Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

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Kleine
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Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Kleine »

Ich war gestern auf einem Kindergeburtstag, es waren 5 Kinder da, meiner war mit 3,5 der Älteste, dann gab es noch 4 gerade 3-jährige. Eigentlich lief alles ganz gut, außer dass ich mir wie immer vorkam wie ein Alien, weil die Themen einfach nicht meine Welt sind (Ferbern, Abstillen, Essen mit 4 Monaten, eigenes Bett, Toilettentraining, usw.).

Es kam zu einem minikleinen "Unfall", wenn man das überhaupt so bezeichnen mag: die Kinder hatten ca. 50cm lange und 3-4cm dicke Äste, mit denen sie eine Absperrung gebaut haben. Keiner hat rumgehauen oder so. Aber blöd wie es manchmal läuft, sind zwei Kinder einen Schritt aufeinander zugegangen und das eine Kind hatte den Ast auf der Nase. Mein Sohn hätte kurz "aua!" gesagt, sich umgedreht und weitergespielt. Dieses Kind schrie jedoch los als wäre jemand dabei es abzuschlachten. Die Mama greift als allererstes in den Rucksack und holt ein kleines Täschchen mit allerlei Dingen heraus. Das Kind schreit nach 5s "Mama, ich brauch Kügelchen", die Mama rennt los, reisst schon auf dem Weg zu ihrem Kind halb panisch das Täschchen auf, die Gastgebermama eilt und holt ein Kühlpaket. Das Kind bekommt immer noch laut schreiend seine Kügelchen und irgendeine Lösung auf die Nase geschmiert und dann auch noch das Kühlpaket... Später sah ich eine minikleine Schürfwunde von vielleicht 1mmx1mm...

Ehrlichweise dachte ich mir "Willkommen Medikamentenabhängigkeit" und war auch echt schockiert... Da wird die ganze Zeit geprahlt, wer sein Kind wie "unterwirft" (anders konnte ich den Gesprächsverlauf manchmal nicht bezeichnen) und dann so was.

Ja, ich gebe zu, ich bin kein Anhänger der Homöopathie, aber wer meint, dass es ihm hilft, bitte, damit habe ich kein Problem. Aber empfinde ich so falsch, dass SO ein Verhalten eine Abhängigkeit erzeugt, die in eine ganz falsche Richtung geht? Ich meine, die gleichen Mütter beschwerten sich noch nicht vor allzu langer Zeit, dass das Kreuzband des Ehemanns nun doch gerissen und das Knie ganz dick geschwollen ist, obwohl er doch gleich Arnika-Kügelchen bekommen hat... Wirft man bei jedem auch noch so kleinen Wehwechen diese Kügelchen ein? Wozu? Warum nimmt man sein Kind nicht einfach in den Arm und sagt "das bekommen wir schon wieder hin", dann hat es halt ein paar Tage eine Schürfwunde auf der Nase oder den Knien, das werden die Kügelchen doch auch nicht verhindern? Warum nicht dem Kind bewusst machen, was sein Körper für ein Wunder verbringt, indem er solche "Kleinigkeiten" ganz von selber wieder heil bekommt? Ich habe das Gefühl, dass das so zugelegt hat mit den Kügelchen auf den Spielplätzen, dass die Kinder sofort angerannt kommen und was davon haben wollen, weil sie barfuß auf einen Stein gestiegen sind. In mir macht sich das Gefühlt breit, dass sich das permanente Geben von Kügelchen genauso ausbreitet wie das "Kind, mach Dich bloß nicht schmutzig, die ganzen Keime machen krank" und schon wird das Kind in ein Sagrotan-Bad gesteckt oder darf besser gleich gar nicht in die Sandkiste oder die Breze vom Küchenfußboden aufheben und weiteressen...

