Der Waldorfthread

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Nuala
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Nuala »

15 Min Hinfahrt???
Wir wohnen in der Großstadt und da ist kaum ein Weg unter 15 Min. Egal ob mit Auto oder Öffis.
Ich hab fast überall hin eine Abfahrtszeit von durchschnittlich 30 Min. Erst ab 40 Min. empfinde ich es lange.
Meine Tochter kommt in die Waldorfschule nur einen Bezirk weiter. Reine Anfahrtszeit 35 Min.
Die Waldorf-Kindergruppe der Kleinen zwei Bezirke weiter: 30 Min.
15 Min finde ich total wenig!
Großes Mädel 10/08 & kleines Mädel 04/11
lalelu2
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von lalelu2 »

Na, ja, wir habeN drei Kitas im Ort, von denen aber nur eine wirklich in Frage kommt. Aus dieser Warte betrachtet ist es eben schon weit. Ich finde halt schon, dass es eine ziemliche Verschwendung ist, jeden Tag 80km mit dem Auto zu fahren, auch aus ökologischer Sicht. WIr bemühen uns eigentlich, autofahren so weit es geht einzuschränken und mit dem Rad ist die Strecke für mich nicht zu bewältigen.
Außerdem liegt die Schule der Großen genau in die andere Richtung.
Ich habe mich bisher allerdings weder dafür noch dagegen entschieden. Wir werden wohl einfach mal abwarten, ob der Eindruck so toll bleibt während unserer Eltern-Kind- Gruppen zeit und dann entscheiden.

Ich habe mal eine weitere Frage: WIr haben für die beiden Großen mal in der Waldorfschule hospitiert (die ist allerdings noch weiter entfernt 8) ) haben uns dann aber dagegen entschieden, u.a.. weil ich fand, dass die Dinge, die mir auf dem Papier so gut gefallen hatten, eben anders umgesetzt wurden, als ich es verstanden hatte. ri(es gab noch andere Gründe, aber dieser treibt mich seitdem um)
Ich nenne mal ein Beispiel: In der vorbereitenden Literatur stand, (sinngemäß wiedergegeben) damit die Kinder Informationen besser verarbeiten, wird Wert darauf gelegt, z.B. Sachtexte künstlerisch darzustellen. Dies geschieht im Epochenheft,
In der Praxis sah das jetzt so aus, dass die Lehrerin die Klasse einen Sachtext hat von der Tafel abschreiben lassen. Dann hat sie Blumen rund um den Text gemalt die die Kinder exakt in den vorgegebene Farben abmalen mussten. Außerdem hat sie die Kinder (Viertklässler) ständig getadelt, dass im Epochenheft alles so schön sein muss, dass hat für mich wenig mit künstlerischer Ausgestaltung zu tun.
Außerdem gab es ausschließlich Frontalunterricht (von praktischen Tätigkeiten mal abgesehen), was ich mir beim lesen der Prinzipien auch anders vorgestellt hatte.
Und: Alle Kinder machen immer das gleiche, also keine leichteren Aufgaben für schächere und schwierigere Aufgaben für stärkere Schüler, keine Kleingruppenarbeit (außer in den dafür vorgesehen geteilten Unterrichtsfächern)
War das nur in dieser Klasse so, oder ist das generell in Waldorfschulen so. (Es geht mir nicht um eine Diskussion, sondern um reine Infos. Ich habe eine Woche in dieser KLasse hospitiert, und mir ist vieles sauer aufgestossen, allerdings ist es ja auch möglich, dass die Lehrerin Dinge einfach anderes umsetzt, als sie geplant sind
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Nuala
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Nuala »

Das ist schon SEHR klassisch Waldorf. Also grundsätzlich ist es schon so, aber nicht zwingend. Es kommt eben stark auf den Lehrer an. Manche sind freilassender, mache weniger. Manche differenzieren mehr, andere weniger. Manche machen mehr Praxis als frontal, andere umgekehrt.
Das ist ja an der öffentlichen Schule ähnlich.
Frei lernen im Sinne von Montessori ist es nicht, ganz klar.

