Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Angua
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Angua »

MaareMum hat geschrieben:Aber bisher hat ihm noch nie was geschmeckt beim probieren, daher weiß ich nicht so recht, ob es Sinn macht. Aber angeblich isst er im Kindergarten fast alles (glaub ich aber nicht)
ich hab mir sagen lassen, dass gerade bei komplexeren Geschmäckern Kinder (und teils durchaus auch Erwachsene) Dinge mehrmals probieren sollten. Das Alter, in dem Kinder so halb selbstständig sind, aber sich noch nicht wirklich auskennen und noch kein vollständig ausgereiftes Immunsystem etc. haben ist das, wo sie sich eben gern auf Bekanntes zurückziehen und auf Unbekanntes (insbesondere, wenn sowas wie "bitter" dazu kommt) mit Abwehr reagieren. Ist ja auch sinnvoll, denn es ist halt nicht unbedingt sofort Mama da um zu sagen "neeeeeein! Das ist giftig!!!" wie im Säuglingsalter. Das läuft halt nicht über die kognitive Schiene... Insofern würde ich sagen: ja, das bringt was.
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Queenchen
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Queenchen »

Hier auch so ein Exemplar. Reduziert die Lebensmittelauswahl immer mehr. Gekochtes isst er nur Nudeln (auch nur bestimmte mit einer bestimmten Soße). Obst und Gemüse wir's bis auf Gurke komplett verweigert (egal ob roh oder gekocht). Im Prinzip ernàhrt er sich von Brötchen, Gurke, neuerdings Hafermilch, Wurst und Käse und Nudeln. Zum Glück stillen wir noch, aber àndern muss sich trotzdem was... Habe auch gemerkt, je mehr Tamtam wir ums Essen machen (grade um Neues), desto mehr verweigert er. Kommentarlos hinstellen und weiteressen hilft da schon eher mal
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Sakura
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Sakura »

AmysMom, meine Große ist gleich alt, und wir hatten hier lange lange die Phase, wo sie nur Nudeln gegessen hat. Nudeln mit Tomatensauce. Sonst nichts. Dann gab es für sie eben täglich Nudeln mit Tomatensauce. Ich habe es nicht als Arbeit empfunden, alle zwei Tage Nudeln zu kochen, und zu den Mahlzeiten bei Bedarf aufzuwärmen.

Du schreibst, sie mag Brötchen mit Nutella, Cornflakes, Pancakes... Das ist doch schon mal einiges. Kannst Du Dir vorstellen, eines oder mehrere dieser Lebensmittel als immer verfügbares Alternativessen anzubieten? Zb Cornflakes, oder Brötchen mit Nutella. Damit hast Du keine Mühe, weil Du nichts extra kochen musst. Es gilt die klare Regel, dass das Kind, wenn ihm das gekochte Essen nicht schmeckt, sich kommentarlos das VORHER festgelegte Alternativessen holen / wünschen darf (bei uns waren das eben besagte Nudeln, bei meiner Tante waren es Haferflocken mit Milch und Kakaopulver. Oder eine bestimmte Sorte Obst, oder oder oder. Oder eben ihre Lieblingsnudeln). So werden alle satt, alle glücklich und es gibt keinen Streit mehr ums Essen.

Druck beim Essen bringt meiner Erfahrung nach gar nichts. Ich selbst habe als Kind "nichts" gegessen. Und selbst Zwang hat mich nicht dazu gebracht, es auch nur zu probieren. Ich wollte nicht, es hat mich angeekelt. Dagegen kann man als Kind nichts tun, und von außen als Erwachsener... Hm...
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FrauPferd
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von FrauPferd »

Ich bin da bei Sakura, auch wenn's schwer fällt.

Ich MUSSTE immer alles probieren, wollte aber ne ganze Weile lieber täglich Nudeln mit Ketchup [emoji57]. Alles was ich probieren musste, mag ich heute noch nicht [emoji47]. Pilze, Rosenkohl, fast alles an Fleisch, Fisch... Und ich könnte noch immer 4x wöchentlich Nudeln mit Tomatensoße essen ;). Bei mir wurde es erst wieder besser, als meine Eltern aufgegeben hatten und es eben Nudeln gab.
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Sakura
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Sakura »

MaareMum hat geschrieben:Aber bisher hat ihm noch nie was geschmeckt beim probieren, daher weiß ich nicht so recht, ob es Sinn macht. Aber angeblich isst er im Kindergarten fast alles (glaub ich aber nicht
Glaube ich sofort ;-) . Ich habe es schon oft erlebt und gesehen, dass meine oder bekannte Kinder bei der TaMu Sachen essen, die sie zu Hause nicht anrühren.

