radikales abstillen?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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evilina
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radikales abstillen?

Beitrag von evilina »

Hallo,
ich war in der letzten Woche bei der Kinderärztin und sie hat mir ein radikales Abstillen empfohlen.
Unsere Tochter ist jetzt 22 Monate alt und schläft noch bei uns im Bett. Ich stille noch zum Einschlafen (mittags und abends)
und nachts (da wacht sie so zwischen 2-5 Mal auf). Sie ist sehr kuschelbedürftig und schläft oft mit dem Kopf auf meinem Bauch oder
Bein.
Jetzt ist sie seit einigen Wochen sehr aggressiv, müde, weinerlich usw. usf.
Die Kinderärztin /-psychologin war sehr nett und hat sich eine Stunde Zeit genommen, um uns zu beraten/beobachten. Sie meinte,
dass unsere Tochter eine Regulationsstörung hat, dass sie zu sehr von mir abhängig ist usw.
Erst mal war ich schockiert, dass sie direkt aus dem Bett und ich komplett abstillen soll... Mein Freund soll dann die Ins-Bett-Bring-Phase
im neuen Bettchen übernehmen, während ich wohl das Haus verlassen muss....
Einerseits hätte ich mir eine sanftere Methode gewünscht, aber mittlerweile denke ich, dass es vielleicht so das Beste für die Kleine ist, nach dem Motto,
"Kurz-und-Schmerzvoll" hat sie es dann in ein paar Tagen hinter sich.
Aber zuerst muss ich mir wirklich ganz klar darüber sein, dass ich das so will.
Ich merke, dass ich nach fast 2 Jahren Still- und Wachzeit ziemlich ausgelaugt bin und zudem gerne mal mehr als 2 Stunden ohne Kind
verbringen würde. Ist jetzt ein guter Zeitpunkt? Sie macht gerade so einen extremen Entwicklungsschub....
Da sind aber jetzt noch andere Ängste, die mich verunsichern:
Halte ich das aus, wenn sie nachts schreit? Soll dann wirklich nur mein Freund rübergehen? Oder kann ich sie auch beruhigen und dann aus dem Zimmer gehen?
Oder macht das die Sache nur komplizierter?
Bekommt sie durch so ein drastisches Abstillen wirklich keinen "Knacks", was Vertrauen usw. angeht?
Ich hatte zu Beginn der Stillzeit des öfteren Probleme mit Milchstaus und Brustentzündungen. Wenn ich nun so aprupt abstille, habe ich die Befürchtung,
dass so etwas wieder auftreten könnte.
quark
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von quark »

Ich glaube den einzigen knacks hat die KÄ.

Spreche mit deiner tochter über die dinge, die dich stören und was du anders willst und lass den rest beim alten!
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millenia
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von millenia »

Also ich kann ja mal kurz von uns berichten. Ich hab meine Tochter auch noch zum Einschlafen und nachts wenn sie wach wurde gestillt, sie schlief auch in unserem Bett. Als sie ca. 1 1/2 Jahre alt war hat der Papa das ins Bett bringen übernommen und es war von Anfang an überhaupt kein Problem für sie ohne Brust einzuschlafen. Er hat sie anfangs in den Schlaf geschaukelt, später dann Händchen gehalten. Nachts hab ich dann noch gestillt. Mit 2 1/2 wurde ich dann schwanger und fand, dass sie jetzt auch groß genug ist ohne Stillen weiterzuschlafen. Als sie 2 3/4 war wagte ich den Versuch und hab ihr eine Belohnung versprochen, wenn sie nur mit kuscheln weiterschläft, da Mama jetzt Schmerzen beim Stillen hat. Am ersten Tag hat sie ein bisschen protestiert ist aber schnell wieder eingeschlafen. Am zweiten Tag war es schon besser, am dritten kein Thema mehr.

Ich finde ein radikales Abstillen und direkt auch aus dem Bett verbannen nicht richtig. Vielleicht hilft es, wenn der Papa zunächst das ins Bett bringen übernimmt und du versuchst mit deiner Tochter zu reden, dass du nachts jetzt nicht mehr so oft stillen magst/kannst/dir das weh tut? Oder ihr vereinbart ein Zeitfenster in dem nicht gestillt wird?

Viel Erfolg!
stolze Mutter von großer Schwester Ida (03/11) und kleinem Möpschen Alma (6/14)
warmbäuchlein
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von warmbäuchlein »

Das einzige das ich an Deiner Stelle ändern würde: Nimm Dir wirklich mal 2 Stunden für Dich. Und das am besten regelmäßig in Absprache mit Deinem Mann.
Das ist wichtig für Dich und damit für die Beziehung zu Deiner Tochter.

Der Rest: Ich finde die Kinderpsychologin nimmt sich hier zuviel raus. So extrem jemanden in's Leben reinzureden...

Was willst Du denn? Handle danach. Es ist Dein Leben und Deine Beziehung zu Deiner Tochter.
warmbäuchlein
ist nicht mehr wegzudenken
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von warmbäuchlein »

äh, du willst ja mehr als 2 stunden ohne Kind - dann eben mal mehr Stunden am Stück ohne Kind.
Ich bin sicher das geht auch ohne Probleme :wink:
co+lu
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Re: AW: radikales abstillen?