Waldorf will - vor allem den kleinen Kindern - eine Sicherheit vermitteln, durch Rhythmus, Struktur, Anleitung, Vorbildwirkung. Für uns Erwachsene kommt das sicherlich eher befremdlich rüber, bevormundend, einengend (und für einige Kinder gewiss auch). Den meisten Kindern jedoch gibt genau das Sicherheit. Einen "Schutzraum" (gemeinsam mit der ästhetischen Optik von Waldorf sagen viele dazu ja auch gerne "heile Welt"), in dem sich die Kinder ungestört entwickeln können.

Da geht es vor allem um eine innere Entwicklung, dh. selbst wenn alle alles gleich machen (müssen) - es IST nicht gleich. In jedem Kind laufen beim Gestalten andere Prozesse ab und kommt ein anderes Ergebnis raus (wobei dieses bei Waldorf nicht wichtig ist, der WEG hin, DER ist es, der "zählt").
Interessanterweise beobachte ich, dass gerade Kinder die diese Uniformität als Kind erleben, die Gleichheit, den Rhythmus, das Nachmachen (das viele Kinder durchaus lieben!)... WENIGER uniform sind, also Kinder die schon früh "sie selbst" sein können. Kinder ahmen nun mal nach und finden dabei sich selbst. Dann können sie sagen: ich hab's probiert, es ist nicht meins. Fertig. Find ich jetzt nicht unbedingt schlimm. Selbst wenn mal Überwindung dabei ist (Überwindungssituationen schaffen sich Kinder ja auch durchaus selbst).

Ich glaub die Sache bei Waldorf die oft irritiert ist: gleiches bewirkt eben NICHT automatisch gleiches. Manchmal schon, manchmal aber wiederum nicht. Dh. zB. künstlerische Freiheit erlangt man mitunter nicht nur wenn man immer mal wie man will. Sondern auch durch gezielte Übungen, die EXAKT ablaufen müssen. Kunst ist generell nur bedingt frei (immer gewesen) - aber das führt jetzt zu weit... :lol:
Wo Waldorfs zB SEHR WOHL oft mit Gleichen arbeiten, ist etwas, was an öffentlichen Schulen ebenfalls wiederum gegensätzlich gearbeitet wird: beim Nebeneinandersitzen werden lebhafte neben lebhafte, ruhige neben ruhige Kinder gesetzt. In der öffentlichen Schule würde das kaum wer tun. Aber die Begründung leuchtet ein: die Kinder orientieren sich untereinander aneinander. Sie ahmen sich nach. Und irgendwann mal merkt der Ruhige an seinem ruhigen Nachbarn, dass ein bisschen Energie gut tut (zumindest wird er nicht von einem lebhaften Nachbarn gestört und zieht sich womöglich noch mehr zurück) und den Lebhaften geht die Dauerenergie irgendwann am Nerv und sie kommen runter.

Kinder sind Kinder. Man darf Kinder nicht mit Erwachsenen vergleichen (sagt auch Juul, sagen auch viele Psychologen, vor allem Familienaufsteller) und Kinder gehen mit Kindern anders um als sie mit Erwachsenen umgehen. Ihnen fällt anderes auf, sie machen anderes nach.
Und obwohl all das eine gute stimmige Theorie ist, mutet die Praxis dahinter oft komisch an. Und ist auch definitiv nicht für jedes Kind geeignet!!!!

Ich finde es immer so rechthaberisch und übergreifen wenn es heißt: die SCHULE (etc.) passt nicht. Oder noch schlimmer: das KIND (der Mensch) passt nicht. BEIDES passt. Für sich wunderbar. Aber vielleicht passt es nicht ZUSAMMEN. Und das ist ok, weder kann noch muss man mit allem harmonieren. Da hilft nur: ausprobieren. Dem Kind zuhören, es beobachten, um heraus zu finden was passt. Und möglicherweise ist das nicht immer was einem selbst passt. Das ist sicher schwer. Da dürfen wir dann lernen... :D
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lalelu2
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von lalelu2 »

