Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Jannihoney
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Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Jannihoney »

Hallo ins Forum,
Ich hab keine Ahnung, wie das hier funktioniert und auch nicht wirklich die Kraft mich vorher groß schlau zu machen, also schreib ich mir jetzt einfach alles von der Seele und vielleicht kann irgendjemand anders darin Sinn sehen:

Also, ich bin 35 Jahre alt, hatte eine total unkomplizierte Schwangerschaft und jetzt würde nach 40+2 mein Sohn Avery am 15.12.16 geboren. Ich habe eine bipolare affektive Störung II, hatte eine Schlauchmagen OP vor 2 Jahren und habe von 150kg auf ca. 80kg abgenommen. Schon mit 18 hatte ich eine OP zur Brustreduktion, wobei mir jedoch damals der Chirurg sagte, dass grundsätzlich keine Einschränkung meiner Stillfähigkeit bestehe.
Nun würde mein Sohn also geboren, ich habe ihn vorbildlich innerhalb der ersten zwei Stunden angelegt an meine 85 H-Brust. Ich habe sehr flache Brustwarzen, aber mit dem Anlegen klappt es mittlerweile ganz gut. Ich habe regelmäßig mind. alle 4 Stunden angelegt, bei Anzeichen von Hunger jedoch auch oft früher. Sorge, dass ich nicht genug produziere hatte ich von Anfang an. Angst, dass die Milch nicht kommt, obwohl ich schon während der Schwangerschaft öfter Kolostrum ausmassieren konnte. Am dritten Tag waren meine Brüste prall und meine Brustwarzen schon ziemlich wund, aber ich dachte, ok, es läuft einigermaßen. Avery hat an Gewicht verloren, aber das ist ja anfangs normal, also hab ich so weiter gemacht und zwei-dreimal am Tag 20ml HA Pre Mulch MIT der Spritze zugefüttert, weil Avery immer gesucht hat und scheinbar nicht genug bekam. Am 19.12.16 wurden wir nach der U2 entlassen. Der Bilirubinwert lag bei 198 - 200 sei die Grenze sagte die Kinderärztin, das reguliert sich bald. Zuhause hab ich so weiter gestillt, aber nicht zugefüttert. Die erste Nacht machte einen harmonischen Eindruck: Avery schlief ruhig, wenn ich ihn anlegte nuckelte er vor sich hin, schlief aber immer wieder ein. Meine Hebamme kam erst am 20.12. mittags. Sie sagte, ich solle öfter anlegen und das der Bauch nicht kugelig genug sei. Sollte das Kind schlapper werden und nicht gut mitmachen sollte ich ihn trietzen beim Trinken um ihn wachzuhalten und wenn der Bauch nicht runder würde, mich am nächsten Tag in der Klinik vorstellen. Sie käme dann am 21.12. wieder.
Nach einem Nachmittag und Nacht mit häufigem Anlegen eines zwischen Hektik und Apathie schwankenden Avery, habe ich um 4 Uhr meine zur Zeit total erkältete Mutter angerufen, sie möge mich in die Klinik fahren. Ich lebe alleine, bin nicht mit dem Vater des Kindes zusammen. Meine Mutter kam, ich war total aufgelöst. Um 7 Uhr waren wir in der Klinik. Ich habe mich gegen die Klinik entschieden in der ich entbunden habe und stattdessen die direkt am Ort gewählt. Der Bilirubinwert war auf 237 gestiegen und der Arzt nahm uns stationär auf. Die Unterbringung sollte auf einer Klappliege im Zimmer mit zwei Krabbelbetten auf der Kinderstation sein. Ich war völlig überfordert mit allem was an mich rangetragen wurde und bat unter Tränen um ein Gespräch mit dem Arzt. Ich habe erklärt, dass ich mich aufgrund meiner psychische Erkrankung nicht in der Lage sehe unter diesen Umständen zu bleiben und fragte, ob es eine Möglichkeit gibt mich in eine Psychiatrie in Berlin für Mutter und Kind unterzubringen, wo sowohl Avery als auch ich versorgt werden würden. Die Ärztin hat toll reagiert und hat für mich organisiert, dass ich auf der Wochenstation im Einzelzimmer untergebracht wurde mit der Unterstützung der Fachschwestern und Hebammen, die ja tagtäglich mit Milch und Säuglingen zu tun haben. Ich sollte Avery nun immer wiegen vor dem Stillen und nach dem Stillen um zu sehen, wie viel er ernuckeln könnte, dann würde zugefüttert und außerdem sollte ich hinterher immer noch Abpumpen. Die Erträge sollten dann der nächsten Zufütterung beigefügt werden. Darauf konnte ich mich einlassen und Avery ist wieder fitter geworden, produziert wieder nasse Windeln und scheidet aus. Das Bilirubin fällt. Heute war es bei 199 auf der Stirn gemessen. Die Kinderärztin meint, morgen können wir entlassen werden. Ich habe mich ganz gut eingespielt in das vierstündige Wiegen-Stillen-Wiegen, Zufüttern, Abpumpen, aber es geht mir total an die Substanz. Ich muss ständig heulen, meine Milchmenge wurden nicht wesentlich gesteigert. Avery schafft pro Stillen ca. 5-10g aus meinen Brüsten zu saugen, beim Abpumpen bin ich weniger ergiebig mit ca. 5 ml, wobei die linke Brust kaum was bringt und die rechte eher. Jetzt überlege ich, ob ich nicht einfach aufgeben soll zu versuchen Avery zur Ernährung zu stillen und nur noch anzulegen zum Trost, für Nähe und Verbindung. Ich würde Avery weiterhin alle 4 Stunden anlegen und stillen und hinterher voll füttern. Ohne hinterher zu pumpen und zu versuchen eine Hochleistungsmilchkuh zu werden, die ich anscheinend nicht bin. Vielleicht nähme das den Stress raus? Ich bin ziemlich verzweifelt und bin nur als Begleitperson für Avery aufgenommen, d.h. dass die tollen Schwestern hier eigentlich gar keine Zeit für mich haben und mir nicht verpflichtet sind. Sie helfen schon sehr viel, aber ich bin nicht ihr Arbeitsauftrag. Meine Hebamme kommt erst am 28.12. wieder zu mir. Ich bin also ab morgen mit einer Babywiege, Milchpumpe, Pre Nahrung alleine auf mich gestellt. Ich habe keine Ahnung, wie viel ich Avery füttern soll. Eine Schwester hat versucht mir eine Berechnung für die Trinkmenge anhand des Lebensalters zu erklären, aber mein Gehirn ist nicht in der Lage sich das zu merken. Aaaaaaarrrgggghhh, ich werde wahnsinnig, aber liebe dieses Kind und ich kämpfe wie ein Löweund rudere wie eine Irre.
Gibt es hier Hilfe für mich?? Bitte!
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Alanna
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Alanna »