Beitrag von co+lu »

Nur ganz kurz:
Ich finde das Verhalten Deiner Tochter nicht unnormal. Meine war in dem Alter ähnlich. Heute mit 3 1/2 ist sie sehr selbstbewusst und recht unabhängig. Allerdings stille ich sie immer noch in den Schlaf und sie schläft oft noch bei uns. Wenn ich aber nicht da bin, geht es auch ohne (ging aber noch nicht mit 2). Bei Oma wollte sie mit 3 von ganz allein schlafen...
Ich würde sagen, änderte das, was dich wirklich stört. Wenn du mal 2 h zeit für dich brauchst, lässt sich das doch bestimmt auch einrichten, ohne alles andere radikal zu ändern. Wenn du kannst, gib deiner Tochter, was sie braucht. Ich denke, das gibt ihr die meiste Sicherheit und Stärke...

... vom Handy
co mit lu (01/11)
AnnaKatharina
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von AnnaKatharina »

Dein Kind ist fast 2 Jahre alt!
Mit ihr kannst du doch reden und ihr erklären, wenn dich etwas zu sehr anstrengt!
Nein, ich würde sie keinesfalls von jetzt auf gleich abstillen und aus dem Bett werfen - überleg dir mal, wie es dir ginge, wenn dein Freund das mit dir machen würde.
Aber ich würde ganz klar meine Grenzen vertreten! Das kann zum Beispiel heißen, nachts nicht mehr zu stillen, wenn dich das nervt. Vorher im Gespräch angekündigt und erklärt.
Und das heißt definitiv, sie von anderen, ihr bekannten, lieevollen Personen (z.B. deinem Freund) auch mehr als 2 Stunden am Stück betreuen zu lassen, während du alleine machst, wonach dir ist.

Grüße,
Anna-Katharina
Mit K1 (2010) und K2 (2015)
warmbäuchlein
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von warmbäuchlein »

AnnaKatharina hat geschrieben:Dein Kind ist fast 2 Jahre alt!
Mit ihr kannst du doch reden und ihr erklären, wenn dich etwas zu sehr anstrengt!
Nein, ich würde sie keinesfalls von jetzt auf gleich abstillen und aus dem Bett werfen - überleg dir mal, wie es dir ginge, wenn dein Freund das mit dir machen würde.
Aber ich würde ganz klar meine Grenzen vertreten! Das kann zum Beispiel heißen, nachts nicht mehr zu stillen, wenn dich das nervt. Vorher im Gespräch angekündigt und erklärt.
Und das heißt definitiv, sie von anderen, ihr bekannten, lieevollen Personen (z.B. deinem Freund) auch mehr als 2 Stunden am Stück betreuen zu lassen, während du alleine machst, wonach dir ist.

Grüße,
Anna-Katharina
Da stimme ich voll zu :daumenhoch:

Und noch etwas: Lieber im einzelnen das tun, was Du wirklich willst und gegenüber Deiner Tochter auch mal konsequent einfordern, als genervt sein und ihr dann von heute auf morgen alles "verweigern".
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MaareMum
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Re: AW: radikales abstillen?

Beitrag von MaareMum »

Ich bin auch sicher, dass das ohne Probleme geht mit mehr als 2 Stunden, wenn du das willst.
Und auch "radikal" abstillen kann man schmerzlos schaffen (habe ich quasi gemacht damals), wenn man das will. Ich hatte damals echt das Gefühl, das Kind merkt, dass ich es ernst meine und da war es OK.
Es wird aber sicher nichts, wenn du das nur machst, weil die Ärztin das sagt.
Mach dir klar, was DU willst. Und dann mach das. Und trau deinem Kind und dem Papa was zu. Es ist schließlich der Papa. Ein so großes Kind kommt durchaus auch mehr als mal 2h ohne Mama klar.

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Gruß, MaareMum
mit dem Großkind (2011) an der Hand und dem Kleinkind (2014) im Tuch
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Carraluma
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Re: radikales abstillen?

Beitrag von Carraluma »

Ich stimme meinen Vorrednerinnen bei. Überlege was DU willst/brauchst.
Deiner Tochter hilft das Abstillen nicht (außer es hilft DIR für eure Beziehung). Sie wird sich bei entsprechender Begleitung sowohl mit als auch ohne Stillen voran entwickeln. Dass Kinder in der Trotzphase anstrengend sind, werden dir die meisten betroffenen Eltern (unabhängig vom Stillen) erzählen.
Aber von jetzt auf gleich Abstillen und gleichzeitig allein ins eigene Zimmer verbannen hört sich schon sehr krass an. Wer dir so einen Tipp für ein Kleinkind gibt, ist meiner Meinung nach in keiner Weise mitfühlend. Wie sich ein Kind dabei fühlen muss? Ich bin entsetzt, wie Menschen so kalt sein können, Müttern einzureden sie müssten das unbedingt so machen. Naja, vielleicht gibt es Fälle, wo das Vorgehen liebevoll funktioniert. Aber hier scheint der TE ja schon beim Gedanken daran mulmig zu sein. Dann kann es für sie, so in der Form, doch nicht passen, oder?
Ich halte diese Kommentare (wie ich sie auch schon von KiA gehört habe) für komplett unsensibel, sowohl Mutter als auch Kind gegenüber...könnte mich so darüber aufregen...
Carraluma mit der großen Tanzmaus (*2012), dem Fußballer (*2016) und der kleinen Tanzmaus (*2019)
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