Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Moderatoren: Toony, Momolina

Benutzeravatar
Reisende
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1425
Registriert: 04.08.2016, 00:43

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Reisende »

ehrlichkeit finde ich auch sehr wichtig.
und da wir ja in diesem kontext tatsächlich nur wenig sicher wissen, und alles andere eine glaubensfrage ist, würde ich das erzählen, an das ich selbst glaube.

heutzutage wird in unserer gesellschaft der tod ziemlich tabuisiert. ich finde, wir sollten unseren kindern helfen, ein gesundes gefühl und verständnis dafür zu entwickeln.
der tod gehört zum leben nunmal dazu, und man sollte imho ohne scham oder ungutes gefühl darüber sprechen können.

wir z.b. haben nutztiere, da wird auch mal geschlachtet. söhnchen soll zwar vorsichtig, aber ohne künstliche hemmung an das thema herangeführt werden.
♥️J (04/16) und T (07/19)♥️
Lösche Benutzer 10310

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Lösche Benutzer 10310 »

Mein Sohn (5) sagt schon seit einer Weile, dass alle Kinder vor ihrer Geburt auf einem fremden Planeten leben. Keine Ahnung woher er das hat, von mir jedenfalls nicht. Aber ich denke, das Thema ist schwierig zu begreifen, also die Tatsache dass man nicht existiert. Ich lasse das deshalb so, wenn ihm diese Vorstellung hilft, soll er sie haben. Ich weiß noch, dass mir die Gedanken "Nach dem Tod gibt es mich nicht" in meiner eigener Kindheit (auch dieses Alter) total unheimlich waren, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen.
Und als er das erste Mal meinen Mann auf das Thema Sterben angesprochen hat, hat er anschließend geweint, weil er Angst bekommen hat, dass wir sterben und er allein ist. Da war er aber etwas junger al jetzt.
AnnaH85
gehört zum Inventar
Beiträge: 516
Registriert: 19.04.2016, 17:22

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von AnnaH85 »

Ich könnte nicht mehr sagen wie alt ich war als ich meinen Vater gefragt habe wie das ist mit dem Tod und dem lieben Gott. Auf jeden Fall unter 10, schätze so etwa 5-8. An das Gespräch erinnere ich mich aber noch sehr gut. Ich weiß ich hatte panische Angst vor dem Tod und dass danach nichts mehr kommt. Meine Familie ist absolut nicht gläubig und mein Vater hat damals auch die Strategie verfolgt ehrlich und realistisch zu sein. Er erzählte mir von dem Urknall, Naturwissenschaften, und dass Mama und Papa nicht an den lieben Gott und ein Leben nach dem Tod glauben. Ich könne mir aber gerne selbst ein Bild machen und wenn ich zu dem Schluss komme, dass es den lieben Gott doch gibt, dann wäre das ok. Sie wollten es mir überlassen.

Bumm. Bis heute komme ich nicht mit der Idee zurecht, dass nach dem Tod nichts kommt. Wie eine Vorschreiberin hier schon meinte, die Zweifel kommen irgendwann ganz von alleine. Deswegen nehme ich mir persönlich vor, wenn es bei meinem Sohn dann mal soweit ist, ihm auf jeden Fall von dem lieben Gott, der auf ihn aufpasst, und dem Himmel zu erzählen, genauso wie vom Christkind und dem Osterhasen. Ich bereue sehr dass mein Vater damals so ehrlich zu mir war, denn seine Antwort hat mir damals nur noch mehr dem Boden unter den Füßen weggezogen. Kinder brauchen Märchen und die damit verbundene Hoffnung auf ein "gutes Ende".
Mama A mit Papa A und Baby A 04042016
Benutzeravatar
Amber
Power-SuTler
Beiträge: 6417
Registriert: 30.01.2010, 16:44

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Amber »

