Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Moderatoren: Toony, Momolina

Antworten
Teelicht
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1757
Registriert: 30.10.2013, 13:37
Wohnort: SE

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Teelicht »

Falls du mein Drittsprachenprojekt meinst, kann ich mitteilen, dass es tatsächlich nicht meine Muttersprache sondern meine Vatersprache ist. Lange Zeit war es auch meine Umgebungssprache. Ich habe während der ersten Schwangerschaft viel über Mehrsprachigkeit gelesen und kam da zum Entschluss, dem Kind "nur" zwei Sprachen zuzumuten. Aber seit unserem Sommerurlaub in Deutschland bereue ich es. Es würde halt immer eine schwächere Sprache bleiben. Aber das Kind hätte ja trotzdem eine Menge Vorteile im Vergleich zu der Möglichkeit die Sprache erst später als Drittsprache in der Schule zu lernen.
Kind 1: September 2012 ❤️
Kind 2: Juni 2015 ❤️
Teelicht
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1757
Registriert: 30.10.2013, 13:37
Wohnort: SE

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Teelicht »

Das Kind spricht übrigens jetzt mit bald vier, sowohl schwedisch als auch französisch sehr gut. Schwedisch besser als die meisten anderen in seinem Alter.
Kind 1: September 2012 ❤️
Kind 2: Juni 2015 ❤️
fine82
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1663
Registriert: 09.04.2015, 11:26
Wohnort: Hannover

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von fine82 »

Teelicht, ne das meine ich nicht. Das war so ganz allgemein. Also so viel hab hier noch gar nicht gelesen.
mit der Motte (2/15) an der Hand und drei Sternchen im Herzen
Teelicht
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1757
Registriert: 30.10.2013, 13:37
Wohnort: SE

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Teelicht »

Ah, ok :D Ich hatte eine Seite vorher nämlich über Erfahrungen eine weitere Sprache einzuführen gefragt.

Ich habe bei meinen Recherchen mal gelesen, dass man mit dem Kind die Sprache seines Herzens dem Kind reden sollte. Das ist ja meistens die Muttersprache - aber halt nicht immer.
Kind 1: September 2012 ❤️
Kind 2: Juni 2015 ❤️
Benutzeravatar
tania
ModTeam-Stillberatung
Beiträge: 14983
Registriert: 24.02.2009, 18:09
Wohnort: Italien

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von tania »

und wir hatten uns vor dem ersten kind überlegt, dass drei sprachen eben zu viel sind und unsere paarsprache zugunsten der umgebungssprache aufzugeben - nix da! wir schaffen es, auf italienisch miteinander zu diskutieren und alles, aber das nächste "gibst du mir bitte das salz?" ist garantiert wieder auf englisch :roll: mit dem ergebnis, dass unsere kinder jetzt eben englisch sehr gut verstehen und der große es einigermßen spricht - aber nur wenn er "muss", also das andere kind wirklich weder deutsch noch italienisch spricht (das kotmm gar nicht sooo selten vor, wir leben am meer in einer touristischen gegend).

und der andere ratschlag, den man immer bekommt - opol - klappt hier auch NULL. ich denke selber auf englisch und spreche schon hin und wieder mit meinen kindern englisch - auch wenn ich es *eigentlich* vermeiden will. und inzwischen versteht mein mann deutsch ausreichend, aber gerade in den ersten jahren hab ich auch viel italienisch oder englisch mit meinen kindern geredet, wenn ich wollte, dass auch mein mann es versteht.
tania mit sohn *09 und sohn *12
Benutzeravatar
coccolone
Dipl.-SuT
Beiträge: 5304
Registriert: 13.04.2007, 18:12
Wohnort: home is where the ❤ is

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von coccolone »

Ich kann tania nur zustimmen. Theorie und Studien in allen Ehren, aber in der Praxis sieht's halt oftmals anders aus. Und das muss nicht unbedingt schlecht(er) sein. Ich habe nun mehr als 35 Jahre eigene Erfahrung mit Mehrsprachigkeit und nochmal 10 Jahre als Mutter eines zweisprachigen Kindes. Und ich kann nur sagen, dass jede mehrsprachige Familie ihr eigenes Konzept finden sollte und das tun sollte, was für *diese* Familie passt.

Übrigens wurde uns auch mal prophezeit, dass unser Sohn Schwierigkeiten mit dem Lese- und Schreiberwerb der deutschen Sprache haben würde (gleich nachdem die "Expertin" verriet, dass sie nur Deutsch spreche). Und was war?! Pustekuchen! Ja, er hat seine Artikel länger durcheinander geworfen als einsprachige nur in Deutschland aufgewachsene Kinder. Aber so what? Irgendwann klappte auch das und in Deutsch hatte er auf den letzten Zeugnissen 'ne 1. Wohingegen einige der einsprachigen Kinder übrigens richtig Schwierigkeiten mit Rechtschreibung hatten und haben (weil ich bereits Noten erwähnt habe: in Rechtschreibung hatten einige Kinder z. B. 5en).

