Pflegekind stillen - Relaktation

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Quaak
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Quaak »

Liebe cornucopia,

danke, dass Du hier berichtest, wie es euch geht.

Ihr leistet wirklich Unglaubliches.

Ich wünsche euch ganz viel Kraft für alles, was da noch auf euch zukommt und viele, viele schöne Momente und Gründe zum Lachen!

LG Quaak
Quaak mit Miniquaak N. 11/2012 und den Drillingsmädchen K., J. und R. 05/2016 und zwei * 06/2014 und * 07/2015
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Ellipirelli
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Ellipirelli »

Danke für deinen Bericht!
Ja,ihr leistet unglaubliches.
Ihr opfert alle 3 so viel für ihn, das ist mit Worten kaum zu beschreiben.
Ich hoffe du/ ihr könnt das irgendwann anerkennen was ihr wirklich leistet, ohne euch unter Druck zu setzen ( Thema schreien zB).
Ihr seid Menschen, ihr liebt ,ihr lebt, ihr gebt und ihr habt grenzen.
Ihr gebt mehr als viiiiiele andere Menschen.ihr gebt Familie und liebe einem Kind, was einen schwierigen Start, einen schwierigen weg und auch noch schwieriges vor sich hat.

Zur abendsituation: wäre vll einbinden eine Lösung? Enger Kontakt?
Aber ist in dem alter natürlich schwierig,auch wenn es dein Mann im rücken hat. Pucken oder einbinden,sonst fällt mir nichts ein.
Ist er bei einem traumatologen in Behandlung oder ist das noch zu viel?
liebe Grüsse von Elli
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
Du fehlst mir.... http://www.andischmitt-online.de
Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
nachtfalter
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von nachtfalter »

Wow. Respekt vor dem was ihr geschaffen habt und lebt und von deiner Ehrlichkeit.
1 Bub 09/2013
1 Bub und 1 Mädchen 05/2016
Lösche Benutzer 2152

Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Lösche Benutzer 2152 »

Hab das erst jetzt gefunden/gelesen und bei deinem letzten Posting habe ich eine Gänsehaut bekommen. Vielen Dank für deinen Bericht.

Ich arbeite mit geistig behinderten Kindern und kann mir gut vorstellen, wie viel Kraft dich und deine Familie das alles kostet. Ich möchte dir gern eine Umarmung dalassen, wenn du magst (((cornucopia))) und wünsche euch weiterhin viele positive Erfahrungen...
Lösche Benutzer 17085

Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Lösche Benutzer 17085 »

cornucopia hat geschrieben:Eigentlich hat das, was danach kam, ja nichts mehr mit Stillen und Tragen zu tun, aber ich berichte trotzdem weiter.

Unser Sohn hat gerade sein drittes Kindergartenjahr angefangen. Er geht in einen integrativen Kindergarten und hat dort zweimal die Woche Logopädie und Physiotherapie. Ich gehe gegen 15:45 los und hole ihn ab. D.h. ich bin nur wenige Stunden des Tages mit ihm alleine – diese Stunden haben es aber in sich!

Er hatte zunächst Pflegestufe I bekommen, ist inzwischen auf Pflegestufe II und hat einen Grad der Behinderung von 100 % im Ausweis stehen. Man sieht ihm das äußerlich allerdings nicht an. Wir hatten das Glück, das die Einstufung von erfahrenen Personen durchgeführt wurde, die genau verstanden haben, was die besonderen Schwierigkeiten sind.

Was das Kapitel Bindung angeht, haben wir viel geleistet. Unser Sohn hängt an uns. Nachdem er anfangs ein Papa-Kind war, klebt er nun an mir. Ich bin ja auch die Kuschelige in der Familie. Er macht mir mehrfach am Tag Liebeserklärungen – „Ich hab dich lieb auf der ganzen Welt“. Er schmiegt sich gerne an mich und plappert nach, was meine Tochter in solchen Situationen sagt, nur dass er zwei Laute verwechselt. Es sagt „Du riechst so gut nach Buttermilch“. Buttermilch hat er bisher aber noch nie getrunken. Jedenfalls lieben Tochter und Pflegesohn Mamas Körpergeruch und assoziieren ihn mit einer wunderbaren multisensorischen Erfahrung.

