Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

Antworten
knöpfle
ist gern hier dabei
Beiträge: 61
Registriert: 21.02.2015, 14:48

Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Beitrag von knöpfle »

Hallo,

ich wollte mich für eine Freundin mit Stillproblemen mal hier im Forum erkundigen, ob es noch irgendwelche Tips gibt, die sie beherzigen könnte.

Die Situation ist folgende: Über zwei Monate lief in ihrer Stillbeziehung einiges schief. Angefangen von empfohlenen Abständen und zwischendrin Tee in Flasche füttern (ist ja echt ein Klassiker...) und später Zufüttern von ihrer Milch im Fläschchen, wenn ihr Baby nur weinte an der Brust und wenn es gar nicht mehr anders ging und sie total verzweifelt war, weil er merklich Hunger hatte, den sie nicht stillen konnte, auch Säuglingsnahrung.

Mittlerweile (d.h. seit nun drei bis vier Wochen) hat sie eine Stillberaterin an der Hand und seit dieser Zeit hat sie das Füttern mit der Flasche ganz aufgehört. Sie füttert ihn jetzt nur noch per Brusternährungsset und pumpt dafür ihre Milch ab (anfangs war auch noch zwischendurch Säuglingsnahrung dabei, jetzt nicht mehr). Was sich bisher nicht gebessert hat ist seine Trinkgewohnheit an der Brust. Er will jede Stunde an die Brust (was ja auch total normal sein kann bei einem so kleinen Baby) und dann trinkt er gut solange die Vormilch fließt, sobald er sich aber mehr anstrengen muss für die Hintermilch nuckelt er bloß noch ohne zu schlucken und fängt an zu schreien. Sie pumpt dann halt die Hintermilch ab und verfüttert sie ihm per Brusternährungsset, aber trotz dem größten Schlauch den es dafür gibt, hat sich dieses Problem noch nicht verbessert. Die Stillberaterin war vor kurzem erneut da und meinte nur, dass sie es einfach weiter so probieren solle.

Meine Freundin versucht halt weiter durchzuhalten, aber es ist sehr schwierig.

Hat hier noch jemand gute Tips oder kann sie echt nicht mehr machen? Und gibt es irgendwelche Prognosen, wann das überhaupt mal besser wird oder kann es sein, dass es einfach nichts mehr bringt? Das ist schon eine sehr belastende Situation für sie. :-(
Benutzeravatar
Teazer
Mod a.D.
Beiträge: 18114
Registriert: 14.09.2009, 10:15

Re: Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Beitrag von Teazer »

Hallo Knöpfle,

lieb, dass Du für Deine Freundin fragst. Second-hand-Beratungen sind aber nicht so optimal. Mir scheint, dass Deine Freundin gute Unterstützung vor Ort hat. Ohne die Gewichtsentwicklung u.a. zu kennen, kann ich aber wenig sagen, nur ein paar Hinweise geben.
knöpfle hat geschrieben:Er will jede Stunde an die Brust (was ja auch total normal sein kann bei einem so kleinen Baby)
Ganz genau. Es gibt Babys, die müssen stündlich stillen um an die gleiche Menge Milch zu kommen wie andere Babys mit deutlich weniger Stilleinheiten. Das ist völlig normal. Und auch okay, wenn das Baby damit gut gedeiht. Und bei den aktuellen Temperaturen stillen Babys ohnehin öfter.
dann trinkt er gut solange die Vormilch fließt, sobald er sich aber mehr anstrengen muss für die Hintermilch nuckelt er bloß noch ohne zu schlucken und fängt an zu schreien.
Auch wenn die Worte dies suggerieren: Es gibt gar keine echte Vor- und Hintermilch. Das Stillen beginnt mit einer eher laktosereichen Milch, deren genaue Zusammensetzung von vielen Faktoren abhängig ist. Während des Stillens wird die Milch dann immer fettreicher.

