"Good-Enough-Mothers-Club"

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Nusserl
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Nusserl »

Februarmama
Das ist doch echt unmöglich im 21. Jahrhundert zu sagen, dass dein BEruf nicht familienkompatibel ist. Deinem Mann hätte das vermutlich niemand gesagt. :twisted:
Du hast dir deinen Beruf gut überlegt ausgesucht. Er ermöglicht dir vermutlich im Notfall dich und dein Kinder selber zu ernähren. Du wirst eine anständige Pension erhalten. Also: alles richtig gemacht!
Und das Kind wird ja wohl die tage, wo du nicht bist alleine zuhause sitzen. Der Vater wird wohl (mit Unterstützung der Grossfamile, externer Betreuung,...) das Kind schon schaukeln.
Glücklich mit drei Mädels und Mann
07/2008, 11/2011 und 04/2014
Serafin
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Serafin »

Och, hier im Kiga gibts auch eine Pilotin als Mama. Scheint auch mit zweien recht gut zu funktionieren. Sie macht Langstreckenflüge in die USA.
kleiner Maulwurf 12/15
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Februarmama
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Februarmama »

Danke ihr Lieben! Ich habe ein Riesenglück mit meinem Freund der beruflich wenig Ambitionen hat und der am allerliebsten Hausmann wäre. (Was ich nicht möchte weil ich nicht alleine die finanzielle Verantwortung für unsere Familie tragen möchte, vor allem nicht in einem Beruf wo von heute auf morgen Schluss sein kann, weil man seine Flugtauglichkeit verlieren könnte)

Der Übergang von 24 Stunden bei meinem Baby zu mehrere Tage am Stück weg wird bestimmt hart- am härtesten vermutlich für mich selbst.
Aber die Vorteile habt ihr ja schon geschrieben: ich werde nach 4 Tagen komplett weg, auch 4 Tage komplett zu Hause sein und muss dann auch nicht an den Schreibtisch oder Stress haben dass irgendeine Arbeit in meiner Abwesenheit liegen geblieben ist...

Und noch ein „egoistischer“ Vorteil: ich werde unterwegs auch automatisch Zeit für mich selber haben, um dann hoffentlich mit frischen Akkus wieder Mama sein zu können.
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Februarmama »

Und DANKE, dass euch das auch so wütend macht, was sich berufstätige Frauen immer noch alles anhören müssen, wo bei Männern keiner dran denkt 😡
Ich finde es auch jedes Mal eine Beleidigung an meinen Freund wenn mich jemand entsetzt fragt „aber wo bleibt denn dann dein Kind wenn du fliegen gehst???“

Und wenn ich in den Spielzeugkatalogen dann ständig die kleinen Jungs mit Holzflugzeugen und die Mädels in der Puppenküche sehe wundert es mich auch gar nicht mehr warum so wenig Frauen in technischen Berufen arbeiten und so wenig Männer in sozialen Berufen...

Puh ihr merkt, beim Thema Feminismus und Gleichberechtigung werd ich schnell emotional 😆
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Februarmama »

Um noch mal zum eigentlichen Thema zurück zu kommen- ich habe auch ein schlechtes Gewissen was meinen Handykonsum angeht. Weil ich merke wie die kostbare Babyzeit verfliegt und ich eigentlich jeden Moment auskosten möchte und gleichzeitig aber auch meine „Auszeiten“ im Internet brauche...
Meine Oma (80+) kritisiert zum Beispiel ganz regelmäßig die vielen Mütter und Väter die sie in der Stadt trifft und die statt mit ihren Kindern, mit dem Handy beschäftigt sind.
Meine Überlegung und Rechtfertigung dazu ist folgende:
Meine Oma hat 40 Stunden in der Woche arbeiten müssen und nach der Arbeit noch per Hand die Wäsche waschen und bügeln müssen, kochen, putzen, Gartenarbeit und ja- die Kinder waren da zum Teil dabei und haben geholfen- aber sie hat ganz bestimmt nicht stundenlang mit ihren Kindern hingebungsvoll gespielt und ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Auf den Spielplatz ging es an Sonntagen wenn Zeit dafür war und wenn die Kinder friedlich gespielt haben, hat sie auch gerne mal ein Buch gelesen.
Eltern in unserer Generation haben viel mehr Freizeit mit ihren Kindern als früher und auch wenn sie einen Teil dieser Freizeit am Handy verdaddeln bleibt unterm Strich vermutlich doch mehr „quality time“ mit den Kindern...