AnnaH85 hat geschrieben:Ich bereue sehr dass mein Vater damals so ehrlich zu mir war, denn seine Antwort hat mir damals nur noch mehr dem Boden unter den Füßen weggezogen. Kinder brauchen Märchen und die damit verbundene Hoffnung auf ein "gutes Ende".
Das Gespräch ist bei Dir anscheinend sehr ungut verlaufen, aber Deine Erfahrung ist für mich kein Grund, den Kindern ein Märchenbild vorzulügen, gerade weil es so ein wichtiges Thema ist. Wir reden offen übers Leben und Sterben, sagen den Kindern dass eben niemand weiss was nach dem Tod kommt. Manche glauben an Gott und einen Himmel (wie unsere Oma), wir nicht. Die Vorstellung des "Nichts" findest Du erschreckend, ich dagegen nicht. Nichts ist für mich gleichbedeutend mit Ruhe, Frieden.

Neulich erst hat mein Sohn ganz toll geschlussfolgert, dass es im Himmel viel zu voll sein muss, wenn wirklich alle Verstorbenen dort wohnen, dann ist ja gar kein Platz mehr und es wird unbequem. Töchterchen hat mit 4 ihre eigene Logik entwickelt: Babys werden geboren, alte Menschen sterben. So einfach ist das für sie.

Zum Thema Leben vor der Geburt: auch das wissen wir nicht. Ich finde nicht, dass Eltern alle Fragen beantworten müssen. Wir antworten, dass wir es nicht wissen, und stellen die Gegenfrage: weisst Du denn, wo Du vor Deiner Geburt warst? Dann kommen die Kleinen ins Grübeln.
"On ne connaît son chemin que quand on arrive au bout." (Le Destin - Bénabar) 🎶
Amber mit dem Elftklässler (Mai 2009) und der Neuntklässlerin (Januar 2011)
AnnaH85
gehört zum Inventar
Beiträge: 516
Registriert: 19.04.2016, 17:22

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von AnnaH85 »

Klar, meine Erfahrung ist nicht auf dein oder irgendein anderes Kind zu übertragen. Die Frage war, wie macht ihr das? Tja und so nehme ich es mir eben für meinen Sohn vor, weil ich noch weiß, wie scheußlich ich die Idee des "Nichts" damals schon fand. Aber jedes Kind ist anders und reagiert auch anders auf den Tod, macht sich sein eigenes Bild. Wer weiß, vielleicht geht mein Sohn ja auch ganz anders damit um als ich.
Mama A mit Papa A und Baby A 04042016
Benutzeravatar
malandrinha
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 363
Registriert: 10.02.2012, 22:22

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von malandrinha »

Zum Sein vor der Geburt sage ich: Du warst bei Gott in Gedanken - weil ich selbst das tröstlich finde, immer schon gewollt und zumindest gedacht da zu sein. So ist das Nicht-Sein gleichzeitig in einem großen Sein, eben Gott, aufgehoben :-).
Natürlich weiß ich nicht, ob das so ist - aber ich weiß vieles im Leben nicht. Beweisen kann ich es nicht (und aus naturwissenschaftlicher Sicht denke ich so auch nicht). Aber das Leben hat für mich mehrere Seiten. Und ich rede mit meinen Kindern auch über diese mehreren Seiten. Also wahrscheinlich ist es wirklich am wichtigsten, das zu vermitteln, was man selbst denkt - ohne das für das Maß der Dinge zu halten. Aber schon - wenn vorhanden - mit Gewissheit im Sinne von Zuversicht und Hoffnung darüber zu reden.
Malandrinha mit Großem (05/09), Kleinem (11/11) und ganz Kleiner (04/15).
Benutzeravatar
Nuala
Power-SuTler
Beiträge: 5802
Registriert: 10.04.2008, 21:05
Wohnort: Wien

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Nuala »

Ich frage gerne zurück: Was glaubst denn du?
Manchmal kommen da interessante Sachen.
Wenn meine Kinder mich explizit nach meiner Meinung fragen, dann sage ich ganz einfach die Wahrheit: dass weder ich noch sonst jemand weiß, was nach dem Tod ist. Aber dass jeder seine Ideen und Gedanken dazu hat. Und dass manche glauben, da ist nichts und manche glauben, dass sie in den Himmel glauben und dass ich glaube, dass wir wiederkommen in neuen Körpern. Wobei ich noch nie so weit gekommen bin.

