Film Elternschule im Kino

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Wiepaula
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Wiepaula »

Mutterhenne hat geschrieben: 26.10.2018, 16:45
pqr hat geschrieben: 26.10.2018, 16:36 Das ist wirklich merkwürdig. So eine völlig andere Message.
Ich habe den Verdacht, dass man vom ursprünglichen Tenor nicht abweichen möchte, da er als Werbeaufmacher für den Film so populär wurde...? Obwohl man darin ja auch eine Chance sehen könnte...
Ja, das war auch mein erster Gedanke. Das Zitat "Ein Muss für alle Eltern" kennt jeder, der sich zumindest kurz mit dem Film beschäftigt hat. Das wäre irgendwie unseriös jetzt was ganz anderes zu schreiben. Mit dem langen Interview haben sie da eine strategisch kluge Lösung gewählt, da ist man ja als Interviewer höchstens für die Fragen und nicht für die Antworten verantwortlich.

Die Zeit stattdessen macht mal Hü mal Hott irgendwie, der erste kurze Beitrag Anfang Oktober war ja auch schon von der Johanna Schoener (?! Bin mir mit dem Nachnamen grad nicht sicher) dann kam Hella Dietz, deutlich kritischer und nun das Desaster, dass der Johanna der Auftrag mit Brisch gegeben wurde. Echt blöd! Hab die ganze Zeit gehofft endlich Brisch zu lesen! Lautstark und in einer großen seriösen Zeitung...
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von klecksauge »

Herbert Renz-Polster treibt das Thema so um, dass er selbst heute auf der Stillförderungs-fachtagung in Bremen nicht um das Thema herum kam....
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Wiepaula »

Ach Mensch, das glaube ich...Aber gut, dass es jemanden gibt, der auch öfter zitiert wird.
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pikpetit
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von pikpetit »

Skoxi hat geschrieben: 26.10.2018, 14:59
Wie funktionieren Menschen die diesen Film positiv sehen, oder wie berichtet wird, im Kino lachen? Das sind keine verzweifelten Eltern die vor lauter Not ihr Mitgefühl für ihre Kinder ausgeschalten haben.
Ich will jetzt doch mal hierauf antworten, weil ich persönlich denke, dass genau darin u.a. der Punkt liegt, weshalb es zwei so extrem unterschiedliche Meinungen zum Film gibt. Ich sehe den Film nicht positiv, habe ihn aber mit einer Kommilitonin gesehen, die ihn (nicht durchweg, aber in großen Teilen) positiv sieht. Und ja, wir beide haben im Kinosaal auch gelacht. Denn das schafft der Herr Langer und auch der Schnitt meiner Meinung nach leider ganz gut: die Komik einer Situation (auch wenn auf Kosten der Kinder) verstärken und herausstellen. Gleich mehrmals habe ich mich selbst in einem Impuls zu lachen fragen müssen: über was lache ich da gerade eigentlich.

