Wo bzw wie anfangen... ich weiß es nicht. Habe versucht, mich durch die Stillwissen-Links zu arbeiten, aber immer wieder kommt das Gefühl "das passt nicht ganz" oder die Unsicherheit, einfach etwas zu probieren, was dann im Nachhinein schlecht war... da dachte ich, vielleicht kann mir jemand in einem eigenen Thread ein paar Tips geben?
Die kleine Nebelhexe ist am 31.10. geboren. An sich war die Geburt unspektakulär (hat halt lang gedauert und ich hatte ne PDA), wie auch die ganze Schwangerschaft recht unauffällig war. Hexi hat noch im Kreißsaal (den wir sehr schnell verlassen mussten, es war viel los) das erste Mal angedockt. Das war in Seitenlage und seitdem bin ich natürlich überzeugt, ein hochbegabtes Kind zu haben, was das Stillen angeht
Der erste Tag war auch scheinbar ok. Sie hat oft und deutlich Hunger gezeigt und wir hatten schnell raus, wie sie gut andocken kann. Mein Gefühl sagte mir, soweit ist alles ok. Ich konnte ja auch schon seit Monaten einzelne Tropfen aus meiner sehr kleinen Brust drücken. Auch die Nacht verlief okay.
Die Probleme begannen am nächsten Tag, also dem 1.11. Ich hatte den ganzen Tag schon das Gefühl, mit der Hexi stimmt was nicht, aber konnte es nicht genau benennen. Dann kam auch noch Besuch und die SchwiMu versuchte, mich zu überzeugen, dass das Hexchen doch völlig normal sei. Neugeborene würden eben entweder schlafen oder schreien. Aber für mich passte da was nicht... allein, dass sie an dem Tag so viel schlief... aber ich hab ja keine Ahnung von Babys.
Am Abend hab ich mich dann aber doch beim Wickeln an eine Kinderkrankenschwester gewand, dass ich mein Kind irgendwie komisch fände. Sie meinte, ihr würde jetzt nichts so auffallen, hat die Temperatur gemessen, die etwas niedrig, aber ok war, und dann noch einen Bluttest vorgeschlagen. Mein Freund und ich haben zugestimmt. 11/2 Stunden später fängt die Schwester mich ab und teilt mir mit, dass sich ihr Verdacht (den sie uns gegenüber nicht erwähnt hatte) bestätigt habe: Die Nebelhexe hatte stark erhöhte Entzündungswerte - eine Neugeborenensepsis.
Inzwischen war es ziemlich spät, sodass wir nicht einfach in die Kinderklinik konnten, sonden auf die Neugeborenenintensiv mussten. Dort zeigte Hexi wieder Hunger. Man wollte ihr sofort Zuckerwasser geben, anstatt mich einen Stillversuch starten zu lassen, da sie wohl auch dehydriert war. Ich hab danach doch noch gestillt. Nach ein paar Tests und Untersuchungen wurde mein Freund nach Hause und ich zurück auf die Wöchnerinnenstation geschickt. Ich durfte die Nacht nicht dort bleiben und die Hexi wurde zugefüttert. Ich solle mich entspannen. Auf Station gab man mir die Möglichkeit, mit einer elektrischen Pumpe abzupumpen. Es kam so gut wie nichts. Eine Seite ein paar Tropfen, auf der anderen knapp 10ml. Ich versuchte, mich nicht zu stressen. Erster Tag und besser als nichts. Mir wurde versichert, dass es in eine Spritze aufgezogen würde und ich es am nächsten Tag mit in die Kinderklinik nehmen könnte.
Am nächsten Morgen habe ich nochmals abgepumpt, sagenhafte 20ml insgesamt. Ich wurde auf eigene Verantwortung entlassen und konnte zu meinem Kind, als dessen Begleitperson ich dann für eine Woche in der Kinderklinik aufgenommen wurde. Die Kinderklinik gehört nicht direkt zum Krankenhaus, wo ich entbunden habe, befindet sich aber auf dem selben Gelände. Die Neugeborenenstation nennt sich stillfreundlich. Mir wurde jedoch gleich am ersten Tag klargemacht, dass ich einen Versuch des Vollstillens vergessen kann, solang ich dort bin, das könnten sie nicht verantworten. Ich war so fertig, physisch und psychisch, dass ich nichts machen konnte.
