Cooler Papa, strenge Mama?

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Lämpchen
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Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von Lämpchen »

Ich bin grad etwas gefrustet. Gut, vielleicht ist der Titel für das Alter meiner Kleinen etwas überspitzt formuliert, aber im Grunde drückt er meine Bedenken aus, und es geht ja auch noch jahrelang weiter. Mich würde mal interessieren, ob ihr solche Gedanken auch habt, oder eher gar nicht ... ob ich übertreibe mit Sorgenmachen?

Also, da ich klassischerweise in Elternzeit bin (mein Mann hatte nur die 2 Monate, für die es dann noch Geld gab), bin ich natürlich mehr mit unserem Kind zusammen. Was ich ja auch sehr schön finde, das möchte ich nicht abstreiten, auch wenn ich mich auf die Teilzeitarbeit im Herbst auch wieder sehr freue. Dadurch absolviere ich natürlich viel mehr "Pflichtprogramme" mit der Kleinen als ihr Papa. Außerdem kommt dazu, dass ich dadurch halt in einigen Dingen (z. B. beim Essenmachen fürs Kind) geübter bin und schneller daran denke, was jetzt wieder gemacht werden muss, während er da so etwas in den Tag hineinlebt. Der typische mental load bei vielen Frauen halt, darüber könnte man natürlich auch noch seitenweise Threads schreiben, aber darum soll es jetzt gar nicht gehen, sondern darum, wie das für das Kind ist.
Ich hab nämlich Angst, dass ich für die Kleine, obwohl ich ja unterm Strich mehr für sie tue bzw. vor allem mir mehr Gedanken mache (auch wenn sie das jetzt noch gar nicht verstehen kann), dann trotzdem eher "die Böse" bin, die oft negativ besetzte Dinge tut (u. a. so nerviges Zeug wie wickeln, umziehen, Zähneputzen, Medikamente geben und so), während der Papa lustig und locker rüberkommt und für mehr Spaß zuständig ist als ich. Noch ein paar Beispiele:

- Ich fahre dank Elternzeit mit der Kleinen zu allen Impfterminen und "liefere sie den fremden Menschen und der Spritze aus".
- Ich werde die Eingewöhnung in die Krippe übernehmen und "verlasse sie" (immer öfter und irgendwann ganz für bis nach dem Mittagschlaf :( ).
- Ich schnappe das Kind, wenn ich feststelle, es ist Essenszeit oder es ist müde und "entreiße es dem schönen Spiel".
- Ich wechsle eine unüberriechbare Windel, während der Papa meint, "och, jetzt doch noch nicht, sie spielt grad so schön" (aber sie will ja sowieso NIE gewickelt werden, irgendwann muss es ja eh sein).
- Ich habe, wenn ich mit ihr die 8 Stunden allein bin, zeitweise wenig Aufmerksamkeit für sie, weil ich ja nebenbei einige Haushaltsdinge erledigen muss, zuallermindest ihr etwas zu essen machen (wenn der Papa "Tochterzeit" hat, macht er so was nebenbei eher nicht, weil er ja sowieso weniger Zeit mit ihr verbringt, außerdem bin ja dann meist auch noch ich da und kann den Rest erledigen).
- Ich lege irgendwann ein Veto ein, wenn die Kleine vom Papa das dritte Stück Crepe mit Schokocreme oder außerplanmäßig Eis, Pudding o. ä. zugesteckt bekommt (unter anderem auch tatsächlich ein bisschen, um sich beliebt zu machen, wie er sagt, denn "du kannst ja stillen" -- wie man hier unschwer erkennt, denke ich aber gar nicht, dass er so was nötig hat, um beliebt zu sein).
- Ich bin die, die "Nein!" ruft und einschreitet, wenn das Kind sich einen verbotenen Gegenstand schnappt, während eigentlich gerade Papa zuständig ist, darauf aufzupassen, dass der nicht geschnappt wird (weil er das Kind kurzfristig unnötigerweise in die Nähe des Gegenstandes setzt und die "Gefahr" nicht sieht).
- ......

Später wird das wohl so weitergehen, indem ich z. B. das Kind zu den Hausaufgaben drängen muss, weil der Papa ja gar nicht dabei ist nachmittags, und wahrscheinlich noch ganz viele Dinge, die ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm habe, weil sie ja jetzt noch so klein ist. Vielleicht z. B.: was Vernünftiges/Sauberes in die Schule anziehen, während der Papa wahrscheinlich täglich dieselben Lieblingsklamotten erlauben würde, einfach weil es ihm wurscht ist und er über so was auch bei sich selbst nicht so viel nachdenkt (hat auch Glück mit seinem Job, kann da aussehen wie er will).

