"Good-Enough-Mothers-Club"

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Lachtraube
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"Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Lachtraube »

Ihr Lieben!

Ich bin hier erstmalig über den Begriff "good enough mother" gestolpert. Neugierig habe ich direkt Google gefragt, aber leider nicht all zu viel gefunden. Allerdings hat das bisschen, was ich gefunden habe, gereicht, um festzustellen, dass ich mir dieses Prinzip zukünftig gerne mehr zu Herzen nehmen möchte. Statt weiterhin zu versuchen alles perfekt und noch perfekter zu machen - und dabei kläglich zu scheitern - möchte ich mich auf das konzentrieren, was ich gut mache. Denn in meinem Wahn die perfekte Mutter sein zu wollen (und dabei bloß nicht zu werden wie meine eigene Mutter) gerate ich zunehmend an meine Grenzen und mache leider ganz vieles ganz und gar nicht perfekt. Nicht mal "good enough". Frust, Wut, Selbstvorwürfe und -zweifel stehen hier oft an der Tagesordnung. Und damit soll nun Schluss sein. Denn Dank meiner verständnisvollen, großherzigen Tochter weiß ich doch tief in mir drin, dass ich eine gute Mutter bin. Nicht perfekt, aber das muss ich für sie auch gar nicht sein. Gut genug reicht ihr :)

Ich hoffe, dass hier einige Mamis Lust haben, sich über die Dinge auszutauschen, die wir doch wirklich gut können und machen. Dabei geht es natürlich nicht darum sich aneinander zu messen, sondern die kleinen Dinge zu sehen und sich selbst als Mutter wertschätzen zu können :) Und an schlechten Tagen einfach mal daran erinnert zu werden, dass es anderen genau so geht und man nicht alleine mit seinen negativen Gedanken ist.


Und wo ich gerade eh am Schreiben bin, fange ich einfach mal an :)

Ich HASSE backen!!! Kuchen, Kekse, ganz egal. In 9 von 10 Versuchen gelingt mir der Teig nicht, die Küche sieht aus wie Sau und schmecken tut das Ganze auch nicht. In meiner Vorstellung der "perfekten Mutter" müssen aber natürlich zu Weihnachten Plätzchen gebacken werden - und dann natürlich mindestens drei verschiedene Sorten - und zum Kindergeburtstag gibt es natürlich im Kindergarten selbst gebackenen Kuchen oder Muffins und für die Familie ebenfalls. Ende vom Lied: Schon Tage vor dem Geburtstag bin ich genervt und gestresst und der Haussegen hängt zunehmend schief. Würde meine Tochter mich wohl weniger lieben, wenn ich ihr einfach einen Kuchen kaufen würde? Natürlich nicht! Wahrscheinlich werde ich es nächstes Jahr einfach mal ausprobieren und die Tage vor dem Geburtstag entspannt für mehr qualitative Mama-Tochter-Zeit nutzen ;) Und zu Weihnachten genügt vielleicht auch das EINE bewährte und gelingsichere Rezept für Ausstechplätzchen. Denn die anderen Kekse mag Töchterchen doch sowieso nicht ;) Und seien wir mal ehrlich, meinem Mann ist es auch egal ob die Kekse selbst gebacken oder gekauft sind.

(Achtung: Neben der perfekten Mutter wollen wir natürlich auch noch die perfekte Partnerin, Hausfrau, Schwiegertochter, Freundin, Karrierefrau usw. sein. Immer erfolgreich, entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen :))

Ich kann nicht spielen. Rollenspiele, Fantasie, ausgedachte Geschichten und Spiele, das ist einfach nicht meine Welt. Ich kann es nicht, es langweilt mich und macht mir keinen Spaß. Aber als "perfekte Mutter" muss ich natürlich die gesamte Bandbreite an Kinderbeschäftigung völlig entspannt und voller Freude beherrschen. Muss ich das wirklich? Reicht es nicht, dass ich mit meiner Tochter male, bastele, koche, Bücher lese und wir auch einfach mal Kinderfernsehen zusammen gucken? Und das alles mache ich WIRKLICH gerne. Muss ich mich dann trotzdem dafür schämen und schlecht fühlen, weil ich trotz ihrer Bitte nicht mit ihr mit den Ponys gespielt habe? Ich glaube eigentlich nicht. Heute glaube ich das. An einem schlechten Tag fühle ich mich wie eine Versagermutter :/


