Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Batsheba
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Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Batsheba »

Ach, ihr Lieben, ich bin gerade ganz durcheinander und brauche dringend eure Erfahrungen, Meinungen und Zuspruch. :(

Wie sich gerade herausgestellt hat, kommt der Durchfall, der meinen Sohn jetzt schon so lange verfolgt, wahrscheinlich von einem Vitamin B12-Mangel. Eisenmangel hat er auch. Ich mache mir furchtbare Vorwürfe, denn offensichtlich hat er von mir über die MuMi nicht genug davon bekommen. Gerade ich als Vegetarierin, die schon oft mit Eisenmangel zu tun hatte, hätte da viel besser drauf achten sollen. :cry: Im Ernst, ich fühle mich gerade wie die schlechteste Mutter der Welt... Er ist zwar ordentlich durchgecheckt worden und ihm fehlt "eigentlich" nichts (also, er ist fit, munter und fröhlich, super entwickelt, etc.), aber trotzdem. :(

Natürlich werden diese Dinge jetzt erstmal supplementiert. Von einer Diätologin und zwei Ärztinnen habe ich aber Ratschläge für "danach" bekommen, die mir teilweise gar nicht gefallen. Die Diätologin meinte, es sei schon in Ordnung, dass mein Sohn noch hauptsächlich stillt, es gäbe eben Kinder, die erst später richtig viel essen, und solange wir gut darauf achten, was wir ihm an Beikost anbieten, wäre das kein Problem. Sie meinte, wir könnten ihm mit Folgemilch angerührten Getreidebrei anbieten, weil die ja mit Eisen und B12 angereichert ist.

Ärztin Nr. 1 schlug vor, ihm doch zweimal täglich ein Fläschchen (Folgemilch) zu geben. Ich habe gleich gesagt, dass ich das nicht möchte. Sie meinte, dass wir dann aber auf jeden Fall mit Folgemilch angerührten Brei geben sollten.
Ich bin auch bereit, das zu versuchen, nur ist mein Sohn kein Brei-Freund, lässt sich kaum füttern, am liebsten isst er, was er selbst in die Hand nehmen kann... ein BLW-Baby eben.

Ärztin Nr. 2 wiederum sagte nichts von künstlicher Milch, sondern meinte, wir sollten ihn dazu bringen, mehr feste Nahrung (= Brei) zu essen. Laut ihr macht man das am Besten, indem man tagsüber einfach nicht mehr stillt. Das würde zwar etwa eine Woche dauern, aber wenn man wirklich konsequent sei (ich nehme an, Konsequenz heißt in dem Fall "das Kind so lange hungern lassen, bis es isst, was man ihm vorsetzt"?! :shock: ), würde das super funktionieren. Spätestens da haben sich mir die Fußnägel aufgerollt... ich habe ihr gesagt, dass ich tagsüber bestimmt nicht abstillen will und dass Stillen ja nicht unbedingt was mit Nahrungsaufnahme zu tun haben muss. "Nein nein, nicht abstillen, Sie können ja nachts so viel stillen, wie sie wollen! Und natürlich essen Kinder kaum, wenn sie immer Zugang zur Brust haben, das ist doch viel bequemer, die wissen genau, wie sie's machen müssen, etc. pp."... :?


Was mach' ich denn nun? Muss ich wirklich auf BLW verzichten, um mehr in ihn reinzukriegen? Er findet's doch so toll, sein Essen selbst entdecken zu können (und ich auch). Oder ihm Folgemilch geben? :? Die Sache mit dem von heute auf morgen tagsüber abstillen finde ich sowieso völlig indiskutabel. Ganz abgesehen davon, dass ich mein Kind nicht hungern lasse... da würde ich platzen, und er braucht doch auch das non-nutritive Saugen noch sehr. Aber wenn ich dagegen argumentiere, bekomme ich das Gefühl vermittelt, die Gesundheit meines Kindes auf's Spiel zu setzen. :cry: Natürlich will ich, dass er gesund und mit allem versorgt ist, aber ist das denn mit BLW und Stillen nach Bedarf so unvereinbar?!
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jusl
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von jusl »

Hallo Batsheba,
Natürlich werden diese Dinge jetzt erstmal supplementiert.
Nehmt Ihr BEIDE denn Nahrungsergänzungsmittel/Medikamente, die Eisen und Vit. B12 enthalten?
Von einer Diätologin und zwei Ärztinnen habe ich aber Ratschläge für "danach" bekommen, die mir teilweise gar nicht gefallen.
Wie sieht denn der weitere Plan aus, also von medizinischer Seite aus? Wann sollt Ihr zur Kontrolle wieder kommen?

