Wir konnten unseren Knirps nicht eine Sekunde mehr ablegen, bzw. nachts vom ihm wegrücken, seit er mit etwa 3 Wochen eine Erkältung hatte, der arme Tropf. Nach ein paar Wochen haben wir dann eine Federwiege gekauft, das war großartig, wir haben zum ersten Mal wieder gemeinsam am Esstisch gesessen, ohne dass der eine dem anderen das Fleisch schneiden oder Brot schmieren musste
Über Weihnachten waren die Schwiegereltern da und haben sehr gemeckert, dass sie uns den teuren Kinderwagen wohl umsonst geschenkt hatten und dass ihre Kinder immer gerne im Wagen lagen und dort am liebsten geschlafen hatten - kennt das noch wer??? Ich habe dann kleine "Trainingsspaziergänge" gemacht. Wir sind jeden Tag direkt nach dem Mittagsschlaf losgezogen. Nach dem Schlafen, weil ich gemerkt hatte, dass die Anhänglichkeit da am geringsten war. Ich hatte aber immer das Tragetuch dabei und sobald er angefangen hat, mir mitzuteilen, dass er jetzt auf den Arm möchte, habe ich ihn ins Tuch gepackt. Die Idee dahinter war, dass er sehen sollte, dass er sich darauf verlassen kann, dass ich für ihn da bin, wenn er mir zeigt, dass er nicht mehr alleine sein kann. Was ich persönlich total ablehne ist die Idee, dass man auch mal kurz weinen lassen soll, damit die Kinder "lernen", den Frust auch mal auszuhalten. Die Strecken wurden immer länger, ich war total stolz, als wir den ersten halbstündigen Spaziergang geschafft hatten, ohne dass er ins Tuch wollte.
Als der Kleine etwa vier Monate alt war, hat er noch recht regelmäßig drei Schläfchen am Tag gemacht, jeweils etwa 30 Minuten, vormittags, nachmittags und am frühen Abend, bis dahin nur mit mir gemeinsam im Bett, in seiner Federwiege oder aber im Tuch und zu diesem Zeitpunkt auch erstmalig im Kinderwagen, da ist er eingeschlafen, als wir übers Kopfsteinpflaster geholpert sind
Als er dann fast ein halbes Jahr alt war, konnte ich dann auch mal kurz aufstehen, nachdem er eingeschlafen war, zu dem Zeitpunkt habe ich den zweiten Versuch gestartet, zunächst nur vormittags, weil er da immer besonders tief geschlafen hat, nachmittags habe ich mich immer noch mit ihm zusammen hingelegt. Wieder tragen bis zum Schlafen, meistens im TT, nach dem Einschlafen dann Ablegen ins eigene Bettchen. Im Schlafzimmer, wo auch sein Bettchen stand, haben wir ein Digitaluhr, ich habe immer beobachtet, wann dem kleinen Schatz die Augen zufielen und dann drei Minuten gewartet, das hat sich als ganz gute Zeit erwiesen bei uns, dann war er soweit weggekippt, dass er nicht mehr aufgewacht ist beim Hinlegen. An vielen Tagen hat es gleich geklappt, an manchen anderen ist er noch ein oder zweimal aufgewacht, hat kurz geweint, ist aber sofort auf dem Arm wieder eingeschlafen (er musste nie im Bett weinen, ich hab ihn immer sofort rausgenommen!) und ließ sich dann wieder hinlegen und schlief weiter. Ich hatte - wie schon oben - die Hoffnung, dass er, wenn ich ihn immer zuverlässig wieder rausnehme aus dem Bett, das Vertrauen entwickelt bzw. nicht verliert, dass ich für ihn da bin, wenn er mich braucht und beruhigt schlafen kann. Wenn es nach ein paar Versuchen mal nicht geklappt hat, bin ich meistens mit ihm auf die Krabbeldecke zum Spielen, weil ich dachte, er soll vormittags möglichst im Bett schlafen und nicht auf dem Arm und wenn er nicht gut schlafen kann, ist er vielleicht auch einfach nicht so sehr müde. Auch hier: Ich habe ihn nicht mit aller Macht gezwungen wach zu sein, sondern einfach nur mit ihm gesprochen und gespielt statt ihn weiter leise und sanft zu tragen und Schlaflieder zu summen. Auf jeden Fall hat das mit dem Vormittagsschlaf dann total schnell ziemlich zuverlässig geklappt - wobei ich glaube, dass es auch erst in meinem Kopf Klick machen musste, dass es vollkommen okay ist, wenn erst einmal nur ein Schläfchen im eigenen Bett ist und dass es nicht jeden Tag klappen muss. In manchen Ratgebern - unter anderem auch in JKKSL *gruselgrusel* - steht drin, dass die Kinder mit Angst und Panik reagieren, wenn sie nicht dort aufwachen, wo sie eingeschlafen sind und dass sie deshalb im eigenen Bett einschlafen müssen. Das kann ich nicht bestätigen, der Knirps hat so gut wie nie geweint, wenn er alleine in seinem Bett aufgewacht ist. Wenn ich gehört habe, dass er rumort, bin ich immer sofort zu ihm, meistens war er ganz ruhig und hat sofort gelacht, wenn er mich gesehen hat.