Ich werde weiterhin danach streben weniger Zeit vorm Bildschirm zu verbringen, aber werde auch versuchen nicht mehr so streng mit mir zu sein!
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Pupu
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Pupu »

Hier trete ich auch gern bei. Am Anfang wollte ich alles perfekt machen, aber stellte schnell fest - geht nicht, das bin nicht ich ;) Ich gestehe mir also mehr und mehr auch Schwächen zu, finde es okay, auch mal keine Lust zu haben, und bei vielen Sachen lernt man auch aus Erfahrung, was wirklich wichtig ist. Zum Beispiel Kindergeburtstag: den stundenlang liebevoll gebackenen und aufwändig dekorierten Kuchen isst eh keiner so wirklich, am glücklichsten sind die Kinder mit Süßigkeiten, Popcorn und Eis. Also gibt es Süßigkeiten, Popcorn und Eis ;) Und einen einfachen, bei Zeitmangel auch gekauften, Alibikuchen mit Schlagsahne und ein paar Streuseln und Kerzen zum Auspusten. Good enough!

Plätzchen wollte ich eigentlich auch backen mit den Kindern, aber ich bin nicht dazu gekommen. Also habe ich fertige Pfefferkuchen und zwei Tuben Zuckerguss gekauft, den Mädels in die Habd gedrückt und sie machen lassen. Kinder glücklich, was will man mehr?

Früher habe ich vor Anlässen mit Besuch immer panisch versucht, die Wohnung bis auf den letzten Winkel perfekt sauber zu haben. Mittlerweile habe ich mir da eher eine scheißegal-Haltung zugelegt. Man kann durchlaufen, das Klo ist geputzt, man setzt sich nicht auf was klebriges = aufgeräumt. Good enough.

Ich muss noch immer an mir arbeiten, aber es lebt sich einfach entspannter, wenn man sich nicht ständig aufgrund von unerfüllten Idealvorstellungen selbst zerfleischt.
Lg aus Finnland von Pupu mit Wildgurke 🥒 (02/09), Quatschbanane 🍌 (08/11) und zwei Minimöhrchen 🥕🥕 (07/17)

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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von NudelSalat1234 »

Bin noch fast Neu-Mama, merke aber jetzt schon, dass zu hohe Ansprüche mich eher zu einer schlechteren, weil ungeduldigeren Mutter machen. In diesem Sinne: Bin ich, wenn das Baby nölig wg müde ist, ganz oft geduldig und ertrage das Schreien o.ä. liebevoll. Manchmal nervt es mich aber einfach und ich bin auch nölig und motzig. Good enough :D
Mit Sommerengel 7/2018 und Frühlingsherzblatt 2/2021
Lösche Benutzer 8492

Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Lösche Benutzer 8492 »

Beim ersten Lesen fand ich die Idee dahinter ganz gut, aber je mehr ich darüber nachdenke... Ich finde, good enough klingt schon irgendwie abwertend? Und eigentlich strebt doch jede Mutter danach alles perfekt zu machen?

Warum ändert ihr nicht einfach die Definition von perfekt? Perfekt ist man doch nicht, wenn man die 63473729 Sorten Kuchen und Muffins zum Geburtstag backt und einen supertollen, durchdachten Geburtstag mit 12345 Gästen und liebevoll handgemachten Gastgeschenken veranstaltet? Zumindest nicht, wenn man da keine Ambitionen hat? Perfekt ist der Geburtstag doch, wenn die Kids Spass hatten (was sie im Indoorspielplatz genauso haben wie zu Hause bei einer super geplanten Party) und Mama nicht 3 Tage Erholung braucht?
Ebenso bei allem anderen - klar freuen sich die Kinder, wenn ihr Rollenspiele mitspielt. Aber basteln, vorlesen oder so ist doch genauso gut? Wichtig ist ihnen doch meist eher, dass wir Zeit mit ihnen verbringen?

