Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

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Orangensonne
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

Liebe Auri!
Du bist sicherlich emotional sehr mitgenommen, im Wochenbett nach einer so schwierigen Geburt, da ist diese Zerrissenheit natürlich besonders schwer auszuhalten. Du wirst bestimmt Wege für dich und für euch finden damit umzugehen aber sie wird euch wahrscheinlich noch eine ganze Weile begleiten.
Ich habe gerade nicht immer das Vertrauen in mich, dass wir/ich diese Wege finden. Ich habe in den ersten drei Wochen auch ziemlich mit den seelischen Folgen zu kämpfen gehabt und bin deswegen auch in Behandlung (gewesen). Da war ich auch sehr mit mir beschäftigt. Merke ich jetzt in der Rückschau.
Ich dachte immer, dass es einfacher ist wenn das große Kind älter und verständiger ist aber wahrscheinlich ist es dann nur anders aber nicht besser.
Ja, vermutlich nur anders. Heute morgen hat sie G sehr lange besaßt und mit ihr (eine lebende Puppe - Hurra!) gespielt, das ist tatsächlich ein kleiner Vorteil (jetzt - später wird es dann schwieriger)...


Ich glaube, es gehört für alle Kinder mit Geschwistern einfach dazu, das zu durchleben und wir können sie nur möglichst liebe- und respektvoll begleiten.... Dafür haben sie eine hoffentlich lebenslange Begleitung durch das oder die Geschwister und sind nicht so allein wie Einzelkinder.
Das hilft mir sehr. Danke!
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
Orangensonne
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

jali hat geschrieben: 03.04.2018, 09:31 Es IST eine grosse Veränderung und die grossen verlieren auch etwas (auch wenn sie langfristig gewinnen), da darf man auch traurig und wütend sein.
Manchmal habe ich gedacht, wie konntest du ihr das antun?
Aber ok, da habe ich ja wieder die Antwort. Langfristig ist die Geschwisterbeziehung ja hoffentlich das alles wert..
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
Piratenmama
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Piratenmama »

Bei meinen beiden Großen, merke ich nach Verständnis in der ersten Zeit mittlerweile auch dass sie mich wieder sehr deutlich einfordern. Ich schick dann auch mal meinen Mann mit dem Baby im tragetuch spazieren und versuche bewusst was mit den großen alleine zu machen. Fühlt sich manchmal doof an, weil ich den kleinen stillend sofort beruhigen könnte, aber mir ist auch nicht geholfen, wenn der Rest der Familie immer zurück stecken muss.
Eine Patentlösung habe ich leider trotzdem nicht, wollte dir nur sagen, dass ich deine Zerrissenheit kemne und nachvollziehen kann.
Orangensonne
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

Piratenmama hat geschrieben: 03.04.2018, 21:09 Bei meinen beiden Großen, merke ich nach Verständnis in der ersten Zeit mittlerweile auch dass sie mich wieder sehr deutlich einfordern. Ich schick dann auch mal meinen Mann mit dem Baby im tragetuch spazieren und versuche bewusst was mit den großen alleine zu machen. Fühlt sich manchmal doof an, weil ich den kleinen stillend sofort beruhigen könnte, aber mir ist auch nicht geholfen, wenn der Rest der Familie immer zurück stecken muss.
Eine Patentlösung habe ich leider trotzdem nicht, wollte dir nur sagen, dass ich deine Zerrissenheit kemne und nachvollziehen kann.
Danke auch dir für deine Gedanken! Ich kann mir das auch gut vorstellen, dass G mit dem Papa raus geht. Vorgestern war G im Tuch und ich war mit C Radfahren. (Ich nicht, nur das Kind!) Da hat sie G im Tuch vergessen und das tat ihr auch sehr gut. Überhaupt findet sie alles gut, was den Tagesablauf von vor der Geburt wieder bringt. Ich konnte sie länger nicht von der Kita abholen nach der Geburt, aber seitdem ich das auch wieder mache, ist sie schon zufriedener. Ich werde mal überlegen, wo ich da noch wieder mehr Alltag reinbringen kann.
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

Sakura hat geschrieben: 03.04.2018, 10:30 Hi Orangensonne, herzlichen Glückwunsch zum Baby, und ich kriege Gänsehaut bei dem, was Du über die Geburt schreibst.