Das ist natürlich alles nix großartig Neues (und ich merke, dass es leider ein bisschen achtzigermäßig - oder noch älter - klingt, wenn der Papa hauptsächlich als großzügiger Spielkamerad rüberkommt). Also, mein Mann ist mehr für die Kleine verfügbar als es mein Vater damals für mich war, schon weil er andere Arbeitszeiten hat (mein Vater kam oft erst heim, wenn ich schon im Bett war, mein Mann kommt gegen 16 Uhr), und trotzdem ... es ist ja ungleich, und vor allem macht sich mein Mann halt weniger Gedanken und legt den Fokus mehr auf Spaß - würde ich ja auch gern, aber das kann ich halt nicht machen, bei allem, was noch nötig ist, wenn ich allein daheim bin. Ich erinnere mich, dass ich als Kind meine Mutter ziemlich streng fand und dass ich immer viel "sollte" bei ihr. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, merke ich, wie unrecht ich ihr wahrscheinlich getan habe, aber das zeigt halt, dass Kinder so was WIRKLICH nicht verstehen können und dass für Kinder eigentlich anderes wichtig ist (zwar auch nur, solange die Rahmenbedingungen stimmen, also solange man nicht krank ist, kaputte Zähne hat, in der Schule sitzenbleibt o. ä., aber so was wird ja als Kind je nach Alter selbstverständlich genommen). Ich kann mich kaum an Spiele mit meiner Mutter erinnnern, mit meinem Vater am Wochenende aber ausgiebig. Auch bei uns ist es so, wenn wir beide zu Hause sind, dann kümmere ich mich mehr um den Haushalt und er sich mehr ums Kind - ergibt sich einfach so, weil ich halt an mehr denke.

:(
Ich will für mein Kind nicht die strenge Pflichtmama sein. Zumal ich mir ja WIRKLICH mehr Gedanken mache als der Papa. Kennt ihr die Befürchtung? Oder gar Lösungen, und sei es nur ein innerliches Umdenken?
Danke fürs Lesen meines langen Textes!!
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Zweierlei
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von Zweierlei »

Du zählst vor allem die negativen Sachen auf die du als Mama machen musst...es gibt aber doch auch viele positive Dinge!
Du bist einfach da - du kannst trösten, in den Arm nehmen, kuscheln, Bücher vorlesen, gemeinsam eine Sendung gucken, stillen ;o)), Ausflüge machen, tolle Dinge zeigen, loben wenn sie was Neues kann etc.
Und das alles neben deinen Pflichten und den Dingen die eben wichtig sind.
Der Papa bekommt davon ja nur meist einen kleinen Teil mit (in eurer Situation und in unserer halt auch).

Wenn ich das mit uns vergleicht - der Papa ist halt nur nach der Arbeit und am Woe "greifbar", und dann macht er halt auch oft den Kram der so anfällt, für den er zuständig ist.
Klar macht er tolle Sachen mit den Kindern, aber eben auch andere Sachen als ich.
Ich bin einfach Ansprechpartner Nr. 1, ich bekomme Sorgen, Ängste und tolle Dinge immer zuerst mit und versuche auch für meine Kinder mehr zu sein als nur "das Mädchen für alles" und die Mama die eh immer da ist. Ich bilde mir auch ein das das so ist und mir ist ein offenes tolerantes Zuhause sehr wichtig - das nehmen sie auf jeden Fall mit!
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AnnaH85
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von AnnaH85 »

Ich denke das ist so ein bisschen das Los, das wir alle ziehen. Aber dein Kind ist erst etwas über 1 Jahr alt, da ist noch so viel Platz für Entwicklung, und es wird sich sicher vieles ändern wenn du wieder arbeiten bist.

Was mir beim lesen auffällt: du schreist stopp zur steckdose wenn eigentlich Papa zuständig ist. Das ist so ein typisches "nicht abgeben können" verhalten was viele Mütter haben weil sie halt daheim sind und das den ganzen tag machen. Papa will sicher auch nicht dass sie zur steckdose greift und hätte es auch bemerkt. Vielleicht später. Du musst auch ihm Raum geben sich da einzuleben. Lass ihn einfach mal machen. Das ist auch ein (lern)prozess den wir alle durchmachen. Bei uns war es wie bei dir bis Papa 2 Monate in elternzeit ging und ich arbeiten, da hat sich vieles dann umgedreht und er hatte mehr die zügel in der hand.

