Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

Blumee hat geschrieben: 28.02.2018, 08:40Krass, und dein Sprößling möchte von sich aus eine vierte Sprache lernen, verstehe ich das jetzt richtig? Toll! Wie kommt er denn in Kontakt mit SP?
naja, ob er eine vierte sprache LERNEN will mit allen implikationen - er findet es total lustig, er mag auch glaub das vokabeln abfragen und dann drüber lachen (mein mann spricht spanisch). und ihn begeistert das teilweise ähnliche (tetto - techo (wenn es so geschrieben wird, ich kann so viel spanisch wie mein kind ;-) ) und das total unterschiedliche (bambina - muchacha).

er kommt drauf, weil der große bruder spanischen ska liebt :D und da er generell musiktexte versteht (wir hören kaum je musik, die nicht deutsch, englisch oder italienisch ist), stört ihn das glaub fast ein bisschen, dass er nicht weiß, worum es in den liedern geht. ich bin wirklich beeindruckt, wie gut er englische texte gesungen versteht.
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Misurina
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Misurina »

Hier 2 Kinder mit je 2 Sprachen, deutsch und italienisch, das Deutsche ist stärker. Die Große spricht mehr italienisch, auch am Telefon mit den italienischen nonni,
spannend war jetzt in der Grundschule, dass beide dieses Grundschulenglisch hatten. Die Große konnte es gaaar nicht aussprechen, wobei man sagen muss, dass es die Lehrerin auch recht langweilig (und wenig) aufgezogen hat. Jetzt in der 4. hatten sie dann wohl erst eine, die es selbst richtig ausspricht und bei den Kinder auch insistiert hat, zuerst große Verzweiflung, dann habe ich das in die Hand genommen, wir haben gelesen, Bilderbücher, Musik gehört. Jetzt klappt es besser.
Aber für die 5. hat sie sich unbedingt französisch aussuchen wollen, bilingual. Was anderes war nicht. Sogar die Schule ihres besten Freundes kam nicht in Frage, da sie sich für genau diese Fremdsprache entscheiden wollte. Ich glaub, das passt auch echt besser zu ihr.

Die Kleine hingegen hat auch in der Schule englisch, das erste was sie gemacht haben, war ein Bilderbuch auf englisch, welches wir auf italienisch hatten. Und war begeistert. Und spricht es intuitiv richtig gut aus! Auch zuhause, wenn wir was singen, kann sie das total gut.

Noch was nettes von heute Morgen: Großkind hat eine Karte für Papa gebastelt:
"Papa, tu sei il Papa piu bello e bravo di tutto'l mondo. Tanti auguri al giorno di Papa" "Grazie per tutto ce ai fatto sempre per me."

Ganz ohne meine Hilfe, einfach von sich aus, mit kleinen Fehlerchen, aber soooo süß.
Nusserl hat geschrieben: 28.02.2018, 08:52 Die grosse jetzt in der Schule Englisch, aber sie versteht nicht, warum man Vokabeln lernen muss.
Darauf bin ich bei uns auch sehr gespannt. Bisher ging ja alles immer "einfach so"
Misurina mit Winterkind 2009 und Frühlingsmädchen 2012
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thumbelina
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von thumbelina »

Unser 4jähriger wächst zweisprachig auf (Mutter deutsch, Vater englisch).

Uns begegnet immer wieder das Vorurteil, dass zweisprachige Kinder später sprechen lernen. Da er Late Talker war und Hörprobleme hat (wiederkehrende Paukenergüsse, OP steht bald an), dementsprechend Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, musste ich ziemlich darum kämpfen, dass das medizinisch abgeklärt wird und nicht auf “ist halt zweisprachig, die sind immer später dran...“ geschoben wird.

Mit 2 1/4 kam die langersehnte Vokabelexplosion und er begann Sätze zu bilden. Interessanterweise sprach er bis er mit 3 in der Kita eingewöhnt war fast ausschließlich die Vatersprache (Nichtumgebungssprache), auch oft zu mir. Erst mit der Kita schlug das um aufs Deutsche was zu erwarten war, aber wir hatten an einer Studie zur Sprachentwicklung bei deutsch/englisch aufwachsenden Kindern teilgenommen und auch von der Uni kam die Rückmeldung, dass unser Kind mit dem Verhalten eher ungewöhnlich reagiert hat.
Mit 3 1/2 Jahren verstand er plötzlich nach einem Besuch der englischen Oma, dass die Sprachen verschieden sind und fragte danach eine ganze Weile ständig welche Personen jeweils welche Sprache sprächen.
Kurz danach klappte es auch mit dem Ansprechen in der jeweils richtigen Sprache.

Jetzt ist er 4,2 Jahre alt und kann adäquat antworten in der Sprache in der er angesprochen wurde. Nur Vokabellücken werden aufgefüllt mit Worten, die er aus der jeweils anderen Sprache kennt und es wird fleißig codeswitching betrieben, aber immer nur phasenweise.

Wir videotelefonieren oft mit der englischen Familie und bieten die meisten Medien auf englisch an. Eine Weile haben wir mal eine englischsprachige Spielgruppe besucht, aber der Termin hat uns langfristig leider nicht gut gepasst.
In der Kita gibt es einige Kinder, die kein/kaum deutsch und nur englisch sprechen, mit denen mein Kind dann auf englisch spielt, das finde ich immer sehr niedlich zu beobachten.
nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

thumbelina hat geschrieben: 01.06.2019, 17:06 Unser 4jähriger wächst zweisprachig auf (Mutter deutsch, Vater englisch).