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Diese Rituale und gleiche Tagesabläufe sind es ja, die mir am Kindergarten so sympathisch sind, weil sie eben den Kindern soviel Sicherheit geben.
Allerdings kommt es mir so vor, als ob auch da so ein bisschen das Prinzip der "liebevollen Strenge " gilt, also der Erwachsene ganz klar der Gestalter der Umwelt ist, und das Kind nur der Mitmacher (oder es eben nicht mitmacht)
Das für unterschiedliche Kinder unterschiedliche Prinzipien richtig sind, ist ohne Frage so. Mir geht es ja auch darum, zu sehen, ob Waldorf im allgemeinen und bestimmte Einrichtungen im besonderen für unsere Kinder richtig sind.
Unsere Eltern- Kind Gruppe ist sicher ein toller Ort, wo sich die meisten Kinder richtig wohl fühlen. Aber leider kommt es beim Wohlfühlen in Einrichtungen ja meinst auf Einzelpersonen an, und da kann man sowohl in Regel- als auch in Sondereinrichtungen richtig viel Glück und Pech haben. :cry:,

und dann kommen wir auch wieder zur Entfernung. Da es mir nicht um das Waldorf Prinzip als solches geht, sondern eher darum, bestimmte Werte auch in der EInrichtung unterstützt zu sehen, frage ich mich eben, ob ich diese nicht auch in einer Regeleinrichtung finde. Ich fürchte allerdings, dass dem nicht so ist :cry:
lalelu2
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von lalelu2 »

Hab nochmal eine Frage: meine Tochter hantiert immer mit dem Schnecken Band, weiss vielleicht jemand, wir das Lird dazu geht? Ich hab es nur einmal gehört, und konnte es mir nicht merken
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Naturalbaby
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Naturalbaby »

Hier singt man: "Ach, wie langsam, ach wie langsam kommt der Schneck von seinem Fleck,
sieben lange Tage braucht er von dem Eck ins andre Eck!
Ach wie langsam, ach wie langsam kommt der Schneck im Gras daher.
Potz, da wollt ich anders laufen, wenn ich solch ein Schnecklein wär!"
Liebe Grüße von Jessica mit Sommerkind (08/08) und Frühlingskind (03/11)

ClauWi-Azubine: GK 08/09 + AK 02/10
lalelu2
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von lalelu2 »

Danke, aber es war irgendwas anderes mit "wir rolllen ganz langsam und nicht zu schnell" Das Lied wird in unserer Gruppe gar nicht gesungen, wir habens nur in der Krippengruppe mitgehört und Maus war ganz angetan
Röggelchen
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Röggelchen »

Hallo :)

Meine Tochter (wird im November 4) geht seit einem Jahr in einen Waldorfkindergarten und wir sind sehr glücklich damit. Wir hatten vorher keine Berührungspunkte mit dem ganzen Thema Waldorf, das kam alles dadurch, dass mich andere Kindergärten nicht überzeugten und ich nach Alternativen suchte. Meine Tochter ist zu Hause eine ganz aktive, quirlige Maus, redet wie ein Wasserfall, macht viel Blödsinn. :wink: Sobald sie aber draußen ist oder irgendwer zu Besuch ist, ist sie sehr schüchtern. Sie war schon immer eher zurückhaltend, war nie so das Kind was zB bei der Musikschule in der Gegend rumkrabbelte so wie andre Babys. Sie blieb immer bei mir sitzen. Sie beobachtet sehr viel, bekommt dadurch viel mit und merkt sich auch viel. Aber zB auf dem Spielplatz hat sie Angst vor andren Kindern, wenn sie zB auf der Rutsche ist und ein andren Kind will da auch hoch, flüchtet sie die Leiter runter. Sie braucht immer sehr lange um aufzutauen, auch bei den Nachbarskindern, die sie nun schon 1,5 Jahre kennt, und oft mit ihnen gespielt hat. Die Eingewöhnung im Kindergarten dauerte sehr lange und wurde sehr liebevoll und nach unseren Bedürfnissen gehandhabt. Nun geht sie sehr gerne hin, wenn sie krank ist, ist sie ganz traurig nicht gehen zu dürfen. Aber sie hat ein 3/4 Jahr gebraucht, um wirklich mit den anderen Kindern zu interagieren. Sie war nur bei den Erzieherinnen und schaute was die andren Kinder machen. Nun spielt sie mit den andren Kindern, tobt, macht Quatsch. Aber sobald eine neue Situation da ist, blockiert sie erstmal. Warum erzähle ich das alles. :D Ich mache mir Gedanken, ob sie auf die Waldorfschule gehen soll. Einerseits glaube ich, dass ihr dieser Übergang viel leichter fallen würde, das Schulgebäude ist auf dem gleichen Gelände und sie kennt das alles nun schon. Und es wird sicher noch ein andres Kind aus ihrer Gruppe dort eingeschult. Und ich habe sehr große Bedenken sie auf eine Regelschule zu schicken, ich weiß nicht ob da so individuell auf sie eingegangen wird. Aber es schreckt mich etwas ab, dass in der Waldorfschule so viele Kinder in einer Klasse sind. Ich befürchte, dass sie da auch untergehen könnte. Was sind da eure Erfahrungen mit so schüchternen Kindern? Sind sie in einer Waldorfschule gut aufgehoben?
Kleines Röggelchen 11/11

