Wütendes und verzweifeltes Schulkind

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KaHaLi
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von KaHaLi »

Nuala hat geschrieben:KaHaLi, danke für dein Post. Wow, das liest sich ja auch ganz schön hart mit deinem Mann.
Was ich mich nur immer frag: was ist Charakter? Und was ist Bestätigung/Erziehung in die "falsche" Richtung? Verstehst du wie ich das meine? Man kann doch auch unbewusst sein Kind so bestätigen, dass es Empathie nicht ausbaut... indem man zB. selbst wenig empathisch ist? Das geistert halt auch voll viel in meinem Kopf rum, denn ich hab sicherlich auch extrem viel Falsches vorgelebt (weil nicht anders können)... :(
Ja, ich verstehe ganz genau was du meinst.
Genau das frage ich mich selbst oft bei meinem Mann.
Was ist Charakter und was Produkt der Erziehung. Platt ausgedrückt komme ich immer wieder dazu, dass es eben eine Mischung aus beiden ist.

Leider ist die Mutter meines Mannes zwei Jahre bevor wir zusammen kamen verstorben und sein Vater hat ihn wohl definitiv als Kind etwas vernachlässigt (ist Handwerker, mein Mann kann nicht mal ne Bohrmaschine bedienen und war nach Feierabend wohl meistens in Kneipen).
Ich hätte so gerne seine Mutter kennengelernt um mir ein besseres Bild zu machen.

Aber du scheinst eine reflektierende Person zu sein, das ist ein ganz entscheidender Punkt!
Du machst dir Gedanken um deine Tochter und suchst Lösungsansätze, das ist wirklich viel mehr wert, als dir gerade bewusst zu sein scheint!
Lass dich nicht zu sehr von negativen Gedanken ("extrem viel Falsches") runterziehen, wärst du eine schlechte Mutter, wärst du nicht im SuT ;-)
...behaupte ich jetzt mal so.
Liebe Grüße
KaHaLi

mit Septemberkind 2014 & Julibaby 2018
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Muminmama
ist nicht mehr wegzudenken
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Muminmama »

Ja genau, das kenne ich sehr gut. Entweder ist es so, dass er sagt er ist so blöd und so weiter und er kann überhaupt nichts, dann ist es wieder so das er sagt wir sind so gemein zu ihm und wir lassen ihn nicht spielen oder machen was er will. Ich erkenne in ihm ganz oft meinen kleinen Bruder wieder, der auch etwas leicht cholerisch ist, und ein Kind war dass sich nicht klar ausdrücken konnte was für ein Problem er hat. Aber wie gesagt, mit den Bachblüten funktioniert es momentan echt sehr gut. Ich bin mir nicht ganz sicher ob es vielleicht auch zusätzlich an Vitamin D liegt oder nur an den Bachblüten, auf jeden Fall ist es wesentlich besser, entspannter, leichter. Er steht mit einem Lächeln beziehungsweise mit einem Lachen auf anstatt sich unter den Tisch zu verkriechen und zu schimpfen wie gemein das Leben doch ist. Ich würde mich freuen für dich, wenn es auch so "einfach" für euch wäre dass sich alles entspannt.
Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

Liebe Grüße, Muminmama mit Muminbub (02/08) und Muminmädchen (06/17).
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chennai
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von chennai »

Ich hatte beim Lesen teilweise mal wieder den Eindruck, du schreibst von meinem Kind. Dieses WE war es hier mal wieder so schlimm, dass ich quasi von Samstagabend bis Sonntagabend psychisch außer Gefecht war...

Gestern Abend habe ich angefangen, ein Fotobuch für ihr 3. Lebensjahr zu machen und habe die Bilder kurz durchgesehen. Mensch, sie war so ein süßes Kind, so stark und begeisterungsfähig, ja, sehr emotional, aber die positiven Emotionen überwogen damals noch. Und heute ist sie missmutig, schimpft, schreit, haut, ist gemein mit Worten und Taten... Wann ist das so gekippt? Bei mir war es wohl so, dass ich sie während der 2. Schwangerschaft als sehr anstrengend empfand - nicht, dass sie ausrastete oder so, aber sie war einfach immer so fordernd und ich war eben müde. Vermutlich bekam da unsere Beziehung den ersten Knacks, die Geburt der Schwester wird ihr übriges getan haben. Naja, und dann kommt eben dazu, dass zum einen die Verpflichtungen in dem Alter quasi noch nicht existent waren und zum anderen starke, unkontrollierte Emotionalität mit 2,5 als toll, vielleicht niedlich betrachtet wird, mit 7 aber mindestens ein Kopfschütteln und einen vorwurfsvollen Blick hervorruft.