Kurze Zeit später war es dann leider auch bei uns mit dem abendlichen Fernsehen während der Knirps auf meinem Bauch schläft vorbei. Da bin ich dann ganz früh mit ihm ins Bett, wenn er dann müde war, aber auch ab und zu wieder aufgestanden, nachdem er eingeschlafen war, wenn auch meist nur für ein paar Minuten, um noch einmal in Ruhe zu duschen o.ä., das ging dann zum Glück auch ganz gut. Den Nachmittagsschlaf haben wir dann mit knapp über einem halben Jahr nach dem gleichen Schema wie oben auch im eigenen Bett eingeführt, das hat der Knirps sofort hingenommen, da war er wohl auch einfach so weit. Der Motivator war vor allem, dass er jetzt schon so mobil war, dass wir richtig große Angst hatten, er könnte aus dem Bett fallen, wenn wir ihn alleine lassen. Links und rechts standen zwar Beistell- und Kinderbettchen, aber am Fußende war dann doch ganz schön viel Platz für Unfälle. Die Idee, ihn dann auch abends nach dem Einschlafen ins eigene Bettchen zu legen, war dann naheliegend und das hat zum Glück auch problemlos geklappt. Allerdings nur für die erste Runde Schlaf. Wenn er dann wieder aufgewacht ist, ging Hinlegen überhaupt nicht mehr. Also hab ich mich immer gleich bettfertig gemacht, nachdem er das erste Mal für die Nacht eingeschlafen war und bin dann sofort zu ihm. Das geht bis heute so, wobei er sich ab und zu, vor allem, wenn er nach relativ kurzer Zeit (<1h) wieder aufwacht, auch nach kurzem Tragen wieder hinlegen lässt, vor allem, wenn mein Mann das versucht
Okay, ganz langer Bericht mit dem Ergebnis, dass unser Schatz mit knapp unter einem Jahr immer noch nicht komplett in seinem Bett schläft und auch nicht durchschläft, aber das ist offensichtlich vor allem für mein Umfeld ein Problem, da bekomme ich immer wieder mal den Tipp, ihn weinen zu lassen, das helfe ganz schnell. Wichtig war für mein Wohlbefinden und auch für meinen Mann aber, dass uns diese Kritik von außen sehr viel mehr stört als dass wir jetzt zu dritt im Bett liegen und ab und zu halt mal nachts aufwachen. Und genauso auch, dass es mich eigentlich nicht gestört hat, mit meinem Baby tagsüber im Bett zu liegen. Ich kann zwar tags nicht schlafen, aber das war trotzdem schön und erholsam, so eine Pause im Tag zu haben. Die Entspannung auf Seiten meines Sohnes, dass er im Bett nicht mehr nur ganz eng an mich rangekuschelt war und bei jedem kleinen Bewegen nervös wurde, kam passenderweise zusammen mit dieser Erkenntnis, dass es mich eigentlich nicht stört, nur aus irgendeinem Grund die Gesellschaft. Vielleicht hilft dir also auch im ersten Schritt, dass du überlegst, ob es dich wirklich stört, dass dein Baby dich so sehr braucht oder ob es nicht auch schön ist, dass es dich so liebt, dass es nicht ohne dich sein möchte. Und falls du, genau wie ich, zu der Erkenntnis kommst, dass es eigentlich okay ist, dann hilft dir das hoffentlich, dich so sehr zu entspannen und diese tolle Nähe zuzulassen, dass auch dein Baby nicht mehr die ganze Zeit im Schlaf wachsam genug sein muss, um zu merken, ob du aufstehst. Zweite Sache: geht es schrittweise an. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Sehr geholfen hat mir - leider viel zu spät entdeckt! auch der Blog zum gewünschtesten Wunschkind aller Zeiten, besonders auch dieser Artikel. http://www.gewuenschtestes-wunschkind.d ... nicht.html
So, und nun nach dem ganzen Roman: liebe Grüße und lass dich nicht unterkriegen. Versuch es zu genießen, dein Baby ist genau richtig, wie es ist, es liebt dich so sehr, dass es dich am liebsten gar nicht loslassen möchte
