Abstillen und das schlechte Gewissen...

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Caralina
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Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Caralina »

Hallo ihr lieben,
Habe lange mit mir gehadert ob ich schreiben soll, da mir das ausgeschriebene ein noch schlechteres Gewissen macht als eh schon und ich zugeben muss, das ich mich irgendwie für mein Egoismus schäme. :oops: Fakt ist, das ich seit einiger Zeit immer wieder übers abstillen nachdenke. Tochterkind wird zwei und wir stillen noch zum einschlafen und nachts. Ich kann irgendwie garnicht richtig in Worte fassen, wieso ich plötzlich nicht mehr stillen möchte, aber es passt für mich nicht mehr. Und das tut mir für meine kleine unglaublich Leid! :cry: Sie stillt gerne. Manchmal denke ich das mir mein schlechtes Gewissen doch ganz klar sagt, dass das abstillen wohl falsch ist. Dann denke ich wieder das ich auch auf meine Bedürfnisse hören sollte... Ich weiß auch garnicht genau was ich hier hören will, was mir lieber wäre.
Liebe Grüße von Caralina

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Nelly2012
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Nelly2012 »

Ich kenne das Gefühl, das du beschreibst, genau. Hatte ich auch. Ich habe mich vor ca. vier Woche dafür entschieden, es zu versuchen. Mir hats dann gereicht. Also ich hätte auch noch weiterstillen können, hätte mich nicht umgebracht, wenn ich das mal so salopp sagen darf, aber es hat mich halt oft einfach genervt. Wir haben eigentlich auch nur noch mittags und abends zum Einschlafen und morgens gestillt. Aber zwischendurch, wenn sie sich zum Beispiel weh getan hat, hat sie auch danach verlangt. Und das war für MICH dann nicht mehr stimmig. Klar möchte ich mein Kind trösten, wenn sie sich wehtut, aber anders als die Brust auszupacken.
Im Nachhinein habe ICH das Gefühl, dass ihr der klare Schnitt gutgetan hat. Es gab dann halt gar keine Brust mehr und zum Einschlafen etc. wird gekuschelt. Das akzeptiert sie total gut.
Es hat sich irgendwie so ausgeschlichen bei uns. Ich habe ihr vor dem Insbettgehen erklärt, dass wir jetzt nicht stillen, sondern nur kuscheln. Da war sie 19 Monate alt. Hat nur ganz wenig gemotzt und dann ging das. Und irgendwann sage ich zu meinem Mann, dass ich gar nicht mehr weiß, wann ich zuletzt gestillt habe. Das muss so nach zwei, drei Tagen gewesen sein.
Ihr fehlt nichts, das merke ich. Aber das gilt für mein Kind, sie scheint einfach so weit gewesen zu sein...
Liebe Grüße,

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Nelly2012
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Nelly2012 »

Insgesamt möchte ich dir noch da lassen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass mein Kind längerfristig mehr davon hat, wenn ich vermeintlich egoistisch bin und es mir danach besser geht, als wenn ich wie in den letzten anderthalb Jahren so oft passiert, die Übermutter sein will und sie dann total überfordert anschreie. Da habe ich dann oft das Gefühl, dass Mütter, die sich weniger Gedanken machen und auch bewusst unperfekt agieren, es gar nicht so falsch machen.
Liebe Grüße,

Nelly mit ihren drei Mädels (2012, 2016 und 9/2019)
Lösche Benutzer 3486

Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Lösche Benutzer 3486 »

Ich kann das gut nachvollziehen. So ging es mir bei meiner Zweiten auch. Sie war fast 2,5 - und ich wollte einfach nicht mehr. Ich hab den Punkt für mich sogar schon überschritten gehabt. Ich hab dann sehr klar abgestillt und ärger mich, dass ich es nicht schon früher getan hat. Letztlich hat das Kind nichts davon, wenn man über seine Grenzen geht und ich denke, dass mit Klarheit besser umgegangen werden kann. Auch hier stillte das Kind sehr sehr gerne - aber ich war sowas von durch.
Dieses Gefühl, mich da zu sehr aufgeopfert zu haben, habe ich lange in mir getragen, und es ist mit ein Grund, warum ein drittes Kind erst so spät kam.
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Linda89
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Linda89 »