Dass man Dinge mehrfach probieren muss, habe ich auch schon gelesen, und auch selbst so erlebt. Vieles sind "erlernte Genüsse", besonders alles was bitter oder sauer ist. Blauschimmelkäse ist eigentlich ziemlich eklig, wenn man so drüber nach denkt. Ich kann mich lebhaft daran erinnern, dass mein Vater immer mit höchstem Genuss vor meinen Augen Buttermilch getrunken hat. Ich habe oft neugierig probiert. Erst fand ich es lange eklig, dann akzeptabel, heute trinke ich es selbst gern. Wenn man drüber nachdenkt, ist es verdorbene Milch, und der bittere Geschmack warnt uns davor. Aber auf der Vetstandesebene wissen wir, dass Buttermilch genießbar ist. Verdorbener Frischkäse schmeckt übrigens ähnlich, nur hier funktioniert das Warnsystem : bitter = verdorben. Auch viele Obst- und Gemüsesorten enthalten reichlich Bitterstoffe oder Säure. Kinder haben viel viel feinere Sensoren für bitter und sauer, und sie haben noch nicht das abstrakte Wissen, dass vieles Bittere essbar oder gar gesund ist.
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AmysMom
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von AmysMom »

Sakura hat geschrieben: Du schreibst, sie mag Brötchen mit Nutella, Cornflakes, Pancakes... Das ist doch schon mal einiges. Kannst Du Dir vorstellen, eines oder mehrere dieser Lebensmittel als immer verfügbares Alternativessen anzubieten? Zb Cornflakes, oder Brötchen mit Nutella. Damit hast Du keine Mühe, weil Du nichts extra kochen musst.
Ganz ehrlich - nein. Ich will nicht, dass sie sich AUSSCHLIESSLICH von gezuckertem Zeug ernährt. Klar, kann sie sich gern ein Brot holen oder eine Banane. Wenn wir Reste vom Vortag haben, biete ich ihr auch diese an. Aber das, was ich ihr an Alternativen anbiete, will sie meist nicht.

Wir hatten vorgestern auch Haferflocken-Muffins zusammen gebacken, damit sie etwas Süßes, aber nicht gezuckertes hat, falls sie Appetit bekommt. Sie hatte richtig Spaß beim Backen, aber geschmeckt haben sie ihr nicht. Ich finde die soooooo lecker - bleibt mehr für mich :-)

Ansonsten war gestern übrigens ein guter Essenstag. Frühstück hat sie ganz normal gegessen. Um 12 hatten wir einen Termin beim KiA, deshalb habe ich ihr vorher noch angeboten, ihr ein Brot zu schmieren. Sie wollte als Belag Butter und Gewürzgurkenscheiben, und dazu eine Wiener. Hat sie auch komplett gegessen und als wir zurückkamen, nochmal nach dem gleichen verlangt. Abends gab es Nudeln mit Spinat, auch da hat sie reingehauen.

Vielleicht ist das wieder dieses Phänomen, das ich schon öfter beobachtet habe: sobald ich hier schreibe, entspannt sich die Situation ganz von selbst :-)

Ich habe mir überlegt, ich werde es jetzt so handhaben:
- immer einen Snack-Teller hinstellen
- Mahlzeiten wie gewohnt auftischen, aber nicht kommentieren
- mich einfach nicht zu ärgern, wenn sie sagt "das ist alles bäääh, was du machst! Ich will aber xyz!" oder sie mich wieder um 4 Uhr hungrig weckt, weil sie abends nichts essen wollte.

Der letzte Punkt wird der schwierigste. Wahrscheinlich liegt dort ja mein eigentliches Problem...?
Ich ärgere mich darüber, dass ich mir Mühe gebe und mir Gedanken mache und das wird verschmäht.