Mini Röggelchen 03/15
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Nuala
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Nuala »

Hallo, und schön, dass euer Kindergarten richtig für euch zu sein scheint. :)
Wegen deiner Schulfrage: auch wenn Waldorfschulen einander ähneln, lässt es sich nicht pauschal beantworten. zB. Klassenstärke: es stimmt, dass Steiner große Klassen wollte und bei meinem Mann waren es in den 80er Jahren auch knapp 40. jedoch gilt diese Klassenstärke hauptsächlich für den Hauptunterricht von 8-10 Uhr. Danach sind die Kinder idR geteilt, dh. die Klassenstärke ist abgesehen vom Hauptunterricht immer unter 20 Kindern oder noch weniger. Steiner wollte den Hauptunterricht wie ein großes Fest zelebrieren: den rythmischen Teil, in dem die Kinder singen, klatschen, flöten und sich bewegen. Je weniger Kinder das sind, umso weniger entsteht diese besondere Atmosphäre. Gerade wenn dann noch einige Kinder schüchtern sind, will bei 20 Kindern gar nicht recht so eine Stimmung aufkommen. Anders wenn es über 30 sind - dann fallen die Schüchternen kaum auf und können fast wie unbeobachtet mitmachen. Da geht es dann auch nicht darum, dass jedes Kind exakt gesehen wird, der Hauptunterricht ist eher eine Art Tankstelle. Im Fachunterricht wo nur die Hälfte der Kinder sind, kommt dann der ruhigere persönlichere Teil. Die Kinder sind dann schon längst System des Ganzen und mitunter gelöster, trauen sich nach dem Wirbel zu mehrt vielleicht sogar unter weniger Kindern mehr. Und wenn nicht, ist das kein Problem.
Auch je kleinen "Mutproben" an der 2. Klasse - die Zeugnissprüche - können gerade schüchternen Kindern helfen. Auch die lange Eingewöhnung in der 1. Klasse, die lange Klassenlehrerzeit spricht eher für schüchterne Kinder.
Meine Tochter wird noch 21 andere Kinder in der Klasse haben - also hier sind die Klassen längst nimmer so riesig.
Schau dir doch einmal EURE Waldorfschule ab und fühle dann weiter. :)
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Centaureacyanus
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Re: Der Waldorfthread

Beitrag von Centaureacyanus »

Ich würde, glaube ich, gerade bei einem schüchternen Kind zur Waldorfschule raten, weil eben so individuell auf die Kinder eingegangen wird. Das Kind darf es selbst sein und man sucht nach den Stärken nicht nach den Schwächen der Kinder. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht ähnliche Lehrer an staatlichen oder andersartien Schulen gibt. Vielleicht hilft es euch einfach die Schulen kennen zu lernen, die infrage kämen und dann abzwägen?
mit Kornblümchen *04/2014 und Mini-Kornblümchen *11/2015
und mit Dritt-Kind-Wunsch...
"Wir aber gehen unseren Weg im Namen JHWH's, unseres Gottes, für immer und ewig." Micha 4,5b
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