Als Beispiel: es gibt eine Szene, in der er mit einem Mädchen spazieren (und joggen -
damit sie lernt Führung zu akzeptieren oder so?!?) geht, sie verliert dabei ihre Mütze (was von der Kamera auch eingefangen wurde und auch detailliert gezeigt wurde, wie sie sie erst absetzt, dann eine Weile trägt und irgendwann fallen lässt und man denkt nur: das war so klar, dass das passiert) und will sie, als er das bemerkt nicht wieder holen gehen. Es folgt eine kurze Diskussion, in der er u.a. argumentiert, dass ihre Mutter die ja bezahlt hat etc und das Mädchen dann sagt, die Oma hätte die gekauft, er wiederholt, dass dann ja die Oma traurig ist, wenn die Mütze einfach weg ist. Sie ändert daraufhin die Aussage und behauptet sie habe sie selbst bezahlt (vom Geld der Oma oder so) .... das ist zugegebenermaßen schon irgendwie witzig - zumindest fällt es mir auch in einer realen Diskussion dieser Art mit einem Kind schwer, mir das Lachen zu verkneifen. Nachdem diese Stimmung also aufgebaut ist, sitzt das Mädchen auf dem Boden und möchte nicht zurück laufen, er sagt er hätte alle Zeit der Welt und steht sich ein bisschen die Beine in den Bauch (und auch das wieder in überspitzter Weise, dass man irgendwie schon im lachen drin ist)... daraufhin läuft er aber (mitten im Park mit ausschließlich für das Mädchen fremden Menschen in vermutlich einer fremden Stadt) ohne ein Wort weg. Man sieht, wie das Mädchen sich irritiert umschaut und dann entschließt, es ist wohl die klügere Entscheidung , hinterher zu laufen. Langer ist in der Zeit für sie nicht sichtbar im Kreis gelaufen und holt sie von hinten wieder ein. Natürlich ist die Not der Kindes in der Situation nicht lustig und wenn man da reflektiert genug und auf Seite des Mädchens bleibt, vergeht einem das Lachen auch sehr schnell, aber erstmal schafft es der Film schon an einigen Stellen, dass man auch ohne die Methoden oder das Menschenbild bez. auf die Kinder gut zu heißen, zumindest schmunzeln muss - zumindest ging es mir so. Mir persönlich war Herr Langer auch insgesamt in seiner Art zu erklären sympathisch (das was er an Grundsätzen erklärt hat, war teils auch einfach richtig (z.b. Angstkurve) - nur der Schluss und die daraus abgeleiteten Methoden teilweise einfach menschen- und damit kindunwürdig.)

Ich habe danach noch kurz mit meiner Kommilitonin geredet und fand es schon fast faszinierend wie unterschiedlich unser Eindruck war. Sie hat hauptsächlich anerkannt, was dort geleistet wird, nämlich eine für die Familien stark belastende Situation zu entschärfen (da kann ich ihr noch nichtmal widersprechen, wenn man das so für sich stehen lässt). Darauf lag ihr Fokus - der Rest "Hmm na ja, nicht optimal für die Bindung, aber da kann es ja in 3 Wochen auch nicht drum gehen, wenn man es mit so akut belasteten Familien zu tun hat". Dass es mir in meiner Kritik nicht primär um die Bindungsqualität der Kinder ging, hat sie glaub ich immernoch nicht ganz verstanden. Insgesamt haben wir auch festgestellt, dass wir nicht gezeigtes unterschiedlich "gefüllt" haben. Beispielsweise war die Fremdbetreuung ohne Eingewöhnung in ihren Augen total ok, weil sie einfach fest davon ausgegangen ist, dass das Kind die Betreuungsperson schon kannte, weil sie das in so einer Klink voraussetzt. Ich gehe eher vom Gegenteil aus. Aber es wird halt einfach nicht gezeigt und lässt deshalb Raum für die eigene Vorstellung / Erwartung. Das ist in vielen Situationen der Fall - beim Schlaftraining wird auch nicht explizit gezeigt, dass Kinder schreien gelassen werden. Aber einige Szenen lassen diesen Schluss zu (oder eben den, dass ja dann die Schwester sofort reingeht und die kennt das Kind ja :roll: ... Sorry es viel mir etwas schwer, sie da weiterhin ernst zu nehmen). Auch hat sie sich überhaupt nicht an Ausdrücken wie "Sie müssen ihm zeigen, dass Sie der Boss sind" / "Machtkämpfe" und ähnliche gestört... Ich hab ihr versucht zu erklären, weshalb ich das für Blödsinn halte, da hat sie mir auch vollkommen zugestimmt, findet es trotzdem ok, weil so wie ich das ausgedrückt habe, hätten die Familien das eh nicht verstanden. Der eine nenne es so, der andere so und ich würde mich da sehr an der Sprache aufhängen. Insgesamt hat sie auch nicht alles gutgeheißen (z.b.das Zwangsfüttern fand sie auch "unnötig"), ich hab jetzt mal absichtlich die Dinge rausgestellt, in denen wir uns uneins waren.

Ich fand es sehr schade, dass die Diskussion ausfiel, denn zumindest den Punkt, was an den Stellen passiert, die der Film offen lässt, hätte man evtl ansatzweise klären können und natürlich einen Haufen Kritik loswerden können. Inhaltliche Kritik spare ich mir hier jetzt mal. Da kann ich glaube ich den vielen schon verlinkten Artikeln auch nichts mehr hinzufügen. Aber ich hab nachdem ich ihn letzten Dienstag gesehen hab, mehr Verständnis dafür, wie es dazu kommt, dass es Leute gibt, die nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nachdem sie den Film gesehen haben.