Dort habe ich Hexi angelegt, sooft sie wollte, und danach eben zugefüttert. Oft habe ich vor und nach dem Stillen auch gewogen. Meist lief es darauf hinaus, dass sie ca 10-20ml an der Brust trank und 40-60ml aus der Flasche. Ich kann vermutlich von großem Glück reden, dass das Nebelhexchen noch immer begeistert an der Brust saugt. Da hat sie nichts verlernt. Die Zeit war unglaublich anstrengend. Man hat ja nie Ruhe, sieht sein Kind nur an diesen Schläuchen, ist ahängig on dem, was einem gesagt wird, usw usf... diese Situation hab ich immer noch nicht verarbeitet. Es ist, als sei an unserem 1. Tag Pause gedrückt worden und ich hab den Startknopf noch nicht wirklich wiedergefunden, was die Emotionen und verarbeitung angeht.
An zwei Tagen hatte Hexi einen Stillrappel und hat 3 bzw 5 Stunden am Stück gestillt. Irgendwann hab ich dann immer doch die Flasche gegeben, damit sie auch nochmal zur Ruhe kam. Schließlich bekam sie zu der Zeit zwei Antibiotika und hatte eine Krankheit zu verarbeiten.
Durch das Zufütern hatte die Nebelhexe schon am 6.11. ihr Geburtsgewicht wieder.
Zwischendrin habe ich mal mit meiner Hebamme telefonierte, die mir riet, zusätzlich abzupumpen, damit die Brust sich an "Mehrbedarf" gewöhnen würde. Auch wenn ich direkt nach dem Stillen abgepumpt habe, kam zwischen ein paar Tropfen und 20ml, nie mehr (was bei der nächsten Mahlzeit der Fertigmilch beigemischt wurde). Zusätzlich hatte ich im Zimmer einen Durchlauf von zwar sehr nette, aber lauter Müttern, denen die Milch quasi aus der Brust schoss und die gern 100-200ml abpumpen konnten... ich war frustriert, enttäuscht, ängstlich. Wollte meinem Kind doch geben, was es braucht. Fühlte mich als Versagerin.
Am 8.11. wurden wir entlassen. Eigentlich wurde nur gefragt, ob wir denn Milchpulver zum Zufüttern daheimhätten und viel Glück gewünscht. Ich war unendlich ausgelaugt nach dieser Woche. Einen Tag davor hatte ich mein erstes "Erfolgserlebnis": Milchflecken auf dem Shirt. Sollte es sich endlich bessern?
Zuhause ging es dann erstmal genauso weiter. Hexi saugt, wenn sie Hunger hat, an beiden Brüsten, fast immer als Wechselstillen, also mehrfach (meist 3-5x pro Seite), bis ich das Gefühl hab, da kommt nichs mehr, sich nichts mehr rausdrücken lässt und sie nicht mehr will. Dann gibts noch Flasche dazu. Inzwischen sind wir bei ca 70ml Zufütterung pro Mahlzeit, die jeweils gut und gern 1-1 1/2Std dauern.
Meine Hebamme hat erstmal an meinen Getränken geschraubt. Karamalz oder Vitamalz bekomm ich leider absolut nicht runter, aber nun trinke ich mind 3 Tassen Carokaffe und 3 Tassen Stilltee am Tag und dann Wasser oder Saftschorle, so viel ich kann, mindestens 3l insgesamt am Tag. Die Hebamme hat soe viel Verständnis, dass sie uns nicht mehr mit Pumpen oder Wiegen stessen will, da sie fürchtet, dass dadurch die Milchmenge der Brust nur noch mehr zurückgehen würde. Lieber soll die Hexi das bekommen, was ich eben geben kann. Anlegen ist laut Hebamme gut, auch sieht man Hexi wohl schlucken (ich erkenn das nicht, aber gut). Die Hebamme einte auch, an sich würde die Milch gut fließen und ich soll beim Stillen ruhig weinen, wenns beim Verarbeiten hilft, denn wenns hier läuft, läuft es auch da...
