Empfehlungen von 1980

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Nusserl
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von Nusserl »

Meine Geschwister und ich wurden 75 bis 89 geboren. Meine Mama hat uns gestillt, damit sie uns im Spital wenigstens alle 4 Stunden sieht. Nachts waren wir selbstverständlich im Säuglingszimmer. Sie war selber Krankenschwester und war in der Ausbildung auch auf der Geburtenabteilung. Sie erzählt gerne wie effizient sie da gefüttert haben. Einfach die Kinder "richtig" lagern, dann füttern sie sich alleine.
Sie findet es völlig abartig, das ich solange stille. Sie habe sogar schon bei einer Kinderkrankenschwester nachgefragt, die auch alles über ein paar Monate unnötig fand. Das mit dem 4 Stunden Rhythmus und Nachts gar nicht stillen findet sie immer noch richtig. Da ich da schon als Baby anderer Meinung war, hat mich mein Vater nachts immer betreut. Dafür hat er extra Rollen an meinem Bettchen montiert um mich stundenlang den Flur auf und ab zu fahren. Später hat er immer gern gesehen, während ich nachts eine Stunde im Wohnzimmer gespielt habe.
Mittlerweile schlafe ich durch. In unserer Familie sind alle sehr dünn, also eher genetische Prägung.

Mein Onkel ist übrigens Hausarzt im Ruhrstand. Das Stillen meiner damals Einjährigen auf einer Familienfeier letztes Jahr hat er zum Anlass genommen, allen einen Vortrag zu halten, dass Langzeitgestillte Kinder immer die gesündesten seien. [emoji106]

Übrigens hatte meine Mutter immer so viel Milch, dass sie Abstilltabletten genommen hat um die Milchmenge zu drosseln. Meine Schwester und ich hatte diesbezüglich nie Probleme.


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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von Biba03 »

Ich bin 84 geboren und kam als Notkaiserschnitt nachts auf die Welt. Meine Mama hat mich aber erst ca. 1 Tag später gesehen. Als sie aus der Narkose erwachte hiess es nämlich, dass es mir gut gehe ich aber gerade schlafe und besser nicht geweckt werden sollte. Schwer vorstellbar in der heutigen Zeit! Da ich ein Frühchen war musste ich dann noch etwas im KH bleiben. Da hab ich schon fleissig das Flaschenzeug bekommen und zuhause hat meine Mutter dann auch nicht mehr gestillt. Ich war auch daheim immer im eigenen Bett auf der anderen Seite des Flurs und habe angeblich seit der Entlassung jede Nacht durchgeschlafen. Ich ahne schon wie das gelaufen sein muss. [emoji849] Beikost gabs dann ab 4. Monat glaub ich. Ich kann es jetzt nur mit meinem eigenen Kind besser machen.

Meine Oma hat 58 Zwillinge bekommen. Sie wurde gefragt, ob sie beide behalten oder eins "abgeben" möchte. Soweit ich weiss hat meine Oma gestillt.
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Teppilein
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von Teppilein »

Ich wurde 84 in der DDR durch einen Not-KS geboren, welcher überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Meine Mum kam wegen Blasenriss in die Klinik und im CTG waren keine Herztöne mehr zu erkennen. Nach dem KS wurde festgestellt dass das CTG- Gerät kaputt war. Meine Mum ist übrigens unter der Narkose noch aufgewacht als zugenäht wurde. Sie erzählt mir heute noch wie ich an den Füßen kopfüber vermessen wurde und geschrien habe.
Gestillt hat sie nur die ersten Tage ab und zu bis ich wegen einer Darmerkrankung (NEK) auf Intensiv verlegt worden bin. Am Anfang hat sie Milch abgepumpt und jeden Tag in die Klinik gebracht, die war immerhin 40km entfernt bis die Schwestern ihr rieten es sein zu lassen da der Weg so weit ist und es doch tolle Flaschennahrung gibt. Leider hat sie gehört.
Mit 3 Monaten gab es dann verdünnte Kuhmilch mit Schmelzflocken und Möhrensaft.
Meine Mum versteht nicht warum ich meine Kinder so lange stille, sie hat auch immer versucht meinen Kindern das stillen madig zumachen. Allgemein ist sie der Meinung dass um die Kinder viel zu viel Geschiss gemacht wird heutzutage.

Ich denke sie ist eifersüchtig, weil ihr alles aufgezwängt wurde. Die Geburten waren früher schrecklich und über deine Kinder haben andere entschieden. Wie sagt sie immer so schön: "Das ist das Los der Frau."

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serotonin
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von serotonin »

Spannender thread!

Und ich glaube, ich hatte ganz schön Glück. Während meine Tante in den 70er Jahren nur ihr älteres Kind stillte, weil sie die ständigen Stillproben so nervten, dass sie das beim nächsten Kind erst gar nicht anfangen wollte, außerdem musste ja auch der Haushalt erledigt werden (...), hat meine Mutter sich das Stillbuch von Hannah Lohtrop besorgt und trotz Not-KS und langer Trennung vom Kind nach der Geburt 6 Monate gestillt. Danach wurde dann aber schon abgestillt, das hat sie mir auch immer wieder suggeriert, dass man das so machen muss. So genau hat sie das Buch dann wohl nicht gelesen ;)
Sie war überrascht, als ich ihr erzählt habe, dass viele Frauen ihrer Generation "keine Milch" hatten, für sie war es einfach und problemlos.