Er ist nicht mehr so rastlos wie zu Beginn unseres Zusammenlebens. Dennoch ist er weiterhin ein Hibbel. Keine Mahlzeit, bei der er einfach am Tisch sitzen bliebe. Er muss ständig in Bewegung sein, und sei es nur, dass das Mundwerk geht. Er hat mit viel Verspätung ziemlich gut sprechen gelernt – das macht er nun mit Leidenschaft.

Ganz allgemein ist er mit seiner Entwicklung weit hinterher. Aber er konnte mit 4 Jahren Radfahren, trotz der Gleichgewichtsproblematik. Daran hat er eisern gearbeitet. Er geht auch gerne und wagemutig ins Wasser, aber Schwimmen kann er noch nicht. Er hat ein beeindruckendes Rhythmusgefühl und ist sehr musikalisch, einfach so aus sich heraus.

Vor allem aber hat er ein sehr fröhliches, lebensbejahendes Naturell. Sein Charme hilft ihm über so manche Klippe hinweg.

Was aber der Hammer für uns ist: die Abende. Er will einfach nicht schlafen, egal wie müde er ist. Er kämpft mit allen Mitteln gegen den Schlaf. Dazu gehört beißen, kratzen, spucken, schlagen, weglaufen. Nicht lustig für uns. Fast jeden Abend muss mein Mann ihn in den Schwitzkasten nehmen, damit er sich beruhigt. Wir fühlen uns nicht gut dabei, doch wissen wir keinen anderen Weg. Wir machen das, was uns von unseren Beratern und Betreuern geraten wurde. Es widerspricht aber unserer Idee von liebevoller Erziehung.

Das Problem ist, das bei uns weder die Erziehungsratgeber greifen, die für Kinder geschrieben sind, die zwar auch allesamt einzigartig und verschieden sind, die sich aber doch irgendwie innerhalb einer Normbandbreite bewegen. Und unser intuitives und einfühlsames Verhalten, das wir bei unserer leiblichen Tochter meistens anwenden, hilft bei unserem Sohn ebenfalls nicht weiter.

Die Erklärung: er ist frühtraumatisiert. Er hat ein mindestens drei Traumata zu knacken. Als erstes das MRT in der 23. Schwangerschaftswoche, durch das die Wehen ausgelöst wurden. Er hat heute noch Panik, wenn er ein Mofa oder Motorrad hört. Er sieht sie gerne, aber die Motorengeräusche treiben ihn in meine Arme, wo er sich verzweifelt anklammert. Die Geräusche erinnern ihn wohl zu stark an die geburtsauslösende Erfahrung. Unterbewusst weiß er genau, dass es nicht gut war, so früh zur Welt zu kommen.

Zweitens die lange Zeit nach der Geburt, die er im Brutkasten und überhaupt in der Klinik verbracht hat. Das Gefühl des Alleinegelassenseins und der Einsamkeit hat er nicht vergessen, es spukt in ihm. Einmal hat er das sogar in Worte gefasst und hat dabei geweint wie nie zuvor in seinem Leben. Seine leibliche Mutter hatte in dieser schweren Phase getan, was sie konnte, aber es hat nicht gereicht, um Bindung und das Gefühl, geborgen bei Mama zu sein aufbauen zu können.

Als drittes schließlich die Herausnahme aus der Familie. Er hat mir eines Abends gesagt, er habe Angst, dass nachts Einbrecher kommen und ihn mitnehmen, deshalb wolle er nicht schlafen. So war das damals, als wohlmeinende Menschen ihn in der Nacht von seiner Mutter fortgeholt haben. Ich weiß von den Beteiligten, dass es eine ganz ruhige Aktion war, alles sehr gesittet. Die Mutter hat ihn noch angezogen und fertig gemacht und lieb verabschiedet. Da er die Vorgänge aber intellektuell nicht verarbeiten konnte, ist da diese ganz große Wunde, die Traumatisierung.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf, das wir wie Detektive zusammengetragen und entschlüsselt haben, ist leicht nachzuvollziehen, weshalb er so ist, wie er ist. Unsere Aufgabe wird nun sein, ihm zu helfen, mit diesen Traumata zu leben. Auflösen werden wir sie wohl nicht können. Es ist eine riesige Aufgabe, von der ich nicht weiß, wie wir sie am besten angehen. Wir werden inzwischen aber von der Diakonie Düsseldorf betreut, und dort sitzen Experten, von denen ich mir Rat und Hilfe erhoffe.