Ich würde gerne wissen, wie Ihr das seht und ob ich da eine so exotische Meinung zu habe...
LG
Anika

mit Grinsebacke (04/11) & Mini-Kämpfer (11/14) an der Hand, Blondinchen und den wilden Jungkatern auf der Bettdecke sowie Apportierkatze, rotem Einohrtiger und Kampfkuschelkater fest im Herzen
Lösche Benutzer 17774

Re: AW: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Lösche Benutzer 17774 »

Na auf solche Veranstaltungen freu ich mich ja schon!!! [emoji33]
Klar kommen die Lütten angerannt und schreien nach Kügelchen, schmecken doch wunderbar süß [emoji4] Ich kenn mich mit Homöopathie nicht aus, hab zwar was da, weiß aber kaum, wann ich was gebe und hab auch noch nie gemerkt, dass es was geholfen hat [emoji33] (Auch wenn vom Experten verordnet - wir haben da jemanden in der Familie)
Ich finds nicht schlimm, wenn Leute, die Ahnung haben, Kügelchen nutzen, aber ich gebe zu Hause auch wenn dann bewusst, sonst würde Räubi ne ganze Packung verputzen... Is ja doch ein Medikament... ob ich nun ne Wirkung feststellen konnte oder nicht...
Aber so wie du das schilderst, Wahnsinn!!! Das finde ich ja nun echt übertrieben, Räubi würde gleich viel mehr leiden, wenn wir alle so um seine kleinen Wehwehchen rumtanzen. Erst dann denkt er, es muss wohl was Schlimmes passiert sein. Aber er ist auch noch jünger...
nido56
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von nido56 »

Hier bei uns hat keiner Kügelchen, dafür all einen Arnika-Stift. Hilft tatsächlich, aber pusten und Heile Gänschen singen hilft, glaube ich, ungefähr genauso gut.

Wenn der Pirat sich weh tut, dann kommt er schon an und fordert Zuwendung und "Heilung". Die bekommt er auch immer. ich mag dieses "ist doch nichts passiert" nicht. Ich sage eher "Oh, das tut sicher weh, aber das wird bestimmt gleich besser". Meistens ist das eine Sache von 1 min, obwohl der Pirat durchaus auch Tage später noch losjammern kann, wenn er die Schramme im Spiegel sieht.

Da sind Kinder wahrscheinlich unterschiedlich.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Salo81
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Salo81 »

Oh Gott, das find ich ganz schlimm, was du da beschreibst, Kleine.

Ich komme bei sowas warscheinlich meistens als Rabenmutter rüber, aber ich kenne meine Kinder.
Mein Großer rutschte mit ca. 5 Jahren mal bei so einer Kletternetpyramide die (ziemlich dicke) Mittelstange herunter.
Beim unten aufkommen biss er sich auf die Zunge und brüllte dann los wie am SPieß.
Durch das weinen und Mund offen vermischte sich das Blut noch mit jeder Menge Speichel und das sah echt gefährlich aus.
Ich hab ihn aufgehoben, gekuschelt und versucht zu beruhigen - er ist da aber so das er losbrüllt als gängs ihm ans Leben und 2 Minuten später ist es wieder gut.
Also hörte er nicht gleich wieder auf und wurde von anderen Eltern angeherrscht, einen Krankenwagen zu rufen :twisted:

Ich meinte dann: Ach Quatsch!
Packte die Kids und setzte sie ins Auto.
Kurz drauf hörte er dann auch auf und es war nix weiter.
Was will man da auch machen beim Zunge beißen.

LG
Salo
Salo mit Henry (06/05) und Flora (09/07) und Luise (06/11)
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chennai
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von chennai »

Find ich ehrlich gesagt nicht schlimm. WEder Arnica-Kügelchen noch Notfall-Kügelchen noch Aua-Gel noch Coolpack. Kinder sind verschieden und auch das Schmerzempfinden unterscheidet sich sehr. Ich find's da eher befremdlich mich über das Empfinden des Kindes zu stellen à la 'hab dich nicht so'. In dem Moment braucht dieses Kind offenbar Trost und Linderung, warum sollte man die ihm nicht geben? Daraus den ersten Schritt zur Medikamentenabhängigkeit zu konstruieren finde ich ziemlich weit her geholt.
Lieben Gruß,
Chennai mit Weihnachtsengel (Ende Dezember 2008) und Maikäferchen (Ende Mai 2011)


Meine Blogs: http://mamafecit.blogspot.com/ und http://minikin-pin.blogspot.com/
Lösche Benutzer 1828

Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Ich frage, was sie moechten. Der Homöopathie habe ich "abgeschworen" - nur Zucker. Hatten wir aber frueher auch. Aber nicht bei solchen Lapalien.
Troesten finde ich allerdings elementar. Damit gehe ich auf das Befinden ein. Bun jedoch selber eher passiv und verbreite keine Panik.
Nachsehen, fließt Blut? Woher? Alles noch dran? Verletzung?
Arnicacreme habe ich auch - Kuehlpacks auch immer im Kuehlfach. Fremde Kinder frage ich, ob sie etwas benoetigen.
Was andere machen, ist mir egal, so lange es uns nicht beeinflusst.
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anirahtaK
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von anirahtaK »

chennai hat geschrieben:Find ich ehrlich gesagt nicht schlimm. WEder Arnica-Kügelchen noch Notfall-Kügelchen noch Aua-Gel noch Coolpack. Kinder sind verschieden und auch das Schmerzempfinden unterscheidet sich sehr. Ich find's da eher befremdlich mich über das Empfinden des Kindes zu stellen à la 'hab dich nicht so'. In dem Moment braucht dieses Kind offenbar Trost und Linderung, warum sollte man die ihm nicht geben? Daraus den ersten Schritt zur Medikamentenabhängigkeit zu konstruieren finde ich ziemlich weit her geholt.
klar soll ein Kind Trost bekommen wenn es den braucht, glaub das bestreitet niemand hier. Ich vermute aber auch mal, dass dieses Theater um Trost schon gut anerzogen wurde - bei der beschriebenen Reaktion.
Und das Gebrüll war ja nicht: Mama ich brauch Kuscheln, sondern ich brauch Kugeln - also evtl egal WER die gibt? Kann auch Vorteile haben :twisted:

Ich hab hier auch schon festgestellt, wenn (m)ein weinendes Kind ankommt, und ich es "nur" in den Arm nehme und sage: das wird gleich wieder gut, dann ist es auch recht schnell vergessen. Je mehr ich drumrumrede wie ja das tut sicher weh, soll ich pusten. etc blabla, desto länger heult das Kind.

ach so äh ich glaube auch nicht mit Homöopathie, aber wenn ichs täte, gäbs eine Medizin (!) sicher nicht bei dem beschriebenen Vorfall.

Moppetüte *12.12
- eines Tages fällt dir auf, dass du 99% gar nicht brauchst -
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Kinsale
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Kinsale »

Ich glaube nicht, dass das anerzogen ist. Ich habe ein "tapferes" Kind und eines, das losbrüllt wie am Spieß. Beide werden mit Heile Segen und pusten "behandelt" und getröstet.

Ich finde jedes Ritual prima, bei dem das Kind sich und seinen Schmerz ernst genommen fühlt und Trost findet. Ob man da nun singt, Kügelchen verteilt, bunte Pflaster klebt oder dreimal um einen Baum rennt und dabei Beschwörungen ruft ist doch egal. Wer heilt hat recht - gilt auch für Eltern und Kinder :wink:
Lösche Benutzer 17612

Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von Lösche Benutzer 17612 »

Das finde ich auch nicht gut. Entweder man glaubt eh nicht dran und gibt es wegen der Ablenkung durch die Süßigkeit ( dann kann man auch ein Snickers geben) oder man hält Globuli für wirksame Medikamente. Dann muss man sich schon fragen, ob man seinem Kind für eine solche Lapalie so etwas gibt oder ob man ihm zutraut, da alleine drüber wegzukommen. Hier gibt es auch Mamas die geben dann Schmerzglobuli und Beruhigungsglobuli. Ich frage mich dann wie sie reagieren würden, wenn ich meinem Kind Schmerzmittel und Beruhigungsmittel geben würde für einen kleinen Kratzer. Hier wird gepustet und kurz gekuschelt. Ich möchte meinen Kindern nicht vermitteln, dass man für jede Kleinigkeit Medizin braucht.
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MaareMum
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Re: Handlungsweise bei "kleinen Unfällen"

Beitrag von MaareMum »

Ich seh das wie du, EllenRipley. Entweder man glaubt nicht dran und dann ist es Trösten mit Süßigkeiten, oder man glaubt dran, dann ist es Medikamente geben für jeden Furz. Ich hab das auch schon erlebt und ich finde es ganz schlimm! Entweder, das Kind hat richtig was, dann braucht es auch richtige medizinische Hilfe, oder es hat nix, dann braucht es aber außer Trost (!!!) auch sonst nix. Ich denke auch, dass mit ständiger Kügelchen-Gabe kein gesunder/vernünftiger Umgang mit Medikamenten (oder Süßigkeiten :-) ) beigebracht wird.

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mit dem Großkind (2011) an der Hand und dem Kleinkind (2014) im Tuch
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