Ich glaube, du verstehst den Begriff "Gewalt" hier anders, als die Autorin ihn verwendet. Ich habe jetzt nicht viel gelesen, aber ich verstehe ihn in dem Zusammenhang so, wie er für politische "Gewaltenteilung" benutzt wird. Im Grunde als Synonym für "Macht". Danach hat der, der die legitime Gewalt ausübt, in der Familie das Sagen. Das war früher rechtlich und tatsächlich typischerweise der Vater. Das hat aber gar nichts mit der Frage zu tun, ob der Vater gewalttätig war und ob das rechtlich erlaubt ("legal") war.
Film Elternschule im Kino
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Elena
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Re: Film Elternschule im Kino
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Re: Film Elternschule im Kino
Warum muss dann die gute Macht noch extra in dem gleichen Satz erwähnt werden, wenn die Gewalt doch als Macht zu verstehen ist?f
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Elena
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Re: Film Elternschule im Kino
Ich verstehe den Satz "Legitime Gewalt und gute Macht verkörperte der Vater.." so, dass der Vater sowohl derjenige war, der das Sagen hatte, als auch derjenige, der für die Familie sorgte, sie schützte, ernährte. Im Grunde sind das zwei Seiten einer Medaille: Legitime Gewalt ist das Recht, das Geschick der Familie zu bestimmen. Die gute Macht ist gleichzeitig die Pflicht, für sie zu sorgen.Pelufer hat geschrieben: 09.07.2019, 10:12 Warum muss dann die gute Macht noch extra in dem gleichen Satz erwähnt werden, wenn die Gewalt doch als Macht zu verstehen ist?f
"Gewalt" im Sinne von Prügelstrafe passt da gar nicht in den Kontext, finde ich? Dann stünde da doch auch nicht "Legitime Gewalt verkörperte der Vater", sondern sowas wie "Ausübung körperlicher Gewalt durch den Vater war legitimiert".
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Elena
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Re: Film Elternschule im Kino
Ich finde es aber trotzdem irgendwie schräg, was sie in dem von Soda verlinkten Artikel schreibt:
"In der kindzentrierten Familie sind nicht länger Sexualität und gemeinsamer Haushalt Grundlage der Ehegründung, sondern das gemeinsame Kind."
Joah, man könnte auch sagen, da läuft das evolutionäre Programm ab. Vögel bauen auch erstmal das Nest und paaren sich, danach sind sie, bis die Kleinen flügge werden, nonstop mit deren Ernährung beschäftigt. Sexualität und gemeinsamer Haushalt sind ja schön und gut, aber biologisch gesehen ist deren Zweck die Fortpflanzung. In dem Artikel klingt es so, als ob ihnen per se ein besonders hoher Wert zukommen müsste.
Auch dass die Autorin sich wundert, dass bislang viel mehr die Rede vom Kindeswohl war als vom Elternwohl, finde ich erstaunlich. Immerhin sind Eltern typischerweise erwachsene Menschen und deshalb schon per Gesetz für sich selbst und ihr Wohl verantwortlich. Das ist bei Kindern nunmal anders.
"In der kindzentrierten Familie sind nicht länger Sexualität und gemeinsamer Haushalt Grundlage der Ehegründung, sondern das gemeinsame Kind."
Joah, man könnte auch sagen, da läuft das evolutionäre Programm ab. Vögel bauen auch erstmal das Nest und paaren sich, danach sind sie, bis die Kleinen flügge werden, nonstop mit deren Ernährung beschäftigt. Sexualität und gemeinsamer Haushalt sind ja schön und gut, aber biologisch gesehen ist deren Zweck die Fortpflanzung. In dem Artikel klingt es so, als ob ihnen per se ein besonders hoher Wert zukommen müsste.