Genauso bei der Arbeit - perfekt ist es doch, wenn Mama und Papa einen Weg finden, dass beide zufrieden sind UND genug Geld für den gewünschten Lebensstandard da ist? Ob das nun, Papa arbeitet voll, Mama ist zu Hause, beide arbeiten und nutzen Fremdbetreuung oder sonst eine Art ist, ist doch erstmal egal.

Wir haben alle so viele verschiedene Eigenschaften, Begabungen und Interessen - wieso müssen wir dann das gleiche Ideal erreichen? Bzw. reden uns ein, wir müssten es?
Es versucht doch jeder (gerade hier im Forum), mit seinen Kindern im Rahmen SEINER Möglichkeiten alles so gut wie möglich zu machen - warum reicht das nicht, um perfekt zu sein? Warum ist das dann nur gut genug?
Unser "Abendritual" sieht quasi so aus, dass die Kids TV gucken während ich nochmal durchschnaufe, damit ich hinterher genug Nerven habe um das ins Bett bringen zu überstehen. Dann putzen wir Zähne und wenn wir nicht zu spät sind, lese ich was vor. Und genauso ist es für uns perfekt - nicht nur gut genug. Klar kann einen Ablauf, von dem ich hier oder sonst wo lese, imitieren. Dann spielen wir erst noch was (führt gerade im müden Zustand bei uns gerne zu Streit), ich lese noch lange vor (irgendwann schlafe ich dann vermutlich ein, da ich eh k.o. bin), singe ein Gute-Nacht-Lied (total schief, da schläft keiner)... Wenn ich das zusammenfasse, klingt das natürlich nach Übermutter - dass ich danach total aggressiv und völlig fertig bin schreibe ich ja nicht dazu - aber damit ist das dann auch nicht perfekt? Unser Abend passt für uns, wenn ich Kinder hätte, die total auf TV reagieren, würde ich es nicht so machen, bei meinen macht das keinen Unterschied...

Sorry für den langen Text, aber ich finde es schade, dass man seine eigene Leistung irgendwie runtermacht, in dem man sie als "good enough" bezeichnet...
Vemala
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Vemala »

There's no way to be a perfect parent. But a million ways to be a good one. 😉

Wildmotzi, ich kann Deinen Ansatz verstehen, und im Prinzip läuft es ja aufs gleiche raus. Wie legen wir die Worte aus? Perfekt hat halt für viele schon was angestrengtes. Gut genug klingt erstmal abwertend, aber für mich nicht mehr im Gegensatz zu perfekt. Aber vielleicht können wir ja das "genug" streichen und einfach gute Mütter sein 😊

Ich geselle mich gern dazu. Grade dieses Jahr merke ich, wie wichtig es ist, mich vom Perfektionismus zu lösen. Ich lebe seit 2 Monaten räumlich getrennt und plötzlich ist ganz wenig Adventszeit mit meinem Kind. Was wollte ich alles mit ihr machen: Lebkuchenhaus bauen, Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsmärchen, Schlittschuhlaufen, mot Freunden verabreden, basteln, Baum aussuchen... passt nicht alles. Grade Plätzchenbacken: sie war mit Freunden verabredet (bei uns), die drei haben Plätzchen gebacken. Passt. Nicht perfekt im Sinne des Erfinders (also ich), aber perfekt für mein Kind.
Baum hab ich halt ausgesucht, Verbredungen mit Freunden (von denen ich auch was hab) fielen aus. Weihnachtsmarkt und Märchen auch.
Ich war ziemlich geknickt zu Beginn der Adventszeit, aber heute denk ich, dass wir die wenige Zeit, die wir hatten, schön genutzt haben.
mit dem Mäusekind (05/2013)

I tell you, to be bored our life is just too short (Bukahara)
Lachtraube
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Lachtraube »

Toll, dass hier so viele mitschreiben möchten :) In vielen Beispielen finde ich mich auch wieder.