Herzlich willkommen und herzlichen Glückwunsch zur Geburt seines Sohnes.

Eine Moderatorin aus dem Stillberatungsteam meldet sich sicherlich bald bei dir.

Vielleicht magst du bis dahin noch die Fragen aus diesem Threat beantworten?
viewtopic.php?f=2&t=125451
Grüßle Alanna

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februarkind16
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von februarkind16 »

Das hört sich alles sehr stressig bisher an. Ich wünsche dir, dass es schnell bergauf geht. Hier bist du auf jeden Fall in guten Händen!
Beantworte unbedingt die Fragen aus den Link, den Alanna schon geschrieben hat.

Was mir als Laie einfällt: Warum kommt deine Hebamme nicht öfter? Du hast ja schließlich Probleme. Meine kam anfangs alle 1-2 Tage. Da wir glücklicherweise keine Gewichtsprobleme hatten, habe ich von selbst gesagt, dass wir die Abstände vergrößern können. Sonst wäre meine Hebamme noch länger so oft gekommen. Kannst du sie vielleicht anrufen und bitten, dass sie in der schwierigen Anfangszeit täglich einmal vorbei schaut? Oder dass ihr zumindest einmal täglich telefoniert und du ihr deine Fragen stellen kannst?
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koalina
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von koalina »

Ganz wichtig wäre folgendes:

Stille dein Baby min 10-12 * in 24 Stunden, d h Tags im 2h, nachts im 3h Rhythmus, nicht nur alle 4h! Wecke ihn auch dafür. Wecktipps findest du hier.
Besorge dir nach Entlassung eine eigene Babywaage, gibt es in vielen Apotheken zu leihen.
Schreibe hier alle dir bekannten Gewichte mit Klardaten auf.