Für mich klingt das eher, als würde das Baby keinen weiteren MSR auslösen, also nicht effektiv saugen. Um das zu klären müsste ich jedoch weitere Fragen stellen.
Sie pumpt dann halt die Hintermilch ab und verfüttert sie ihm per Brusternährungsset, aber trotz dem größten Schlauch den es dafür gibt, hat sich dieses Problem noch nicht verbessert.
Es wäre besser, wenn sie das BES schon am Anfang des Stillens einsetzen würde. Aber auch hier kann ich nicht ins Detail gehen, weil ich zu wenig Informationen habe.
Die Stillberaterin war vor kurzem erneut da und meinte nur, dass sie es einfach weiter so probieren solle.
Hat Deine Freundin die ElternInfo Brusternährungsset? Da stehen viele Tipps und hilfreiche Informationen. So lernt man die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des BES kennen. Der Beipackzettel ist nämlich ziemlich dürftig. Die Info gibt es auch als ePaper (dann muss sie nicht aufs Ende des Poststreiks warten).
Und gibt es irgendwelche Prognosen, wann das überhaupt mal besser wird oder kann es sein, dass es einfach nichts mehr bringt?
Das ist höchst individuell. Das BES ist ein großartiges Hilfsmittel um ein Baby wieder an die Brust zu bekommen. Aber dazu sollte man auch alle Möglichkeiten ausnutzen. Und Geduld mitbringen.

Vielleicht mag sich Deine Freundin ja selbst zu Wort melden oder im Forum stöbern. Hier haben ja schon viele Mamis mit dem BES das Ziel "Vollstillen" erreicht.

Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
knöpfle
ist gern hier dabei
Beiträge: 61
Registriert: 21.02.2015, 14:48

Re: Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Beitrag von knöpfle »

Hallo Teazer,

vielen Dank für die rasche Antwort. :-)
Teazer hat geschrieben:Ohne die Gewichtsentwicklung u.a. zu kennen, kann ich aber wenig sagen, nur ein paar Hinweise geben.
Als die Stillberaterin das erste Mal da war und sich alle nötigen Informationen eingeholt hatte, meinte sie, dass sich der Kleine bereits an der oberen Gewichtsgrenze befinde. Er wurde wohl mehr oder weniger stark gemästet durch zusätzliches Abpumpen fürs Fläschchen (die Nachsorge-Hebamme machte Druck, da er in ihren Augen nicht rasch genug Gewicht zugenommen habe).
Zum Schluss schien ihm nichts mehr zu reichen. Egal wieviel sie ihm zusätzlich per Flasche gefüttert hatte (abgepumpte Milch oder Säuglingsnahrung), er wollte immer noch mehr.

Kann so etwas generell möglich sein, also das er tatsächlich sein natürliches Sättigungsgefühl verloren hatte? Mir war das gänzlich neu...
Auch wenn die Worte dies suggerieren: Es gibt gar keine echte Vor- und Hintermilch. Das Stillen beginnt mit einer eher laktosereichen Milch, deren genaue Zusammensetzung von vielen Faktoren abhängig ist. Während des Stillens wird die Milch dann immer fettreicher.

Für mich klingt das eher, als würde das Baby keinen weiteren MSR auslösen, also nicht effektiv saugen. Um das zu klären müsste ich jedoch weitere Fragen stellen.
Gibt es dann überhaupt trinkfaule Babys oder hat das dann vorallem was mit nicht-(mehr)-können zu tun? :?:

Was mir noch einfällt:

Der Kleine wollte von Anfang an fast dauerhaft an ihrem Busen nuckeln zur Beruhigung und schreit sonst auch sehr viel. Nach circa drei Wochen hat sie das so ausgezehrt, dass sie ihm zwischendurch den Schnuller gegeben hat, weil sie einfach nicht mehr konnte.

Die Stillberaterin meinte, dass sie ihm den Schnuller daher auch weiterhin geben soll, wenn das so extrem ist. Könnte das eventuell zu einem ausbleibenden Erfolg beitragen? Gibt es irgend etwas das sie sonst noch tun könnte um evtl. davon wegzukommen? Ich kann mir ja schon lebhaft vorstellen, dass so ein dauerhaftes Genuckel irgendwann nicht mehr zu ertragen ist. :(

Vielen Dank übrigens für die anderen Anregungen, ich werde mit ihr darüber reden. Das mit der Elterninfo zum Brusternährungsset kennt sie glaube ich auch noch nicht.
Benutzeravatar
Teazer
Mod a.D.
Beiträge: 18114
Registriert: 14.09.2009, 10:15

Re: Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Beitrag von Teazer »

Guten Morgen!
knöpfle hat geschrieben:Zum Schluss schien ihm nichts mehr zu reichen. Egal wieviel sie ihm zusätzlich per Flasche gefüttert hatte (abgepumpte Milch oder Säuglingsnahrung), er wollte immer noch mehr.