Auch dass die Autorin sich wundert, dass bislang viel mehr die Rede vom Kindeswohl war als vom Elternwohl, finde ich erstaunlich. Immerhin sind Eltern typischerweise erwachsene Menschen und deshalb schon per Gesetz für sich selbst und ihr Wohl verantwortlich. Das ist bei Kindern nunmal anders.
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Re: Film Elternschule im Kino
Sie schreibt ja nicht, dass es falsch ist, dass Sex und Haushalt nicht mehr zuerst kommen. Sie sagt nur, bisher war es so.
Wobei das ankommen des Kindes für Jahrhunderte DER Grund war, einen Haushalt zu gründen. Passt also auch kulturell gesehen nicht.
Wobei das ankommen des Kindes für Jahrhunderte DER Grund war, einen Haushalt zu gründen. Passt also auch kulturell gesehen nicht.
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Elena
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Re: Film Elternschule im Kino
Das schon, aber der Schluss ihres Artikels klingt für mich so, als ob sie den kindzentrierten Blick als problematisch empfindet und es als notwendig ansieht, dass die Eltern (endlich? wieder?) in den Blick kommen.thuri hat geschrieben: 09.07.2019, 10:58 Sie schreibt ja nicht, dass es falsch ist, dass Sex und Haushalt nicht mehr zuerst kommen. Sie sagt nur, bisher war es so.
Eben, finde ich auch. Ich verstehe nicht, welche Zeit sie da mit "heutzutage" vergleicht. Steinzeit? Mittelalter? 50er Jahre?Wobei das ankommen des Kindes für Jahrhunderte DER Grund war, einen Haushalt zu gründen. Passt also auch kulturell gesehen nicht.
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- Pelufer
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Re: Film Elternschule im Kino
Die Prügelstrafe war bis vor 20 Jahren durchaus noch legitimiert. Es ist auch gar nicht so lange her, da war Gewalt gegen die Ehefrau legitimiert, und der Zeitraum vor 1970, deutet für mich schon auf körperliche Gewalt hin.Elena hat geschrieben: 09.07.2019, 10:26Ich verstehe den Satz "Legitime Gewalt und gute Macht verkörperte der Vater.." so, dass der Vater sowohl derjenige war, der das Sagen hatte, als auch derjenige, der für die Familie sorgte, sie schützte, ernährte. Im Grunde sind das zwei Seiten einer Medaille: Legitime Gewalt ist das Recht, das Geschick der Familie zu bestimmen. Die gute Macht ist gleichzeitig die Pflicht, für sie zu sorgen.Pelufer hat geschrieben: 09.07.2019, 10:12 Warum muss dann die gute Macht noch extra in dem gleichen Satz erwähnt werden, wenn die Gewalt doch als Macht zu verstehen ist?f
"Gewalt" im Sinne von Prügelstrafe passt da gar nicht in den Kontext, finde ich? Dann stünde da doch auch nicht "Legitime Gewalt verkörperte der Vater", sondern sowas wie "Ausübung körperlicher Gewalt durch den Vater war legitimiert".
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Re: Film Elternschule im Kino
Ich habe jetzt von der Autorin nur den verlinkten Text und dann den Hintergrundtext gelesen (der, wie ich es verstanden habe, eben kein Fachtext ist, sondern für das Booklet zur "Elternschule"-DVD geschrieben wurde?) und bin auch über die Stelle mit der legitimen Gewalt gestolpert. Weil ich mich frage, ob die "neutrale" Lesart, wie von Elena erklärt, wirklich intendiert ist oder ganz bewusst mit der Doppeldeutigkeit von "legitim" gespielt wird.
Für mich hinterlassen die Texte, gerade zusammen, ein "Geschmäckle". Ich finde die Einordnung interessant und habe kein Problem, dass der Fokus (auch!) auf das Elternwohl gelenkt werden sollte. Aber so, wie Kinderrechte in diesen Texten mal eben in Nebensätzen auftauchen, bereitet es mir irgendwie Bauchschmerzen.
