Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
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Lösche Benutzer 1828
Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Laut und deutlich die Kinder ansprechen - STOPP sagen, dem Mädchen helfen - für mich gehört so was zum normalen sozialen Verhalten.
Ich habe eine Mutter mal angesprochen, die ihr Kind geschlagen hat, eine, die ihr Kind ganz schlimm gemaßregelt hat, ein Kind, dass von anderen bedrängt wurde, gefragt, ob es Hilfe braucht (die waren älter), einen Mann im Fahrstuhl verboten, sein Kind zu ohrfeigen (der ging mich danach an), einer Frau mit Kopftuch beigestanden, die von einer anderen beschimpft wurde- alles mit Kind im Tragetuch dabei. GERADE als Mutter.
Und ich bin nicht mutig.
Was man tut, kann man ja überlegen. Aber zusehen ist eben gar keine Option.
Ich habe eine Mutter mal angesprochen, die ihr Kind geschlagen hat, eine, die ihr Kind ganz schlimm gemaßregelt hat, ein Kind, dass von anderen bedrängt wurde, gefragt, ob es Hilfe braucht (die waren älter), einen Mann im Fahrstuhl verboten, sein Kind zu ohrfeigen (der ging mich danach an), einer Frau mit Kopftuch beigestanden, die von einer anderen beschimpft wurde- alles mit Kind im Tragetuch dabei. GERADE als Mutter.
Und ich bin nicht mutig.
Was man tut, kann man ja überlegen. Aber zusehen ist eben gar keine Option.
- Vögelchen
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Was ist daran weltfremd? Du kannst die ja auch Hilfe holen wenn du vom Kinderwagen nicht weg kommst. Rekrutier dir jemand der Hilfe holt. Mach Wallung, mach Aufstand. Die sollen merken dass das keine Kleinigkeit ist.Elena hat geschrieben: 10.10.2018, 10:20 Natürlich wäre es gut zu intervenieren, aber meint ihr echt, das hier
ist realistisch, wenn man ein Baby im Kinderwagen und ein Kleinkind an der Hand hat und die Schule gar nicht kennt????Vögelchen hat geschrieben: 10.10.2018, 09:15 Und nimmst diesen Jungen und dieses Mädchen mit zum Lehrer oder Direktorat dieser Schule und sagst:
"Dieser Junge hat diesem Mädchen in den Schnitt gefasst! Das ist nicht in Ordnung. Was machen Sie, damit dies nicht nochal vorkommt? Ich möchte, dass Sie die Eltern davon in Kenntnis setzen. Und welche Konsequezen hat das jetzt für den Jungen?"Das finde ich etwas weltfremd. Ja, das Mädchen hat "falsch" reagiert, und das ist einerseits verständlich, andererseits sind da die Grenzen auf dem Schulhof wirklich fließend und damit auch für die Jungen schwer wahrzunehmen. Ich fände es in der Situation besser, die Gruppe anders anzusprechen: Was macht ihr da? Merkt ihr nicht, dass das Mädchen das nicht möchte? Wenn sie das nicht möchte, lasst ihr sie in Ruhe. Und dann das Mädchen ansprechen. Das geht auch mit Kindern dabei.
@sandküste: Ich erlebe das schon, dass einerseits besprochen und geübt wird, wie man seine Grenzen aufzeigt, aber natürlich auch, wie man die Signale der anderen deutet und auf ein Stop reagiert. Sowohl im Kindergarten als auch in der Schule.
Beim Thema sexuelle Übergriffe steht das vielleicht nicht so im Fokus, weil da viele Programme, die wir selbst kennen, darauf ausgelegt sind, dass sich eine Frau gegen Übergriffe eines Mannes wehrt. Da muss sie wissen, wohin sie schlägt, damit er am ehesten loslässt. Und es ist völlig klar, dass der Mann weiß, dass sein Verhalten falsch ist.Bei Programmen für Kinder erlebe ich es aber schon, dass beides eingeübt wird. Zumal es da meist auch nicht vorrangig um "Jungs fassen Mädchen in den Schritt" geht, sondern allgemein um Übergriffe: ein großer Junge setzt sich im Bus unangenehm nah neben einen kleinen, um ihn einzuschüchtern, Kinder werden wegen irgendwas gehänselt, Sachen weggenommen, ganz klassisch geärgert. Und letztlich geht es bei all diesen Dingen darum, eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu verteidigen, so dass sie für den anderen sichtbar werden. Und umgekehrt wird dafür sensibilisiert, diese Grenzen dann auch zu respektieren.
In der Klasse meiner einen Tochter gibt es übrigens ein Mädchen, dass einem Jungen anfangs extrem zugesetzt hat, weil es ihn bei jeder Gelegenheit versucht hat zu küssen. Meiner Erfahrung nach gibts da gerade bei den Kleinen ALLE Varianten.
.Merkt ihr nicht, dass das Mädchen das nicht möchte? Wenn sie das nicht möchte, lasst ihr sie in Ruhe. Und dann das Mädchen ansprechen
Diesen Satz finde ich echt gruselig. Das wenn sie das nicht möchte impliziert nämlich , dass das Mädchen es vielleicht doch ganz toll findet und garnicht so schlimm. Weil sie ja gelacht hat....Und ja die Grenzen sind leider immer fliessend.
