Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

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Lösche Benutzer 10716

Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von Lösche Benutzer 10716 »

glockenblümchen hat geschrieben:Hier Waldkindergarten Kinder. Ich als Mutter bin vollkommen überzeugt davon, dass es für mein Kind das Beste ist, in und mit der Natur aufzuwachsen. Das war mir in erster Linie wichtig. Alles Andere kommt von selber oder man hilft eben ggfs nach. Mein 4.5 jähriges Waldkindergarten macht ohne jegliche Förderung Sachen aus dem Bereich der ersten Klasse.

Ebenfalls natürlich ein liebevolles Miteinander aber das kriegt man eh erst mit, wenn man im Kindergarten angekommen ist.

Dass das Kind zum Wald und draußen sein passen muss sehe ich etwas anders. Ich habe überhaupt keine "klassischen Waldkinder". Alle Kinder bei uns haben sich vor allem im ersten Winter an das viele draußen sein gewöhnen müssen, also mit 3 plus. Mit 4 plus ist das Thema Wetter überhaupt kein Thema mehr, es sei denn die Erwachsenen machen eins drauss. ;-) Das finde ich auch ziemlich logisch in Anbetracht dessen, dass man ja normalerweise nicht so viel Zeit draußen verbringt wobei wir schon immer gerne und viel draußen waren aber natürlich nicht 5-6 Stunden am Stück.

Ich glaube aber auch, man muss "den Wald wollen" als Eltern. Sonst wird das nichts.
Hier mag ich nochmal etwas zu schreiben.
Ich habe selbst auch zwei Waldkinder und wir haben uns damals aus ähnlichen Gründen + Suche nach geeignetem Ort für unser hochsensibles Kind für den Wald entschieden. Ich bin heute (anders als zu Beginn) der Überzeugung, dass nicht alle Kinder gleich gut im Wald aufgehoben sind und nicht jedes Kind adaptiert. Mein Fünfjähriger kämpft bis heute mit dem Wetter. Der Tag im Wald ist - insbesondere im Winter - rau. Die Kinder müssen in Bewegung bleiben, sonst wird es kalt. Vielleicht erstmal müde noch etwas in eine Leseecke kuscheln, in Ruhe wach werden, gemütlich starten - schwierig. Mein Mittlerer ist ein echtes Waldkind, für ihn passt der Kindergarten wunderbar.

Zum Thema Aufwand: Ich denke, hier muss man wirklich Infos einholen und für sich entscheiden, ob es passt. Ich selbst sehe zum Beispiel auch immer, dass all die Mitarbeit, die Feste, die Zeltlager auch die Eltern und Erzieher zusammen schweißen. Der Kindergarten ist kein fremder Ort, sondern ein sehr vertrauter, der mir viel bedeutet und den ich mag. Wir Eltern kennen uns gut, der Draht zu den Erziehern ist eng. Ich persönlich sehe das als Bereicherung und als Geschenk, jemand anders könnte es vielleicht als zu eng empfinden.

Ich wünsche euch, dass ihr eine Entscheidung trefft, die sich gut und richtig anfühlt!
Frag gerne, wenn du noch Fragen hast!
glockenblümchen
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von glockenblümchen »

Karola das sehe ich halt anders, klar kämpft mein Kind auch immer wieder mit dem Wetter und bei schönem Wetter geht sie deutlich lieber. Ich schrieb ja ich hab keine klassischen Waldkinder, aber ich persönlich glaube das es ihr trotzdem gut tut und das es im Hauskindergarten auch Dinge gäbe die sie stören würde. Das ist aber für mich persönlich auch okay so, da ich das für normal halte. ;-)
Lösche Benutzer 10716

Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von Lösche Benutzer 10716 »

glockenblümchen hat geschrieben:Karola das sehe ich halt anders, klar kämpft mein Kind auch immer wieder mit dem Wetter und bei schönem Wetter geht sie deutlich lieber. Ich schrieb ja ich hab keine klassischen Waldkinder, aber ich persönlich glaube das es ihr trotzdem gut tut und das es im Hauskindergarten auch Dinge gäbe die sie stören würde. Das ist aber für mich persönlich auch okay so, da ich das für normal halte. ;-)
Ich wollte dich auch überhaupt nicht kritisieren ;-)
Meinungen können ja auseinander gehen. Ich selbst bin dem Wald ja auch sehr positiv gegenüber eingestellt und gleichzeitig, ja, würde ich heute zumindest für meinen Großen zumindest Alternativen in den Blick nehmen.
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Yala
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von Yala »