Es ist inzwischen amtlich, dass unser Sohn geistig behindert, oder wie es politisch korrekt heißt, „intellektuell beeinträchtigt“ ist. Mir fällt es schwer, das zu akzeptieren. Er ist ja so ein Cleverle! Situationsbezogen findet er gute Lösungen und hat kreative Ideen, aber abstraktes Denken ist eben nicht seine Stärke. Beim Intelligenztest wurde er gefragt, wie viele Beine ein Vogel hat. Er hob an zu erzählen, dass wir beim Weggehen einen toten Vogel vor dem Haus gefunden hätten, den habe wohl die Katze geholt, oder er sei aus dem Nest gefallen, habe die Mama gesagt, und den müssten wir nachher noch beerdigen. Ich war stolz, dass er die Geschichte zusammenhängend erzählen konnte. War doch eine reife Leistung! Er wurde nochmal gefragt, wie viele Beine denn nun ein Vogel habe. Mit einer Handbewegung, die bedeuten sollte, ist doch nicht so wichtig, sagte er „Ach, drei“. Das gab dann leider null Punkte, und so kam er auf einen IQ von 62. Natürlich nicht wegen der einen Frage, diese soll nur als Beispiel gelten.

Zur Info: ein IQ von 100 ist durchschnittlich. Bis 70 wäre eine Lernbehinderung, alles darunter ist geistige Behinderung. Auf einer Schule für Lernbehinderte gibt es für die klügeren Köpfe die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss zu machen. Auf der Schule für geistig Behinderte gibt es diese Möglichkeit nicht. Das ist sehr schade, denn ich sehe, dass unser Sohn in vielen Bereichen durchaus Potenzial hat, nur eben konzentrieren kann er sich nicht gut, genauso wenig wie still sitzen und lange Zeit aufmerksam sein.

Die Depression bei mir ist dann irgendwann, also ca. ein Jahr nach Aufnahme unseres Sohnes in die Familie, weggegangen. Ich habe das Antidepressivum ca. 9 Monate genommen. Ab März 2013 merkte ich, dass es mir besser ging. Ich habe dann sogar an einer Theateraufführung mitgewirkt – ein Zeichen, dass ich aus dem Loch raus war.

Trotzdem hat das alles und unser heutiger Alltag auch gesundheitliche Auswirkungen. Ich bin nervlich längst nicht mehr so belastbar. Bei uns wird viel geschrien – das kannten wir früher gar nicht. Ich finde es schlimm, meine Kinder anzubrüllen. Noch schlimmer finde ich es, wenn ich weinend zusammenbreche und kopflos aus dem Haus renne, als Zeichen, dass das Maß nun wirklich überschritten ist. Ich bin nicht stolz darauf, so hilflos zu sein. So Vieles machen wir richtig gut, und unser Kind hat sich ja auch phantastisch entwickelt, wie uns von allen Seiten bestätigt wird. Wir sind sogar zur sonderpädagogischen Fachpflegefamilie aufgestiegen, obwohl keiner von uns eine entsprechende Ausbildung hat. Und trotz all dem stoßen wir fast täglich an unsere Grenzen mit dem kleinen, süßen Mann, der längst unsere Herzen erobert hat.

Ein weitere unschöner Nebeneffekt: Ich habe 25 kg zugenommen, weil ich zur Frustesserin mutiert bin. Ich kompensiere Schlafmangel mit Süßigkeiten. Mein Mann, der früher immer fit war, ist seit Längerem rückengeschädigt, was sicher zum Teil auch auf unseren Sohn zurückgeht. Unsere Tochter hat auch so ihr Päckchen zu tragen. Sie liebt ihren Bruder, aber wenn er ihr körperlich weh tut, was auch fast täglich vorkommt, ist es vorbei mit Geschwisterliebe und Toleranz. Trotzdem ist sie eine vorbildliche Tochter und große Schwester. Sie hilft uns oft aus schwierigen Situationen, wenn sie Partei für den kleinen Bruder ergreift und er dann plötzlich wieder erreichbar wird, weil die zwei doch auch eine ganz besondere Beziehung verbindet.