Liebe Grüße, das Vögelchen
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Elena
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Das sehe ich auch so. Ich kann aber verstehen, dass man erstmal hilflos nach der angemessenen Reaktion sucht und nicht spontan eingreift. Das wäre aber in der Tat ein Anlass, jetzt im Nachhinein und in Ruhe die richtige Reaktion zu überlegen und einen Plan fürs Eingreifen beim nächsten Mal zu machen. Und/oder an die Schule zu schreiben und von dem Vorfall zu berichten.Sandküste hat geschrieben: 10.10.2018, 10:26Was man tut, kann man ja überlegen. Aber zusehen ist eben gar keine Option.
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Lösche Benutzer 1828
Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
..dass sie das nicht möchte.....Als ob es Mädchen gibt, die sich gerne in den Schritt fassen lassen, sich gerne bedrängen, belästigen lassen.
Stimmt der Satz ist gar nicht gut.
Und ja, erst mal fassunglos dastehen - menschlich.
Aber wenn einem das klar ist - unbedingt daran arbeiten!
Da ist es eben gar nich tm it ein paar Büchern getan, absolut nicht.
Dem Kind vermitteln, lautstark für sich einstehen zu müssen - und selber zusehen, das klappt nicht.
Stimmt der Satz ist gar nicht gut.
Und ja, erst mal fassunglos dastehen - menschlich.
Aber wenn einem das klar ist - unbedingt daran arbeiten!
Da ist es eben gar nich tm it ein paar Büchern getan, absolut nicht.
Dem Kind vermitteln, lautstark für sich einstehen zu müssen - und selber zusehen, das klappt nicht.
- Mandala345
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Elena hätte ja eingeleitet mit "Merkt ihr nicht, dass sie das nicht möchte?" Und danach zu sagen "wenn sie das nicht möchte" hätte dem Mädchen damit das sie bejaht die Möglichkeit gegeben auch selbst ein Statement abzugeben und nicht nur heldenhaft gerettet zu werden. So fällt es ihr vielleicht das nächste Mal leichter gleich selbst etwas zu sagen und nicht wieder darauf warten zu müssen, dass ein Aussenstehender interveniert
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Elena
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Die TE schrieb ja, dass einige Passanten einfach vorbeigingen. Klar kann man versuchen, die anzusprechen. Vielleicht hat man sogar Glück und einer davon hilft. Aber vielleicht auch nicht. Und dann merken die Jungen sehr wohl, dass ihr Verhalten offenbar ziemlich okay ist. Natürlich finde ich es richtig einzugreifen. Nur finde ich es in der Tat eher unpraktikabel, mindestens zwei Grundschüler, die nicht mitkommen wollen, zusammen mit meinen Kindern zu einem mir unbekannten Direktor auf einem mir unbekannten Schulgelände zu bugsieren. Ohne mindestens einen davon an den Haaren mitzuschleifen, was ja auch nicht ohne unangenehme Konsequenzen wäre... Und nur, um es nochmal deutlich zu machen: Auch ich finde es richtig und wichtig einzugreifen.Vögelchen hat geschrieben: 10.10.2018, 10:30 Was ist daran weltfremd? Du kannst die ja auch Hilfe holen wenn du vom Kinderwagen nicht weg kommst. Rekrutier dir jemand der Hilfe holt. Mach Wallung, mach Aufstand. Die sollen merken dass das keine Kleinigkeit ist.
Hä? Natürlich kann es sein, dass ein Kind das, was andere als übergriffig empfinden, gut findet. Bei der speziellen Situation (Jungsgruppe greift einsamem Mädchen in den Schritt und macht sich lustig über sie) kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ein Mädchen das gut findet. Aber ich finde es trotzdem besser, so zu formulieren wie von mir vorgeschlagen als mit "Das macht man nicht". Denn das Kriterium sind nicht irgendwelche Sittenvorstellungen einer fremden Frau, sondern die Abwehr des Mädchens. Das sind die Signale, die die Jungs wahrnehmen müssen, und nach denen sie handeln müssen: Sie will etwas nicht, deshalb lasst ihr es..Merkt ihr nicht, dass das Mädchen das nicht möchte? Wenn sie das nicht möchte, lasst ihr sie in Ruhe. Und dann das Mädchen ansprechen
Diesen Satz finde ich echt gruselig. Das wenn sie das nicht möchte impliziert nämlich , dass das Mädchen es vielleicht doch ganz toll findet und garnicht so schlimm. Weil sie ja gelacht hat....Und ja die Grenzen sind leider immer fliessend.
Ich verstehe euer Unbehagen bei dem Satz, je länger ich darüber nachdenke, aber ich glaube, das ist eher ein erwachsenes Nachdenken darüber. Die grundsätzliche Logik ist: Dieses Verhalten verletzt die Grenze des anderen, deshalb habe ich es zu lassen. Ihr meint, in dieser speziellen Situation ist ohnehin davon auszugehen, dass das Mädchen das nicht wollen kann. Das ändert aber nichts daran, dass das allgemeine Prinzip ist, dass man das Verhalten sein lässt, weil das Mädchen es nicht möchte. "Sie will das nicht. Lasst das sein!" wäre aber vielleicht noch prägnanter.
