle sind total überrascht, dass der Weltenbummler Portugiesisch fließend kann. Das war für mich befremlich (hä? Natürlich kann er Portugiesisch!) bis ich mehrere Familien getroffen habe, wo ein Elternteil in der Fremdsprache mit den Kinder gesprochen hat, also alle klare Fälle von Auswanderer, die den Kindern ihre Muttersprache nicht beigebracht haben. Und mittlerweile haben mir so viele Leute erzählt, dass sie es nicht gemacht haben, weil sie Angst hatten, dass die Kinder es nicht packen, weil sie nicht wollten, dass Dritten nicht verstehen, was gesagt wird, oder schlicht und einfach weil es so viel mehr Arbeit bedeutete. Das finde ich unglaublich schade!!
Liebe Grüße
R.

I knew exactly how to raise my kid when I became pregnant. Then he was born...
I know nothing.
I am much wiser now.


Jeder wird perfekt und vollständig geboren. Unsere Job als Eltern ist nicht unsere Kinder zu erziehen, sondern sie davor zu schützen, gebrochen zu werden.

R., K., der großartige Weltenbummler 10/15 und die Strahlende Königin 06/18.


RL calls, wenig hier. Bitte PN oder zitieren wenn es dringend ist!
Klarrti
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 627
Registriert: 18.06.2017, 09:58

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Klarrti »

Danke für deine Antwort. Wir haben ja keine Verwandschaft, die nur russisch spricht. Aber ich denke auch, man verliert ja nichts, wenn wir es nun einfach mal versuchen. Ich besorg mir dann mal noch paar Kinderbücher.
mit der Löwin 08/16 an der Hand.
Benutzeravatar
RedsMama
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1020
Registriert: 26.04.2016, 18:16
Wohnort: Bonn

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von RedsMama »

Am besten Bücher, die DIR Spass machen. Du wirst sie vorlesen, und Begeisterung ist ansteckend :)
Liebe Grüße
R.

I knew exactly how to raise my kid when I became pregnant. Then he was born...
I know nothing.
I am much wiser now.


Jeder wird perfekt und vollständig geboren. Unsere Job als Eltern ist nicht unsere Kinder zu erziehen, sondern sie davor zu schützen, gebrochen zu werden.

R., K., der großartige Weltenbummler 10/15 und die Strahlende Königin 06/18.


RL calls, wenig hier. Bitte PN oder zitieren wenn es dringend ist!
Klarrti
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 627
Registriert: 18.06.2017, 09:58

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Klarrti »

RedsMama hat geschrieben: 17.07.2019, 10:45 Am besten Bücher, die DIR Spass machen. Du wirst sie vorlesen, und Begeisterung ist ansteckend :)
Ja, da kenn ich ja noch so einiges aus meiner Kindheit. :)
Deswegen singe ich auch gerne russische Kinderlieder, weil ich die ja aus der Kindheit kenne und Bezug zu habe.
mit der Löwin 08/16 an der Hand.
nido56
Dipl.-SuT
Beiträge: 4489
Registriert: 07.02.2013, 15:11

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

RedsMama hat geschrieben: 16.07.2019, 19:14 Wir machen Urlaub in Portugal und alle sind total überrascht, dass der Weltenbummler Portugiesisch fließend kann. Das war für mich befremlich (hä? Natürlich kann er Portugiesisch!) bis ich mehrere Familien getroffen habe, wo ein Elternteil in der Fremdsprache mit den Kinder gesprochen hat, also alle klare Fälle von Auswanderer, die den Kindern ihre Muttersprache nicht beigebracht haben. Und mittlerweile haben mir so viele Leute erzählt, dass sie es nicht gemacht haben, weil sie Angst hatten, dass die Kinder es nicht packen, weil sie nicht wollten, dass Dritten nicht verstehen, was gesagt wird, oder schlicht und einfach weil es so viel mehr Arbeit bedeutete. Das finde ich unglaublich schade!!
Naja, ganz so einfach ist das nicht. Ich spreche ja auch in einer Fremdsprache mit meinem Sohn. Natürlich ist das in gewisser Weise Faulheit. Hauptsächlich ist es aber so, dass ich mich mit meinem Sohn nicht flüssig und natürlich austauschen kann, wenn ich Deutsch mit ihm rede.

Er hat mir noch nie auf Deutsch geantwortet, weil er einfach fast von Geburt an 90% der Zeit Spanisch hört, erst in der Krippe, dann in der Vorschule und jetzt in der Schule, vom Papa, der Oma, der Tante, dem Cousin, den Freunden... Für mich persönlich ist eine zweisprachige Unterhaltung, ich Deutsch er Spanisch, sehr mühsam. Das ist eine intellektuelle Übung aber bestimmt kein lockeres Gespräch.

Bei einem zweisprachige Gespräch funktioniert das so: Er sagt etwas. Mir kommt spontan und ohne Nachdenken die Antwort auf Spanisch in den Kopf. Dann muss ich innehalten und mir überlegen, wie ich dasselbe auf Deutsch sagen kann, bevor ich antworte. So kommt einfach kein flüssiges, lockeres Gespräch zustande.

Natürlich hätte ich es schön gefunden, wenn mein Sohn Deutsch gelernt hätte, aber wichtiger ist mir, dass ich mich richtig gut mit ihm unterhalten, Gedanken austauschen und Witze machen kann.