@Februarmama: Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Lesen auch dachte "Puh, das könnte ich nicht". Und dann habe ich darüber nachgedacht und mir ist eingefallen, dass ich Rahmen meiner Ausbildung auch mal 5 Tage auf einer Fortbildung war und meine Tochter von einer guten Freundin betreut wurde. Hier war es also nicht mal der Vater (weil kein Kontakt) oder sonstige Familie (weil keine Möglichkeit). Da war sie gerade 2 Jahre alt. Und tatsächlich waren die 5 Tage einfach nur toll! Ich wusste, dass meine Tochter gut betreut ist, ich konnte einfach mal wieder nur ich sein und hatte nach den 5 Tagen ganz neue Energie für meine Tochter. Ich habe sie ehrlich gesagt nicht mal großartig vermisst, der Zeitraum war ja überschaubar :)
Du schreibst, dass Du Dich ganz bewusst für eure berufliche und familiäre Situation entschieden hast und dann kann daran ja auch gar nichts falsch sein ;) Der erste Abschied nach 12 Monaten wird bestimmt etwas schwerer, aber danach werdet Ihr sicher in euren neuen Alltag hineinwachsen :)
Deine Smartphone-Schilderung kann ich auch sehr gut nachvollziehen :oops: Ich habe das Handy leider auch viel zu oft in der Hand, habe für mich aber noch keine gute Lösung gefunden, das ganze irgendwie gedrosselt zu bekommen. Wenn Du eine Idee hast, immer her damit ;)

@Mutterhenne: Ich gehöre auch eher zur chaotischen Fraktion ;) Momentan läuft es super, was anscheinend dem Nestbautrieb geschuldet ist :D Mir hilft es kleine Routinen einzubauen, damit das Chaos keine Überhand nimmt. Die Küche wird z. B. jeden Abend aufgeräumt, egal ob ich Lust habe oder nicht. Denn ich weiß, dass mir eine unaufgeräumte Küche morgens auf jeden Fall die Laune verdirbt. Leider reißen meine Routinen hin und wieder auch ein und dann komme ich mir wie Du auch schreibst so unperfekt vor. In Zukunft möchte ich aber weniger Zeit damit vertrödeln mich über mein "Versagen" zu ärgern, sondern mir einfach sagen, dass morgen ein neuer Tag ist und ich doch einfach wieder anfangen kann mit meiner Routine :)

Ich empfinde den Begriff "good enough" übrigens nicht abwertend, sondern wirklich erleichternd, aber das ist sicher Ansichtssache ;) Einige scheinen hier ja auch schon ein paar Schritte weiter mit ihrer Einstellung einer "(Nicht-)Perfekten-Mutter" zu sein als ich :oops: Für mich gibt es zurzeit eben noch häufig meine (unbegründeten) Idealvorstellungen vs. der Realität und dem Gefühl versagt zu haben. Aber eben genau deswegen habe ich diesen Beitrag eröffnet, um mich langsam davon zu lösen und endlich entspannter und zufriedener zu werden und damit auch eine bessere Mutter :)

Noch ein weiteres Beispiel: Töchterchen hat wie jedes Jahr einen selbstbefüllten Adventskalender. Kam auch jedes Jahr gut an. Dieses Jahr ist sie bei jedem zweiten Türchen am Motzen. Das bringt mich zur Weißglut, weil ich mir natürlich Gedanken gemacht und Mühe gegeben habe. Ich werde dann oft unfair und paule sie an :( Aber eigentlich hat sie mich ja gar nicht darum gebeten ihr solch einen Adventskalender zu gestalten. Und ganz eigentlich wusste ich auch, dass sie mit einem 0815-Schoko-Kalender super happy gewesen wäre. Da stand ich mir mit meiner Idealvorstellungen mal wieder selbst im Weg. Nächstes Jahr werde ich sie fragen, was sie lieber möchte und wenn es ein ganz einfacher Kalender sein soll, soll mir das doch eigentlich ganz Recht sein :)
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