Lisandra hat geschrieben: 29.04.2018, 10:08
MamaMonster hat geschrieben: 28.04.2018, 23:02
Die Lügen sind für DICH (und deinen Sohn) überflüssig. Der Junge braucht sie offenbar, sonst würde er es nicht machen. Egal, was sie ihm geben (Sicherheit, Aufmerksamkeit, Flucht etc. es gibt viele Möglichkeiten), er erfüllt damit irgendein Bedürfnis. Dein Sohn wird sicher irgendwann merken, dass sein Freund Sachen erfindet.
Danke für deine Sichtweise. Du hast schon recht, dass die Lügen wohl ein ( uns unbekanntes) Bedürfnis des Jungen stillen, aber der anderen Seite haben wir halt auch ein Bedürfnis nach Wahrheit.
Das Kind war eine zeitlang mir gegenüber sehr fordernd, fast schon feindselig eingestellt, was ich mir gar nicht erklären konnte. Solche Töne hat noch nie ein anderes Besuchskind mir gegenüber geäußert.
Erst als ich dann anfing mehr auf ihn einzugehen und ihm Bewunderung zu zollen besserte sich das Verhältnis. Das war dann natürlich damit verbunden, dass er mir "Stories" erzählte. Es ist immer noch so, dass er von allen Besuchskindern die meiste Aufmerksamkeit braucht.
Die Eltern setzen ihm meiner Meinung nach eher wenig Grenzen, das Abholen zieht sich beispielsweise immer ewig, da er rumdiskutiert etc.
Sind denn dann die Lügen selbst das Problem oder eher allgemein, dass dich sein Verhalten stört?
Also dass er fordernd und feindselig wird oder bei dem Pommesbeispiel Druck auf dich ausüben will?
Ich würde nämlich das Lügen mal rausnehmen - stell dir vor, es wäre alles wahr, was er erzählt. Wäre sein Verhalten dann für dich okay? Ich vermute ja mal nicht.
Von daher würde ich eher sein Verhalten dir gegenüber, dass dich ärgert je nach Situation angehen. Um mal das Pommes-Beispiel zu nehmen: DU bist die Erwachsene, die entschieden hat, es gibt keine Pommes. Da ist total egal, ob seine Eltern ihm gelogen oder tatsächlich "immer" welche kaufen würden. Was hat diese Info mit dir zu tun? Hier würde ich ansetzen und ihm das klar machen. Andere Familie, andere Regeln - er ist Gast, nicht dein Sohn und du nicht seine Mutter.
Ich hatte sowas Ähnliches mit einem etwa gleichaltrigen Kind, dass eine wirklich unangenehme "Klugscheisser"-Phase hatte. Ich habe ihm auch gespiegelt, dass ich es nicht okay finde, wenn er so herablassend mit mir redet und ich das doch schließlich auch nicht täte.
Und was die Freundschaft und das Vertrauen zwischen deinem Sohn und seinem Freund angeht:
Ja, kein sein, dass das irgendwann die Freundschaft belastet. Aber diese unangenehme Erfahrung wird dein Sohn dann leider machen müssen und dann solltest du ihm einfach beistehen. Ich mein, hatten wir das alle nicht mal? Eine Freundschaft, die uns Schmerz zugefügt hat? Wenn ich mich daran zurück erinnere, war es für mich eine wichtige Lernerfahrung und letztendlich eine Vertiefung der Beziehung zu meinen Eltern, die mir damals da durch geholfen haben.
Kurz und knapp:
Aus meiner Sicht ist deine Aufgabe nicht, eventuelle Defizite bei ihm auszugleichen oder verletztendes Verhalten gegenüber dir klanglos hinzunehmen. Du darfst ihn deine Grenze aufzeigen und er kann dadurch indirekt (!) gespiegelt kriegen, dass seine aktuelle Lösung für was auch immer vielleicht nicht so hilfreich ist, wie er es sich erhofft.
Und für deinen Sohn kannst du nur stets offene Ansprechpartnerin sein, wenn er Redebedarf dazu hat