Im Freundeskreis meiner Eltern gibt es eine Familie mit ähnlicher Konstellation (der Vater ist Spanier). Von den 4 Kindern ist keines als Kind zweisprachig gewesen, aber 3 von ihnen haben als Erwachsene perfekt Spanisch gelernt.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Benutzeravatar
Baobab
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1643
Registriert: 17.04.2011, 02:23
Wohnort: S.-H.

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Baobab »

Und leider funktioniert es in manchen Kombinationen einfach auch nicht, selbst wenn man möchte :cry:
Hier ist es ein etwas sprachfauler Mann, der Vollzeit arbeitet und der der Einzige ist, der in der Papasprache spricht in unserem Umfeld. Reicht bei unseren Kindern leider nicht für aktives Portugiesisch. :?
Mit der Großen (05/11), dem Mittleren (07/14), dem Ministernchen (11/15) und der Kleinen (6/18)
Nusserl
SuT-Legende
Beiträge: 9714
Registriert: 14.04.2009, 21:26
Wohnort: Zürich Umgebung

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Nusserl »

bido
ich galube, das ist aber auch eher die Ausnahme, dass jemand die Fremdsprache so aufnimmt wie du.
mein Mann übersetzt immer noch gedanklich aus dem Italienischen, obwohl er seit 15 Jahren in deutschsprachigen Ländern wohnt und in seiner Kinderheit zumindest mit den Grosseltern Deutsch gesprochen hat (nur in den Ferien). Für ihn war es von Anfang an ganz klar, dass er ausschliesslich Italienisch mit den Mädels spricht und auch Sprachstreiks aussitzen wird. Als wir gesehen haben, dass das alleine nicht reicht, haben wir dnan eben eine italienischsprachige Nanny gesucht (sicher nicht die perfekte Lösung für alle Familien).
Also selbst wenn der fremdsprachliche Elternteil den absoluten Willen hat, muss der andere Elternteil mitziehen und man muss teils kreativ werden.Bei uns hat das nun ganz gut geklappt, da wir die Kidnerbetreuung für 6 Jahre so umorganisieren konnten. Und auch, weil in unserem Dorf ein Kurs vom Konsulat abgehalten wird. Würde ich dafür die Kinder jede Woche durch die Gegend fahren müssen (selbstverständlich zu unterschiedlichen Kursen :lol: ), dann würd eich auch überlegen, ob es den Aufwand wert ist.

Darum finde ich, das ist nicht generell Faulheit. Sondern eine Mischung aus Grundvorraussetzungen, Möglichkeiten und Motivation. Die anderen 2 Familien in unserer Nachbarschaft lernen ihren Kindern die Zweitsprache nicht. Obwohl dort der zweite Elternteil fleissend spricht (was ich nicht kann :oops: ). Also ich sehe es eher als Ausnahme, dass die Kinder die nicht Familen- und Umgebungssprache lernen.
Glücklich mit drei Mädels und Mann
07/2008, 11/2011 und 04/2014
nido56
Dipl.-SuT
Beiträge: 4489
Registriert: 07.02.2013, 15:11

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Der Piratenpapa kann meine Probleme mit zweisprachige Unterhaltungen auch nicht nachvollziehen. Der übersetzt auch im Kopf simultan alles ins Spanische. Das kann ich leider überhaupt nicht (obwohl meine Mutter früher mal als Simultandolmetscherin gearbeitet hat). Ich habe aber auch immerhin 18 von meinen knapp 30 Erwachsenen-Jahren in Spanien verbracht.

Deutsche Nanny wäre sicher eine gute Lösung gewesen. Aus verschiedenen Gründen wollten wir aber lieber Krippe als Nanny, und mit 3 werden die Kinder hier dann ja schon eingeschult.

Deutschkurs ist hier ja an der piratischen Morgenmuffeligkeit gescheitert. Und jetzt will er Samstag morgen ja sowieso lieber zum Wasserball als zum Deutschkurs.

Der Piratenpapa hat Pläne, einige Monate zum Sabatical nach Deutschland zu gehen und den Piraten mitzunehmen. Ich habe sogar schonmal mit einer entsprechenden Schule telefoniert, die bereit wäre, ihn als Gastschüler aufzunehmen. Leider hat es dann dieses Jahr doch nicht geklappt. Aber vielleicht nächstes Jahr. Ich denke, 2 Monate deutsche Schule würden für ein Grundwissen reichen.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Nusserl
SuT-Legende
Beiträge: 9714
Registriert: 14.04.2009, 21:26
Wohnort: Zürich Umgebung

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Nusserl »

Ja genau. Das ist ja nicht eine Entscheidung, die bis zum Tag X getroffen werden muss. Also perfekte Zweisprachigkeit muss bis zum 5. geburtstag angelegt sein, sonst wird das nichts mehr.
Nanny hat bei euch nicht geklappt, aber dafür vielleicht bald mal ein Gastaufenthalt. Auch cool.

Und das Ziel muss ja nicht sein, dass jedes Kind beide Sprachen gleichwertig kann. Meine Mädels sind total Sprachmuffeln und haben schon Mühe auf Deutsch lesen zu lernen :roll: Die werden Italienisch vermutlich nicht völlig gleichwertig könenn, solange sie nicht nach Italien ziehen. Aber sie verstehen alles und könenn sich altersgerecht ausdrücken. K1 hat letzens telefonisch in einem Restaurant reserviert.
Glücklich mit drei Mädels und Mann
07/2008, 11/2011 und 04/2014
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“