Ich kann nach 3 ½ Jahren mit unserem Sohn sagen, dass ich ihn (und auch kein anderes Kind) nicht aufgenommen hätte, wenn ich alles das vorher gewusst hätte. Aber nun ist er ein Teil von uns, und rückgängig kann man das nicht machen. Juristisch schon, aber nicht emotional.

Zum Abschluss dieses langen Posts der Refrain des Gute-Nacht-Liedes, das ich für ihn geschrieben habe und das er sehr lieb gewonnen hat:

Du bist das Kind, das uns so lange Zeit gefehlt hat.
Dein Platz am Tisch war lange Zeit so leer.
Wir schützen und wir lieben dich mit all unsrer Kraft.
Weil wir im Herzen bei dir sind, finde du jetzt auch Schlaf.

Tap-a-talking mit der Eule (09/13) und dem Bauchbaby (10/15)
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von bluebaer13 »

Ich lese normalerweise nur sehr viel, hier muss ich dann doch aber mal was sagen: Hut ab vor so viel Engagement!

IQ-Test sind mMn ein sehr eindimensionales aber zweischneidiges Schwert,da sie eben die emotionale Ebene gar nicht und den Menschen in nur sehr geringem Umfang erfassen. So weit ich weiß sind sie mittlerweile ohnehin recht umstritten. Wenn ihr den Test ggf später ( in einem Jahr?) nochmal macht?

Ich finde im Moment gar nicht die richtigen Worte für das was ich alles dazu sagen will... Habe tiefsten Respekt vor dieser Leistung und schicke euch ein ganz großes Paket Kraft und Geduld !
Sandra mit Tochter 10/2014 und Sternchen 01/17 + 03/18 und Tochter 11/19 (mit Extra)


Damit beschäftigt Monsterthreads zu lesen :-)
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Jule
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Jule »

Vielen Dank für deinen Bericht. Ich bin echt beeindruckt- er klingt total authentisch, einfach ehrlich. Das Problem mit dem ruhig bleiben kenne ich....leider...hier wird grad auch zu oft gebrüllt (von allen :oops: ).
Auf den Test würde ich auch nicht so viel geben..... ich denke ihr schaut in Richtung Schule. Da würde ich mir alle in Frage kommenden sehr gut anschauen.Einfach danach entscheiden wo ihr ihn am besten aufgehoben seht. Und auch wenn das noch viel zu früh ist, der Status einer geistigen Behinderung hat auch seine Vorteile, vor allem was die Arbeitssuche angeht...
Ich wünsche euch viel Kraft und das ihr mal auftanken könnt!
Noch eine Frage (aber ich kenn nicht da nicht aus, gleich dazu gesagt)- wäre es eine Option die Einschlafproblematik medikamentös anzugehen?
Liebe Grüße von Jule mit den Mädels 06/05 und 08/07 und dem Mini-Weihnachtsmädel '13
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von AnnikaKurz1315 »

Liebe Cornucopia,

mein Sohn kam auch viel zu früh auf die Welt. Und wenn ich bedenke welche Kraft mich diese Zeit alleine gekostet hat, kann ich mir nur vorstellen, was in den Kleinen vorgeht. Die fehlende Enge, Körpergeräusche ersetzt durch ständige piepsende Geräusche der Überwachungsgeräte, regelmäßige Blutabnahmen, Untersuchungen.... da können auch die 2-3 Stunden Kängeruhen am Tag mit der Mama oder dem Papa nicht hinweghelfen. Und euer kleiner Mann war ja wirklich viel zu früh! Er ist ein wahrer Kämpfer! Und das Leben war dann ausnahmsweise mal fair zu ihm und hat ihn zu einer Pflegefamilie gebracht, die auch wahre Kämpfernaturen sind.

