Film Elternschule im Kino

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Wiepaula
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Wiepaula »

Danke liebe netteanne für deinen ausführlichen Bericht. Vielleicht schaffe ich es auch morgen hinzugehen, sonst käme heute noch für mich in Frage. Falls also jemand heute geht, meldet euch gern. Bislang gehe ich "allein".

Gestern habe ich noch das Interview mit Langer in der SZ gelesen und da klingt auch alles nachvollziehbar, wobei ich dennoch in vielen Punkten anderer Meinung bin. Das ist aber eine bekannte Diskussion: wo fängt Krankheit an zum Beispiel.

Ich glaube auch nicht, dass da irgendjemand absichtlich Kinder brechen will, das wäre ja wirklich grausam. Dennoch glaube ich, dass vielen verhaltensorientierten Therapeuten nicht ganz bewusst ist, dass sie den Beziehungen zum Kind, wenn sie zuviel Aufmerksamkeit auf das Verhalten legen. An diesem Punkt hat es mich sehr gefreut von dir, netteanne zu lesen, dass die Klinik auch in die andere Richtung hilft, also weg von Konsequenzen.

Also, es ist bestimmt nicht alles schlecht, was dort gemacht wird und schon gar nicht bezogen auf die Familien, die dort hingehen. Ich halte es allerdings für anmaßend mit einem Film auf Tour zu gehen, der eigentlich Ausnahmesituationen und Menschen unnötig darstellt und diesen Film dann mit "Elternschule" zu betiteln und mit der Erklärung "so geht Erziehung". Erziehung geht halt auch ganz anders und auch da gibt es genug wissenschaftliche Grundlagen für.

Ich drücke dir die Daumen, dass es für dich, netteanne, morgen gut läuft und möchte dir nochmal danken für deinen Beitrag!
Wiepaula

mit dem Böhnchen 07/15, dem Mausebär 04/17 und dem Spatz im Tuch 10/19
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netteanne
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von netteanne »

Ich werde nachher in Bremen sein.
Viele Grüße von netteanne
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Wiepaula
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Wiepaula »

Bremen ist ausverkauft und Langer krank. Hab mich jetzt auf die Warteliste für Oldenburg setzen lassen mit 1-2 Karten, falls noch jmd Interesse hat.
Wiepaula

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Jadzia
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Jadzia »

Menschen die so arbeiten glauben in der Regel an das was sie tun.


Sie sind also gewissermaßen unschuldig. Sie halten es für nötig und alternativlos.



Ich arbeite auch nicht 100% gewaltfrei ( leider) und wende das was ich Gewalt nenne ( also gegen den Willen des Kindes agieren und auch körperlich werden, also festhalte, schieben etc) auch an, zum Glück selten, also bei weitem nicht jede Woche ein Mal. Ungern und mit einem schalen Gefühl. Weil ich in dem moment tatsächlich keine Alternative sehe, oder aber größeren Schaden ( Kind haut Kopf auf Boden z.B. l) abwenden will oder eine unerträgliche Situation schnell zu beenden um DANACH mit dem Kind in einen guten, liebevollen Kontakt kommen zu können ( zum Beispiel wenn ein Kind heulend an der Tür rüttelt oder so)

Das rechtfertige ich auch. Bin mir aber bewußt daß es Gewalt ist. Und die wird oft tatsächlich nötig, wenn man versäumt hat VORHER die Lage zu organisieren und beruhigen.

Ich sage den Eltern immer daß es so nicht sein soll. daß es eine Notlösung für den Moment ist und die erste Aufgabe ist diese Notlösung nicht mehr zu brauchen, weil es das wichtigste ist Eskalation zu vermeiden, bevor man helfen kann. Ich sage ihnen daß ich das ungern tue und wir intensiv darüber nachdenken müssen, was wir nicht gesehen haben, nicht kommuniziert haben. Den GRUND zu finden warum das Kind desorganisiert.

Ichs schäme mich schon dafür ein Kind fest zu halten. Oder eine Tür abzuschließen. Oder seine Hände oder sein Gesicht gegen seinen Willen in eine Richtung zu führen. Das ist ein blödes Gefühl. Wenn ich das tue, dann um etwas zu überbrücken. Zum Bespiel ein Missverständnis zu klären. Kind hat nicht verstanden was ich meine und ist total unglücklich und kann mir nicht mehr zuhören oder mich ansehen. Dann zwinge ich es tatsächlich zum hinsehen, damit es sieht daß etwas ANDERES passiert als daß es DENKT was passiert. Das ist eine Intervention die unter Umständen nur 3 oder 4 Sekunden dauert. (Schau hin DA steht es)
Dann fällt aller Streß vom Kind ab und es ist als ob ein Schalter umgefallen wäre. Trotzdem würde ich es gerne anders machen, weiß aber nicht immer wie ( zum Glück aber auch oft doch). Dann mag ich das Kind nicht in seinem Missverständnis Kummer lassen und zwinge es zum Zuhören.

Was mich daran fest halten läßt ist, daß zum einen die Kinder sich dann schneller beruhigen als wenn ich sie trösten würde. Und zwar wesentlich. Da es ja keinen Kummer mehr gibt. Zum anderen, daß die Kinder schnell lernen mir tatsächlich zuzuhören ,weil sie erleben, daß meine Infos für sie wichtig und hilfreich sind. Dann muß ich zu nix zwingen, nur sagen : Schau hin.

Wo gehobelt wird fallen Späne. Ich kann nicht perfekt arbeiten.