Zu Hochsensibilität habe ich auch schon immer mal wieder was gelesen, da trifft schon vieles zu, allerdings ist ihre Empathiefähigkeit ziemlich schlecht. Bei ihr steht wirklich immer die eigene Person im Zentrum, auf andere eingehen kann sie nur, wenn sie wirklich gerade in sich ruht (und nicht am Kummer / Schmerz des anderen beteiligt ist).

Beim Abendritual gestern habe ich sie dann gefragt, warum sie oft so gemein wird. Sie meinte, da sei eine Stimme in ihr, die ihr das sagt. Ich habe ihr dann eine Geschichte aus meinem Yoga-Kurs erzählt: Ein Junge fragt seinen Vater: Vater, in mir sind zwei Tiger. Der eine wütet immer, will alles zerreißen und zerstören, der andere ist lieb und sorgt sich um alles. Welcher von beiden wird denn überleben? Der Vater antwortet: Der, den du nährst.

Ich weiß nicht, ob sie die Geschichte so richtig verstanden hat, denke aber schon. Heute früh habe ich sie daran erinnert und gesagt, sie solle der 'Stimme' sagen, dass sie jetzt aufhören soll, und sie solle stattdessen die andere Stimme wecken. Aber da sie so in der Situation drin war, konnte sie sich darauf gar nicht einlassen.

@Muminmama: Danke für den Hinweis! Vitamin D muss ich mal wieder mehr drauf achten. Wir hatten, als sie 3 war, ein paar Besuche bei einer Homöopathin. Die hat sie als 'Pulsatilla-Typ' beschrieben und erst mal bestätigt, dass sie eine recht komplexe Persönlichkeit hat. Leider kam meine Tochter überhaupt nicht mit ihr klar, so dass wir dann nach einer Weile nicht mehr hin sind. Die Beschreibung deiner Bachblüten würde ja gut passen, vielleicht versuchen wir das auch mal.

Meine Tochter muss sich auch immer mal richtig 'erden'. Ich hab lang gebraucht, bis ich verstanden hab, dass dieser Drang, sich auf dem Boden zu räkeln nicht nur reiner Phlegmatismus ist, sondern wohl eher diesen Zweck für sie erfüllt.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

KaHaLi, danke für deine Worte.
Mein Problem ist: ich bin reflektiert, ja, und ich bemühe mich auch. Aber ich habe sehr starke Selbstschutzmechanismen - Überraschung, genau wie meine Tochter. Allerdings ist meine Taktik je älter ich werde immer weniger der Angriff und die Verteidigung, als mehr der Rückzug. Damit geht es mir sehr gut, aber die Taktik ist die falschen wenn es um Kinder geht. :(
Ich sage mir: besser Rückzug als Auszuck, aber mein Mann sagt mir, dass das nicht stimmt (sein Vater hatte sich entschlossen besser keine Beziehung als ein schlechte zu ihm zu haben weil man das ja später noch immer im Guten aufbauen kann - tja, aber nicht wenn man überraschend zu früh stirbt...).
Gut, es ist jetzt nicht so, dass wir keine Beziehung hätten oder eine schlechte (immerhin war ich eine langzeitstillende AP-Trage-Mama)... aber ich merke einfach, dass meine Taktiken und Muster nicht gut sind. Es stimmt jedoch, dass Selbst-Bashing nix bringt, sondern Fokus auf das Tun oder Verändern legen...
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
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Nuala
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Nuala »

Oh Chennai, an dich muss ich immer wieder denken, wir haben ja schon festgestellt, dass sich unsere Großen ähneln... Die Tiger-Geschichte finde ich toll.
Einiges was du schreibst, könnte auch 1zu1 von mir kommen (der "Kacks" in der SWS!)...
Es ist so schwer zu sehen, wie es sich unsere Kleinen SELBST soooo schwer machen. :(
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
Elena
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Elena »

Oh je, tut mir leid, dass es bei euch gerade schwierig ist!

Meine Große war ein bisschen so, als sie vor einem Jahr hier in den neuen Kindergarten kam. Nicht so extrem, aber sie ist eigentlich ein sehr empathischer und fröhlicher Mensch, und da war sie es eben eine lange Zeit deutlich weniger. Sie hat in der Zeit auch nicht gemalt! Seit sie in der Schule ist, ist das total explodiert. Sie malt und malt und schreibt und schreibt, hat viel mehr Energie, nimmt große Projekte in Angriff und hält das aber über mehrere Tage durch (das war früher nie so, sobald etwas schwierig wurde, hat sie aufgegeben). Sie ist richtig "angekommen". Deine Tochter ist ja auch schon relativ alt - vielleicht hat sie auch zuwenig Herausforderungen in der Schule und sonst? Vielleicht passt die Art der Schule nicht?