Nelly2012 hat geschrieben:Insgesamt möchte ich dir noch da lassen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass mein Kind längerfristig mehr davon hat, wenn ich vermeintlich egoistisch bin und es mir danach besser geht, als wenn ich wie in den letzten anderthalb Jahren so oft passiert, die Übermutter sein will und sie dann total überfordert anschreie. Da habe ich dann oft das Gefühl, dass Mütter, die sich weniger Gedanken machen und auch bewusst unperfekt agieren, es gar nicht so falsch machen.
ich unterschreib hier faul!!!
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Silja87 »

Hei Caralina!

Ich kann dich gut verstehen. Das Stillen ist schon noch ok, aber nicht mehr so, wie es mal war. Ich könnte jetzt gut drauf verzichten. Zumal ich in der 18.Ssw bin und eigentlich sehr, sehr gerne bis zur Geburt abgestillt hätte, denn Tandemstillen kann ich mir nicht so gut vorstellen.

Wäre denn schrittweise abstillen was für dich? Also zB erstmal nachts? Das habe ich jetzt ca. vor einer Woche gemacht, J. wollte davor fast dauerhaft nuckeln und das hat mich wahnsinnig gemacht! Und es klappte von Anfang an echt gut! Also richtig gut! So gut, dass er jetzt in dieser einen Woche des nichtstillens schon 2mal durchgeschlafen hat und generell viel ruhiger schläft :shock: und davon waren wir vorher noch gaaaanz weit entfernt. Davor hatte ich übrigens schon ein paar Mal halbherzig versucht, nachts abzustillen, das ging gar nicht. Diesmal war ich mir sicher, dass es jetzt Zeit ist!

Jetzt stille ich also nur noch mittags und abends zum einschlafen und das ist für mich erstmal in Ordnung, ich habe aber das Gefühl, dass J. seit dem nächtlichen Abstillen viel, viel weniger nach dem Stillen fragt, also ist das komplette Abstillen vielleicht auch nicht mehr so weit weg.

Ich drück dich mal und wünsche dir viel Kraft! Ich kann den Zwiespalt schon verstehen, aber N. ist auch schon "groß" und wenn du wirklich abstillen willst, dann wird das auch für sie in Ordnung sein!

Liebe Grüße,
Silja

Ps. Ich schreib dir die Tage auch mal ne Pn...das will ich schon lange machen, aber wie das so ist... :oops: :roll:
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Caralina »

Danke für eure Antworten. Und schön zu sehen dass ich nicht alleine bin. Hier ist es auch so, dass es mich "nicht umbringen würde" weiterzustillen. Ich glaube leider nicht das Teils abstillen klappen wird. Am meisten nervt mich eigentlich das einschlafstillen. Das ist mittlerweile so unharmonisch geworden, aber wir kommen einfach nicht davon weg. Nachts bin ich oft froh das sie durchs stillen schnell weiterschläft, der Gedanke das sie ohne stillen vielleicht durchschlafen könnte, ist allerdings schon verlockend! ;) stillmahlzeiten zu kürzen geht garnicht. Ich habe allerdings schonmal 2 Tage lang nicht gestillt weil ich echt die schnauze voll hatte und das hat sie eigentlich gut verkraftet. Nur ich nicht. :/ ich hätte ständig heulen können. Im Nachhinein glaube ich dass das eher vom drohenden milchstau her rührte, der sich bei mir immer mit Wehmut ankündigt. Nun ja, ich werde mal sehen, wie wir fortfahren oder eben beenden!
Liebe Grüße von Caralina

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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Seelentattoo »

Kann dich auch sehr gut verstehen.
Wir haben vor einer Woche abgestillt und der Zwerg fragt jeden Tag, ob er nicht noch mal stillen darf, will die Brüste morgens und abends wenigstens streicheln, einen Kuss geben (da hat er heute auch wieder versucht anzudocken).

