Film Elternschule im Kino

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
AnnaKatharina
Prof. Dr. SuT
Beiträge: 8276
Registriert: 17.05.2012, 21:26

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von AnnaKatharina »

Ich finde es schade, dass es im Zeit-Artikel garnicht um die Rechte der Kinder am eigenen Bild geht.
Also die Frage, ob Eltern zustimmen können, zustimmen dürfen, ihr Kind in solch existenziellen Situationen filmen zu lassen und das dann zu veröffentlichen.
Darf man das? Darf man ein Kind, das Not erlebt filmen, um andere Menschen zu unterhalten?
Mit K1 (2010) und K2 (2015)
Benutzeravatar
Orpheo
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 664
Registriert: 15.01.2008, 14:55
Wohnort: Detmold

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Orpheo »

mir geht gerade ein Licht nach dem anderen auf. Ich überlege seit Tagen woher mir der Klinikname so bekannt vorkommt, netteannes Bericht hat mich dann drauf gebracht.
Mein Mann hat schon sein ganzes Leben heftigste Neurodermitis und ist mit ca. 13 Jahren mehrmals in den zweifelhaften Genuss dieser Klinik gekommen :?
Wir kennen uns seit wir 12 sind, ich habe zw. 14 und 17 sehr viel Zeit bei ihm verbracht und plötzlich macht vieles was ich damals bei ihm zuhause erlebt habe einen (sehr zweifelhaften :? ) Sinn... (Ernährung. Für Schlaftraining und Bindungs- und Trennungstraining war er wohl schon ein paar Jahre zu alt - zum Glück!)
Gesundheitlich hat ihm die Behandlung absolut nichts gebracht, aber ich beginne gerade zu verstehen warum das Verhältnis zu seiner Mutter so ist wie es ist.
Er kann sich übrigens an fast nichts erinnern. Mit meiner Schwiegermutter muss ich mich über diese Klinikaufenthalte unbedingt mal unterhalten...
lg, Marie
mit Leonie 08/02, Lotte 06/07, Paul 01/10 und Johanna 02/13
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren. Wilhelm Busch
ClauWi-Trageberaterin (GK 08/09, AK 08/10)
Nusserl
SuT-Legende
Beiträge: 9714
Registriert: 14.04.2009, 21:26
Wohnort: Zürich Umgebung

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Nusserl »

Was ich echt krass finde: wenn die dort wissenschaftlich nicht haltbare Therapien anbieten bei ND, Astma, usw. Warum zahlt das die Krankenkasse? Also ehrlich, das finde ich eine Frechheit!

Danke netteanne für deinen Bericht. Das hilft etwas die Klinik einzuordnen und zu verstehen, was die dort machen: Notfallhilfe für verzweifelte Eltern.
Gut, dass dein sohn so ein offenes Kind war und eure Beziehung gefestigt. Da kann diese Methode ja nicht so viel Schäden anrichten.

Wie man völlig verzweifelten Eltern hilft, deren Kinder weder essen noch schlafen, weiss ich auch nicht. Familylab und Co setzen ja viel früher an. Hat man dann noch die Kraft, so „anstrengende“ Änderungen umzusetzen und monatelang auf Besserung zu warten?
Ich fand es ja schon ohne Ausnahmesituation anstrengend, wenn ich eine antrainierte Verhaltensweise aus meiner eigenen Kindheit in beziehungsorientierte Erziehung umgestellt habe.
Glücklich mit drei Mädels und Mann
07/2008, 11/2011 und 04/2014
Cocolin
Moderatoren-Team
Beiträge: 2569
Registriert: 17.08.2017, 13:14

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Cocolin »

Selber gesehen habe ich ihn immer noch nicht, aber bin froh, dass es jetzt auch gute kritische Artikel dazu gibt. den auf Zeit finde ich gut, danke für's verlinken! Ich habe gestern abend nur den Fehler gemacht, auch die Kommentare zu lesen. Uagh.
AnnaKatharina hat geschrieben: 22.10.2018, 22:50 Ich finde es schade, dass es im Zeit-Artikel garnicht um die Rechte der Kinder am eigenen Bild geht.
Also die Frage, ob Eltern zustimmen können, zustimmen dürfen, ihr Kind in solch existenziellen Situationen filmen zu lassen und das dann zu veröffentlichen.
Darf man das? Darf man ein Kind, das Not erlebt filmen, um andere Menschen zu unterhalten?
Da bin ich mir rechtlich nicht 100% sicher. Aber normal ist es so: wenn man ein Kind filmt, braucht man zwingend eine Rechteerklärung. Da unterschreiben die Eltern, dass sie einverstanden sind, das man sie in einem abgesprochenen Umfang mit der Kamera begleitet, das Material dann der Produktionsfirma und / oder dem beauftragenden Sender gehört, es auf Sendeplatz XY läuft aber auch Veröffentlichungen online, DVD usw vereinbart sind. Ab einem bestimmten Alter (und da bin ich mir grad nicht sicher, ist es 7?) müssen die Kinder glaube ich zumindest mündlich auch einwilligen.
So wie ich es vom Drehen mit Kindern kenne, gibt es normalerweise zumindest in dem Rahmen in dem ich arbeite (öffentlich rechtliche Sender, Kika usw) eher so eine freiwillige redaktionelle Moral, dass man die Kinder positiv zeigt und nicht bloß stellt, nicht in Situationen zeigt, für die sie dann gemobbt werden etc.