Hallo,
Habe jetzt die anderen Antworten schnell gelesen, da mit kranken Kind schon im Bett...
Also,ich habe zwei waldkindergartenkinder gehabt. Der große ist jetzt Erstklässler, die 4.5jährige seit März in einem Regelkindergarten.
Für den großen war es super und es wäre undenkbar gewesen,ihn in einen anderen Kindergarten zu stecken -auch weil meine Überzeugungen damals wohl noch unveränderlich waren [emoji6]
Der Kleine ist aber ein anderes Kind. Er ist viel wetterfühliger, spielt für sein Leben gerne mit eine (größeren) Auswahl an Spielsachen,wird schneller krank-für ihn hat es einfach nicht so gepasst und ich glaube er ist sehr froh jetzt nicht mehr jeden Tag raus zu müssen, sondern auch mal drin,ohne matschkleider zu spielen...
Auch die Qualität des Kindergarten finde ich inzwischen maßgeblich!ich kenne waldkindergärten wo viel Angebot da,auch wenn das freie Spiel,zurecht, meist einen hohen Stellenwert hat. Trotzdem war bei uns zuletzt einfach fast kein Angebot mehr.... Für den großen war es super, er konnte den ganzen Tag mit seinen Kumpels kicken, ein dreijähriger braucht da aber eine sehr achtsam Begleitung und auch verschiedene Angebote -denke ich.
Und auch beim großen fand ich es jetzt schon doof, dass so wenig Schulvorbereitung in Form von basteln, ausschneiden,bauen stattgefunden hat und er letztlich feinmotorisch nicht so fit war, wir Kinder aus dem Regelkindergarten. Aber das hängt auch sehr von der jeweiligen Einrichtungen ab.
Nach fünf Jahren waldkindergarten finde ich es immernoch ein super Konzept -wenn es richtig umgesetzt wird. Aber wir so oft im Leben muss es nicht für alle richtig sein und ich würde genau auf mein Kind schauen was es wohl braucht!
Auch was du geben kannst,wenn deinem Kind Regenwetter nichts ausmacht, du da aber nicht gerne rausgehst, kann ja auch das ein Grund sein, deinem Kind die verschiedenen Facetten der Natur nahezubringen.
Alles Gute bei eurer Entscheidung!

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Nichts was aus Dir wird, kann mich enttäuschen; ich habe keine vorgefasste Meinung was Du sein oder tun sollst. Ich habe keinerlei Wunsch, Dich vorherzusehen, nur den, Dich zu entdecken, Du kannst mich nicht enttäuschn -Mary Haskell-
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von glockenblümchen »

Nene um Gottes Willen Karola, hab es nicht als Kritik aufgefasst. Ich wollte nur nochmal unterstreichen, dass ich glaube das der Wald grundsätzlich zu allen Kindern passt. Ich glaube einfach es gäbe im Haus genauso Punkte mit denen Kinder nicht klar kommen. Im Wald ist es das Wetter im Haus der Lärm oä. Es ist immer was, das hat mMn aber einfach nichts mit dem Wald zutun.
glockenblümchen
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von glockenblümchen »

Yala genau um dieses "Klischee des typischen Waldkindes" ging es mir. Mein Kind will nicht bolzen, kicken, klettern und sonst irgendwas und liebt auch Spielzeug und drinnen spielen sehr. Und trotzdem liebt sie ihren Kindergarten und wir kriegen Ärger, weil sie Ferien hat. :-) Ebenfalls ist sie weder in der Feinmotorik zurück noch sonst irgendwie auffällig im Gegenteil wir werden sollen sie unbedingt früh einschulen, weil sie so fit ist. Ich finde das so Klischee besetzt immer und da will ich mich hier gerne Mal dagegen aussprechen. Ich geb da aber auch nicht die Verantwortung beim Kindergarten ab. Sie kriegt alles an Förderung, was sie verlangt Zuhause. Und im Winter wenn sie sich freut drinnen mit ihrem Spielzeug zu spielen kann sie es eben auch. Sie hat halt den Luxus des kurzen Kindergarten Tages, den sie sehr genießt und der Rest passiert eben Zuhause.
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von apfelgarten »

Ich habe auch ein glückliches Waldkind zu bieten! Neben den vielen schönen Seiten des Waldkindergartens, die schon genannt wurden, freue ich mich immer wieder sehr darüber, wie wohl sich unser Großer, 5, draußen fühlt.
Mit der richtigen Kleidung (er trägt überwiegend eine Lederhose und viel Wolle, auch eine Wollwalkjacke, so dass er gar nicht so viel Plastik anhat) ist das Wetter für ihn kein Thema.

