lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

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BEcKa
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von BEcKa »

Unser Sohn ist seit 7 Wochen in der Schule und habe mir gestern "ecabdclip" auf einen Zettel geschrieben....dass das dann "Ich hab Dich lieb" heißen sollte fand ich ja herzerwärmend. Die Methode finde ich allerdings eher schlecht, unsere Tochter (vierte Klasse) kämpfte soooo mit dem Lesenlernen, das hat sie eigentlich erst in der dritten Klasse richtig gut gekonnt. Und zur Rächtschreipunk sag ich lieber nichts.....
Liebe Grüße
Becka
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und ein Bild- Dich trag ich bei mir, bis der Vorhang fällt...



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EUfqtw

Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von EUfqtw »

Hier 2. und 4. Klasse, Hessen.
Bei uns hier wird eine Mischform unterrichtet. Die Kinder werden anfangs nicht korrigiert, ABER sowie ein Buchstabe/Laut oder eine Rechtschreibregel eingeführt wird, werden Fehler auch verbessert.

"Schbielen" ist zB anfangs ok, nachdem aber das "SP" gelernt wurde, wird auch darauf hingewiesen, dass es "spielen" heißt.

Die Große hat eine ausgezeichnete Rechtschreibung, der Zweitklässler auch, soweit man das in der 2. Klasse überhaupt haben kann. Sind allerdings auch zwei Leseratten.
3fachMama
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von 3fachMama »

Sakura hat geschrieben:
swimfan hat geschrieben:. Bei ihr ist es so, dass sie das System nicht gut findet und daher eine Schule gewählt hat, wo nach der alten Methode unterrichtet wird.
Würde ich auch gern, leider gibt es in unserer Stadt NUR diese Methode, an allen Schulen :evil:
Immerhin ist es bei euch einheitlich....bei uns darf jede Lehrkraft so wie sie mag.... :roll:
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Pupu
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Pupu »

Ich lese hier mal interessiert mit. Bei uns ist das Thema auch irgendwie aktuell.
Meine Tochter wächst zweisprachig auf und wir leben in Finnland. Sie kann einzelne Wörter lesen seit sie drei ist. Nun wird sie bald sechs und schreibt recht gerne, lesen dagegen ist weniger interessant - lieber bekommt sie Bücher vorgelesen. Ist ja auch okay.

Wir haben keine bestimmte Methode angewendet, sondern sie einfach machen lassen. Aber in der Praxis ist es doch schon so, dass "lesen durch schreiben" dem schon recht nahe kommt, was sie grad macht. Im Finnischen klappt das auch sehr gut - hier schreibt man tatsächlich alles genau so, wie man es spricht. Wenn sie das dann allerdings aufs Deutsche anwendet, kommen interessante Sachen bei rum ;) Nun bin ich unsicher, was ich da unternehmen soll und ob überhaupt. Auf die Schule kann ich da nicht zählen - erstens kommt sie überhaupt erst 2016 in die Schule und zweitens wird ja dort kein Deutsch gelehrt (außer als Fremdsprachenunterricht ab der 3. oder 4. Klasse, aber das zählt ja nicht). Ich habe bisher immer darauf vertraut, dass sie irgendwann flüssiger lesen kann und dann in meine Leserattenfußstapfen tritt und beim Lesen deutscher Bücher die Rechtschreibung von ganz allein kommt, aber ich bin mir nicht mehr so sicher, ob das wirklich reichen wird. Nur: was stattdessen? Ich bin keine Lehrerin, habe keine Ahnung von Methoden zur Erlernung der Rechtschreibung, dem richtigen Zeitpunkt oder sonst irgend etwas. Ich habe es in den letzten drei Jahren noch nicht einmal geschafft, mein Kind dazu zu bewegen, Leerzeichen zwischen den Wörtern zu benutzen ;) Wie soll das erst mit Rechtschreibung werden?
Puh...
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von EliseG »

Hier wurde ansatzweise mit dieser Methode gelehrt. Wir haben einen Luxenburger als Lehrer, der immer wieder schockiert ist, wie schlecht die Menschen hier deutsch sprechen. Also legte er auch wert darauf, dass Kinder lernen hin zu hören. Jetzt in der zweiten Klasse haben sie eigentlich alle Rechtschreibregeln schon gehört (naja ok, sie sitzen ja auch in der 1. mit der 2. zusammen....), es sind im Grunde genommen auch recht wenige, denn das meiste ergibt sich wirklich aus der Aussprache, wenn man genau hinhört (also zb langes ie, Lautverdoppelungen ect). Hier haben die Ideen des Lehrer super gefruchtet, allerdings konnte mein sohn schon lesen und er macht schon noch genügend Fehler. Aber ganz ehrlich, bei uns haben wir in der zweiten erst angefangen selbst Wörter zu schreiben. In der ersten gab es auswendig gelernte Wörter mit Bildern zwischendrinnen. Da war ich in der zweiten sicher noch nicht soweit, dass ich schon in ganzen Sätzen antworten konnte. Und hier haben sie sogar schon erste Ansätze von Geschichten schreiben......