Andererseits sehe ich bei meinen Töchtern auch, wieviel Charakter ist. Meine Kinder sind extrem unterschiedlich, die Mittlere neigt zu lautstarken Wutausbrüchen, die Große gar nicht. Ach ja, und die Mittlere reagiert gerade empfindlich auf kranke Großeltern. Sie hat da anscheinend sehr feine Antennen und reagiert auch diese Probleme mit Wutausbrüchen oder dadurch, dass sie sich im Kindergarten nicht trennen möchte... Hat ihr irgendwo Schwierigkeiten in der Familie?

Aber vielleicht ist sie auch einfach "so". Das wäre sicher nicht leicht zu akzeptieren, ein meist fröhliches Kind macht einem vieles leichter...
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chennai
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von chennai »

Was mir gerade noch einfällt: Meine Tochter hat totale Versagensängste und baut sich so selbst ziemlichen Druck auf. Ihre Hauptstrategie ist eigentlich Vermeidung, aber glücklich und zufrieden macht sie das natürlich überhaupt nicht. Das zieht sich durch alle möglichen Lebensbereiche:

Schule: Bisher lief es ganz gut 'von selbst', aber jetzt kommt das Einmaleins und sie muss es halt einfach lernen - mein Mann und ich sind beide Lehrer und lassen uns schon spielerisch einiges einfallen, hilft aber nichts, wenn sie nur rumschreit, dass sie das noch nicht kann, weil sie es ja gerade erst gelernt hat in der Schule, und sie so alles abblockt...

Gesellschaftsspiele: Aus 'Angst' zu verlieren, spielt sie meist gar nicht mit.

Spielplatz: Sie traut sich nicht in bestimmte Höhen oder v.a. die Kombination wackelig und hoch geht bei ihr nicht. Gleichzeitig wurmt es sie aber total, wenn die jüngere Schwester oder andere Kinder sich das sehr wohl trauen und dabei Spaß haben (die Rutsche nach unten hätte sie dann nämlich auch gern)

Reiten: Sie liebt Pferde total (wie halt die meisten Mädchen), aber traben will sie eigentlich gar nicht lernen, denn sie kann es ja nicht...

Malen: Am liebsten malt sie nur aus, das ist 'sicherer'. Kürzlich meinte ich zu ihr, dass ich es so schade finde, dass sie kaum mehr selbst malt und dass mir die selbst gemalten Bilder eigentlich viel besser gefallen als Elsa und Anna in der 100. Version. Die erste Reaktion war, dass sie sich ein Blatt genommen hat und mir im Wutanfall quasi beweisen wollte, dass sie es ja nicht kann (Pferd malen). Immerhin hat sich das dann gelegt und sie malt jetzt tatsächlich mit Freude ein Pferdchen nach dem anderen. Aber erst mal immer Abblocken...

Wenn ich nur an's Fahrradfahrenlernen und Laufradlernen denke :roll: - Es spricht für die Qualität von Puky, dass diese Laufrad noch an die kleine Schwester vererbt werden konnte, obwohl es dermaßen oft auf den Boden geschmissen wurde... (Die Schwester hat das Drama um diese Fahrgeräte übrigens sehr wohl mitbekommen, die stellt sich jetzt nämlich ähnlich an - zwar weniger wütend, aber ähnlich übervorsichtig und vermeidend...)
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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chennai
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von chennai »

Ähm, auf den Punkt bin ich nun nicht gekommen: Ich merke an ihrem Verhalten deutlich, wenn sie wieder mehr unter (dem selbstgemachten) Druck steht...
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


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Schokoflocke
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Schokoflocke »

Ich kann persönlich nichts beitragen, habe aber zu dem Thema gerade einen Artikel gelesen. Vielleicht hilft es ja jemandem, auch wenn ich es recht schwammig finde.
http://mobil.derstandard.at/20000261420 ... er-Familie

Bei mir funktioniert der Link, obwohl er "adoptiert" heißt, ich hoffe bei euch auch.
Unterwegs mit dem großen Bruder (5/13), dem mittleren Bruder (12/14) und dem kleinen Flöckchen (3/17)
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Sabina
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Re: Wütendes und verzweifeltes Schulkind

Beitrag von Sabina »

Nur kurz: Hochsensible Personen haben nicht zwingend viel Empathie. Mein Sohn zum Beispiel praktisch gat nix...


Zwei Lieblingskinder (*Mai 2010 und *Januar2013)
Signaturen sind halt doch praktisch für die Mitleser:innen…

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