Im ersten Waldkindergarten (wir hatten das Glück, nach einem halben Jahr einen Platz in unserem Wunschwaldkiga zu bekommen, der näher ist) hatte gerade der Vorstand gewechselt, es gab zwei Erzieherwechsel innnerhalb von vier Monaten und das war für unseren sensiblen damals knapp Dreijährigen zu viel; er wollte nicht mehr hin. Rückblickend war mir schon sehr schnell klar, dass es nicht das Richtige für ihn war, aber das hatte nichts mit dem Wald zu tun. Im jetzigen Kiga ist es wunderbar. Deshalb kann ich nur empfehlen, auf das eigene Bauchgefühl zu achten bei der Entscheidung..
HIer ist ein Link:
http://bvnw.de/wp-content/uploads/2012/ ... bnisse.pdf
Und es gibt noch ein Buch mit Studien zu Waldkindergärten, aber das ist glaube ich vergriffen und wir haben es gerade verliehen. Wenn du Interesse hast, melde dich gern per PN.
Und jetzt ab in den Wald.. äh, ins Bett,)
mit großem Sohn (10/2011) und kleinem Sohn (2/2015)
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von HelenS »

Vielen Dank für eure Antworten ihr vier! Je mehr ich hier von euch lese und antworte, desto mehr merke ich auch, was meine Meinung dazu ist.

Danke, Karola, für deinen Einwand, dass die Arbeit mit den anderen Eltern ja eben nicht nur Arbeit ist, sondern auch was Schönes, man sich kennenlernt und eine Gruppe bildet! Das hat mit geholfen. Ich hatte ehrlich gesagt erstmal nur an den Aufwand gedacht...

Ich denke, wie glockenblümchen, dass jedes Kind vom Wald profitieren kann. Mein kleiner war Frühchen (2 Monate zu früh) und hat in seinem kurzen Leben schon genug hinter sich und ich könnte mir vorstellen, dass der Wald und die Natur ihm was Positives für seine Entwicklung mitgeben.
Er ist sehr gerne draußen und hat viel Energie, aber wie er letztendlich damit klar kommt kann ich vorher wohl einfach nicht sicher wissen. Ihr habt das mit euren Kindern ja dann auch im Laufe der Zeit festgestellt, oder...

Das die feinmotorischen Sachen da nicht so ausführlich gemacht werden wie im Regelkiga, auch wenns vorgeschrieben ist, kann ich mir schon vorstellen, aber basteln und schneiden etc macht man doch eben auch mal mit seinen Kindern daheim, oder...
u
Das mit den Studien klingt interessant! Ich hatte auch mal im Internet gesucht, ob es was dazu gibt, aber hab hauptsächlich gelesen, dass es nicht viel dazu gibt und noch Forschungsbedarf besteht ;-) Von wann ist denn das Buch?
feuerdrache
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von feuerdrache »

Darf ich euch was fragen?

Wie kalt wird es bei euch im Winter, das eure Kinder ohne Probleme da 6 Stunden draussen sein können?

Wir haben hier über Wochen -15Grad und weniger, dazu gerne die eisigen tschechischen Winde (wir sind auf einer Hochebene) und natürlich jedes Jahr aufs Neue Raureif.

Schon alleine die -15 Grad mit dem Wind sind für uns, die wir ständig draussen sind nicht angenehm. Zwei meiner Kinder hatten Asthma, die durften bei diesen Temperaturen schon gar nicht mehr länger draussen sein.
Und bei Wind und Raureif ist bei uns sowieso der Wald gesperrt, da bricht es oft, also Äste werden abgebrochen, Ganze Bäume fallen um oder brechen am Stamm ab.

Habt ihr nicht solche WEtterphasen?
Wie fängt man das ab, wenn der Wald über 2-3 Wochen nicht betreten werden darf da Lebensgefahr?

Unter unseren Voraussetzungen kann ich mir Waldkindergarten gar nicht vorstellen.
apfelgarten
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Re: Erfahrungen zum Thema Waldkindergarten?

Beitrag von apfelgarten »

Wir haben nur selten -15 Grad, sind in Norddeutschland. Aber es kommt durchaus vor. Es gibt einen Bauwagen mit Gasheizung, in dem die Rucksäcke aufbewahrt werden bis zum Frühstück. Dann wird eine große Runde gelaufen, 1h Spaziergang oder mehr. Die Kinder sind in Bewegung und warm. In diesem Winter gab es öfter Schnee und sie sind 5 h Schlitten gefahren.. "Mama, mir war die ganze Zeit heiß!" ,)
Und nach dem Frühstück im Bauwagen können diejenigen, die mögen, drinnen basteln. Bei uns im Wald wird viel geschnitzt, gebaut, mit Dingen aus dem Wald gebastelt. Die Feinmotorik wird also durchaus geschult, aber eben etwas anders als im Hauskindergarten.
Ach ja, und bei knackenden Ästen und Sturmwarnungen gibt es eine Notunterkunft im Jugendhaus der Gemeinde.
mit großem Sohn (10/2011) und kleinem Sohn (2/2015)
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