Abschließend mag ich nur noch mal tania zitieren:
tania hat geschrieben:
wenn ich mal verallgemeinern darf: alle verallgemeinerungen sind mit vorsicht zu genießen :D
"You can't start a new chapter in your life, if you keep re-reading the last one."
Benutzeravatar
elanor
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1893
Registriert: 06.03.2013, 07:58
Wohnort: Berlin

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von elanor »

Ich bin da ganz bei tania und coccolone.
Ich habe es inzwischen ganz aufgegeben mit meinen Kindern meine Muttersprache zu sprechen. Es fühlt sich falsch an. Familiensprache ist nun Italienisch, Umgebungssprache Deutsch. Die Große spricht altersgemäß Deutsch und so gut wie gar kein Italienisch... Aber sie versteht alles.
Nicht umsonst taucht hier im Thread immer mal wieder der Begriff der Herzenssprache.
Ich finde, Opol ist ein Konzept, dass v.a. die eventuelle mehrsprachigkeit der Eltern überhaupt nicht in Betracht zieht.
G. 10/12 + J. 06/16
* 07/15
nido56
Dipl.-SuT
Beiträge: 4489
Registriert: 07.02.2013, 15:11

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von nido56 »

Ich bin sicher, dass es rein wissenschaftlich betrachtet tatsaechlich am besten ist, wenn die Konzepte OPOL oder Familien- vs. Umgebungssprache absolut konsequent durchgezogen werden. Dann haben die Kinder die besten Moeglichkeiten, beide Sprachen sicher zu lernen.

Dummerweise ist Sprache aber etwas sehr komplexes. Sprache ist eng verknuepft mit Gefuehlen, mit Erinnerungen, mit Erfahrungen, mit Gewohnheiten etc. Da passiert viel intuitiv und spontan statt rational. Manche Menschen moegen es problemlos schaffen, die Sprachen streng zu trennen. Ich leider nicht. Ich bin nicht zweisprachig. Meine einzige Mutter- und Vatersprache ist Deutsch. Aber ich lebe nunmal ueber die Haelfte meines erwachsenen Lebens in Spanien, habe einen spanischen Partner und spreche schon seit vielen, vielen Jahren auf der Arbeit hauptsaechlich Englisch. Zwischenzeitlich habe ich in Katalonien gelebt und spreche mit den Freunden von damals Katalanisch. In meiner Kindheit wurde zuhause aufgrund der Berufe meiner Eltern und ihrem recht internationalen Freundeskreis viel Englisch gesprochen (was mich uebrigens nicht im geringsten verwirrt hat). Das bin ich. So ist das halt.

Ja, vielleicht haette ich dem Piraten mit konsequentem OPOL seine Sprachentwicklungsverzoegerung ersparen koennen (Oder auch nicht. In der komplett einsprachigen Familie seines Vaters gibt es mehrere Faelle von Sprachverzoegerung und Dyslexie). Vielleicht waere er heute tatsaechlich zweisprachig, wenn ich wirklich immer nur Deutsch mit ihm gesprochen haette. Der Preis waere aber gewesen, dass ich in der Kommunikation mit ihm nicht spontan aus dem Bauch heraus haette agieren koennen.

Meine Herzenssprache ist und bleibt meine Muttersprache Deutsch, aber ich spreche schon so lange Spanisch, dass mir oft etwas auf Spanisch rausrutscht und ich dann erstmal ueberlegen muss, wie ich das nun auf Deutsch ausdruecken koennte. Ausserdem komme ich persoenlich einfach sehr schlecht damit zurecht, im Beisein anderer (vor allem anderer Kinder) alles zweimal sagen zu muessen, zuerst auf Deutsch zum Piraten und dann nochmal auf Spanisch, damit der Rest auch versteht, worum es geht. Das macht mich ganz kirre, und am Ende spreche ich Deutsch mit den Spaniern und Spanisch mit den Deutschen und weiss gar nicht mehr, was ich eigentlich sagen wollte.

Der arme kleine Pirat waechst nunmal in diesem Kuddelmuddel auf und muss damit klarkommen.
nido mit dem Piraten (01/2012)
Lösche Benutzer 20611

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von Lösche Benutzer 20611 »

Toller Beitrag, Nido! Genauso ist es. Und der kleine Pirat wird sicher wunderbar damit gedeihen, da bin ich unbekannterweise ganz sicher!
JessicaR
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 333
Registriert: 27.11.2014, 10:50

Re: Zwei- bzw. mehrsprachige Erziehung

Beitrag von JessicaR »

Ich spreche mit meinem fast zweijaehrigem eigentlich nur Deutsch, aber mit dem Rest der Familie (5 Geschwister und Mann) eben Englisch und wir leben in einer englischsprachigen Umgebung/Er spricht eigentlich hauptsaechlich Englisch, auf Deutsch spricht er nie ganze Saetze sondern nur einzelne Worter, die auch oft in englische saetze geschoben werden.
In zwei Wochen fange ich eine Stelle im Kindergarten an, in die auch mein Sohn gehen wird. Ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob ich das Deutsch sprechen im beisein der anderen Kinder dann aufgeben sollte. Zu Hause ist mir das schnuppe, wenn die Geschwister es nicht verstehen = die sollen ja auch hinhoeren und lernen, aber im Kindergarten ist das ja was anderes, da es nicht mehr privat ist. Ich habe etwas Angst, das mein Kleiner dann gar kein Deutsch mehr mit mir spricht. Was wuerdet ihr machen?
Antworten

Zurück zu „Unsere Kinder“