Ich versuche, mit dem Zufüttern meinen Frieden zu schließen, aber das fällt mir wahnsinnig schwer. Ich will doch stillen. Mein Kind will doch gestillt werden. Warum nur geht es nicht?
Dass in meiner Familie der Spruch "wir sind halt keine guten Milchkühe" quasi ein geflügeltes Wort ist, hilft auch nicht. Meine Mutter konnte mich auch nur 3 Monate stillen, meiner Oma gings bei allen 4 Kindern wohl nicht anders.
Ich freue mich auf alle Tips und Hinweise.
Der Fragebogen:
(wobei ich nicht sicher bin, ob der gebraucht wird, schließlich könnte man sich fragen, was ich eigentlich will, schließlich klappt unsre Methode doch für uns...)
* Wird oder wurde Euer Baby zugefüttert, bekommt es abgepumpte Milch oder auch mal ein Fläschchen, schreibt bitte die Mengen auf (wie oft wieviel täglich) und womit zugefüttert wird oder wurde.
Nach fast jedem Stillen, bekommt Hexi Pre-Pulvermilch aus der Flasche, nach Bedarf. Sie macht gern kurze Pausen in den Mahlzeiten, aber es sind zwischen 40 und 70g pro Mahlzeit. Es sind zwischen 8 und 11 Mahlzeiten am Tag. Die Flasche wird sofort nach dem Abdocken gegeben und ich achte darauf, dass Hexis Kopf in Brustnähe bleibt, damit auch die Verknüpfung "erst Brust saugen - dann frei fließende Milch" erhalten bleibt.
* Bitte beschreibt, wie Euer Stillalltag für gewöhnlich aussieht: wie oft und wie lange wird üblicherweise gestillt? Wie lang sind die Schlafpausen?
Über den Tag word 6-9 Mal gestillt, je nachdem, wann sie will. Nachts 2-3 Mal. Tags schläft sie 1-4Std dazwischen, nachts 3-5. Sie stillt selten in den Schlaf. Meist kuschelt sie nach den Mahlzeitn, bis sie einschläft. Eine Mahlzeit dauert zwischen 30 und 90 Minuten.
* Wie oft pro Tag scheidet das Baby aus? Wie häufig Stuhlgang?
Täglich ca 2-3 Windeln mit Stuhl und 5-8 mit Urin
* Berichtet auch von Eurem Stillstart und den ersten Wochen nach der Geburt, v.a.: Wie klappt(e) das Stillen? Unruhiges Baby? Andock-Probleme?
Siehe oben. Stillen klappt an sich gut, langt nur nicht. Sonst außer der Neugeborenensepsis und viel (emotuonalen) Stresses bei mir keine Probleme
* Kennt es künstliche Sauger, also z.B. Flaschen, Hütchen, Schnuller?
Verschiedene Flaschenaufsätze sind bekannt. Mit denen von Ave*nt kommt sie nicht klar, am besten funktionieren die breiten S und M von NU*K
* Seid Ihr (bzw. Ist Euer Kind) bereits woanders in Behandlung/Beratung? Stillberatung, Kinderarzt, Hebamme, Osteopath, Krankengymnastik...?
Wir werden von der Hebamme nachbetreut und bald steht die U3 beim Kinderarzt an. Die Klinik sieht uns so bald hoffentlich nicht wieder
* Gibt es medizinische Besonderheiten, die das Stillen betreffen können? Z.B. Orthopädische Auffälligkeiten, Frühgeburt, Gelbsucht beim Baby? Brust-Operationen, Schilddrüsen- und andere chronische Erkrankungen (Übergewicht, Diabetes, PCOS,...) bei der Mutter? Medikamenteneinnahme?
Ich habe Übergewicht, arbeite aber schon daran. Vor der Schwangerschaft habe ich 35kg abgenommen, in der Schwangerschaft wieder 9,5 zu... und sobald sowas wie Normalität eingezogen ist, will ich weiter abnehmen. Ich hab eine Hüftdysplasie, Nebelhexes Hüfte war bei der U2 geschallt worden und eine Seite ist etwas unreif - wir wickeln breit und warten noch zur U3. Sonst sollte jetzt alles gut sein. Hexi war nicht zu früh, sondern deutlich zu spät.
Vielen Dank an jeden, der das gelesen hat.