Ist jetzt doch sehr lang geworden.... für Fehler ist das Handy zuständig, für schlechte Verständlichkeit mein Matschhirn, aber ich wollte da schon die ganze Zeit was zu schreiben
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Mutterhenne »

@ pikpetit, danke für Deinen ausführlichen Bericht! Ich tendiere immer mehr dazu, mal eine entsprechende Analyse zu schreiben - aber erst nach Geburt und Wochenbett ;-)... Darf ich Dich ggf. dazu nochmal anschreiben/anonym zitieren?
Ich komme hier leider nicht 'rein: https://www.sueddeutsche.de/leben/famil ... duced=true Vielleicht hat ja jemand das online-Abo.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von pikpetit »

:lol: wenn ich da irgendeinen Mehrwert beitragen kann klar, schreib mich an
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Spessarträuberin »

Ich dürfte eigentlich nichts dazu schreiben, da ich den Film nicht kenne, nur einige kritische Artikel und den Thread hier. Kann mir aber vorstellen, dass viele, die außerhalb einer SuT- und AP-Blase leben, das alles als völlig ok ansehen, man nehme nur den Buchtitel mit den Tyrannen, oder auch das Ferbern. Man kann sich doch nicht von so einem Balg auf der Nase rumtanzen lassen!

Esszwang - das Kind von Bekannten wurde so mit Brei gefüttert: ein Arm hinter dem Rücken festklemmen, den anderen festhalten und dann rinn mit dem Brei, auch wenn Baby weint und den Kopf wegdreht. Es sperrt ja den Mund sei schön auf (beim weinen).
Schläft auch schon immer um Punkt 18 Uhr alleine im eigenen Zimmer ein, das Kind wurde ja auch nicht ans gemeinsam Einschlafen gewöhnt. :roll:
Dass so jemand, der das als richtig empfindet (und schon während der Schwangerschaft meinte, man würde sein Leben doch nicht dem Kind unterordnen, wie das andere tun - kein Seitenhieb :roll:) den Film nicht als schlimm und die Kritiker als hysterisch einordnet - kein Wunder.

Und lustig, ja gut, ich habe auch schon über Sachen gemacht, die eigentlich blöd sind. Die Filmemacher werden ihr Handwerk verstehen.
Grüße von der Spessarträuberin mit großem (2013) und kleinem Sohn (2015)

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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Mutterhenne »

Spessarträuberin hat geschrieben: 29.10.2018, 11:56 Ich dürfte eigentlich nichts dazu schreiben, da ich den Film nicht kenne, nur einige kritische Artikel und den Thread hier. Kann mir aber vorstellen, dass viele, die außerhalb einer SuT- und AP-Blase leben, das alles als völlig ok ansehen, man nehme nur den Buchtitel mit den Tyrannen, oder auch das Ferbern. Man kann sich doch nicht von so einem Balg auf der Nase rumtanzen lassen!

Esszwang - das Kind von Bekannten wurde so mit Brei gefüttert: ein Arm hinter dem Rücken festklemmen, den anderen festhalten und dann rinn mit dem Brei, auch wenn Baby weint und den Kopf wegdreht. Es sperrt ja den Mund sei schön auf (beim weinen).
Schläft auch schon immer um Punkt 18 Uhr alleine im eigenen Zimmer ein, das Kind wurde ja auch nicht ans gemeinsam Einschlafen gewöhnt. :roll:
Dass so jemand, der das als richtig empfindet (und schon während der Schwangerschaft meinte, man würde sein Leben doch nicht dem Kind unterordnen, wie das andere tun - kein Seitenhieb :roll:) den Film nicht als schlimm und die Kritiker als hysterisch einordnet - kein Wunder.