Das waren nun zwei Beispiele aus unserem Alltag und ich hoffe, dass sich einige finden, denen es ähnlich geht und wir uns gegenseitig einfach mal auf die Schulter klopfen können dafür, dass wir ausreichend gute Mütter sind :)
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Mutterhenne
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Mutterhenne »

Oh yeah, hier hänge ich mich dran. Ich komme mir derzeit jeden Tag so wahnsinnug unperfekt vor - irgendwie klappt alles nur zu 80% (wenn überhaupt).
Ich hasse Aufräumen, putzen und sowas. Bin da ein ganz schlechtes Vorbild. Mein Schreibtisch ist ein Gebirge aus 'das sollte mal...' und 'das hätte schon längst...', dazwischen auch ' das hat noch Zeit' und 'ich würde gern'.
Ich kann es wahnsinnig schlecht überspielen, wenn ich ein Spielzeug/eine Klamotte, die meine Tochter (ich unterstelle ja immer gern: Durch den Einfluss der Peers in der KiTa) ganz wunderhübsch findet, eher in die 'grauenhaft'-Ecke stellen würde. So 50 cm große Kuschel-Einhörner mit überdimensionalen Glitzeraugen z.B. Batteriebetriebene Zauberstäbe. Rosa Puppen mit rosa Fläschchen und rosa Schnullern. Lillifee-Zahnbürsten... Kann das Kind sich nicht wieder für Weltraum und Planeten interessieren? Das Thema war vor einem Jahr total in, da stand ein Teleskop auf dem Wunschzettel. Und jetzt? Besagtes Kuschel-Einhorn und eine Feenpuppe... Ich sollte diese Wünsche sicherlich annehmen ohne zu werten. Aber das packe ich nicht :-/...
Mir fiele da noch viel mehr ein (Rollenspiele z.B. kann mein Mann auch viel besser als ich)... Danke für den Thread!
"Die meisten Zitate im Internet sind falsch." (Aristoteles)

Grüße von der Henne
mit Superheldin (09/2013), Piepselchen (11/2018) und den Schutzengel-* (März 2012, November 2017, April 2021)
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Sabina
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Sabina »

Es hat doch immer alles (!) zwei Seiten. Wenn du das pinke Glitzerzeugs ohne Wertung annehmen kannst, ist das toll. Wenn nicht, dann ist das ebenfalls toll. Dann bost du nämlich authentisch.

Ich finde ich bin nicht good enough. Ich bin eine perfekte Mamma. Eben weil ich nicht perfekt bin sondern stinknormal. Und das macht mich dann ja trotzdem good enough...😄
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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AnnieMerrick
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von AnnieMerrick »

Mutterhenne, ich würde mich über Einhörner oder sonstwas freuen, Kind wünscht sich unerfüllbare nichtmaterielle Dinge. Gesundheit für xy, keine Operationen für ab.
Viele Grüße
AnnieMerrick mit 🐭 2014 und 🐦 2018
---
Ich reduziere meine Onlinezeit und antworte unter Umständen erst einige Tage später.
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rueckenwind
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von rueckenwind »

Ich finde die Idee hinter dem Austausch dieses Threads total gut - mir fällt jedoch auf, dass die meisten Beiträge bisher dazu tendieren, einen angenommenen Soll-Zustand zu beschreiben, den man aus irgendwelchen Gründen nicht erreichen kann. Ich ertappe mich dabei, dass ich genau so denke.

Aber wer sagt denn, dass eine tolle Mutter mit ihren Kindern Rollenspiele spielen und Plätzchen backen sollte? Warum müssen wir uns überhaupt mit einem Idealbild vergleichen? Und, belastender noch, viel zu oft mit anderen Frauen?

Sollten wir nicht öfter überlegen, was die geringste Anforderung ist, die für "gut genug' für uns persönlich ausreicht.

