Diplomatisch mein Kind verteidigen

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Lösche Benutzer 15850

Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Lösche Benutzer 15850 »

Hallo,

nach einem anstrengenden Wochenende bei den Schwiegereltern benötige ich Input.
Da ich hier schon öfter von freundlichen, aber bestimmten Reaktionen auf Kommentare von Mitmenschen gelesen habe, würde ich mich freuen, wenn Ihr mir ein paar Ideen geben könntet.
Ich bin wirklich schlecht bei sowas: sage oft nichts bzw. hin und wieder kann ich leider unfreundlich werden, was ja auch nicht hilft.

Zwei Situationen:
Kind (21 Monate) an Omas Hand und wir Eltern gehen zusammen vor die Tür. Omas Nachbarin kommt uns entgegen, gibt allen die Hand und will zuletzt auch unserem Kind die Hand geben. Kind ist ziemlich schüchtern und zurückhaltend gegenüber Fremden und "friert" sofort ein: sagt gar nichts und rührt sich nicht. Darauf die Nachbarin: "Bist Du bockig oder hast Du nicht geschlafen?" :shock:
Abgesehen davon, dass nichts an meinem Kind auf "bockig" hindeutete, reagiere ich extrem empfindlich auf dieses Wort, denn ich bin überzeugt, dass es bockige Kinder im Sinne von "grundlos herumwüten" o.Ä. nicht gibt. (Aber vielleicht fehlt mir ja auch noch die Erfahrung ...) Ich empfinde es als schlimme Beleidigung gegenüber meinem Kind und ich möchte, dass mein Kind weiß, dass niemand so mit ihm reden darf und ich das nicht zulasse und ihm in so Situationen helfe und zu ihm stehe. (Muss ich dazu sagen, dass ich nichts davon in der Situation rüberbringen konnte!? :( ) Andererseits möchte ich die Frau aber auch nicht angreifen. Wir kennen uns praktisch nicht und sie ist nicht grundsätzlich unsympathisch.
Ich suche Ideen, wie ich freundlich, ohne langes Gespräch und dennoch eindeutig gegenüber der Frau klarstellen kann, dass sie mein Kind nicht so beleidigen darf, und dass mein Kind gleichzeitig lernt, dass das nicht ok war und ich das auch nicht gut finde. Versteht Ihr, was ich meine?

Andere Situation:
Wir verbieten unserem Kind möglichst wenig und das ist auch nicht nötig, da sie nicht so eine "Zerstörernatur" ist und ziemlich viel kooperiert.
Aber wenn ich dann mal Nein sage, dann ruft Schwiegermutter zur Bestätigung noch mindestens fünfmal Nein dazu und liefert auch noch drei alternative Erklärungen Richtung Kind. Je nach Anwesenheit machen weitere Familienmitglieder oft auch noch mit. Ich denke, Schwiegermutter ist in solchen Situationen froh, dass ich mein Kind ja doch manchmal "erziehe" und zur Ordnung rufe, und will damit bestätigen, dass sie das richtig findet. Allerdings kommt es mir auch so vor, als denkt sie, ich kriege es alleine nicht hin, mich mit meinem Kind zu einigen. (Sie würde es sicher auch lieber sehen, wenn ich mich durchsetzen würde, anstatt mich zu einigen.) Hinzu kommt, dass ich mir die Situation für mein Kind völlig chaotisch vorstelle, wenn aus mehreren Richtungen Anweisungen und Erklärungen auf sie zu kommen. Und zuletzt ist es ja auch einfach unhöflich, dass sie in einem Gespräch zwischen Kind und mir so dazwischen funkt.
Gleiche Frage wie oben: Wie bring ich Schwiegermutter freundlich nahe, sich da raus zu halten, auch hier möglichst ohne dass ich sie zum Gespräch bitten muss? (Wir kennen uns schon lange, stehen uns aber in keinster Weise nahe: oberflächliche, höfliche Distanz mit jeder Menge unterschiedlichen Einstellungen zu den verschiedensten Dingen.)

Ich würde mich freuen, zu erfahren, was ihr in solchen Situationen sagen würdet. Vielen Dank!
Lösche Benutzer 17612

Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Im erste Fall würde ich sagen : " Nein, sie ist nicht bockig sondern nur ziemlich schüchtern bei Fremden. Wenn wir ein paar Mal hier waren wird das bestimmt anders sein".
Zur Oma:
War bei und genauso. Hat mich anfangs genervt, aber meinen Kindern war es völlig schnurz ob nur eine oder 6 Personen "nein" rufen. Ich glaube diese Problematik gibt es in ganz vielen Familien.