Die Stelle mit dem Fokus, der von Sexualität und Haushalt hin zu den Kindern wandert, finde ich in der Knappheit auch sehr merkwürdig. Die Menschheit hatte doch bisher nie die Möglichkeit, in einer Partnerschaft Sexualität unabhängiger von den Kindern zu leben, als heute?
Den Film habe ich leider nicht gesehen. Dazu fehlt mir gerade einfach die kinderfreie Zeit. Was mich and er momentanen Berichterstattung aber sehr verwundert (und wütend macht), ist dass es doch eine ganze Reihe von Stellungnahmen von Verbänden gab und diese komplett ignoriert werden. Lieber wird über die aufgehitzten Gemüter von Eltern hergezogen - was soll das?
Für mich hinterlassen die Texte, gerade zusammen, ein "Geschmäckle". Ich finde die Einordnung interessant und habe kein Problem, dass der Fokus (auch!) auf das Elternwohl gelenkt werden sollte. Aber so, wie Kinderrechte in diesen Texten mal eben in Nebensätzen auftauchen, bereitet es mir irgendwie Bauchschmerzen.
Die Stelle mit dem Fokus, der von Sexualität und Haushalt hin zu den Kindern wandert, finde ich in der Knappheit auch sehr merkwürdig. Die Menschheit hatte doch bisher nie die Möglichkeit, in einer Partnerschaft Sexualität unabhängiger von den Kindern zu leben, als heute?
Den Film habe ich leider nicht gesehen. Dazu fehlt mir gerade einfach die kinderfreie Zeit. Was mich and er momentanen Berichterstattung aber sehr verwundert (und wütend macht), ist dass es doch eine ganze Reihe von Stellungnahmen von Verbänden gab und diese komplett ignoriert werden. Lieber wird über die aufgehitzten Gemüter von Eltern hergezogen - was soll das?
lunovis mit dem großen Sohn (9/13), der ziemlich großen Tochter (9/16), dem großen Kleinen (10/19), der Babymaus (5/24), den Sternengeschwisterchen und ganz besonders tollem Mann
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Re: Film Elternschule im Kino
Ich bin mir gar nicht sicher, ob dieser reißerische Artikel und das pdf von der gleichen Person stammen.
Und ich bin mir darüber im Klaren, dass das pdf aus dem Booklet zum Film stammt (steht ja drüber).
Allerdings hätte ich sehr gern mehr gelesen, um mir ein besseres Bild machen zu können. Leider finde ich nichts, und Pelufer sagte, einige Downloads seien nicht mehr sichtbar.
Und ich bin mir darüber im Klaren, dass das pdf aus dem Booklet zum Film stammt (steht ja drüber).
Allerdings hätte ich sehr gern mehr gelesen, um mir ein besseres Bild machen zu können. Leider finde ich nichts, und Pelufer sagte, einige Downloads seien nicht mehr sichtbar.
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Re: Film Elternschule im Kino
Wenn man dem Begriff „Kindzentrierung“ zugrunde legt, dass das Leben nach dem Kind ausgerichtet wird, sich alles in erster Linie und dauerhaft ums Kind dreht, dann IST das auch problematisch. Das sehe ich durchaus so.Elena hat geschrieben: 09.07.2019, 11:04Das schon, aber der Schluss ihres Artikels klingt für mich so, als ob sie den kindzentrierten Blick als problematisch empfindet und es als notwendig ansieht, dass die Eltern (endlich? wieder?) in den Blick kommen.thuri hat geschrieben: 09.07.2019, 10:58 Sie schreibt ja nicht, dass es falsch ist, dass Sex und Haushalt nicht mehr zuerst kommen. Sie sagt nur, bisher war es so.
Ich möchte auch nicht mit Tieren mich vergleichen, denn der Unterschied ist eben gerade der, dass Menschen für mehr als Fortpflanzung geboren werden. Wir können nach Glück streben, nicht nur nach Bedürfnis- oder Trieberfüllung.
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