mafe hat geschrieben:Daher frage ich mich schon, wie ich/wir die "Norm" sein können und die anderen haben alle nur Glück mit dem Schlafen?!
Die Frage ist halt was man als anzustrebend definiert. Ja, unsere moderne Lebensituation zielt darauf ab, dass wir Frauen oft ziemlich alleine für unsere Kinder sorgen und dennoch hauptsächlich nachts unseren Schlaf bekommen sollen. Das steht im Widerspruch zu den Genen unserer Babys, die geprägt wurden als unsere Vorfahren in Gruppen durch die Steppe zogen, sich die Mitglieder beim Tragen und sogar Stillen abwechselten/unterstützten und vor allem nachts Stillzeit war.
Warum Kinder gegen ihre Biologie nachts durchschlafen kann viele Gründe haben. Babys, die Nähe in der Nacht von sich aus nicht einfordern, sind sehr selten. Aber es gibt Umstände, in denen Babys sich anpassen. Das muss gar nicht mit viel Tränen geschehen. Es ist dennoch kein natürliches Verhalten im Sinne von "dieses Baby ist so geboren worden", sondern das Baby wurde so durch Entscheidungen der Eltern:
- Flaschenfütterung mit großen Milchmengen -> "Fresskoma"
- Schnullernutzung
- frühe Gewöhnung ans Schlafen im eigenen Zimmer
- frühe Gewöhnung an Ersatzobjekte
- ...
Diese Entscheidungen sind vielen Eltern gar nicht bewusst. Sie führen dennoch zu einem Baby, das sich evolutionsbiologisch betrachtet ungewöhnlich verhält. Und da die letzten Generationen viel Wert auf Distanz und wenig aufs Stillen legten, hat sich die Mär durchgesetzt, dass das Durchschlafen das Optimum darstellt. Von daher wird dies auch unreflektiert (und nicht ohne Stolz) weiter gegeben.
Ich kenne viele Mütter mit nicht durchschlafenden Babys, die das nicht weiter stört, weil ihr Ziel nicht das Durchschlafen ist. Für diese Mütter ist es auch unwichtig, ob die Kinder anderer Mütter durchschlafen. Sie reagieren alleine auf das Schlafverhalten ihrer eigenen Kinder, gehen mit dem Fluss. Das ist weniger anstrengend als es anders haben zu wollen oder das Schlafverhalten anderer Kinder anzustreben. Verstehst Du was ich meine?
Ich weiß wie anstrengend undurchschlafene Nächte sind. Ich habe oft genug darüber geflucht und mich bei anderen darüber ausgeheult. Müde sein ist einfach mega anstrengend und ab dem zweiten Kind auch nur noch eingeschränkt durch Tagschlaf zu kompensieren. Ich habe jedoch bei mir selbst beobachten können, dass ich besser mit diesen Nächten umgehen kann, wenn ich sie annehme. Deshalb bin ich immer noch müde, aber ich verpulvere nicht unnötig meine Energie bei den Was-wäre-wenn-Gedankenspielen. Und hilfreich finde ich jetzt beim dritten Kind auch zu wissen, dass es tatsächlich vorbei geht, dass auch aus "Schlechtschläfern" Durchschläfer werden.
Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)