Für mich gehört dazu: meinen Kindern möglichst konstant das Gefühl zu vermitteln so wie sie sind richtig und geliebt zu sein, sie respektvoll zu behandeln, sie wachsen zu lassen und ohne belastend große Erwartungen an sie auch im Moment zu existieren, mich immer Mal wieder selbst zu hinterfragen, ihnen Freiheit zu ermöglichen und doch meist ansprechbar zu sein. Das sind so meine Basics, nicht immer zu meiner absoluten Zufriedenheit umgesetzt, aber auch das halte ich für durchaus wichtig, weil ich mich ja auch immer weiter verändern darf, Fehler machen und zugeben darf.
Dazu kommt dann natürlich noch meine Rolle als "Versorgerin" - der Rest (basteln, musizieren, spielen.....) sind Extras, schön und wertvoll aber nichts woran ich meine Qualitäten als Elternteil messen lassen muss.
T. mit Rumpeltochter (04.11), Purzelsohn (08.13) und Flitzeline (08.19)
Nusserl
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Nusserl »

Das ist doch einfach Prioritäten setzen.
Ich finde es wichtig, dass ich meinen Kindern ganz, ganz oft sage, dass ich sie lieb habe. Und sie ernst nehme.
Eine perfekte Mutter würde vermutlich nur ganz wenig ausser Haus arbeiten (zumindest wurde mir das in meiner Kindheit so antrainiert). Ich fühle mich besser mit 70% arbeiten und eine Weiterbildung machen. Und dafür die Zeit zuhause mit den Kids geniessen. Fremdbetreuung kennen meine Kinder vom Babyalter an. Momentan sind sie im Hort sehr glücklich und zufrieden.
Ja, ich habe nicht imemr alle Termine der Kinder perfekt im Kopf, aber im Gegenzug sind sie sehr früh selbstständig. Meine Vierjährige hat in den letzten Wochen gelernt, mich Montag abend zu erinnern, dass sie am nächsten Tag Turnen hat. Irgendwann wird sie mich auch an die Waldtage erinnern. Meine Grosse hat das alles super unter Kontrolle und für meine verplante Mittlere haben wir jetzt die Routine, dass ihre Schwimmsachen mindestens 1 Woche in der Schule rumhängen, damit sie jeden zweiten Freitag auch wirklich da sind.
Geburtstage zelebriere ich, weil ich meine als Kind immer enttäuschend fand. Aber nach fast 20 Kindergeburtstagen habe ich da eine Routine. Und weiss, wo ich Abstriche machen kann, ohne das es die Kinder stört. Ein Geburtstagsshirt/ Kleid ist ihnen wichtig. Das nähe ich teils aber schon 2 Monate im Vorraus. Zur Party gibt es Schokokuchen mit Deko. Die Deko kann aber ruhig gekauft sein. Und für Schule/Kindergarten reicht bei Zeitmangel auch eine Fertigbackmischung. Wichtig ist eine Schatzsuche. Die muss aber nicht perfekt gestylt und durchdacht sein. Es reicht, wenn wir durch Dorf marschieren, es ein paar Stationen gibt und am Ende Süsses.
Weihnachten muss ein Baum stehen und Geschenke drunter liegen. Ob wir alle perfekt gestylte Kleidung tragen und 5 verschieden Kekssorten haben, ist völlig nebensächlich. Dieses Jahr brechen wir mit der Tradition, dass das Christkind in der Nacht vor dem 24. den Baum schmückt (es ist echt doof an dem Abend ewig wach zu bleiben, damit es wirklich eine Überraschung ist). Wir stellen den Baum morgen Nachmittag auf und die Kinder schmücken. Die Grosse hat sogar eine Freundin eingeladen dazu, weil sie bei ihr auch mitschmücken durfte.
Ausserdem fahren wir hl. Abend nicht mehr zu meinen Schwiegereltern, da es dort einfach nur stressig ist. Die Kinder sind mega aufgeregt, meine Schwiegermutter vom Kochen überfordert und mein Schwiegervater schlecht gelaunt. Und wenn man was ändert, wirds noch schlimmer. Einmal haben wir erst um 21:15 was zu essen bekommen, weil mein Schwiegervater kochen wollte.
Dieses Jahr feiern wir alleine und fahren erst am 25. nach Italien. So sitzen die Schwiegis am 24. zwar alleine unterm Baum, aber haben die Enkelkinder dann trotzdem fast eine Woche um sich.