Uns begegnet immer wieder das Vorurteil, dass zweisprachige Kinder später sprechen lernen. Da er Late Talker war und Hörprobleme hat (wiederkehrende Paukenergüsse, OP steht bald an), dementsprechend Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, musste ich ziemlich darum kämpfen, dass das medizinisch abgeklärt wird und nicht auf “ist halt zweisprachig, die sind immer später dran...“ geschoben wird.
Das war bei uns genauso. Die Kinderärztin meinte damals sogar mal, seine Aussprache wäre so schlecht, weil er ja täglich mein schlechtes Spanisch hören würde. Nur die Schwiegerfamilie hat immer gesagt "Ganz der Papa, den hat als Kind auch keiner verstanden".

Also bei uns lag es nicht an den Ohren sondern an einer familiären Sprachverzögerung. Aber mit Zweisprachigkeit hatte das wenig zu tun.
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Larala
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Larala »

thumbelina, das ist ja aergerlich, dass du so um die medizinische Abklaerung kaempfen musstest. Zweisprachige Kinder koennen spaeter sprechen, muessen aber nicht. Meine Tochter ist im Moment sogar eher etwas schneller als andere mit dem Sprechen. Und es gibt natuerlich auch noch andere Gruende, warum ein Kind langsam sprechen lernt :roll:

Meine Tochter hat scheinbar erkannt, dass Mama und Papa zwei verschiedene Sprachen sprechen. Wenn einer von uns ein Lied singt oder ein Buch vorliest in der Sprache, die fuer uns die jeweilige Fremdsprache ist, unterbricht sie sofort und sagt: "Mama beter" bzw. "Papa beter" (beter = besser) und geht zum anderen Elternteil, der die Sprache besser beherrscht.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Nusserl »

Eine Kinder sind ja mittlerweile 5, 7 und fast 11.
Alle drei zeigen die familiär bedingte Sprachverzögerung. K2 kommt mehr macht GG, die hatte nur kurz Logopädie nötig. Bei K3 hat die Kindergartenlehrerin massiv Druck gemacht, dass die Logopädie in der ersten Kindergartenwoche startet. Das zeigte Wirkung, aber ich bin mir sicher, dass die Therapie auch im 2. Kindergartenjahr weiter geht.

K1 ist jetzt in der 4. Klasse und hat endlich verstanden, dass sie in Englisch Vokabeln lernen muss. Ihre Aussprache ist schlimm. Seeehr Italienisch. Nächstes Jahr kommt Französisch dazu.

K3 startet im Herbst mit dem Italienisch Unterricht des Konsulats. Ich muss mal fragen, ob sie die nächsten Wochen schon mal probeweise mit K2 mitgehen kann. Die durfte nämlich auch 3-4 mal mit K1 gehen, damit sie schon alles kennt.
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nido56
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Interessanter Weise ist mein Sohn, bei dem die Zweisprachigkeit ja grandios gescheitert ist und der total unfähig ist, Deutsch zu lernen, in Englisch gar nicht so schlecht. Ich hatte ja das schlimmste erwartet, aber das klappt echt ganz gut.
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tania
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

hier ist der kleine mit sechs fließend und fehlerfrei in englisch und deutsch und der große mit zehn fließend und fehlerfrei in deutsch und italienisch. sein englisch ist wirklich ok. das italienische des kleinen ist etwas zurückgeblieben, obwohl wir schon immer hier leben.
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von odakko »

Tragling ist heute in eindrucksvolle Wuttränen ausgebrochen, als ich mit "No, [Tragling]" verboten habe, mit dem Messer zu spielen. War zwar wahrscheinlich eine Reaktion auf den Tonfall, aber hey, zumindest der kommt auf Deutsch wie auf Englisch durch :lol:
Ohne eigene Kinder, aber mit Tragling (06/18) ... häh? Details gibt's hier ;)

Momentan wenig hier.
Klarrti
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Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Klarrti »

Ist es noch nicht zu spät mit einer 3 Jährigen mit der 2. Sprache anzufangen? Und wie fängt man da an, erst mit übersetzen oder mit Bilderbüchern ohne übersetzen?
Der Hintergrund ist folgender, meine Muttersprache ist russisch, aber ich bin mit 11 Jahren nach Deutschland gekommen, also nun vor 30 Jahren. Wir reden in der Familie hauptsächlich deutsch, aber halt nicht nur. Mein russisch ist aber schon ziemlich auf dem kindlichen Niveau geblieben. Deswegen habe ich mit unserer Tochter auch nie russisch gesprochen, singe aber immer wieder mal Kinderlieder auf russisch. Auch sonst hört sie die Sprache ab und an. Jetzt wollte sie mit mir vor 2 Tagen ein russisches Lied zusammen singen und ich war erstaunt wie gut sie es konnte. Ich habe sie am nächsten Tag gefragt, ob sie die Sprache lernen möchte und ihr dann einige Gegenstände und Handlungen auf russisch gesagt und sie wollte dann immer die Übersetzung dazu haben. Wie geh ich am besten vor? Mit ihr versuchen russisch zu sprechen? Aber ich befürchte ich stoß an meine Grenzen mit den Vokabeln. Meine Eltern in die Pflicht nehmen?
mit der Löwin 08/16 an der Hand.
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