Verbraucherfrust

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Alexandra
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Verbraucherfrust

Beitrag von Alexandra »

Nachdem ich vorhin einen neu gekauften Sack Kartoffeln in die Biotonne versenkt und mir danach sehr gründlich die Hände gewaschen habe, muss ich hier mal Frust abladen.

Ich bin seit Langem schon sehr kritisch mit Lebensmitteln, kaufe bevorzugt Bio, versuche aber andererseits auch, dabei nicht verkrampft zu werden - Essen soll auch noch Spaß machen. Man trifft uns also schon gelegentlich (okay, SEHR gelegentlich :lol: ) in einem Fastfoodrestaurant oder die Tüte Chio Chips (nicht ganz so gelegentlich :mrgreen: ) bei unseren Naschsachen.

Wir haben einen für uns sehr guten Weg gefunden, wir fühlen uns wohl mit unserer Ernährung. Ich kaufe viel im kleinen Bioladen einen Ort weiter, viel aber auch von Alnatura. Was nicht bio ist, dann wenigstens regional, am besten wenn ich weiß, woher die Sachen kommen (betrifft z.B. Fleisch, das es hier eh nur selten gibt).

So weit so gut. Gerade aktuell haben wir aber eine arge finanzielle Dürreperiode. Deren Ende ist GsD absehbar, aber in den nächsten zwei Wochen müssen wir halt schauen, wie wir mit wahnsinnig knappen Mitteln hinkommen.

Also war ich seit Ewigkeiten mal wieder im Kaufland einkaufen. Wollte einige saisonale Produkte und einige Vorräte, unter anderem Kartoffeln.

Meine laienhafte (und ich nehms vorweg auch reichlich naive) Meinung war: was kann man bei Kartoffeln schon groß falsch machen? Ja, am liebsten Bio, damit auch der Bauer und die Umwelt was davon haben. Aber wenn das mal ausnahmsweise nicht geht, dann gehts halt mal nicht.

Ich fand dort also Kartoffelsäcke unterschiedlicher Größe, fast alle offenbar zumindest vom gleichen Vertrieb. Alle Säcke hatten oben eine schmale Plastikbanderole mit Aufdruck, teils verwischt und kaum lesbar. Ich wollte das aber lesen, und auf dem zweiten Sack konnte ich dann entziffern "Nach der Ernte behandelt".

Aha? Sahen aus wie normale Kartoffeln eben. Ich hab kurz nachgedacht, konnte mir nix Böses vorstellen und habe den Sack dann in den Wagen gelegt.

Daheim meinem Mann erzählt, der hat gleich das Internet befragt. Zunächst landete er beim hessischen Verbraucherschutz und fand so heraus, dass es sich dabei um einen Keimhemmer namens Chlorapharm handelt. Dieser ist kennzeichnungspflichtig, jedoch nicht namentlich, das "nach der "Ernte behandelt" reicht also aus. Örks, nicht so schön... Weitergelesen bei Wikipedia und so herausgefunden, wie lange der Stoff in Wasser bzw. Boden zum Abbau braucht und dass er eben durchaus giftig ist für den Menschen, Allergien und Krämpfe auslösen kann und sogar im Verdacht steht, krebsauslösend zu wirken. Dass außerdem die zulässige Rückstandsmenge für Kartoffeln um das 500fache höher liegt, als bei Getreide. Und dass der Stoff eben nicht auf der Schale bleibt, waschen und schälen somit nicht ausreicht. Auch in gekochten und sogar in frittierten Kartoffeln kann das Chlorapharm noch nachgewiesen werden.

Das war der Punkt, an dem der Sack in den Biomüll wanderte. Ich möchte nicht, dass meine Kinder das essen.

Ich finde es einfach unglaublich (mal wieder, neu ist das ja nun wirklich nicht), dass man für wenig Geld nicht bloß qualitativ schlechtere Lebensmittel bekommt (damit rechne ich ja, ist ja logisch). Sondern dass ich hier Sachen auf den Teller bekomme, die ich da nie und nimmer haben will. Damit habe ich noch nicht mal mit berücksichtigt, dass ein ganz wichtiger Grund für mich bio zu kaufen eben auch der ist, dass es für die Umwelt und für die Produzenten besser ist. Meistens zumindest, Skandale und schwarze Schafe gabs ja in der Biobranche auch schon genug :roll:

Echt, da kommt mir das Brechen. Und schuld soll immer "der Verbraucher" sein, der das so will? Frage in die Runde: denkt ihr auch, dass die Mehrheit der Verbraucher das wollen? Gift im Essen weil man sich Bio eben mal nicht immer leisten kann? Oder ist das eine billige Ausrede vom Handel (??), der die Produzenten einerseits unter Druck setzt und den Verbraucher andererseits gerne über seine Methoden im Unklaren lassen möchte?

Ich war dann noch im Bioladen, wo ich außerdem noch Brokkoli und Wirsing kaufen konnte, die ich erstaunlicherweise im riesigen Kaufland nicht bekommen habe. Wahrscheinlich glücklicherweise, jetzt mache ich mir beim Kochen und Essen wenigstens keinen Kopf.