Und lustig, ja gut, ich habe auch schon über Sachen gemacht, die eigentlich blöd sind. Die Filmemacher werden ihr Handwerk verstehen.
Ich kenne andere Dokus von denen - die machen echt (handwerklich - bisher fand ich auch: inhaltlich) gute Sachen!
Sicher - wir kommunizieren hier in unserer Blase; aber ich kenne viele Menschen, die ich jetzt nicht als explizit SUTig einordnen würde und die der Film trotzdem irritiert. Es gibt ja nicht nur Ferbern/Zwangsfütterung auf der einen und SUT auf der anderen Seite, sondern unendlich viele Schattierungen von Eltern- und Familie-Sein.
"Die meisten Zitate im Internet sind falsch." (Aristoteles)

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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Spessarträuberin »

Ich sag ja, ich habe den Film nicht gesehen und kann nichts inhaltliches sagen.
Ich bin auch oft genug weit weg von meinen Idealen, was die "Aufzucht meiner Jungen" angeht und möchte mich da nicht toller hinstellen als es ist, das sollte nicht gegen alle anderen Eltern gehen. Sicher gibt es viele viele liebevolle Familien! Auch die oben genannten lieben ihr Kind und sind überzeugt, ihrem Kind das Beste damit zu tun.
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von nido56 »

Vorweg: Ich habe den Film nicht gesehen und kann ihn auch nicht sehen, weil ich nicht in Deutschland lebe.

Was mich aber sehr ärgert ist diese Polarisierung der Diskussion. Wer sich gegen die gezeigten Methoden ausspricht, ist ein "AP-Jünger", der sich selbst aufgibt, um alle Wünsche seines Kindes immer und sofort zu erfüllen. Bzw, wer sich nicht 24/7 seinem Kind unterordnen will, der muss frühzeitig anfangen, es anständig zu konditionieren, sonst wird das nix.

Uff, hartes Menschenbild. Ich bin wohl relativ weit vom SuT Goldstandard entfernt. Aber für mich ist es immens wichtig, meinen Sohn ernst zu nehmen und ihm mit Respekt zu begegnen. Mein Sohn musste schon sehr früh in die Fremdbetreuung, obwohl er lieber zuhause bei mir gewesen wäre, er wurde mit 2 gegen seinen Willen abgestillt, weil ich nicht mehr wollte, er muss oft zu langweiligen Terminen mit, weil wir keine familiäre Unterstützung haben etc.

Aber ich nehme ihn ernst. Immer. Ja, manchmal (oft) setzen wir uns über seinen Willen hinweg. Manchmal, weil wir etwas wichtig finden und der Meinung sind, dass er die Folgen noch nicht abschätzen kann, manchmal, weil wir unseren Bedürfnissen Vorrang geben, und manchmal auch, weil wir einfach keine Kraft und keinen Nerv für eine bessere Handlungsalternative haben.

Aber ich sehe ihn als vollwertige Person. Er ist ein kleiner Mensch, der denselben Respekt verdient wie jeder andere. Ich sehe ihn an und sehe absolut kein kleines egoistisches Monster, das konditioniert werden muss.

Ja, Konditionierung "funktioniert". Es gibt keine andere Methode, sie so schnell Ergebnisse zeigt. Und sie ist einfach. Man muss nur sehr klare Handlungsanweisungen befolgen. Ich denke deshalb sogar tatsächlich, dass es Familienkonstellationen und - situationen gibt, in denen es sinnvoll sein kann, Konditionierung anzuwenden.

Was macht man, wenn Eltern so verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte sind, dass sie sagen "wir können keinen Tag länger mehr so leben"? Wenn wirklich absolut keine Kraftreserven mehr da sind, mit denen man arbeiten kann? Da ist die Alternative doch eigentlich nur noch, dass Kind von den Eltern zu trennen und Eltern und Kind getrennt zu therapieren und langsam wieder zusammen zu führen. Das geht auch nicht ohne Trauma.

Vielleicht ist es dann wirklich besser, das Kind zu konditionieren, damit ein Familienleben wieder möglich wird und die Eltern wieder eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können.

ABER, das ist eine Methode für Notfälle, die eventuell sinnvoll ist, um eine Basis zu schaffen, auf der langfristig gearbeitet werden kann. Das ist doch keine Erziehungsmethode!
nido mit dem Piraten (01/2012)
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