Hast du jemand vor Ort, der dir beistehen kann? Psychisch ist das gerade sehr belastend ((( )))
Das du wenig Pumpen kann heisst nicht, das du keine Milch hast!

Alles Gute Euch! Ihr schafft das!
Koalina
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Unsere kleinen Wunder... kamen überraschend und haben unser Leben mehr bereichert als man es in Worte fassen kann.
Jannihoney
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Jannihoney »

Danke erstmal für die schnellen Beiträge. Es ist schon mal schön zu wissen, dass jemand da draußen ist, der Anteil nimmt. Meine wichtigste Bezugsperson vor Ort ist meine Mutter und die ist total erkältet und hält entsprechend Abstand. Meine Freunde leben alle > 250 km entfernt :( Ich habe hier wirklich nur oberflächliche Bekanntschaften.

Die Hebamme, die ich habe, ist 'die die übrig war' und anscheinend nicht sehr beliebt in der Fachwelt. Schön mehrere der Schwestern haben die Augen verdreht und die Hebamme im Vorbereitungsdienst hat auch nicht viel Begeisterung geäußert.

Ich werde gleich noch mal nach den Gewichten der letzten zwei Tage fragen und dann eine klarere Darstellung hier posten.

Ich habe vor dem letzten Wiegen-Stillen-Wiegen nicht gepumpt und Avery hat erstaunliche 15 g selbsternuckelt, obwohl ich fand, dass er sehr hektisch war und sich schwer anlegen ließ. Anschließend hat er noch 80 ml Pre getrunken.

Zuhause werde ich sofort wieder anfangen ihn wieder öfter anzulegen. Hier habe ich mich dem auferlegten Zeitplan verpflichtet. Zum Glück zeigen so viele Geschichten, dass beim Stillen nichts in Stein gemeißelt ist...
Milima
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Milima »

Ich will dich einfach mal drücken. Das klingt sehr ähnlich wie mein stillstart mit meinem Sohn. Es ist so unglaublich anstrengend und belastend. Toll, dass du noch dran bist!!! Viele andere hätten schon aufgegeben. Mit Hilfe von hier werdet ihr es schaffen!!! Halte durch, es lohnt sich wirklich!

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kerstins
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von kerstins »

Ich finde du sorgst super für dein Kind und anscheinend auch für dich. Darauf kannst du stolz sein.
Lass doch solange du in der Klinik bist noch mal jemanden nach dem Zungenbändchen schauen. Ansonsten bekommst du hier sicher in Kürze viele weitere Tipps. Das wichtigste ist im Moment, dass dein Kind trinkt, deshalb ist wecken in Ordnung. Ich musste das auch am Anfang sehr extrem, es ist nicht schön, aber es ist wichtig, damit der Bilirubinwert weiter gut sinkt. Weiteres mag ich nicht schreiben, ich bin keine Expertin, aber ich drücke dir die Daumen!
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Jannihoney
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Jannihoney »

Gewichte:

15.12.16 - 3560 g Geburt KH
16.12.16 - 3438 g KH
17.12.16 - 3324 g KH
18.12.16 - 3338 g KH Entlassung
19.12.16 - k.A. zuhause
20.12.16 - Wert unbekannt, Hebamme nachfragen
21.12.16 - 3190 g Kinderklinik
22.12.16 - 3285 g Kinderklinik

Bilirubin:

18.12.16 - 198 Stirn
21.12.16 - 237 Stirn
22.12.16 - 199 Stirn
Jannihoney
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Jannihoney »

:daumenhoch:
Bin total gerührt und glaube, jetzt kann ich sogar selber noch ne Kleinigkeit essen, dann ein bisschen mit dem kleinen Mann auf dem Bauch schlafen und dann geht es weiter mit dem Stilltriathlon...

Danke an Euch da draußen
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Carraluma
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Re: Hilfe, ich kann nicht mehr denken...

Beitrag von Carraluma »

Ich hoffe zwar du schläfst und liest das erst morgen, aber vorsichtshalber gleich.
Ich glaube nicht, dass Stillproben dir was bringen. Und vor allem nicht nachts allein daheim! Bei den Trinkmengen, die du beschreibst, ist die Wiegeungenauigkeit wohl größer als das, was du misst.
Hier die Grundinfo zu Stillproben:
viewtopic.php?f=2&t=175250
Schlaf gut!
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
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