Leben vor der Geburt: im Kindergarten meiner Kinder wird ein unglaublich schönes Geburtstagsritual gefeiert: Während die Erzieherin mit den Kindern alles herrichtet, wartet das Kind auf der "Himmelsbank". Es sucht sich zwei Kinder als seine Begleiter aus, die bei ihm sind und es beschützen. Von der Himmelbank schaut es also dem Treiben zu und dann erzählt die Erzieherin davon, wie es dem Treiben zuschaut und auf die Welt kommen möchte und schließlich zu seiner Mama und zu seinem Papa kommt (meine Kinder sagen mir oft: ich habe euch vom Himmel beobachtet und euch ausgesucht, das ist anscheinend ihre Interpretation von der Geschichte und die finde ich irgendwie sehr schön und sie auch) und dann kommt das Geburtstagskind in den Kreis und wird begrüßt und es wird aus dem Leben erzählt (was die Eltern an Wichtigkeiten in Stichworten aufgeschrieben haben): was es alles wichtige erlebt hat, wie es lerne zu krabbeln und zu gehen und zu sprechen und immer größer wurde. Wir geben auch immer ein Babyhemdchen mit, das wird da auch gezeigt: "Schaut mal, da hinein hat ... einmal gepasst!" und dann wird es ihr angehalten und man sieht wie groß sie geworden ist. Auch Fotos werden gezeigt: aus jedem Lebensjahr ein bis zwei. Am Schluss endet alles im Hier und Jetzt und es wird ein Geburtstagslied gesungen.

Dieses Warten auf der Himmelsbank mit den beiden Begleitern, die das Kind hinunterführen und beim Kind bleiben (Schutzengel) ist für mich ein sehr starkes und tröstliches Bild, gleichzeitig wird es nicht ausgesprochen oder dem Kind "Unwahrheiten" erzählt. Meine kleine Tochter kennt dieses Ritual seit ihrem dritte Geburtstag und hat mich nie gefragt was vor der Geburt ist, sondern immer selbst erzählt und ihre Gedanken dazu gesponnen.

Meine Kinder glauben an einen Himmel. Sie wissen, dass das ein Glauben ist. Sie mögen ihn.
Soe erzählen auch von Engeln und ja, ich bin eine Mutter, die ihre Kinder "belügt": bei uns kommt das Christkind, der Nikolaus, die Zahnfee und der Osterhase. Ich lese ihnen Märchen und Zwergen- und Feengeschichten vor und wenn sie nicht mehr daran glauben, dann haben sie keinen Schaden genommen, sondern eine kindliche Fantasiewelt erlebt haben. Ich selbst durfte das auch und ich glaube auch daran, dass es vieles gibt, das wir nicht sehen. Und ich glaube an eine göttliche Kraft und an die Liebe und das Licht und das Leben und das Gute. Für mich ist das Christkind oder der Osterhase ein Symbol für solche transzendenten Dinge, das Übersinnliches in ein für Kinder fassbares Bild fasst. Ich empfinde das als vollkommen ok.
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Benutzeravatar
Reisende
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1425
Registriert: 04.08.2016, 00:43

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Reisende »

oh das gefällt mir sehr nuala!
sowohl das geburtstagsritual als auch dein standpunkt und dein umgang mit dem thema. :)
♥️J (04/16) und T (07/19)♥️
Benutzeravatar
Nuala
Power-SuTler
Beiträge: 5802
Registriert: 10.04.2008, 21:05
Wohnort: Wien

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Nuala »

Oh danke. :)
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Kätzchen2013
alter SuT-Hase
Beiträge: 2740
Registriert: 14.08.2013, 13:36
Wohnort: Ba-Wü

Re: Frage nach Sterben und Leben vor Geburt

Beitrag von Kätzchen2013 »

Abo
... mit Bübchen 07/2013 und 05/2016
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“