Was die schokocreme und Eis angeht, das würde ich mit ihm mal richtig besprechen. Das ist "liebe erkaufen" und verfehlt mmn das Ziel. Also es spricht ja nix gegen eis und so aber wenn er es schon so begründet... Väter konnen ganz toll eine Bindung herstellen ohne auf Schokolade zurückgreifen zu müssen. Da gibt es viele Wege. Er hat sich nur offenbar den einfachsten gesucht ;)

Ich würde mir ansonsten nicht so sehr den Kopf zerbrechen. Sobald die elternzeit rum ist pendelt sich da ja auch vieles wieder anders ein und wenn du vielleicht ein bisschen mehr einforderst dass Papa sich einbringt (mental load) und ihn dann auch lässt (denn er wird vieles anders machen als du und das muss man auch erst mal akzeptieren lernen) dann wird das alles gut. :)
Mama A mit Papa A und Baby A 04042016
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IdieNubren
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von IdieNubren »

Ich hatte auch den Gedanken dass du deine Liste zu negativ siehst.

- Krippe zB: du ermöglichst deinem Kind dass es mit anderen Kindern spielt und neue Kontakte knüpft, über auch hinauswächst und dabei lernt es dass Mama immer wieder kommt und mich abholt, auserdem zeigst du dem Kind dass es dort gut aufgehoben ist
- Arzt: ja das ist schwierig und gerade wenn Kinder richtig krank werden (also nicht nur impfen) dann wird es noch schwieriger, aber du siehst dich um die Gesundheit und tust was richtig und wichtig ist und tröstest danach
- nicht den ganzen Tag Aufmerksamkeit: das ist ja mein Lieblingsthema, weil ich so ne Mama bin die den Kindern viiiiel Freiraum gibt und ihnen ermöglicht daheim sich völlig frei zu entfalten - sprich ich tu was ich will und die Kinder auch 😉

Bei der Gefahr sehe ich es auch so, dass du da Verantwortung abgeben musst, beim Essen bzgl Süßigkeiten müsst ihr ne gemeinsamen Weg finden. Dass er damit stillen ausgleichen will finde ich ziemlich krass ehrlich gesagt 😳

Ansonsten versuche vielleicht mal einen „Mama Tag“ einzulegen, also einen Tag wo ihr halt zu zweit cooles Zeug macht. ☺️😉
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fanta
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von fanta »

Ich sehe es auch so, dass man deine Liste auch in positiv schreiben könnte:
Lämpchen hat geschrieben: 14.07.2019, 17:29
Ich hab nämlich Angst, dass ich für die Kleine, obwohl ich ja unterm Strich mehr für sie tue bzw. vor allem mir mehr Gedanken mache (auch wenn sie das jetzt noch gar nicht verstehen kann), dann trotzdem eher "die Böse" bin, die oft negativ besetzte Dinge tut (u. a. so nerviges Zeug wie wickeln, umziehen, Zähneputzen, Medikamente geben und so), während der Papa lustig und locker rüberkommt und für mehr Spaß zuständig ist als ich.
Also hier zb:
Unterm Strich TUST du doch viel für sie. Du bist den ganzen Tag mit ihr zusammen! Versuch das doch zu sehen.
Sind wickeln, umziehen, Zähne putzen wirklich negativ besetzt? Für dich oder für das Kind? Kannst du das vielleicht positiv besetzen? Dabei zu singen hat bei uns immer die Laune gehoben, und tut es auch heute noch :)
- Ich fahre dank Elternzeit mit der Kleinen zu allen Impfterminen und "liefere sie den fremden Menschen und der Spritze aus".
Ja, das ist wirklich nicht schön, aber ich habe , zumindest bei meinen Kindern, nicht das Gefühl, dass ich die "Böse" bin. Es ist nunmal lästige Pflicht und da müssen wir gemeinsam durch. Ich sage ja nicht "Ätschibätsch, ich bin so gemein und lasse dich von jemandem piksen." Sondern ich begleite mein Kind dabei und nehme Anteil an dem Weinen dabei / danach und tröste.