Es gibt aber einen Paragraphen der es verbietet, die Hilflosigkeit anderer zur Schau zu stellen. Ich finde den Link nicht mehr, aber es war ein Kommentar eines Kinderarztes zu diesem Film, der es eben auch kritisch sah, dass die Kinder in diesen Situationen gezeigt werden.

Was mich wundert, ich aber auch irgendwie nicht kommentieren kann ohne den Film gesehen zu haben: waren die Eltern sich nicht bewußt, in welchen Situationen sie da ihre Kinder für die Ewigkeit aufnehmen lassen, oder fanden sie es nicht so schlimm in dem Moment?

Was mich da auch ärgert, sind die Aussagen der Regisseure im Interview und auch in ihre FAQ, dass es ja ein ganz beobachtender Film ist und sie nicht eingreifen. Das ist aber ja nun Filmemachen für Dumme, Kapitel 1, dass man immer eingreift, sobald man mit einer Kamera irgendwo auftaucht. Und natürlich seine eigene Wertung mit einbringt, besonders im Schnitt. Und: den kritischen Artikel (ich nehme an, sie meinen Renz-Polster) als "schlecht recherchiert" bezeichnen. Dann aber auf die Frage, warum sie die Vergangenheit der Klinik nicht kritischer betrachten sagen, sie wären eben Filmemacher, keine Journalisten. Ja super Aussage. Es gibt aber ja auch noch 'ne Redaktion. Die Faqs sind hier: http://www.zorrofilm.de/fileadmin/user_ ... 181018.pdf
Mod- Team Trageberatung
Zertifizierte Trageberaterin der Trageschule Dresden

mit R(07/17) und G(08/20)
Benutzeravatar
Linda89
Power-SuTler
Beiträge: 6794
Registriert: 10.02.2014, 21:42
Wohnort: Mühltal bei Darmstadt

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Linda89 »

Cocolin hat geschrieben: 23.10.2018, 09:32 Es gibt aber einen Paragraphen der es verbietet, die Hilflosigkeit anderer zur Schau zu stellen. Ich finde den Link nicht mehr, aber es war ein Kommentar eines Kinderarztes zu diesem Film, der es eben auch kritisch sah, dass die Kinder in diesen Situationen gezeigt werden.
Aber interessiert das jemanden, wird das verfolgt? Ich frage mich zum Beispiel, ob Böhmermanns Sendung über Schwiegertochter gesucht irgendwelche Konsequenzen für die Leute von Schwiegertochter gesucht hatte...
Sohn Juli 2013, Tochter Januar 2015, Tochter Juni 2019, Tochter März 2021
Benutzeravatar
Springerle
Forumsleitung
Beiträge: 3276
Registriert: 18.06.2018, 14:27
Wohnort: Südschwarzwald

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Springerle »

Tutti hat geschrieben: 22.10.2018, 21:59 Ich schmeiße kurz einen aktuellen ZEIT Artikel

https://www.zeit.de/kultur/2018-10/elte ... are_link_x
Ich finde den Artikel echt auch gut. Hat mich beruhigt auch mal sowas in den großen Zeitungen zu lesen.
mit F (04/18) und E (05/21)
Cocolin
Moderatoren-Team
Beiträge: 2569
Registriert: 17.08.2017, 13:14

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Cocolin »

Hm, gute Frage Linda.
Ich habe grad mal den Paragraphen gesucht: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201a.html
Da steht halt dabei "unbefugt". Unbefugt waren die Aufnahmen ja hier nicht, weil sie ja vorher informiert haben.
Die Frage ist halt, wie viele Rechte haben die Kinder oder geht es alles nur um die Zustimmung der Eltern.