Und zum Schluss noch eine lustige Rätselfrage. Wenn das Fass Rohöl heute weniger als die Hälfte dessen kostet, was es heute vor einem Jahr gekostet hat (so zumindest kommt es heute andauernd in den Nachrichten) - wieso ist der Sprit dann zwar billiger geworden, hat sich aber einer 50%-Marke noch nicht mal grob angenähert? Im Gegenteil kostet der Diesel heute Abend exakt 10 Cent mehr, als beim letzten Tanken vor knapp vier Wochen? Fragen über Fragen :-P

Mögt ihr auch Frust abladen? Was nervt euch beim Einkaufen? Ich bin gespannt.

Liebe Grüße Alex
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von jusl »

Hallo Alexandra,

ich kann Deinen Frust komplett verstehen, mich ärgert es auch total, wenn man als Verbraucher nachweislich Sch***-Quali vorgesetzt kriegt.

Aber wenn ich mir die Anmerkung erlauben darf:
Wenn Du "sehr gelegentlich" beim Fastfood-Laden isst, dann kannst Du doch auch "sehr einmalig" den blöden Normalo-Sack Kartoffeln essen, oder?
Bei ausdrücklicher Geldknappheit hätte ich die Kartoffeln definitiv behalten und freudig gegessen. Auch ein tiefer Atemzug Straßen-Luft an einem nebeligen Novembertag bringt nachweislich krebsauslösende Stoffe in den Körper, ebenso wie zwangsweise am engen Gehweg 5 m hinter einem Raucher herzulaufen. Und Fastfood-Buden-Pommes und Chio Chips werden doch aus konventionell erzeugten Kartoffeln hergestellt, warum musste dann dieser EINE Sack von heute unbedingt in den Müll wandern?... (Außer als grundsätzliche Frust-Handlung, die ich wie gesagt echt gut verstehen kann)

(((Alex)))
Mögt ihr auch Frust abladen? Was nervt euch beim Einkaufen?
* Wenn ich beim Obst/Gemüse ne Packung/Schachtel/Schale *irgendwas* kaufe (Champignons, Aprikosen, Möhren,...) und die oben drauf sehen super aus, und eine Etage drunter ist alles verschimmelt. :evil:

* Wenn offen sichtbares(!) Gammel-Schimmel-Matsch-Gemüse in den Regalen liegt, und die Angestellten stehen daneben und quatschen, anstatt den Müll auszuräumen :twisted:

* Wenn mein Lieblingsmüsli alle ist. :twisted: :twisted: :wink:

LG
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Seerose
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Seerose »

Ooooh, wie gut ich Dich verstehe.

Hier gibt's ja auch keine Verbissenheit. Ich kann ohne schlechtes Gewissen ne Tüte Glutamat-NicNacs essen... :lol:

Und trotzdem sämtliche Fertigprodukte verteufeln, und Fertigsaucen, Gemüsebrühpulver etc.

Mich frustriert wenn ich 5x so hohe Preise für echtes Biogemüse zahle und dann den letzten Mist angedreht bekomme. Ich war letzte Woche auf dem Markt und hab Karotten gekauft. War spät dran, sie waren schon am Standabbau und ich hab ein Kilo verwurmte Stummel mit riesigen Löchern erhalten für sage und schreibe 2,70 kg. :twisted:

Klar, Würmer sprechen für Qualität, ich hätte ja wetten können, daß es überhaupt keine Würmer in Karotten mehr gibt heutzutage... (Ich hatte als Kind einen ewig langen Spulwurm von frisch gepressten Karottensaft) Aber die Karottenstummel (ca. 8cm) hatten dicke, braune Löcher und waren schlichtweg ungenießbar. Und es ist eigentlich ein Stand, der einen in der Regel extra noch drauf hinweist wenn etwas nicht mehr so gut ist, eher dann abrät, oder hin und wieder was umsonst mitgibt nach dem Motto Hauptsache es ist weg.

Ich würd mich nicht sooo ärgern, wenn nicht der gesammte Einkauf aus lauter minderwertiger Ware bestanden hätte. Die Tomaten waren schon runzlig und hatten dann beim Aufschneiden faule Stellen. Die Kartoffeln in der braunen Tüte (nicht einsehbar) waren verkeimt, Die Äpfel waren total mehlig und überall angeschlagen (Kg 3,99!), und die Gurke war zur Hälfte erfroren. :evil:

Eigentlich sollte ich hingehen und mich beschweren. Ich neige dann eher bei so etwas 5 Wochen überhaupt nicht mehr zu kommen und beleidigt zu sein. Was natürlich doof ist, weiß ich schon. :oops:

Und mein Essensgeld ist genau heute zu Ende und wir haben noch nichtmal Mitte des Monats. Jahresanfang ist einfach Horror. :?
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Liebe Grüße,
Seerose
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Alexandra
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Alexandra »

Ja Julia, da hast du Recht. Ich hab mich auch schon gefragt, warum ich mich so ärgere.