- Ich werde die Eingewöhnung in die Krippe übernehmen und "verlasse sie" (immer öfter und irgendwann ganz für bis nach dem Mittagschlaf :( ).
Hier wurde ja schon etwas geschrieben. Die Eingewöhnung läuft ja im besten Fall so, dass es kein "böses" Verlassen ist, sondern eben eine Eingewöhnung in die neue Gruppe.
Sonst wäre Dein Mann ja jeden Tag seit der Geburt gemein, weil er zur Arbeit geht und sein Kind bei Dir lässt anstatt selber bei ihm zu bleiben.
- Ich schnappe das Kind, wenn ich feststelle, es ist Essenszeit oder es ist müde und "entreiße es dem schönen Spiel".
Wenn es wirklich so läuft, dass du das Kind aus dem Spiel reißt, dann probiere es doch mal mit Ankündigung oder passe die Essenszeiten dem Spiel an, sofern es möglich ist.
Ansonsten sind essen und Schlaf ja nicht wirklich "gemein" :)
- Ich wechsle eine unüberriechbare Windel, während der Papa meint, "och, jetzt doch noch nicht, sie spielt grad so schön" (aber sie will ja sowieso NIE gewickelt werden, irgendwann muss es ja eh sein).
Hm, wenn es "nur" um den Geruch geht könntest du vielleicht tatsächlich später wickeln. Oft werden Kinder aber ja wund oder die Windel hält nicht und es wird eine Schweinerei, weswegen es schlau ist direkt zu wickeln. Sollte es "nur" die Schweinerei sein lass doch den Papa die Erfahrung machen, inkl Wäsche waschen durch ihn...
- Ich habe, wenn ich mit ihr die 8 Stunden allein bin, zeitweise wenig Aufmerksamkeit für sie, weil ich ja nebenbei einige Haushaltsdinge erledigen muss, zuallermindest ihr etwas zu essen machen (wenn der Papa "Tochterzeit" hat, macht er so was nebenbei eher nicht, weil er ja sowieso weniger Zeit mit ihr verbringt, außerdem bin ja dann meist auch noch ich da und kann den Rest erledigen).
Klar, aber es gehört nun mal zum Leben, dass man nicht den ganzen Tag nur spielen kann als Erwachsener, sondern auch Sachen machen muss, die für das Kind weniger spannend sind. Das zu lernen ist doch okay. So ist es doch überall auf der Welt in jeder Familie :)
- Ich lege irgendwann ein Veto ein, wenn die Kleine vom Papa das dritte Stück Crepe mit Schokocreme oder außerplanmäßig Eis, Pudding o. ä. zugesteckt bekommt (unter anderem auch tatsächlich ein bisschen, um sich beliebt zu machen, wie er sagt, denn "du kannst ja stillen" -- wie man hier unschwer erkennt, denke ich aber gar nicht, dass er so was nötig hat, um beliebt zu sein).
Das solltet ihr mal untereinander besprechen....
- Ich bin die, die "Nein!" ruft und einschreitet, wenn das Kind sich einen verbotenen Gegenstand schnappt, während eigentlich gerade Papa zuständig ist, darauf aufzupassen, dass der nicht geschnappt wird (weil er das Kind kurzfristig unnötigerweise in die Nähe des Gegenstandes setzt und die "Gefahr" nicht sieht).
Thema loslassen wurde ja oben schon genannt ;)
Später wird das wohl so weitergehen, indem ich z. B. das Kind zu den Hausaufgaben drängen muss, weil der Papa ja gar nicht dabei ist nachmittags, und wahrscheinlich noch ganz viele Dinge, die ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm habe, weil sie ja jetzt noch so klein ist.
Es gibt auch Kinder, die man gar nicht zu Hausaufgaben drängen muss ;)
Ich erinnere mich, dass ich als Kind meine Mutter ziemlich streng fand und dass ich immer viel "sollte" bei ihr. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, merke ich, wie unrecht ich ihr wahrscheinlich getan habe, aber das zeigt halt, dass Kinder so was WIRKLICH nicht verstehen können und dass für Kinder eigentlich anderes wichtig ist (zwar auch nur, solange die Rahmenbedingungen stimmen, also solange man nicht krank ist, kaputte Zähne hat, in der Schule sitzenbleibt o. ä., aber so was wird ja als Kind je nach Alter selbstverständlich genommen). Ich kann mich kaum an Spiele mit meiner Mutter erinnnern, mit meinem Vater am Wochenende aber ausgiebig. Auch bei uns ist es so, wenn wir beide zu Hause sind, dann kümmere ich mich mehr um den Haushalt und er sich mehr ums Kind - ergibt sich einfach so, weil ich halt an mehr denke.