Ich bin ja nun juristisch totaler Laie. Aber würde vermuten, dass es eine Grauzone ist. Eigentlich ist mit Unterschrift der Eltern dem Dreh und der Veröffentlichung zugestimmt. Würden jetzt Eltern aus dem Film im Nachhinein sagen, sie und ihre Kinder sind total falsch dargestellt, dann wäre es vermutlich was anderes. Aber ich glaube, selbst dann ist es schwer, sich wieder aus dem Film rauszubekommen.

Vielleicht ist hier ja jemand Jurist und kennt sich aus? Ob man quasi im Namen der Kinder argumentieren kann, dass ihnen das schadet, so gezeigt zu werden? Meine Vermutung, aber wie gesagt, nur Vermutung ist, dass das juristisch schon geht und halt eine Frage der Ethik ist. Und dann gesagt wird, es liegt in der Verantwortung der Eltern, sich die Gedanken vor der Einwilligung zu machen.

Böhmermann gucke ich nicht, das war das, wo er jemanden eingeschleust hat? Auch da würde ich vermuten, die haben ja Einwilligungserklärung und wahrscheinlich auch noch Verträge unterschrieben. Und dann ist wahrscheinlich "wo kein Kläger...". Wahrscheinlich würden sich die meisten aufregen, vielleicht auch an den Sender schreiben, aber Strafanzeige stellen? Dazu muss man ja schon Jurist sein und sich auskennen.
Mod- Team Trageberatung
Zertifizierte Trageberaterin der Trageschule Dresden

mit R(07/17) und G(08/20)
Benutzeravatar
Mutterhenne
Profi-SuTler
Beiträge: 3044
Registriert: 03.04.2014, 15:13

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Mutterhenne »

Cocolin hat geschrieben: 23.10.2018, 11:17 Hm, gute Frage Linda.
Ich habe grad mal den Paragraphen gesucht: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201a.html
Da steht halt dabei "unbefugt". Unbefugt waren die Aufnahmen ja hier nicht, weil sie ja vorher informiert haben.
Die Frage ist halt, wie viele Rechte haben die Kinder oder geht es alles nur um die Zustimmung der Eltern.

Ich bin ja nun juristisch totaler Laie. Aber würde vermuten, dass es eine Grauzone ist. Eigentlich ist mit Unterschrift der Eltern dem Dreh und der Veröffentlichung zugestimmt. Würden jetzt Eltern aus dem Film im Nachhinein sagen, sie und ihre Kinder sind total falsch dargestellt, dann wäre es vermutlich was anderes. Aber ich glaube, selbst dann ist es schwer, sich wieder aus dem Film rauszubekommen.

Vielleicht ist hier ja jemand Jurist und kennt sich aus? Ob man quasi im Namen der Kinder argumentieren kann, dass ihnen das schadet, so gezeigt zu werden? Meine Vermutung, aber wie gesagt, nur Vermutung ist, dass das juristisch schon geht und halt eine Frage der Ethik ist. Und dann gesagt wird, es liegt in der Verantwortung der Eltern, sich die Gedanken vor der Einwilligung zu machen.

Böhmermann gucke ich nicht, das war das, wo er jemanden eingeschleust hat? Auch da würde ich vermuten, die haben ja Einwilligungserklärung und wahrscheinlich auch noch Verträge unterschrieben. Und dann ist wahrscheinlich "wo kein Kläger...". Wahrscheinlich würden sich die meisten aufregen, vielleicht auch an den Sender schreiben, aber Strafanzeige stellen? Dazu muss man ja schon Jurist sein und sich auskennen.
Du vermutest richtig: http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/r ... -bild.html
"Die meisten Zitate im Internet sind falsch." (Aristoteles)

Grüße von der Henne
mit Superheldin (09/2013), Piepselchen (11/2018) und den Schutzengel-* (März 2012, November 2017, April 2021)
Benutzeravatar
Mutterhenne
Profi-SuTler
Beiträge: 3044
Registriert: 03.04.2014, 15:13

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Mutterhenne »

"Die meisten Zitate im Internet sind falsch." (Aristoteles)

Grüße von der Henne
mit Superheldin (09/2013), Piepselchen (11/2018) und den Schutzengel-* (März 2012, November 2017, April 2021)
Cocolin
Moderatoren-Team
Beiträge: 2569
Registriert: 17.08.2017, 13:14

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Cocolin »

Danke für die Links Mutterhenne!
Mod- Team Trageberatung
Zertifizierte Trageberaterin der Trageschule Dresden

mit R(07/17) und G(08/20)
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“