Wenn sie sich entscheidet, von dem ihr Angebotenen lieber nichts zu essen, sprich: lieber hungrig zu bleiben - kann ich das bei einer Dreijährigen so akzeptieren oder bin ich da in der Pflicht als Mutter irgendwie Kalorien in das Kind zu bekommen?
Liebe Grüße
F.

mit SchnubbelSchnu (08/2008), WuselPusel (04/2011) und WuschelPuschel 08/2014

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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von MaareMum »

Das ist nämlich er Punkt. Man ärgert sich und das ist schwierig abzustellen. Ich mach mir Gedanken, was ich kochen könnte was allen schmeckt, koche was, was das Kind letzte Woche mit Begeisterung verschlungen hat. Und dann kommt nur "bäh". Das ärgert mich. Wenn ich was koch, wo ich schon erwarte, dass es ihm nicht schmeckt, ärger ich mich auch nicht.
Das ist aber ein Problem, was man nur selber abstellen kann (oder am Mann auslassen, wenn der es nur wagt zu mäkeln *hihihi*)

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Gruß, MaareMum
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Sarasu
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Re: AW: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Sarasu »

Ich gehe davon aus, dass ein gesundes Kind nicht freiwillig verhungert. Meiner Meinung nach ist deine "Mutterpflicht", regelmäßig Essen anzubieten umd auf Nachfrage jederzeit was zu geben oder z. B. Obst frei zugänglich zu haben. Also, damit meine ich nicht dass du nachts um 4 kochen sollst, aber halt auch nicht verbieten, dass zwischen den Mahlzeiten gegessen wird. (Machst du ja auch nicht.)
Ich fand das Gonzales-Buch sehr hilfreich, ich glaube es heisst "Jedes Kind kann richtig essen".
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Sakura
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Re: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Sakura »

Sarasu hat geschrieben:Ich fand das Gonzales-Buch sehr hilfreich, ich glaube es heisst "Jedes Kind kann richtig essen".
Nein, es heißt "Mein Kind will nicht essen".
"Jedes Kind kann essen lernen" gibt es auch. Ist von Anette Kast-Zahn, das ist die mit "Jedes Kind kann schlafen lernen". Die Philosophie dürfte also klar sein. "Jedes Kind kann Regeln lernen" hat Frau Kast-Zahn auch im Angebot.

AmysMom, ich kann total verstehen, dass Du nicht willst, dass sich Dein Kind von gezuckertem Industriekram ernährt. Ich will das auch nicht, daher habe ich Nutella noch nicht mal im Haus, genauso wenig wie Milchschnitte und co. . Das habe ich auch nur angeführt, weil Du es in der Liste der Dinge hattest, die sie isst, UND weil Du schriebst, Du willst nicht extra kochen. Minimalkompromiss sozusagen. Daneben habe ich aber auch anderes aufgezählt, Obst, Haferflocken... was auch immer. Der Sinn ist, dass es ein Alternativessen gibt, welches dem Kind schmeckt und das bei Bedarf kommentarlos gegessen werden darf. Denn mein Eindruck ist, dass Dein Kind sehr wohl Hunger hat.

Worum geht es Dir vor allem? Dass Du Dich ärgerst, weil Dein Kind das liebevoll gekochte Essen verschmäht? Dass Dein Kind "zu dünn" ist? Dass Dein Kind zunehmen soll?

Pflicht, Kalorien in das Kind zu bekommen... so würde ich es nicht sehen. Du musst keine Kalorien in sie hinein bekommen. Das macht sie offensichtlich selber und freiwillig, aber eben nicht mit den Lebensmitteln, die Du gut findest.
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Sarasu
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Re: AW: Extrem-Mäkler und Essensverweigerer

Beitrag von Sarasu »

Sakura hat geschrieben:
Sarasu hat geschrieben:Ich fand das Gonzales-Buch sehr hilfreich, ich glaube es heisst "Jedes Kind kann richtig essen".
Nein, es heißt "Mein Kind will nicht essen".
"Jedes Kind kann essen lernen" gibt es auch. Ist von Anette Kast-Zahn, das ist die mit "Jedes Kind kann schlafen lernen". Die Philosophie dürfte also klar sein. "Jedes Kind kann Regeln lernen" hat Frau Kast-Zahn auch im Angebot.
Oh, tut mir leid, die wollte ich natürlich nicht empfehlen. Aber die Grundaussage bei Gonzales ist eben, dass die Kinder das für sie richtige essen, wen sie eine angemessene Auswahl haben. Wobei Nutella und co. nicht in diese Auswahl gehört, weil Kinder evolutionär auf Fett und Zucker geprägt sind und bei freier Verfügbarkeit davon zu viel essen würden.
Oder so ähnlich, es ist schon ne Weile her dass ich es gelesen habe.
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