Kann so etwas generell möglich sein, also das er tatsächlich sein natürliches Sättigungsgefühl verloren hatte? Mir war das gänzlich neu...
Es kann gut sein, dass die großen Mengen durch den harten Sauger und die Fließgeschwindigkeit entstanden sind (Erklärung zu "gierig" aus der Flasche trinkenden Babys). Die Unsicherheit der Eltern, dass der Kleine Hunger haben könnte (durch Druck der Hebamme), könnte dazu geführt haben, dass sie jedes Weinen - auch ein Ich-platze-gleich-Weinen - missinterpretiert haben. Gesunde Babys haben ein sehr gutes Sättigungsgefühl.
Gibt es dann überhaupt trinkfaule Babys oder hat das dann vorallem was mit nicht-(mehr)-können zu tun? :?:
Es gibt trinkschwache und es gibt saugverwirrte Babys. Ferndiagnostik geht ohne Detailinfos nicht.
Die Stillberaterin meinte, dass sie ihm den Schnuller daher auch weiterhin geben soll, wenn das so extrem ist. Könnte das eventuell zu einem ausbleibenden Erfolg beitragen?
Ja, definitiv. Das Baby befriedigt sein Saugbedürfnis am Schnuller. So hat es keine Motivation an der Brust zu saugen. Eine Saugverwirrung par exellence.
Gibt es irgend etwas das sie sonst noch tun könnte um evtl. davon wegzukommen? Ich kann mir ja schon lebhaft vorstellen, dass so ein dauerhaftes Genuckel irgendwann nicht mehr zu ertragen ist. :(
Alternativen zum Nuckeln an der Brust sind der kleine Finger (der wird erfahrungsgemäß nicht so oft/lang verwendet wie ein Schnuller und ist "aus Mensch") und das Tragen in Tuch oder Tragehilfe.

Wenn sie Unterstützung durch uns Moderatorinnen wünscht, muss sie sich jedoch wirklich selbst zu Wort melden. Alles andere ist Orakeln. ;)

Viele Grüße,
Teazer (ModTeam-Stillberatung)
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

"Mit einer Kindheit voller Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul)
AP estab. 2009, 2011 & 2014
knöpfle
ist gern hier dabei
Beiträge: 61
Registriert: 21.02.2015, 14:48

Re: Trinkfaules Baby, wird nicht besser

Beitrag von knöpfle »

Teazer hat geschrieben: Es kann gut sein, dass die großen Mengen durch den harten Sauger und die Fließgeschwindigkeit entstanden sind (Erklärung zu "gierig" aus der Flasche trinkenden Babys). Die Unsicherheit der Eltern, dass der Kleine Hunger haben könnte (durch Druck der Hebamme), könnte dazu geführt haben, dass sie jedes Weinen - auch ein Ich-platze-gleich-Weinen - missinterpretiert haben. Gesunde Babys haben ein sehr gutes Sättigungsgefühl.
Vielen Dank, das ist interessant zu wissen.
Gibt es dann überhaupt trinkfaule Babys oder hat das dann vorallem was mit nicht-(mehr)-können zu tun? :?:
Es gibt trinkschwache und es gibt saugverwirrte Babys. Ferndiagnostik geht ohne Detailinfos nicht.
Eine Ferndiagnostik hatte ich gar nicht gewollt. Ich wollte nur wissen, was es für Möglichkeiten gibt oder nicht gibt. :-)
Ja, definitiv. Das Baby befriedigt sein Saugbedürfnis am Schnuller. So hat es keine Motivation an der Brust zu saugen. Eine Saugverwirrung par exellence.
Ja, das ist einleuchtend.
Sie hat halt quasi keine zehn Minuten ihre Ruhe (nuckeln, schreien), wenn sie ihm den Schnuller nicht gibt. Es ist wohl für sie das letzte Mittel, um überhaupt noch weiter durchzuhalten. :(

Die Alternativen werde ich ihr mal mitteilen... und natürlich auch, ob sie sich hier melden mag. Es ist schwierig sie dazu zu bringen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das mit der Stillberaterin war schon mal ein Durchbruch, aber das hatte sehr lange gedauert.
Antworten

Zurück zu „Stillforum“