Aber was ich da sehe, ist eine Beziehungslosigkeit, eine Atmosphäre von Verachtung und Abspaltung.
das ist nicht einfach Hobeln und Späne, das ist einfach empathiearm und entmenschlicht.
Ich spüre keine Liebe zu den Familien in dem Trailer. Das geht nicht finde ich.

Ich kann Fehler machen, bei meinen Kindern und denen mir anvertrauten.
Aber wenn mir eine kleiner mensch anvertraut wird, oder eine andere hilflose Person,
dann habe ich eine hohe Verpflichtung menschlich zu sein.
Doch wir folgen alle unseren Glaubenssätzen. Und die verbreiteten Sätze sind in der Fachwelt noch immer häufig anzutreffen.
Leider.
Alles kann, Liebe muss

Jadzia mit Dax (03/11)

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Sind unser Ziel ( psst, geht auch doppelt und dreifach und sogar ohne Zuzuhören 😊)

https://open.spotify.com/episode/4UUhYl ... OBYY39nlir

https://youtu.be/4fegPvOL94Y?si=-3kT2Fg70wF1BD7H

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Lösche Benutzer 22687

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 22687 »

Ich habe den Filrm nicht gesehen.
Das was ich höre und sehe finde ich schrecklich! Ja, einfach furchtbar. Mir tun in erster Linie natürlich die Kinder Leid. Bin mir sicher, in ein paar jahren werden sich solche Methoden rächen. Depressionen, Essstörungen, Aggressivität, die gesamte Palette der psychischen Erkranken werden wie ein Boomerang zurück kommen.
Aber...…

ich kann mir vorstellen, dass die Ärzte, gezwungen sind solche Methoden anzuwenden um eine schnelle Besserung zu erzielen. Die Eltern sind am Ende, selbst schon längst psychisch angeschlagen, aggressiv, depressiv wenn nicht sogar teiweise suizidgefährdet. Es muss eine schnelle Lösung gefunden werden, damit nicht schlimmeres passiert. Wenn diese Familien keine schnelle Hilfe bekommen was wird dann passieren?? Das möchte ich mir gar nicht vorstellen...….

Es ist eine absolute Zwickmühle. Die Eltern haben keine Kraft mehr um monatelang auf eine Besserung zu warten, keine Kraft um an sich selbst zu arbeiten.
Hilfe wurde viel zu spät eingefordert.
Lösche Benutzer 22687

Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Lösche Benutzer 22687 »

Ergänzend noch,

was Familylab darüber schreibt ist großartig!!! Juul und seine Anhänger sind klasse. Kindererziehung- Beziehung kann nur so funktionieren.
Wir hatten selber eine solche Beratung und jetzt, erst ca. 3 Monate später trägt alles Früchte. Es war soooo ein langer Prozess, der sich erst in uns Eltern verinnerlichen musste. Wir sind andere Menschen/Eltern geworden. Und unser Kind direkt mit. Aber hätte ich das alles geschafft, wenn ich noch länger gewartet hätte?? Und die Situation noch mehr eskaliert wäre? das weiß ich nicht?

Leider gibt es nicht genügend solcher Berater um jeder dieser Familie einen solchen zu stellen.
pqr
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von pqr »

netteanne

Vielen Dank für Deinen Bericht.
Ich hatte als Kind ähnliche Neurodermitis, kann mir den Leidensdruck ein wenig vorstellen und ich habe einen wissenschaftlichen Hintergrund.
Und durch letzteren finde ich den Therapieansatz nicht haltbar. (Ich teile die zugrunde liegende Vorstellung über die Funktion des Immunsystems u.a. nicht.)
Sie wollen kein Cortison schmieren, bauen aber gern soviel Stress auf, dass Massen von körpereigenem Cortisol ausgeschüttet werden... Und dies hat auf viele Körperfunktionen Einfluß, über die ND oder das Asthma hinaus.
Dass es nach einem Jahr besser wurde, würde ich auch nicht am Tun der Klinik begründen, sondern das Kind kam in ein Alter in dem solche " übertriebenen Reaktionen des Körpers" sich häufiger von allein verbessern.

Ich finde es toll, dass Du uns berichtet hast.
Viele Grüße
pqr

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Tutti
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Tutti »

Ich schmeiße kurz einen aktuellen ZEIT Artikel

https://www.zeit.de/kultur/2018-10/elte ... are_link_x


Und netteanne, danke für deine Offenheit. Was für eine unglaublich schwere Zeit das gewesen sein muss.
Und ich ziehe den Hut vor dir, dass du klar gesagt hast, wo deine Grenzen sind.
There is no way to be a perfect parent
but a million ways to be a good one

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R (07/16)
ixcacienfuegos
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von ixcacienfuegos »

Fiese Bilder, netteanne. Interessant, wie unterschiedlich Neurodermitis aussieht...
Ich stimme zu, dass kratzen unterbinden scheiße ist und nicht hilft. Warum muss man aber das Stresslevel hochjagen? Erschließt sich mir überhaupt nicht...
Renz-Polster hat ja z. B. Auch geschrieben, dass die Eltern nicht die sind, die was falsch machen. Weil sie halt verzweifelt sind.
LG, ixca mit Minikind (*10/14) und Maikäferchen (* 05/18)
Wiepaula
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Re: Film Elternschule im Kino

Beitrag von Wiepaula »

Tutti hat geschrieben: 22.10.2018, 21:59 Ich schmeiße kurz einen aktuellen ZEIT Artikel

https://www.zeit.de/kultur/2018-10/elte ... are_link_x
War grad im Film und dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Danke dafür Tutti!

Werde die Tage auch noch mal schreiben, was ich da alles schreckliches gesehen habe...Jetzt versuche ich erstmal zu schlafen und den Mausebär nicht darunter leiden zu lassen.
Wiepaula

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