Das mit den Leerzeichen zwischen den Wörtern kommt sicher noch, ist ja schon ne krasse Leistung, dass sie motorisch schon soweit ist!!!
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Pupu
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Pupu »

Naja, sie ist ja inzwischen auch fast 6. Würden wir in Deutschland wohnen, wäre sie längst ein Vorschulkind. Aber hier ist der Stichtag die Jahreswende und es werden auch keine Ausnahmen gemacht, so dass sie als am Anfang des Jahres Geborene erst mit siebeneinhalb in die Schule kommt... Ich hoffe, sie langweilt sich dann nicht!
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von emm »

Pupu, habt ihr nicht evtl. Anspruch auf Muttersprachunterricht, grade wegen der Rechtschreibung und so?
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von channa »

Mein Sohn lernt auch nach dieser Methode und ich muss sagen, dass ich die ganz toll finde und auch sehe wie schnell er schreiben konnte. Ich hatte das Gefühl, dass durch das nicht Korrigieren, die Freude am Schreiben von beginn an da war und sehr motivierend wirkte. Er konnte nach nur wenigen Monaten (ich würde sagen, so kurz nach den Herbstferien) langsam aber flüssig lesen und hat dadurch natürlich gesehen, wie die Wörter richtig geschrieben werden und übernahm das dann auch fix.

Es ist also nicht nur Schreiben nach Hören, sondern dann auch bald Schreiben nach Lesen, so sollte es zumindest idealerweise sein. Mein Sohn ist jetzt in der zweiten Klasse und schreibt sehr viel richtig und vor allem solche Wörter falsch, die er eben noch nie gelesen hat.

Bei den Elternabenden werden wir auch immer wieder darauf hingewiesen, dass wir die Kinder nur korrigieren sollen, wenn die Wörter den Lauten nach falsch sind, nicht aber die Rechtschreibung. Fragt mein Sohn aber nach einer korrekten Schreibweise, sage ich sie ihm natürlich. Außerdem geht die Lehrerin auch individuell auf die Schüler ein und hat meinem Sohn nach einem halben Jahr die Regel für ck und ch erklärt, weil es ihn eben interessierte.

Jetzt in der 2. Klasse gibt es auch sog. Lernwörter, die lesen die Schüler zunächst und schreiben sie dann auch. Das sind oft Wörter, die man völlig anders schreibt, als man sie hört. Über das Lesen kommt hier dann eben auch das richtige Schreiben.
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Lösche Benutzer 16233

Re: AW: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Lösche Benutzer 16233 »

Brianna hat geschrieben:Auch bei Lesen durch Schreiben wird normalerweise nicht erst nach Jahren die richtige Rechtschreibung eingeführt. Viele Schulen mischen auch die Anlauttabelle mit dem klassischen Buchstabenlehrgang. Ich habe meinen Schülern immer gesagt, dass die Erwachsenenschrift auch andere Regeln befolgt, die wir nach und nach lernen. Erste Rechtschreibregeln und Lernwörter gab es schon in der ersten Klasse. Leider gibt es nicht die "perfekte" Methode für alle Kinder. Ich finde, es kommt eher darauf an, dass der Lehrer seine Schüler aufmerksam auf Ihrem Lernwege begleitet. Wer meint, das Lesen durch Schreiben heißt, dass zwei oder mehr Jahre nicht an der Rechtschreibung gearbeitet wird, der hat die Methode nicht verstanden.
Gruß Brianna
Ich kenne das aus Uni und meinen bisherigen Praktika auch so.

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Talgaro
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Re: lesen durch schreiben - eine Art falsch zu lernen?

Beitrag von Talgaro »

Was soll eigentlich der Hinweis auf Berlin im Ausgangspost?

Meine beiden Jungs (3. + 7. Klasse) haben so das Lesen und Schreiben gelernt. Beide lesen gern und gut, die Handschrift ist schön und sie haben keine größeren Probleme mit der Rechtschreibung. Ich hatte da mehr Schwierigkeiten (habe ganz klassisch in der DDR gelernt). Ich kann also keinen Zusammenhang erkennen, außer das sie von Anfang an im eigenen Tempo lernen konnten und nicht warten mussten, bis irgendwelche Buchstaben bei allen eingeführt wurden.

Bei ihnen wurde es so gehandhabt: Anlauttabelle, Buchstaben- und daran anschließend ein Schreibschriftlehrgang (beide im eigenen Tempo). Wenn das Prinzip sitzt, erste Hinweise und dann beginnend mit Lernwörtern, die richtig geschrieben werden sollen, Einführung von Dikataten usw. Dazu parallel "Lies mal"-Hefte, viel Vorlesen. Außerdem Vorträge, Zeitungsartikel und Poster usw. herstellen, also das Gelernte nützlich anwenden. Noten gibt es ab der 4. Klasse. Bis dahin haben sie also Zeit ohne Notendruck sich das nötige Rüstzeug anzueignen.
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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