Liebe Alessia,
puh, das klingt alles sehr anstrengend. ((())) Ich kann gut verstehen, dass Du Dein ausgeglichenes Baby vermisst und gleichzeitig gerne stillen möchtest. Ich bin überzeugt davon, dass Du beides haben kannst. Ich kann mir vorstellen, dass das gerade unerreichbar scheint. Ich begleite Dich gerne auf dem Weg zu diesem Ziel. Möchtest Du das?
Alessia hat geschrieben:Also beschloss ich letzte Woche, die Milch zurück zu holen. Ich (...) trinke alkoholfreies Weizen, Caro-Cafe und Ovumaltine , 3 mal am Tag Stilltee
Magst Du diese Getränke? Wenn ja, dann genieße sie. Wenn nein, dann musst Du sie nicht trinken. Sie haben keinen Einfluss auf Deine Milchmenge außer, dass Du genügend Flüssigkeit zu Dir nimmst.
(Ich) lege den Kleinen immer wieder an, nehme More Milk Plus, mache Brust Massage mit Milchbildungsöl, (...) mach Akupressur und nehme homöopathische Milchbildungstropfen.
Tun Dir all diese Maßnahmen gut oder stressen sie Dich? Am wirkungsvollsten für Deine Milchbildung ist das Stillen selbst. Wenn Dich z.B. die Massage entspannt, dann hilft das natürlich. Wenn sie ein stressiges Ritual ist, dann hilft sie Dir nicht wirklich. Guck, was Dir gut tut.
Ich sitze hier wieder mit einem dicken Milchstau. Der Kleine schläft und hat kein Hunger. Ich schlafe wieder nicht, weil ich darauf warte, dass er Hunger kriegt und mir hilft.
Du stillst nach Bedarf. Das beinhaltet auch Deinen Bedarf. Du darfst ihn wecken, damit er stillt. Gerade nachts geht das auch im Halbschlaf.
Bei einem Milchstau ist es wichtig, dass die Brust gut und regelmäßig geleert wird. Leg ihn mit dem Unterkiefer an den Stau, gerne im Vierfüßlerstand. Da hilft die Schwerkraft gut mit.
Und ohne Zufüttern lässt er sich nicht ablegen. Das heißt, er schläft nur auf meinem Schoß oder Brust und weint, wenn ich versuche ihn ins Beistellbettchen 30 cm von mir entfernt zu legen.
Ich weiß wie anstrengend das ist. Aber Babys sind von Natur aus nicht dazu bestimmt abgelegt zu werden. Dass Dein Sohn es mit PRE machen lässt, beruht auf der schwereren Verdaulichkeit und vermutlich höheren Menge Milch im Bauch. Dadurch schläft er tiefer, da sein Körper Energie für die Verdauung spart. Der Körper Deines Babys ist eigentlich darauf eingestellt häufig
kleinere Portionen leicht verdauliche Muttermilch zu bekommen. Und dazu ist es wichtig nah bei Mama zu sein und oft zu stillen.
Ich lege ihn dann an, er trinkt 1-2 Schluck und schläft dann mit der Brustwarze im Mund weiter. Also genauso, wie es war, als ich mich hier angemeldet habe.
Das ist ein ganz normales Verhalten. Das Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Die Brust im Mund zu behalten ohne zu trinken ist eine Absicherung, dass die Mama und damit Sicherheit, Wärme und Nahrung greifbar sind. Das mag uns in Zeiten von sicheren Wohnungen, Zentralheizung und unserer Bereitschaft immer da zu sein seltsam erscheinen. Aber unsere Babys haben Steinzeitgene. Ihr Verhalten ist tausende Jahre alt. Sie sind darauf geeicht ihr Überleben auf diese Art zu sichern.
Ich bin echt ratlos. Vielleicht liegt das Problem gar nicht an der Milchmenge, sondern an dem Trinkverhalten meines Babys? Er stillt über eine Stunde, ist danach maximal 1,5 Stunden satt (außer nachts)
Dein Milchstau spricht eher für viel Milch, die Dein Kleiner gar nicht abtrinken kann. Stillabstände von 2,5h (von Stillbeginn zu Stillbeginn gerechnet) sind tagsüber absolut normal. Ich kann verstehen, dass Still-Sessions von 1h anstrengend sind. Wie genau läuft so eine Stillmahlzeit bei Euch denn ab? Wie oft stillt Ihr? Oft reichen schon einige kleine Veränderungen und Stillmahlzeiten werden kürzer.
und ist deutlich unausgeglichener als nach der Flasche, z. B. lässt sich nicht zum Schlaf ablegen.
Wie gesagt: Das Ablegen entspricht nicht dem biologischen Programm. Wie äußert sich die Unausgeglichenheit sonst noch?
Besteht die Möglichkeit, dass wir irgendwie Stillabstände verlängern, Stilldauer verkürzen und dass er dabei gut satt wird und zunimmt bzw. so zufrieden wirkt, wie nach der Flasche?
Ja, ich bin mir sicher, dass wir die Stillmahlzeiten intensivieren und dadurch verkürzen können. Auf diese Art verlängern sich die Pausen zwischen dem Stillen. Die Häufigkeit und Abstände zwischen Stillbeginn und Stillbeginn werden sich vermutlich nicht sehr ändern, denn sie sind altersgemäß. Mit zunehmendem Alter verändern sie sich aber immer wieder.
Oder geht es jetzt einfach nur noch um "Ideologie" - Hauptsache stillen?
Ideologie ist immer ein schlechter Berater. Ich hoffe, ich konnte Dir die Hintergründe zum Verhalten Deines Babys beleuchten. Ich bin überzeugt, dass es Wege gibt, Stillen, Zufriedenheit (für beide) und gutes Gedeihen für Euch zusammen zu bringen. Gerne begleite ich Euch auf diesem Weg. Wenn ich weiß, wie das Stillen bei Euch aktuell abläuft, dann gebe ich Dir gerne Tipps und wir gucken gemeinsam welche Veränderungen zu Euch passen. Was hältst Du davon?
Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)