LG
Julia
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Batsheba
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Batsheba »

Hallo jusl! Wir sind im KH (stationär), weil dauernd Untersuchungen gemacht werden. Jetzt übers WE wollen sie sein Essverhalten beobachten. Am Montag wird ihm und mir nochmal Blut abgenommen. Momentan bekommt er nur Eisen, wenn die Ergebnisse vom Montag da sind und alles wie erwartet ist, sollen wir beide Eisen und B12 bekommen.
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jusl
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von jusl »

Na, da macht eine Flasche Folgemilch pro Tag /Brei den Kohl auch nicht fett - die Medikamente sind für gewöhnlich (sinnvollerweise!) viiiel höher dosiert.

Sinnvoll ist:

* Bei Mutter UND Kind etwaigen Nährstoffmangel konsequent medikamentös therapieren, regelmäßig (alle paar Monate) kontrollieren lassen
* Weiterhin ganz normal stillen nach Bedarf
* Keine sonstigen Milchprodukte (auf jeden Fall mit mindestens 2 Stunden Abstand vor und nach der Eisengabe), da das Calcium in Kuhmilch das Eisen bindet und damit die Eisenaufnahme erheblich verschlechtert
* Schlau machen bzgl. die Eisenaufnahme FÖRDERNDER (Fruchtzucker, Vit C, andere Säuren...) und HEMMENDER (Calcium, Magnesium, Oxalsäure,...) Stoffe (Wikipedia bietet diese Info, Stichwort "Eisenmangel")
* Den Zeitpunkt/Dosierung der regelmäßgen Eisenergänzungen klug wählen (am besten auf leeren Magen, evtl. am besten spätabends, manche Kinder vertragen besser seltenere dafür höhere Einzeldosen, andere Kinder kommen besser mit häufigen, geringeren Einzeldosen klar)
* Die Ergänzung von Vitamin B12 ist bei vegan und fast vegan lebenden Frauen wirklich wichtig, bitte konsequent durchführen.

Wenn diese Punkte beachtet werden, spielt es praktisch keine Rolle, ob Du BLW praktizierst oder täglich Folgemilchbrei servierst. Priorität hat jetzt die Behandlung Eures jeweiligen Nährstoffmangels (als medizinisch-therapeutische Maßnahme, nicht als bloße Veränderung der Essgewohnheiten...). Danach: Viel frisches Obst und Gemüse, Eier, Fisch und Fleisch, dafür eher wenig Vollkorn und Milchprodukte - ernährungsmäßig ist das in Hinblick auf Eisenmangelanämie (bzw. Verhinderung derselben) wohl die sinnvollste Empfehlung.

Hilft Dir das erstmal weiter?

LG
Julia
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Jia
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Jia »

Erstmal ganz viel Kraft euch beiden!
Batsheba hat geschrieben:Ärztin Nr. 2 wiederum sagte nichts von künstlicher Milch, sondern meinte, wir sollten ihn dazu bringen, mehr feste Nahrung (= Brei) zu essen. Laut ihr macht man das am Besten, indem man tagsüber einfach nicht mehr stillt. Das würde zwar etwa eine Woche dauern, aber wenn man wirklich konsequent sei (ich nehme an, Konsequenz heißt in dem Fall "das Kind so lange hungern lassen, bis es isst, was man ihm vorsetzt"?! :shock: ), würde das super funktionieren. Spätestens da haben sich mir die Fußnägel aufgerollt... ich habe ihr gesagt, dass ich tagsüber bestimmt nicht abstillen will und dass Stillen ja nicht unbedingt was mit Nahrungsaufnahme zu tun haben muss. "Nein nein, nicht abstillen, Sie können ja nachts so viel stillen, wie sie wollen! Und natürlich essen Kinder kaum, wenn sie immer Zugang zur Brust haben, das ist doch viel bequemer, die wissen genau, wie sie's machen müssen, etc. pp."... :?
Das könnte klappen, muss aber nicht, diese Strategie kann ziemlich nach hinten losgehen. Ich kenne mehrere Fälle, wo die Mutter so langsam abstillen wollte, mit de Ergebnis, dass das Kind (in ähnlichem Alter) dann tagsüber weiterhin kaum was gegessen hat und nachts dafür am Dauerstillen war. Selbe Menge Kalorien aus derselben Quelle wie vorher, einfach zeitlich anders verteilt, dazu tagsüber ein quenglendes Kind und nachts noch weniger Schlaf für die Mutter. Das würde dann in eurem Fall nur heissen, dass alles noch komplizierter wird...
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Batsheba
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Batsheba »

jusl hat geschrieben:Na, da macht eine Flasche Folgemilch pro Tag /Brei den Kohl auch nicht fett - die Medikamente sind für gewöhnlich (sinnvollerweise!) viiiel höher dosiert.
Da ging's eher darum, wie es nach den Medikamenten weitergeht, damit er über die Nahrung genug Eisen/B12 bekommt.