Getragen wurde in einer ziemlich üblen Trage namens Easy Rider (nicht dieser Hüftsitz, den es unter dem Namen gibt), die habe ich sogar hier, aber aus guten Gründen nie benutzt.

Mein jüngeres Geschwister hat bis zum Schulalter bei meinen Eltern im Zimmer geschlafen, im eigenen Bett. Bei mir selbst weiß ich es nicht.

Gewichtsprobleme habe ich trotzdem, ein eher mittelprächtiges Verhältnis zu meinen Eltern und auch sonst glaube ich, dass es nicht so sehr aufs Stillen und Tragen an sich ankommt, sondern auch auf den Rest der Erziehung und den respektvollen Umgang mit dem Kind insgesamt..

Aus meinem Umfeld kenne ich übrigens auch eine Frau, die ihr Anfang der 2000er geborenes Kind strikt alle 4 Stunden gestillt hat, auf Anraten der relativ jungen Hebamme... Das ist wohl nicht auszurotten.

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molai
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von molai »

Ich finde das irre spannend gerade, bin erst halb mit dem Thread durch, aber es hat schon so oft Klick gemacht jetzt... Mir erschließen sich einige Kommentare meiner Mutter jetzt so viel besser - der immer wieder erwähnte Karottensaft zum Beispiel! Und auch der Tee, der so vielen von eich gegeben wurde.

Ich (Jahrgang 82) wurde 10 Tage gestillt, dann hatte meine Mutter einen Nervenzusammenbruch "weil ich als Baby so schlimm war", meine Oma rief den Notarzt. Der gab Beruhigspritzen und am nächsten Tag "griff der Frauenarzt dann endlich durch, gab Tabletten zum abstillen und das Baby die Flasche und dann war es besser", so meine Mutter. Ich war laut ihrer Aussage aber immer noch ein "schreckliches" Kind, das besonders nachts einfach nicht aufhören wollte zu schreien in seinem Zimmer und dass obwohl meine Mutter heulend auf der anderen Seite der Tür saß. Der Kinderarzt hatte verboten, mich zu trösten, ich sollte schreien gelassen werden. Mein Vater konnte das nicht aushalten und hat die ersten Monate auf dem Boden (!) neben meinem Gitterbett geschlafen und meine Hand gehalten, dann war auch alles gut. Auch das verbot der Arzt dann und ich wurde rigoros schreien gelassen, bis ich eben aufgab. Meine Mutter bezeichnet das jedoch immer noch als Erfolg, so hätte es endlich funktioniert.

Ich habe lange damit gehadert und bin noch mal ganz neu damit konfrontiert seit meine Tochter geboren ist und meine Mutter nicht versteht, warum ich den zu Beginn schwierigen Stillstart so durchgeboxt habe, warum Mini im Bett bei mir schläft und getragen wird und nie schreiengelassen... Aber irgendwie tut mir meine Mutter auch leid, die da von Ärzten und ihrer eigenen Mutter in eine Spirale getrieben wurde, obwohl zumindest der Instinkt meines Vaters etwas ganz anderes sagte in vielerlei Hinsicht und er mich immer geschaukelt, getragen und bei sich im Bett schlafen lassen wollte.

Zur Beikost hab ich keine Ahnung, wie das bei mir lief. Es waren auf jeden Fall ausschließlich Gläschen, selber kochen kannte man in unserer Familie nicht. Die Details höre ich wohl spätestens in der Kritik meinet Mutter wenn die Beikost bei meiner Tochter Thema wird.

Ein Highlight noch zum Schluss: meiner Cousine (1980) wurde jeder Löffel (jeder!) Brei von meiner Tante mit einem Smartie verziert, da sie angeblich sonst nicht gegessen hätte. Meine Cousine ist ein schwer übergewichtiges Kind und eine hart kämpfende Frau geworden.
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molai
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von molai »

Ach, so viele Tippfehler und das gute Autocorrect hat auch zugeschlagen... sorry!!
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EhMibima

Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von EhMibima »

Die Smarties sind ja der Knaller! :shock: Keine Nüsse, aber Smarties. :shock:

Ansonsten scheint es damals oft so gewesen zu sein daß man sich gern und schnell Autoritäten untergeordnet hat. Oder eben dem was "man" so macht. :? Nach dem was meine Mutter so erzählt und wie sie heute noch denkt. :|
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Brianna
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von Brianna »

Mein Vater, Jahrgang 47, bekam immer hinten auf jeden Löffel eine Rosine, weil er so schlecht aß. Er hat sich wohl immer die Rosine geangelt und den Brei übrig gelassen.
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nifty
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von nifty »

bienesmama hat geschrieben:Die Smarties sind ja der Knaller! :shock: Keine Nüsse, aber Smarties. :shock:

Ansonsten scheint es damals oft so gewesen zu sein daß man sich gern und schnell Autoritäten untergeordnet hat. Oder eben dem was "man" so macht. :? Nach dem was meine Mutter so erzählt und wie sie heute noch denkt. :|
Kann ich so zumindest von meinen Schwiegereltern bestätigen. Mein Mann, Einzelkind, Jahrgang 82, bekam das Fläschchen, weil man meiner SchwieMu im KH sagte "die Milch käme nicht raus" und dann das komplette Programm inkl. Brustabbinden gefahren wurde. Hinterfragen oder sich selber informieren - Fehlanzeige (auch später, sie sind heute effektiv noch so).
Mein Mann wurde dann mutmaßlich nach Schema gefüttert, war ein Schreibaby und hat sich so in seinem Babybett hin- und hergeworfen, dass er grün und blau war. Anstatt ihn in ins Elternbett zu holen, wurde dann halt eine Matratze auf den Boden gelegt. Zumindest haben sie den Kinderarzt gewechselt, als der erste Beruhigungsmittel (!) vorschlug. Zum Thema Beikost schätze ich, dass ein starres Beikostschema gefahren wurde, da meine SchwieMu nix anderes als Brei kennt und generell etwas zwanghaft ist. Mein Mann hat zig Allergien, ist aber normalgewichtig bis schlank. Bei meinen Schwiegereltern gilt übrigens die Devise Völlerei oder Einschränkung, Mittelmaß ist schwierig, es wird sich täglich gewogen, um dann "Gegenmaßnahmen" zu ergreifen (was an sich schon Blödsinn ist, aber da sind sie beratungsresistent).
Meine Schwiegeroma hatte übrigens das klassische Problem "zu wenig Milch" bzw. habe ihr meine SchwieMu als Baby eh nur die Brustwarzen wund gekaut... dann gab's auch bald Fläschchen. Da wurde dann irgendwann schön ein Extralöffel in die Flasche getan, damit das Kind auch ja länger Ruhe gibt (klar, Fresskoma *grusel*).
Dafür interessieren sich alle aus der Familie meines Mannes (schon fast in übergriffiger Weise) für mein konsequentes Stillen und sind erstaunt darüber, dass es tatsächlich immer noch reicht (Kind ist sechs Monate). Generell ist meine Schwiegerfamilie sehr "Normcore".

Bei mir, Jahrgang 85, lief alles etwas anders. Dazu muss man sagen, dass meine Eltern noch nie besonders viel für Obrigkeiten übrig hatten und manchmal ganz schön anti sein können - im Guten wie Schlechten :mrgreen:
Meine Mutter hat mich zehn Monate gestillt, davon acht voll. Im KH hat sie ihre Zimmernachbarin dazu angestiftet, sich Stillhütchen geben zu lassen, anstatt sich mit "mit den Brustwarzen können Sie eh nicht stillen" abspeisen zu lassen. Beikost gab es für mich erst mit acht Monaten, weil es mich davor nicht interessiert hat, das Breistadium wurde übersprungen. Anfangs hat sie wohl noch grob zerdrückt, ich hatte aber den Dreh schnell raus und hab mit zehn Monaten gegessen wir eine Große (ist meine Mutter heute noch stolz drauf). Ich hab mich dann laut ihr auch selber abgestillt, weil feste Nahrung (Kartoffelsalat!) einfach interessanter war - sie hätte mich wohl schon noch länger gestillt. Damals wurde auf Salz etc. allerdings nicht geachtet.
Übrigens hat meine Mutter damals schon nach Bedarf gestillt und vertritt auch heute noch vehement jedem gegenüber die Meinung, dass die Brustgröße nicht ausschlaggebend ist und die Nachfrage das Angebot regelt. Einfach nur top! Ich war wohl auch ein Schreikind, wurde aber immer herumgetragen und nie allein schreien gelassen. TT hätte ich wohl doof gefunden.
Meinen Bruder hat sie wegen einer wohl fiesen Mastitis nur sechs Monate gestillt und fand das glaube ich auch schade.
Ich bin normalgewichtig und habe keine Allergien. Mein Bruder ist auch normalgewichtig, hat aber einige nicht objektivierbare "Unverträglichkeiten" sowie eine Laktoseintoleranz (meine Mutter vermutlich auch).

Ich finde es nur so schade, dass meine Eltern wohl in der Babyzeit so viel richtig, aber in meiner weiteren Kindheit und v.A. auch Jugend so verdammt viel falsch gemacht haben. Da war nix mehr mit bedürfnisorientiert, leider. Das bessere Verhältnis zu seinen Eltern und Erinnerungen an seine Kindheit hat definitiv mein Mann.
unterwegs mit der Großen (03/16) und der Kleinen (02/21)
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nifty
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Re: Empfehlungen von 1980

Beitrag von nifty »

Ah, und natürlich "war es halt so", dass mein Mann nonstop im Säuglingszimmer lag und durch die Scheibe begutachtet werden konnte. Ich hätte das nicht toleriert, egal ob es Norm war oder nicht - und weiß auch von Müttern, die sich dagegen gewehrt haben.
unterwegs mit der Großen (03/16) und der Kleinen (02/21)
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