Ich denke, weil ich mich wirklich verschaukelt fühle. Sehr viele Dinge kann ich ja durch Lektüre der entsprechenden Etiketten herausfinden. Warum muss dann noch so ein Blödsinn gemacht werden wie "nach der Ernte behandelt"? Vielleicht, weil wirklich niemand das Zeug freiwillig auf seinem Teller haben will? Wenns geht, bitte auch nicht in den Chips oder den Kartoffelstäbchen beim Fastfoodrestaurant :lol:

Weggeworfen habe ich die Kartoffeln sicher großteils aus Frust. Aber eben auch, weil ich das wirklich nicht ans Baby verfüttern will. Die Chips bekommt sie nicht, und die Kartoffelstäbchen beim Fastfood - *hust* - also WENN wir mal da sind, dann findet sie die schon ganz toll, zugegeben :lol:

Also: warum muss das Zeug überhaupt auf die Kartoffel drauf? Und was hätte der Sack Kartoffeln nun mehr gekostet, wenn darauf verzichtet worden wäre? Wollen die Verbraucher das denn wirklich so? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.

Super Gemüse oben und Gammelware untendrunter finde ich auch sehr ärgerlich :-P

Seerose, das ist ja schon dreist :shock: Da würde ich auf jeden Fall das Gespräch suchen! Gerade wenn du dort regelmäßig einkaufst, sollten die dich doch kennen und das kein Problem sein.

Jahresanfang ist echt doof, das stimmt :?
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Rosine »

Hehe, genau mein Thema - wie jeden Winter (ich freue mich jetzt schon wieder auf leckeres Gemüse, Kräuter und Beeren aus dem Garten)!
Was mich ärgert:
- Wenn ich saisonal kochen will und bekomme in drei verschiedenen Geschäften keinen Grünkohl oder Wirsing.
- Wenn ich Feldsaslat kaufen möchte und er entweder im Plastik vor sich hingammelt oder schon alle Blätter hängen lässt.
- Wenn ich Knoblauch kaufe, der von außen gut aussieht und von innen ist die Hälfte staubig und bäh.

Zu den Kartoffeln: Ruf mal beim der Gärtnerei von der JVA im Nachbarort an. Die haben um die Jahreszeit meistens noch Kartoffeln. Soweit ich weiß alles BIO (frag lieber nochmal nach). Das ist sowieso ein super Tipp gerade für den Sommer, da bekommt man dort richtig gutes und frisches Gemüse, absolut unbehandelt zum sehr kleinen Preis.
Liebe Grüße von J. mit großem Zwerg (2006) , kleinem Zwerg (2008) und kleiner Zwergendame (2010)
EhMibima

Re: Verbraucherfrust

Beitrag von EhMibima »

Puh, ich kann dich verstehen, Alexandra. Was ich schlimm finde, daß man sich für jedes bisschen Information unglaublich belesen muss. Ein Blick auf die Packung reicht da oft nicht. Zum Beispiel "Nichtzutaten"...wer weiß schon was das ist?
biokartoffeln, die anfangen zu keimen(auch wenn sie schon 50cm lange triebe haben und aussehen wie getrocknete aprikosen :oops:!! ) kann man im garten in die erde legen und im herbst ernten. :D

...Pflanzensamen(für den Gemüsegarten) werden gebeizt mit nicht unbedenklichen Stoffen. (Daher besorgen wir uns Bio-samen, bzw alte Sorten. Keine Hybridsamen die man jedes Jahr teuer neu kaufen muss)
...gesundes, unverarbeitetes Bioobst ist sündhaft teuer :roll:
...mir fällt bestimmt noch mehr ein...
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Alexandra
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Alexandra »

Mensch klar, die JVA, das wollte ich doch eh mal ausprobieren und habs total vergessen bisher. Danke nochmal fürs Erinnern!

Gammeliger Feldsalat im Plastikschälchen der aus Italien importiert wurde, toppt das aber noch, gell :lol: Staubiger Knoblauch ist auch sehr bäh.
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Rosine »

Alexandra hat geschrieben:
Also: warum muss das Zeug überhaupt auf die Kartoffel drauf? Und was hätte der Sack Kartoffeln nun mehr gekostet, wenn darauf verzichtet worden wäre? Wollen die Verbraucher das denn wirklich so? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.
Na wahrscheinlich können sie damit die Lagerfähigkeit erhöhen oder die Kartoffeln keimen nicht so schnell...
Ja und leider glaub ich, dass vielen Verbrauchern das echt schnuppe ist, was in der Pfanne landet.
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Alexandra
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von Alexandra »

Überschnitten.

Genau das meine ich, Bienesmama: dass man nicht einfach ins Regal greifen kann, noch nicht mal bei unverarbeiteten Lebensmitteln.

Rosine, das habe ich auch so verstanden, um eben alte Kartoffeln noch möglichst lang als frisch verkaufen zu können. Aber es gibt ja Alternativen, z.B. kühl und dunkel lagern. Ich frage mich da ernsthaft, um wieviel teurer das wäre.
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Re: Verbraucherfrust

Beitrag von EhMibima »

kartoffeln lagern, wer macht das noch im keller? unsere liegen in der küche, zwar auf dem kalten boden, aber keimen doch innerhalb von einer woche.
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