Nur ganz kurz zum Ins-Bett-bringen: Kinder empfinden Dinge manchmal anders als wir. Meine Große war erst 2, als die Kleine Schwester kam. Ich war von Anfang an viel allein mit beiden. Ich musste die Große von Anfang an abends oft mit Baby ins Bett bringen, und mittags sowieso. Teilweise auch mit schreiendem Baby eingebunden vorm Bauch. Ich bin mir sehr sicher, dass meine Große es bevorzugt hat, dass ich sie mit schreiendem Baby ins Bett bringe (was Erwachsene jetzt blöd finden), als wenn sie hätte allein ins Bett gehen sollen (oder mit Papa, wenn er da war), damit sie "schön ihre Ruhe hat" und nicht durch das Baby "gestört" wird. Meine Anwesenheit war ihr wichtiger als alles andere.

Wir waren damals gerade in ein Haus umgezogen, das Dach wurde noch gedeckt, als wir schon drinnen wohnten. Wenn wir mittags ins Bett gegangen sind, hörten wir das Hämmern des Dachdeckers auf dem Dach direkt über uns. "Hör mal, sagte ich dann zu ihr. Der Dachdecker hämmert auf dem Dach. Das klingt ein bisschen wie Regen, findest Du nicht?" Und so lauschten wir dem (ziemlich lauten) Hämmern, und darüber ist sie eingeschlafen.

Normalerweise lagen wir nebeneinander, sie dicht an mich gekuschelt. Einmal hat mittags das Baby doll geweint. Ich habe das Baby dann eingebunden, musste aber sitzen. Also habe ich mich mit brüllendem Baby vorm Bauch ins Bett gesetzt, die Große lag im Bett, und ich habe ihr gesagt, dass das heute eben mal so ist. Das Baby weint und ich kann mich nicht hinlegen. Ich kann ihre Hand halten und sie kann sich rankuscheln, und dann muss sie so einschlafen. Das muss heute mal so gehen. Ging. Meine Anwesenheit war ihr das wichtigste, alles andere ringsrum war verhandelbar.

Meistens habe ich es abends so gemacht: ich lag auf der Seite. Vor mir das Baby angedockt stillend, hinter mir an meinen Rücken gekuschelt die Große, die so kuschelnd eingeschlafen ist. Meine Anwesenheit war unabdingbar, alles andere verhandelbar.


Was ist für Deine Große das wichtigste? Was wäre für sie verhandelbar? Wäre es für sie ok, wenn Du sie ins Bett bringst, auch wenn Du ein (weinendes) Baby dabei hast? Kannst Du das Baby stillen, während Du bei der Großen bist und wartest, dass sie einschläft? Kannst Du vorlesen, während Du das Baby stillst? Was ist für Deine Große wirklich wichtig, und was würde sie nicht stören? Das sind manchmal GANZ andere Dinge, als was wir Erwachsenen optimal finden würden.


Alles Gute Euch!
Eine sehr gute Anregung! Ich werde das mit ihr besprechen. Deine Zeilen helfen mir auch, dass ich im Kopf freier werde.
Wir haben gestern das maulende Baby mit ins Bad genommen. (Der Papa war nicht da.) und C hat geduscht & sich fertig gemacht. Das war super, weil es mir auch gezeigt hat, dass es geht.


Also vielen Dank!
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
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RosaLia
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von RosaLia »

Bei uns hat sich das im Laufe der Zeit irgendwie eingespielt. Die Kinder werden älter und ich werde pragmatischer. Denn das Problem, dass ich mich nicht gleichzeitig um alle Kinder in gleichem Maße kümmern kann, bleibt ja. Schließlich habe ich nur zwei Hände und kann mich nicht zerteilen. Wenn ich dem Mittelkind auf der Toilette helfe, kann ich beim Großkind nicht neben den Hausaufgaben sitzen bleiben. Wenn ich dort sitze, kann ich nicht mit dem Kleinen spielen. Wenn ich die Große zum Schwimmkurs bringe, können die Kleinen nicht alleine zu Hause bleiben und müssen mit. Umgekehrt muss die Große halt mal mit zum Eltern-Kind-Turnen, usw. usf. Das gehört bei uns mit zum Familienleben, inkl. dass ich das Meckern darüber aushalte. Zwischendurch habe ich da auch mal ein schlechtes Gewissen, allerdings eher gegenüber den Kleinen, die sich bei uns dem Rhythmus der Großen anpassen mussten.
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