Ich bewundere dich und deine Familie sehr für das was ihr jeden Tag aufs Neue leistet und ich wünsche Euch, dass ihr irgendwann zurück blicken könnt und zufrieden mit der Entscheidung seit, euren Pflegesohn aufgenommen zu haben.

Ganz viel Kraft und Liebe, :piepmatz:
Annika
Liebe Grüße Annika
Großer Bruder 8/13 und Stolze Schwester 6/15 mit Baby Bruder 2/18
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Maral
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Maral »

Liebe Cornucopia,

ich möchte dir (und deinem Mann, deiner Tochter) nur kurz sagen, wie sehr mich die Geschichte über euer Pflegekind berührt hat.

Ihr habt eine Riesenaufgabe zu stemmen, die einen ganz schön auswringen kann. Du schreibst sehr offen über die Emotionen und Probleme, mit denen du zu kämpfen hast. Das finde ich bewundernswert.

Ein wenig finde ich mich in dir wieder.
Meine Frau und ich (wir sind eine Lebenspartnerschaft) haben 12 Kinder (davon eines mit Diabetes, und eines mit einer leichten Form der Epilepsie). Und manchmal will ich alles hinwerfen. Alles wird zuviel. Keine Zeit, keine Ruhe, ich selbst bleibe irgendwo zwischen Wäschebergen, nörgeligen Kleinkindern, pubertierenden Teenies und dem Job auf der Strecke.
Spätestens dann, wenn ich mit Augenringen durch den Tag schleiche, kommen die Vorwürfe. Manchmal leise vorgetragen ("Ach du Ärmste, kann ich dir was abnehmen? 12 Kinder wären mir aber auch zuviel..."), manchmal laut. Grade die sogenannten guten Bekannten, man kennst sich schließlich schon lange, sind besonders "offen" und sagen es mir gleich ins Gesicht:
"Es ist echt keine Überraschung, dass 12 Kinder viel Arbeit machen. Du hast es dir doch so ausgesucht."

Haha. Als ob ich, nur weil ich mein Leben lebe, wie ich es mir im Großen und Ganzen gewünscht habe, eine unerschöpfliche Supermum bin, die jeden Stolperstein und jede Hürde dank meiner übermenschlichen Kräfte einfach zum Verschwinden bringt.
Niemand hat mich gezwungen, eine so große Familie zu haben. Aber darf ich deshalb nicht an meine Grenzen stoßen? Manchmal denke ich, je größer die Aufgabe ist, die man zu bewältigen hat, desto weniger Verständnis haben die Leute, wenn nicht alles perfekt und nach Plan verläuft.
Ich will nur sagen, vielleicht geht es dir ja ähnlich und deine Entscheidung FÜR deinen Sohn wird in Frage gestellt. Was mir da ein bisschen hilft, ist eine kleine Portion Eigenlob und eine Prise Stolz. Ich weiß, das klingt schrecklich, enschuldige bitte diesen Ego-post.

Aber wenn wir ehrlich sind, dann weißt du selbst am besten, was du jeden Tag leistest. Keiner kann die Belastungen des täglichen Lebens so gut abschätzen, wie du. Du darfst und musst wirklich stolz auf dich und deine Familie sein!!! Was kurzsichtige Dritte davon halten ist wirklich Nebensache.

Und was ich noch kurz sagen will: Manchmal tut eine Umarmung viel besser, als tausend wohlmeinende Worte. Deshalb (((cornucopia))), wenn du magst.
Ganz liebe Grüße!
Regenbogen-Mami mit Frau und 12 Kindern im Alter von 0-16 Jahren.

Du kannst gern ein bisschen verrückt sein, solange du für dich selbst denkst!
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Ellimorelli
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Registriert: 12.06.2013, 11:35
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation

Beitrag von Ellimorelli »

Liebe Cornucopia,

meinen tiefen Respekt vor dir und deiner Familie. Dein Bericht hat mich sehr berührt, auch deine Ehrlichkeit. Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft für alle Herausforderungen, die noch kommen werden, aber auch viele, viele schöne und lachende Momente!
mit kleiner großer Prinzessin (03/13)

"Ein Baby ist ein Engel, dessen Flügel schrumpfen,
während die Beine wachsen"

[französisches Sprichwort]
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