Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

nachtfalter
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Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von nachtfalter »

ich habe jetzt eine gegenantwort kopiert, weiss nicht ob erlaubt? Quelle posth rüdiger, forum rund ums baby

Hallo, die so genannte Festhaltetherapie, die von Jirina Prekop in Deutschland verbreitet worden ist, ist ein Versuch, gestörte Bindung bei behinderten und seelisch auffälligen Kindern zu heilen. Aber dieser Ansatz beruht auf der fehlerhaften Grundannahme, dass man Gefühle erzwingen kann, die nicht existieren. Bindung muss wachsen, und sie entsteht durch die einfühlsame Beziehung zwischen Mutter und danach auch Vater und Kind hauptsächlich in den ersten 3 Lebensjahren. Konnte die Bindung nicht entstehen, entwickeln sich gestörte Verhaltensmuster im Sinne der desorganisierten Bindung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass man durch das Festhalteprogramm im Nachhinein eine gestörte Bindung heilen kann. Es ist sogar gefährlich, solche Maßnahmen durchzuführen, denn die Abneigung des Kindes gegen die Zielperson der misslungenen Bindung kann dadurch in Hass umschlagen. Schließlich nimmt man dem Kind seinen Freiheitsdrang und unterdrückt die Selbstbestimmung. So betrachtet gibt es auch rechtliche Bedenken gegen diese Vorgehensweise, die sich selbst als Bindungstherapie verkauft.

zitat ende.

zum Thema ausweinen lassen, bzw selbst beruhigen.

wieder quelle posth rüdiger, forum rund umd baby

Ein Säugling ist z.B. kein kleiner Erwachsener und ein Säugling ist auch kein Wesen, das es schaffte, allein mit seine emotionalen Zuständen fertig zu werden, auf jeden Fall nicht mit den schlechten. Da hilft es auch nicht, ihm ein Recht darauf anzudichten. Vielmehr ist es die Pflicht seiner Bezugspersonen, richtig zu reagieren. Die Natur hat dieses Verhältnis von beschützendem Erwachsenen und schutzlosem Säugling -sagen wir durch evolutorische Erfahrung- gezielt so eingerichtet, damit die ersten Grundlagen zu einem funktionieren Sozialverhalten unter Menschen schon vom ersten Tag an angelegt werden.
Der Säugling hat nichts davon, aus irgendeinem konstruierten menschlichen Rechtsemfinden heraus zu schreien, um damit irgendwelche nie nachweisbaren Gefühle zu verarbeiten. Auch ein Wille dazu existiert bei ihm nicht. Er ist von der Natur zu Willenlosigkeit angehalten, damit er sich den sozialen Zuwendungen seiner Bezugspersonen nicht aus falscher Selbsteinschätzung widersetzt. Den Willen entwickelt er ziemlich kompliziert aus den positiven Zuwendungen seiner Mitmenschen und seinen eigene dranghaften Handlungen. Der Wille ist ein unterdrücktes "ich muss oder lasse zu". Am Anfang als Säugling kann er nur zulassen. So ist es z.B. für den Säugling von überlebenswichtiger Bedeutung, dass er seine primäre Bezugsperson liebt, egal wie sie aussieht, wie sie riecht oder wie sie sich sonst verhält. Entscheidend ist, dass sie für ihn immer treusorgend und fürsörglich da ist, wenn er sie braucht. Gerät sie aus seinem Blickfeld und aus der Zone der Erreichbarkeit, überfällt ihn über kurz oder lang Angst (Urangst), dass sie ihn verloren oder vergessen hat, und er schreit nach ihr, notfalls sich auch die Kehle aus dem Leib. Dann aber braucht er kein starres Festhalten und schon gar keine Bezugsperson, die ihn schreien lässt, weil sie sich einredet, er können damit schlechte Gefühle abbauen. Der Säugling kennt wenigstens meiner Auffassung nach (das ist vielleicht etwas Neues in der Entwicklungspsychologie) keine Trauer, nicht einmal Traurigkeit, denn dafür müsste er kompliziert denken können. Angst und Wut reichen der Natur, um die ersten und wesentliche Bedürfnisse eines Menschen nach außen ausreichend zu signalisieren. Gelingt es dem Säugling nicht, darüber seine Bedürfnisse gestillt zu bekommen, verfällt er in einen Zustand der Stumpfheit und Gefühllosigkeit, den Rene Spitz richtig als anaklitische Depression bezeichnet hat und nicht in Trauer (die er dann per Weinen die Gefühle verarbeitend für sich nutzen könnte). Geschieht das über lange Zeiträume und fehlt die primäre Bezugsperson ganz, entstehen daraus Deprivation und Hospitalismus.
Ich will an dieser Stelle abbrechen, obwohl noch viel mehr zu sagen wäre, um nur die wesentlichen Fakten in der psychoszialen Entwicklung des Menschen zu erwähnen. Ich wollte zeigen, dass sehr viel zu bedenken ist, bevor man etwas einigermaßen Zuverlässiges über die Empfindungswelt der Säuglinge aussagen kann. Das wollte ich mit dem Beispiel der Impfung im körperlichen Bereich zum Ausdruck bringen. Ob etwas in dieser Aussage stichhaltig ist oder nur ein Konstrukt der Vorstellungen aus der Erwachsenenwelt, lässt sich heutzutage ganz gut durch die bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung nachprüfen. Ich meine, da mit meinen eigenen Ansichten auf einem sehr guten Kurs zu liegen. manch Andere können das, glaube ich, nicht von sich sagen. Ihre beiden letzten Sätze zeigen, dass Sie auf dem richtigen Wege sind. Viele Grüße und verzeihen Sie meine Ausschweifigkeit
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jusl
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Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von jusl »