RosaLia hat geschrieben: 04.04.2018, 18:13 Bei uns hat sich das im Laufe der Zeit irgendwie eingespielt. Die Kinder werden älter und ich werde pragmatischer. Denn das Problem, dass ich mich nicht gleichzeitig um alle Kinder in gleichem Maße kümmern kann, bleibt ja. Schließlich habe ich nur zwei Hände und kann mich nicht zerteilen. Wenn ich dem Mittelkind auf der Toilette helfe, kann ich beim Großkind nicht neben den Hausaufgaben sitzen bleiben. Wenn ich dort sitze, kann ich nicht mit dem Kleinen spielen. Wenn ich die Große zum Schwimmkurs bringe, können die Kleinen nicht alleine zu Hause bleiben und müssen mit. Umgekehrt muss die Große halt mal mit zum Eltern-Kind-Turnen, usw. usf. Das gehört bei uns mit zum Familienleben, inkl. dass ich das Meckern darüber aushalte. Zwischendurch habe ich da auch mal ein schlechtes Gewissen, allerdings eher gegenüber den Kleinen, die sich bei uns dem Rhythmus der Großen anpassen mussten.
Da merke ich was für ein Luxus das einerseits war, dass ich mich 5 Jahre auf die Große ganz einlassen konnte. Hier muss die Kleine sich auch schon anpassen.

Aber ich verstehe den Punkt. Insbesondere, dass ich als Erwachsene dann auch den Unmut aushalten muss.
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
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Re: Entthronung unserer 5jährigen: Schlechtes Gewissen, Zerissenheit und Traurigkeit.

Beitrag von Orangensonne »

Bearly hat geschrieben: 03.04.2018, 09:39 Ich kann Dir folgen und verstehe Dich voll und ganz! (((Orangensonne)))
Wir haben bzw hatten hier eine ähnliche Situation, der Große geboren 01/13, die Kleine 10/17, Geburt war nicht ganz so dramatisch, "nur" KS mit bisschen Komplikationen (aber nie Lebensgefahr für Baby und/oder mich) und 9 Tagen KH.
Mein "Vorteil" war und ist, dass der Große ein totales Papakind ist und seine kleine Schwester echt abgöttisch liebt.

Ich kann nur berichten wie wir es gemacht haben, Du kannst vielleicht "rausfischen" was für Euch passt: die Abendsituation hat sich für uns sehr entspannt als ich aufgehört hab auf die Uhr zu schauen bzgl wann der Große ins Bett geht. Der ist aber ein Kind mit dem das folgenlos geht. Heißt er konnte sich zu mir/uns kuscheln solange die Kleine getrunken hat, wenn die so weit "abgefüllt" war, hat Papa sie übernommen und ich den Großen ins Bett gebracht. War halt manchmal 1,5h später als regulär...
Inzwischen ist sie fast 6 Monate alt, jetzt versuche ich an Tagen wo wir früh genug essen erst die Kleine ins Bett zu bringen, der Große darf mit Papa noch Youtube schauen und danach den Großen. Oder wenn die Kleine noch wach genug ist und der Große früh müde, lese ich beiden vor, sag dann erst ihm gute Nacht und bring dann die Kleine. Wir entscheiden das alao relativ spontan jeden Tag neu wie es passt und sich ausgeht.
Ansonsten habe ich ihm aber auch öfter erklärt, dass es momentan für uns alle anstrengend ist mit dem Baby, auch für Mama und Papa, aber dass ich ihm verspreche, dass das besser und leichter wird.
Und ja, auch aus Mamasicht wird es einfacher bzgl der Entscheidung "wer braucht mich grad mehr". Es muss ab und an jetzt auch die Kleine mal kurz warten und mal kurz mit Papa und dem Schnuller Vorlieb nehmen. Ohne den ginge es hier nicht, auch wenn ich mich lange dagegen gewehrt habe und die Sache noch immer mit Argusaugen beobachte. Aber er entspannt so einiges...

Und die Zeit arbeitet für Dich! Deine Große wird immer selbstständiger und die Kleine zunehmend weniger von Dir abhängig sein!
Liebe Bearly,

vielen Dank für die Impulse. Da ist einiges dabei, das mich schon zum Nachdenken angeregt hat.

Der Hinweis, dass es auch für die Mamas leichter wird, beruhigt mich immer wieder. Vielen Dank!
Alexandra mit C 02/13 und G 01/18
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