Danke für deine Tipps! Genau das hätte ich nämlich spontan auch gesagt... aber die Ärzte haben mich so verunsichert, weil sie offensichtlich der Meinung sind, dass er wesentlich mehr essen oder Folgemilch bekommen müsste, um genug Eisen/B12 aufzunehmen. Und dass er ja nie genug "richtige" Nahrung essen wird, wenn er immer an den Busen darf. :?


Jia, ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass das klappen soll... aber es kommt für mich sowieso nicht in Frage.
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Brianna
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Brianna »

J hatte nur Eisenmangel. Meine Eisenwerte waren übrigens im hohen Normalbereich und ich bin Allesesser. Mach dir also keine Vorwürfe. Die Ärzte in der Klinik hatten auch komische Ernährungsratschläge (Möhrenbrei bei Eisenmangel?). J war damals 7,5 Monate alt, aß keinen Brei und lutschte ab und zu an Obst oder ner Nudel. Wir haben Eisentropfen gegeben und Brei aus Hirse, Obst und Mandelmus angeboten. Den Brei hat er nicht gegessen. Nur unser Kater war scharf darauf. J hat weiter alles gegessen, wie er Lust hatte. Seit er keine Tropfen mehr bekommt, scheint trotzdem alles gut zu sein. Seit der letzten Kontrolle vor längerer Zeit mit einem HB von 14,8 möchte der Kinderarzt ihm weitere Blutabnahmen ohne Sympthome ersparen.
Gute Besserung,
Brianna
J 05/13 L 12/15
jusl
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von jusl »

Da ging's eher darum, wie es nach den Medikamenten weitergeht, damit er über die Nahrung genug Eisen/B12 bekommt.
Das liegt momentan aber nicht wirklich an. Die Therapie eines Eisen- und Vit B12-Mangels bei Mutter UND Kind dauert für gewöhnlich viele Monate. Bis dahin werden sich Essensgewohnheiten und -vorlieben Deines Kindes sowieso noch 11 mal geändert haben.

die Ärzte haben mich so verunsichert, weil sie offensichtlich der Meinung sind, dass er wesentlich mehr essen oder Folgemilch bekommen müsste, um genug Eisen/B12 aufzunehmen. Und dass er ja nie genug "richtige" Nahrung essen wird, wenn er immer an den Busen darf. :?
Also da spielen im Wesentlichen zwei Dinge rein:
1. Muttermilch ist ein höchst wertvolles Lebensmittel. Künstliche Milch oder Supermarktkuhmilch als "richtige Nahrung" einzustufen, im Gegensatz zu Muttermilch, ergibt ernährungsphysiologisch nicht den geringsten Sinn.
2. Klar ist, dass ein Kind, das sich noch hauptsächlich über Muttermilch ernährt, nur dann genug Nährstoffe über diesen Weg aufnehmen kann, wenn die Mutter keinen Nährstoffmangel hat. Sie kann an ihr Kind ja nur das weitergeben, was sie selber hat, sozusagen. Eisenmangel und Vit B12-Mangel sind definitiv ernst zu nehmen, schon jedes für sich, und ganz besonders in Kombination. Gut, dass Ihr das jetzt konsequent behandeln und kontrollieren lasst. Vegetarische, insb. vegane Ernährung sind hier als Risikofaktoren zu benennen.

Wie gesagt, in der Aufzählung oben sind die wesentlichen Tipps aufgelistet.

Alles Gute und LG
Julia
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Batsheba
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Re: Eisen- und B12-Mangel vs. Stillen und BLW

Beitrag von Batsheba »

Bah, wie ich mich gerade ärgere... mir wurde jetzt mehrmals geraten, ich solle doch abstillen und meinen Sohn "endlich normal ernähren", oder mich "wenigstens selbst gesund ernähren", wenn das Stillen denn unbedingt sein müsse. :evil: Und heute wurde ich darüber aufgeklärt, dass mein Sohn am Tag der Aufnahme eigentlich nur einen ganz leichten B12-Mangel hatte, der, nachdem wir ein paar Tage auf B12-reiche Ernährung geachtet haben, schon wieder weg ist. Meine eigenen Werte sind super. :roll: Ärztin Nr. 2 hat bloß herumspekuliert und die Aufregung war umsonst.
jusl hat geschrieben:Muttermilch ist ein höchst wertvolles Lebensmittel. Künstliche Milch oder Supermarktkuhmilch als "richtige Nahrung" einzustufen, im Gegensatz zu Muttermilch, ergibt ernährungsphysiologisch nicht den geringsten Sinn.
In diesem KH ist man offensichtlich anderer Meinung. :roll:
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