:(
Ich will für mein Kind nicht die strenge Pflichtmama sein. Zumal ich mir ja WIRKLICH mehr Gedanken mache als der Papa. Kennt ihr die Befürchtung? Oder gar Lösungen, und sei es nur ein innerliches Umdenken?
Danke fürs Lesen meines langen Textes!!
Du liest dich wirklich sehr gefrustet und das tut mir sehr leid.
Ich habe wirklich das Gefühl, dass eigenes Umdenken helfen kann. Und Wertschätzung dessen, was Du tust.

Du sagst, dass deine Mama in deiner Erinnerung nicht viel gespielt hat.
War sie vielleicht nicht der Typ dafür?
Oder erinnerst du dich deshalb so viel an die Spielzeit mit deinem Vater, weil es eben die einzigen Dinge waren, die ihr gemeinsam gemacht habt?
LG fanta
(Sohn 2011 und Tochter 2013)
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Plueschwuschel
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von Plueschwuschel »

Ich finde ja, bevor man "Vater- und Mutterschaft" definiert, muss man sich über die "Elternschaft" klar werden. Für das Kind, für die Familie, sollten sich beide gleichermaßen interessieren und engagieren. Auf den gemeinsamen Grundsätzen baut dann jeder seine eigene Beziehung zum Kind auf.

Die Aufteilung der Arbeits- und Carezeiten ist dabei nur ein kleiner Teil. Heute schon zu sagen, dass Du in 5 Jahren für die Hausaufgaben zuständig sein wirst, zeugt von Gefangenheit in diesen verkrusteten Rollenmustern. Du berichtest mit gemischten Gefühlen von der einstigen Rollenverteilung Deiner Eltern, willst keine strenge Pflichtmama sein.
Das ist alles nicht in Stein gemeißelt - wenn Du anders leben möchtest, besteht jederzeit die Möglichkeit, eure Strukturen zu hinterfragen und so anzupassen, dass sie allen Familienmitgliedern taugen. Dein Mann ist ja offenbar ganz glücklich damit - Du nicht so.
Selbst wenn man sich irgendwann (vermutlich vor der Zeugung) mal darüber unterhalten hat, wer seine Erwerbsarbeit ohne Abstriche fortsetzt - in dieser Hinsicht können von sich liebenden Partnern keine lebenslangen Verträge geschlossen werden! Wie gesagt - die Frage, wer wie arbeitet, ist nur ein kleiner Teil von dem, wo man "gerne" denkt "Ist halt so, da müssen wir jetzt durch".

Klar, sowas zu sagen, ist eine echte Einladung für "Ja, aber..." (der Verdienst, der Chef, die Hypothek, das Auto, die Vorsicht, Männer sind halt anders, Mütter können das besser). Nur... wenn wir raus aus diesen gelebten automatischen Zuschreibungen wollen, dürfen wir nicht weiter das tradieren, worüber wahrscheinlich alle (Frauen) zu allen Zeiten schon lamentiert haben.
Eins der ganz großen Themen unserer Zeit ist Gleichberechtigung. Wenn wir damit nicht innerhalb unserer Familien anfangen, höre ich unsere Töchter in 25 Jahren jetzt schon über die gleichen Sorgen klagen.

Es klingt irgendwie kitschig, aber in einer wirklich gleichberechtigten Beziehung ist nahezu alles möglich. Besonders eben der WIRKLICHE Beziehungsaufbau. Mama spielt auch mal gerne wild und möchte alle Fünfe gerade sein lassen, schafft es aber vor lauter Notwendigkeit der Pflichterfüllung nicht, sieht darüber die Beziehung zum Kind potentiell belastet? Systemfehler!
Nur drei können einander in die Mitte nehmen: Schulkind E. (12/11), Kindergartenkind H. (07/17), Baby P. (03/19)

und Sternenkind Jannis (07/10)
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von MelliL »

Ich kann unterstreichen was meine Vorschreiberinnen mitteilen. Im Grunde bist du vorrangig für alles bei deiner Tochter da, bei für sie negativen wie aber auch positiven Dingen. Du bist die Person, der sie am meisten vertraut, weil du dich hauptsächlich um ihre Belange kümmerst.