zum Thema ausweinen lassen
Naja, nicht ganz. ;-) Der Autor Deines Zitats spricht von "Säugling liegt allein irgendwo, weint, und keiner kommt, weil Eltern meinen: "Baby muss jetzt seine Gefühle verarbeiten.".
DAVON war hier im Thread aber keine Rede, sondern von "Wenn liebevoll und empathisch handelnde Eltern bereits alles andere (Stillen, Tragen, Schaukeln, Ablenkung, Kinderarzt...) versucht haben, und das Baby DENNOCH weiterweint, DANN macht man evtl. am besten NICHTS mehr, außer mit Baby auf dem Arm still und leise durch den dunklen Flur schlurfen und warten, bis es ihm wieder besser geht."

Dem Autor kann man hier
Vielmehr ist es die Pflicht seiner Bezugspersonen, richtig zu reagieren.
ja nun nur zustimmen. Und manchmal scheint eben oben beschriebenes "gemeinsames Warten" die "richtige Reaktion" zu sein.

LG
Julia
nachtfalter
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Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von nachtfalter »

sorry, ich hab wohl zu intensiv dagegen gesteuert, wollte nur nicht, dass man denkt, babies können sich alleine vom schreien beruhigen, ohne dadudrch negativen stress zu empfinden. mir gehts nur um das kindswohl..
1 Bub 09/2013
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SpicyChili

Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von SpicyChili »

Wir waren beim Kinderarzt. Er hat nur seine Hand auf ihren Bauch gelegt, da fing sie schon an, furchtbar hysterisch zu schreien. Fast wie ein Schwein auf der Schlachtbank. Es war entsetzlich. Nach der Behandlung habe ich noch im Wartezimmer versucht, sie mit stillen zu beruhigen, was auch einigermaßen funktioniert hat. Aber ich musste nach Hause und brach das Stillen ab. Sie hat wieder geschrien. Zum Glück wohnen wir nicht weit weg, nur 10 Minuten. Habe mich sofort mit ihr aufs Sofa gesetzt und sie wieder gestillt. Dabei ist sie eingeschlafen. Sie ist später aber wieder weinend aufgewacht und ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Habe sie an mich gedrückt und liebkost bis sie nach ca. 15 Minuten aufgehört hat zu weinen und entspannt war. Ich hatte den Eindruck, dass es ihr danach besser ging. Sie war fix und fertig, aber nach nem kurzen Kuscheln hat sie wieder gelacht und wir haben gespielt. Aber meint ihr, dass ich ihr geschadet habe??? Hätte ich sie besser irgendwie abgelenkt? Wo ich das hier jetzt gelesen habe, habe ich ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich sie hab weinen lassen, anstatt sie abzulenken. Ich habe sie aber die ganze Zeit liebkost und sie hat nicht versucht, sich aus meiner Umarmung herauszuwinden, darum dachte ich in dem Moment, dass es nicht falsch ist. Ich war ja bei ihr und hab sie gehalten und sie hat sich nicht gewehrt. Bin gerade fix und fertig.
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Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von klimaforscherin »

Das was du gemacht hast, hat NICHTS mit der Festhaltetherapie zu tun.
Ich meine damit die unsägliche Festhaltetherapie, die bei älteren Kindern mit Bindungsproblemen oder Autismus angewendet werden soll. (Es gab mal im Blog Autzeit einen Artikel dazu, ist leider nicht mehr online).

Ablenkung funktioniert auch oft nur bedingt (wenn das Kind sich bereits in Rage gebrüllt hat eher nicht...)

Ich drück dich mal ganz liebevoll, wenn du magst. ((())) Du hast es richtig gemacht!
Grüße
klimaforscherin
mit Wetterfrosch 2010 und Schwälbchen 2012

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SpicyChili

Re: Festhaltetherapie - Baby im Arm schreien lassen

Beitrag von SpicyChili »

Danke sehr, liebe Klimaforscherin! Mein Herz ist mir bis zum Hals geschlagen, als ich die negativen Stimmen hier gelesen habe. Das letzte was ich gewollt hätte wäre, ihr eine schlechte Erfahrung zu vermitteln. Ich bin selber ne Heulsuse, weil das immer so gut tut, es einfach rauszulassen, wenn der Tag richtig scheiße war. Ich hoffe so sehr, dass man Engel auch nichts anderes gelernt hat und sich danach wirklich gut gefühlt hat. Mutter werden ist schon schwer, Mutter sein aber noch viel mehr! (Reimt sich das?!?) :-D
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