Bei den normalen "Jungen fangen die Mädchen"-Spielen sieht man ganz gut, wie unterschiedlich die Grenzen der Kinder sind und wie schwierig es ist, Signale zu deuten: Die Jungs attackieren, die Mädchen rennen kreischend und kichernd auseinander und schwanken selbst zwischen Spaß und Genervtsein. Aber sie spielen mit, reagieren auf die Jungs, greifen auch selbst an etc. Meine Große wollte nie mitspielen, ihre Freundin aber schon. Deswegen wurde meine Große auch immer wieder da reingezogen. Hast du mal Grundschüler auf dem Schulhof beobachtet? Das passiert da jede Pause. Und es passieren auch andere Sachen: Hier gibt's einen Jungen, der immer mal wieder irgendwelche Mädchen hinter der Turnhalle schnappt und küsst. Ich habe zufällig mitbekommen, wie eine Freundin meiner Tochter davon erzählt hat: "Iiiih, der XY hat mich geküsst!!!!" Sie war total begeistert. Meine Tochter hätte die Krise gekriegt. Deshalb finde ich es wichtig, darauf hinzuwirken, dass man die Grenzen anderer wahrnimmt und respektiert. Dann passt es nämlich für jedes Kind.
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Elena
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Das wäre genau meine Überlegung hinter dem Satz "Merkt ihr nicht, dass....?"Mandala345 hat geschrieben: 10.10.2018, 10:52 Elena hätte ja eingeleitet mit "Merkt ihr nicht, dass sie das nicht möchte?" Und danach zu sagen "wenn sie das nicht möchte" hätte dem Mädchen damit das sie bejaht die Möglichkeit gegeben auch selbst ein Statement abzugeben und nicht nur heldenhaft gerettet zu werden. So fällt es ihr vielleicht das nächste Mal leichter gleich selbst etwas zu sagen und nicht wieder darauf warten zu müssen, dass ein Aussenstehender interveniert
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- Vögelchen
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Ich finde die Einleitung insofern problematisch, dass die Jungs dann antworten könnzen: " Nein wieso, sie lacht doch".Das wäre genau meine Überlegung hinter dem Satz "Merkt ihr nicht, dass....?"
Und damit wird dem Mädchen in dieser Situation doch wieder Buhmann zugeschoben, dass nur sie etwas falsch gemacht hat.
Liebe Grüße, das Vögelchen
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Elena
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Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Aber darauf könnte man doch antworten "Sie lacht zwar zwischendurch mal, aber man kann sehr gut sehen, dass das kein fröhliches Lachen ist. Außerdem weicht sie euch aus. Ihr seid groß genug, um zu erkennen, dass es nicht in Ordnung ist, wie ihr euch verhaltet."
Ich verstehe deinen Einwand aber schon. Was würdest du denn sagen? Für mich wäre die Alternative dann irgendwie nur "Man greift nicht in den Schritt", und das widerstrebt mir irgendwie, weil es eher nach allgemeiner Moralvorstellung klingt - und weil es ja auch nur einen Teil des Missverhaltens der Jungen abdeckt. Sie lästern ja auch und bedrängen auf andere Weise. Oder siehst du als einzige Lösung, die Kinder zum Direktor zu schleppen?
Ich verstehe deinen Einwand aber schon. Was würdest du denn sagen? Für mich wäre die Alternative dann irgendwie nur "Man greift nicht in den Schritt", und das widerstrebt mir irgendwie, weil es eher nach allgemeiner Moralvorstellung klingt - und weil es ja auch nur einen Teil des Missverhaltens der Jungen abdeckt. Sie lästern ja auch und bedrängen auf andere Weise. Oder siehst du als einzige Lösung, die Kinder zum Direktor zu schleppen?
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Lösche Benutzer 1828
Re: Wie Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen?
Nein. So funktioniert das nicht - so hätte das bei mir nicht funktioniert.Mandala345 hat geschrieben: 10.10.2018, 10:52 Elena hätte ja eingeleitet mit "Merkt ihr nicht, dass sie das nicht möchte?" Und danach zu sagen "wenn sie das nicht möchte" hätte dem Mädchen damit das sie bejaht die Möglichkeit gegeben auch selbst ein Statement abzugeben und nicht nur heldenhaft gerettet zu werden. So fällt es ihr vielleicht das nächste Mal leichter gleich selbst etwas zu sagen und nicht wieder darauf warten zu müssen, dass ein Aussenstehender interveniert
In dem Fall braucht man schon mal einen Alltagshelden, doch!
Und es ist ja auch total offensichtlich, dass da ein sexueller Übergriff war. Da gibt es kein "wenn sie das nicht möchte" - wenn Dich jemand ins Gesicht tritt, erwartest Du solche Sprüche ja auch nicht. Sondern einfach tatkräftige Hilfe.