In vielen meiner Kindheitsjahre war mein Vater aufgrund der Arbeit nur am Wochenende da. Wir haben sehr viel dann als Familie unternommen und tatsächlich war es irgendwie so, dass mein Vater der Spaßvater war auch wenn er sich dann sehr einbrachte im Haushalt etc. Meine Mutter ist bis heute mein Hauptansprechpartner, weil sie immer auf mich eingegangen ist seit ich denken kann auch wenn wir nicht einer Meinung waren. Und das ist es auch, worauf es ankommt; zuhören und fürs Kind da sein wenn es Probleme hat. Dies kann auch der "Spaßpapa", aber unter der Woche, wo oft Hilfe und Zuspruch benötigt werden, ist leider häufiger nur eine Person da und das ist oftmals die Mutter.

Ich finde aber auch, dass um 16 Uhr heimkommen super ist fürs Kind. Jetzt mag es noch nicht so sein, aber in ein paar Jahren wird es automatisch zu Situationen kommen, in denen euer Kind den Papa einfordert oder ihr auch Rituale entwickelt, in denen er zuständig ist (zb Zähne putzen, Zubettgeh-Ritual, lernen etc). Wenn ihr euch dann einig seid, wie was gehandhabt wird, wird der Papa entsprechend gefordert sein und natürlich auch mal anecken.
LG Melli

mit
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Dezembermaus 12/2013 und
Januarfrosch 01/2017

Über Bewertungen freue ich mich :)
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von IdieNubren »

Plueschwuschel hat geschrieben: 14.07.2019, 19:33
Eins der ganz großen Themen unserer Zeit ist Gleichberechtigung. Wenn wir damit nicht innerhalb unserer Familien anfangen, höre ich unsere Töchter in 25 Jahren jetzt schon über die gleichen Sorgen klagen.

Es klingt irgendwie kitschig, aber in einer wirklich gleichberechtigten Beziehung ist nahezu alles möglich. Besonders eben der WIRKLICHE Beziehungsaufbau. Mama spielt auch mal gerne wild und möchte alle Fünfe gerade sein lassen, schafft es aber vor lauter Notwendigkeit der Pflichterfüllung nicht, sieht darüber die Beziehung zum Kind potentiell belastet? Systemfehler!
Ganz toller Beitrag!!! Danke dafür!
(Nur der Übersichtlichkeit halber von mir gekürzt)
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Meerhuhn
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von Meerhuhn »

Ich kann mich den anderen anschließen.
Du musst auch lernen Verantwortung abzugeben. Ich bin immer noch dabei 😉 Warum kann der Papa denn nicht Zähne putzen, wenn er doch so früh da ist?
Und ihr solltet euch einig sein über so etwas wie Süßigkeiten etc. Da müsst ihr an einem Strang ziehen. Wenn Schlafenszeit ist, dann ist es gut, wenn ihr das beide so vermittelt.
Um dir vielleicht deine Ängste zum Teil zu nehmen: ich bin seit Geburt quasi hauptverantwortlich fürs Kind. Inklusive all der unschönen Dinge, wie verbote usw. Mein Kind ist aber totales Mamakind. Merklich eben auch deswegen, weil ich am ehesten weiß, was er gerade braucht. Weil er weiß, dass ich immer für ihn da bin. Natürlich ist das der Papa auch. Aber es ist eben doch eine besondere Nähe zwischen uns, weil wir von kleinauf so viel Zeit miteinander verbracht haben. Und der Papa ist ein toller Papa! Der mit zunehmendem Alter auch mehr allein mit dem kleinen unternimmt (und dadurch eben auch planen, verbieten etc muss).
Am wichtigsten ist, dass dein Mann und du an einem Strang ziehen, dass ihr über eure rollen als eltern(teile) klar kommuniziert. Dann ist es möglich aus alten rollenmustern rauszukommen.
Kleiner Professor - April 2015
Muli
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Re: Cooler Papa, strenge Mama?

Beitrag von Muli »

Bei uns ist das auch ein bisschen so, aber ich glaube, das ist nunmal das Los desjenigen, der die meiste Zeit im Alltag mit den Kindern verbringt. Aber ich glaube, meine Jungs wissen jetzt mit 3 und 6 schon, dass auch ich trotz der blöden Sachen auch coole Sachen mit ihnen mache und vorallem immer für sie da bin. Und wie schon jemand schrieb, ich bekomme halt auch die schönen Dinge im Alltag eher mit. Bei meinem Großen hat mein Mann etwas an "Beliebtheit" eingebüßt, als er sich nach der Geburt des Kleinen im Wochenbett hauptsächlich um ihn gekümmert hat und da dann auch mal unbeliebte Maßnahmen ergreifen musste. Und was bei uns glaube ich auch echt hilft, ist dass mein Mann die Kinder an meinen Arbeitstagen allein fertig macht und wegbringt.
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