Also ich bin ganz zufrieden mit der Situation. Einfach schauen, wass alle Familienmitglieder brauchen und nicht was die perfekte Vorstellung ist.
Glücklich mit drei Mädels und Mann
07/2008, 11/2011 und 04/2014
Sibi
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Sibi »

Mein Anspruch an mich als Mutter: meine Kinder versorgen zu können. Materiell und emotional. Ich habe den Anspruch, sie zu begleiten, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht alleingelassen fühlen. Ich habe den Anspruch, wahrzunehmen, wenn einer Not leidet, egal in welcher Hinsicht und adäquat zu reagieren. Interessen und Begabungen zu erkennen und zu fördern. Kummer zu erkennen und zu erfahren. Nicht genervt zu sein, auch wenn es gerade mal wieder alles viel zu viel wird. Eine offene, positive Grundstimmung im Alltag - immer wieder Zeit und Lust für kleine Späße zu haben, auch wenn wir hier einen oft eng getakteten Tag haben. Kurz, dass die Kinder allesamt sich geliebt fühlen.

Und mir ist wichtig, meine Kinder im Notfall allein versorgen zu können. Also muss ich auf einem Niveau arbeiten, dass mir bestimmte Späße in Sachen Mütterwettstreit nicht erlaubt.

Was ich also nicht beanspruche: Die beste Köchin, Bäckerin, Partyorganisatorin, Mitspielerin zu sein. Seit ich mehr als ein Kind habe, bin ich als Spielpartner glücklicherweise eh nicht mehr gefragt. Ich bin lausig darin, dass hat meine große Tochter früh eingesehen. ;-)

Lachtraube,
ich möchte Deine Sorgen nicht kleinreden, aber ich glaube wirklich nicht, dass Dein Kind / Deine zukünftigen Kinder Deine Qualitäten als Mutter an der Menge an gebackenen Plätzchen messen.
Batinka
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Registriert: 21.08.2013, 21:31

Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Batinka »

Ich unterschreibe erstmal bei Rückenwind und hoffe, dass ich irgendwann Zeit finde ausführlicher zu schreiben.
Mini wohnt auf mir, und einhändig tippen kann ich nicht gut.
Die Arbeit läuft Dir nicht davon, wenn Du Deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis Du mit der Arbeit fertig bist.

12-10-7
Februarmama
möchten wir nicht mehr missen
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Registriert: 01.04.2018, 21:47

Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Februarmama »

Ich möchte gerne beitreten, ich bin erst seit 10 Monaten Mutter und schon jetzt nagt das schlechte Gewissen an mir- wenn ich nach 12 Monaten wieder anfange zu arbeiten werde ich als Pilotin bis zu 5 Tage am Stück weit weg sein- fast jeder Mensch der meine berufliche Situation kennt, kommentiert mit „also ich könnte das nicht“ oder mit „mit einer Familie lässt sich der Beruf ja aber nicht vereinen“
Ich habe mir Kind und Beruf bewusst ausgesucht, habe mich viel mit Eltern in meiner Branche ausgetauscht, kenne die Vor- und Nachteile und bin eigentlich überzeugt dass das Lebensmodell für unsere Familie funktioniert....
...aber mit jedem Kommentar werden leise Zweifel in meinem Hinterkopf immer lauter...

Ich muss mir wirklich auch immer wieder vor Augen führen, dass jede berufliche Situation vor und Nachteile mit sich bringt und man es einfach nicht perfekt machen kann.
🦕Murmelchen 2/18 🧸 Bärchen 3/21
Sibi
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Re: "Good-Enough-Mothers-Club"

Beitrag von Sibi »

Februarmama hat geschrieben: 21.12.2018, 09:15„mit einer Familie lässt sich der Beruf ja aber nicht vereinen“
Das finde ich aber auch - oder kennst Du etwa einen männlichen Piloten, der Kinder hat? *Ironie off*

Wobei ich deine Bauchschmerzen nachfühlen kann, es ist nach dem intensiven ersten Jahr einfach eine große Herausforderung, loszulassen. Und du musst da halt schneller mehr bewältigen als andere, die mehr Zeit haben. Ich nehme an, dass Du dadurch aber auch immer mal wieder freie Zeit am Stück hast, wo du auch mal unter der Woche dein Kind hast? Das fehlt mir z. B. komplett. Wir haben jetzt den ersten Urlaub / freie Zeit außerhalb des Wochenendes seit Anfang August.
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