Mein Tipp für solche -irritierenden aber nicht bösartigen oder gefährlichen -Macken der Familie: einfach ignorieren. Und sich die große Rede für die Diskussion aufsparen, warum das Kind nicht auf dem Schoß Auto fahren darf. Je älter Dein Kind wird, desto entspannter wirst Du. Weil Du erkennen wirst dass DU die Mutter bist und DEIN Allltag daheim das ist, was Dein Kind beeinflusst. Und dass Du Dich gar nicht rechtfertigen brauchst, und es auch nicht jedem recht machen kannst. Ohren möglichst oft auf Durchzug wenn die Situation nicht wirklich schlimm oder gefährlich ist.
Dein Kind profitiert sehr davon wenn es noch enge Kontakte außerhalb der Familie hat, und Großeltern sind wichtige Bezugspersonen. Auch die nervige, übergriffige und schrullige Sorte. Ich schick Dir ein dickes "Ohmmmm.-alles nur eine Phase" rüber. das ist es nämlich in der Tat, diese Spannungen verlieren sich erfahrungsgemäß nach der Kleinkindzeit und sind beim zweiten Kind schon deutlich geringer ausgeprägt.
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KaHaLi
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von KaHaLi »

Hallo Anett,

in der ersten Situation würde ich der Nachbarin ganz klar, höflich sagen, dass mein Kind nicht bockig, sondern schüchtern ist und das auch gerne sein darf, da es ja noch sehr klein ist.
Je nachdem würde ich mein Kind dabei auch sachte von Omas Hand lösen, auf den Arm nehmen und eine Kuss geben.
Ob das die perfekte Reaktion ist, weiß ich nicht, aber ich würde mich danach fühlen, meinem Kind Nähe zu geben.

Wegen dem Nein sagen... wenn du kein Gespräch möchtest, würde ich entweder versuchen das Kind beiseite zu nehmen, um alleine und in Ruhe Nein zu sagen.
Wenn das situationsbedingt nicht möglich ist, würde ich direkt in der Situation ganz ruhig, aber bestimmt die Schwiegermama informieren, dass du das alleine mit deinem Kind lösen möchtest und du dich über ihre Unterstützung freust, es aber effektiver ist, wenn es nur von einer Person Anweisungen gibt.
Liebe Grüße
KaHaLi

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Ambeal
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Ambeal »

Erste Situation: Der Nachbarin freundlich sagen, dass dein Kind keineswegs bockig ist, sondern schüchtern und die Kleine würde ich auch nehmen und ihr sagen, dass sie nix muss, was sie nicht will...

Und meiner Schwiegermutter würde ich sagen, dass mein Kind das schon beim ersten Nein versteht und sie das bitte mir überlassen soll. Ich bin da aber auch ein gebranntes Kind.

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Hyndla
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Hyndla »

erste situation: ich sage da auch nur, dass mein kind gegenüber fremden zurückhaltend ist. manche stimmen mir dann sogar zu und sehen die vorteile solchen verhaltens (mini-hyndla ist auch so, nicht nur als kleinkind :wink: )

zweite situation: das kenn ich von meiner mutter. sie wiederholt auch permanent meine anweisungen(, wenn es denn mal welche gibt), sogar mit denselben worten. das geht mir gehörig auf den keks, dem kind eher nicht. sagen bringt da eh nichts, meine mutter ändert sich dahingehend nicht mehr. schlimm finde ich auch meinen vater, der ellenlange erklärungen bringt und sich x-mal wiederholt, das triggert mich enorm. und manchmal ertappe ich mich auch dabei :roll: , aber immerhin reflektiere ich und versuche, das abzustellen.

ich denke, wir großen leiden da mehr drunter als unsere kinder, weil es das kind in uns berührt, weil wir so aufgewachsen sind, ständig. unsere kinder wachsen anders auf, von daher haben sie da ganz andere erfahrungen und wenn ab und zu mal mehrere leute "nein" sagen, ist das nicht so schlimm, weil die meiste zeit anders mit ihnen umgegangen wird. nimm in solchen situationen die kleine "anett" in den arm und mach dir bewusst, dass es eher dich stört als dein kind.
Mini-Hyndla 11/2009 und der winzige Herr M. 09/2013
Dorja
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Dorja »

Schöner Gedankengang Hyndla!
Dorja mit Vollmondjungen 08/13 und Frühlingsmurmel 04/18
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beccarei
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von beccarei »

Bei uns gab es das Nein aus den unterschiedlichsten Richtungen auch. Ich habe dazu gelächelt.
Als unsere Tochter wortgewandter wurde, guckte sie in die Runde und schaute die Nein-Sager an, lächelte und sagte zu jedem nacheinander "Nein! ". Danach hörte das auf.
Liebe Grüße,
Becca
(Mit der Bari-Sax-Spielerin (2012), dem Posaunisten (2015) und dem Kämpfer im Herzen (2015)
Baumfrau
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Baumfrau »

EllenRipley hat geschrieben:Je älter Dein Kind wird, desto entspannter wirst Du. Weil Du erkennen wirst dass DU die Mutter bist und DEIN Allltag daheim das ist, was Dein Kind beeinflusst. Und dass Du Dich gar nicht rechtfertigen brauchst, und es auch nicht jedem recht machen kannst. Ohren möglichst oft auf Durchzug wenn die Situation nicht wirklich schlimm oder gefährlich ist.
Dein Kind profitiert sehr davon wenn es noch enge Kontakte außerhalb der Familie hat, und Großeltern sind wichtige Bezugspersonen. Auch die nervige, übergriffige und schrullige Sorte. Ich schick Dir ein dickes "Ohmmmm.-alles nur eine Phase" rüber. das ist es nämlich in der Tat, diese Spannungen verlieren sich erfahrungsgemäß nach der Kleinkindzeit und sind beim zweiten Kind schon deutlich geringer ausgeprägt.
Ich verstehe, was du sagen willst. Ich verzweifle gerade genau daran, dass der "Alltag zu Hause" leider im Haus der Schwiegermutter ist... Da hilft auch kein " ohmmmmm" mehr, um nervige und schrullige Macken der Oma anzunehmen.... Ich habe nicht vor hier viele Jahre wohnen zu bleiben, aber mache mir doch Sorgen, dass die Schwiegermutter als im Haus wohnhafte Bezugsperson zu sehr mit ihrem Verhalten Einfluss nimmt...
Sternenkind 01/2015
Unilein
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von Unilein »

Ich glaube, ich könnte da nicht diplomatisch bleiben. Ich würde wahrscheinlich genauso respektlos antworten, um demjenigen einen Spiegel vorzuhalten. Also im ersten Beispiel: "Bist du bockig, weil dir jemand nicht die Hand geben möchte?" Das aber in einem möglichst höflichen Tonfall. So getreu dem Motto "Was du für einen adäquaten Begriff hältst, mein Kind zu bezeichnen, wird ja dann auch als Bezeichnung für dich völlig legitim sein."

Beim zweiten Beispiel gäbe es allerdings keine passende Antwort. Da würde ich es vielleicht auch einfach aussitzen. Vielleicht auch sagen: "Ich könnte mir vorstellen, sie hat es schon beim ersten Mal gehört, aber vielen Dank für die Unterstützung." Ja, ich bin ein Freund von versteckter Ironie, wahrscheinlich zu feige für den direkten Konflikt :-/
mit Käferchen (Sommer 2015) und Superbonbon (Herbst 2017)
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7erendipity
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Re: Diplomatisch mein Kind verteidigen

Beitrag von 7erendipity »

Hallo anett,
Aus deinem Beitrag habe ich herausgelesen, dass dein Bedürfnis ist dich anderen so mitzuteilen, dass sie dich verstehen, ohne dass du damit jemanden verletzt oder angreifst. Du möchtest gesehen werden mit deinen Bedürfnissen, das geht fast immer nur wenn du für deine Bedürfnisse (oder die deines Kindes) eintrittst.
Kennst du die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Rosenberg hat eine Kommunikationsform ohne Aggressionen (d h ohne verbale Gewalt) entwickelt. Es ist eigentlich ganz simpel:
1. Du teilst eine Beobachtung mit:
"Wenn sie zu meinem Kind sagen, dass es bockig sei"
2. Du teilst deine Gefühle mit:
"Macht mich das traurig und wütend"
3. du teilst dein Bedürfnis mit (das kann ich nur erraten, vielleicht möchtest du nicht dass Person X sagt wie dein Kind sich angeblich fühlt.., oder du möchtest dass dein Kind gleichwürdig wie Erwachsene behandelt wird)
4. Du formulierst eine Bitte:
"Ich wünsche mir, dass Sie mich oder mein Kind fragen, warum es nicht die Hand geben möchte.

Bei GfK geht es darum in die Formulierungen keine wertenden Worte einzubringen und eigene Gefühle und Bedürfnisse zu formulieren. Richtig angewendet, fühlt sich dein gegenüber niemals angegriffen, weil du nur DEINE Bedürfnisse und Gefühle ansprichst. Das ganze möchte geübt werden :-) aber es macht großen Spaß so zu kommunizieren, ebenso auch zu lernen richtig zuzuhören. Wenn du mehr wissen magst, auf Youtube gibt es viele Seminare und Interviews mit Rosenberg. Auch in Deutschland kann man Seminare belegen. Gerne auch per PN!
LG 7erendipity
mit Groß 08/12 und Klein 04/16 und nicht mehr ganz so Winzig 06/19 und *04/15
Oft mit dem Handy unterwegs - das hat seine eigenen Rechtschreibregeln...

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