Er hätte gerne noch länger gewollt.
Bis Weihnachten wäre es auch ok gewesen, es geht aber beruflich nicht (muss im September 2 Wochen weg und meinem Mann war es auch lieber, wenn ich davor abgestillt hab). Und mein abstillalter war langsam auch erreicht, weil er beim stillen so zapplig war und es immens eingefordert hat.
Das nächtliche stillen war leicht abzuschaffen, das hab ich 4 Wochen davor begonnen, da hat er kaum gemeckert. Einschlafstillen hab ich bestimmt schon einige Monate vorher nicht mehr im Bett gemacht, so dass er auch nicht beim stillen eingeschlafen ist. Das war ok.

Aber letzten Freitag gab es dann doch starken Protest und auch tränen.
Milchstau hab ich auch seit ner Woche immer wieder mal (habe leider soooo viel Milch), trotz salbeitee, phytolacca und sogar 10 Tabletten bromocriptin, weil ich sehr schnell zu mastits neige)...

Ich wünsch dir eine für dich richtige Entscheidung. Irgendwie ist stillen ja auch für uns Mütter Gewohnheit und wir müssen uns erst mal umstellen ;-) genauso wie die Zwerge.
Mit Mann, drei Bonuskindern (*97, *04, *07) und drei Kindern (*12, *16, *18) sowie unserem Sternchen fest im Herzen (05/11)
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von Caralina »

So, hab mich entschlossen abzustillen. :? Hab gestern Abend das letzte mal gestillt und der kleinen auch gesagt dass es das letzte mal war, weil ich nicht mehr möchte. Damit ich nachts nicht schwach werde oder sie einfach andockt hab ich mir Pflaster über die bw geklebt. 8) als sie das gesehen hat meinte sie das der Busen kaputt ist. Ich hab dann mal ja gesagt und ihr erklärt das sie da jetzt nicht mehr trinken kann. Einschlafen war abends ziemlich schwierig aber mit viel tragen und streicheln ging's dann. Nachts war sie im normalen Rhythmus wach. Beim ersten mal hat sie arg gemeckert und wollte sich nicht anfassen lassen. Andocken wollte sie nicht, hat gesagt der Busen ist kaputt. Nach 15 min hat sie wieder geschlafen. Beim nächsten aufwachen hat sie sich beruhigen lassen und ist auch wieder gut eingeschlafen. Die Nacht war insgesamt etwas früher zu Ende, aber wir haben auch sonst bis mondestens 9 Uhr geschlafen. Heute Mittag hat sie beim spazieren gehen geschlafen. Mal sehen was die nächste Nacht so bringt....
Liebe Grüße von Caralina

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tania
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Re: Abstillen und das schlechte Gewissen...

Beitrag von tania »

klar, deine entscheidung. abstillen ist bei jedem alter des kindes immer das gute recht jeder mutter und dein kind ist schon gross.

aber: unsere beziehung hat sehr profitiert vom stillen, gerade um 2.5 jahre rum aber auch danach. ich bin sehr froh, dass ich nicht abgestillt habe. stillen ist beileibe nicht immer schoen, es hat mich schon irre genervt, aber - ganz ehrlich - ich waere bestimmt ohne stillen genau so genervt gewesen. mein grosser sohn hat einfach grundsaetzlich nicht sehr viel geschlafen, furchtbar viel gestillt. haette er weniger gestillt, haette er andere wege gefunden, seine beduerfnisse gestillt zu bekommen. ich habe mich fuer den direkten weg entschieden: er will stillen, also stille ich ihn anstatt dass er oder ich ausweichbefriedigungen suchen und finden. die verschiebung auf andere beduerfnisbefriedigungen hat er so selbstaendig und ohne mein eingreifen gemacht.

ich schreibe dies alles, weil es hier nur zustimmende "ja genau, stillen nervt, besser eine glueckliche mutter" antworten kamen. ja, ich finde es ist die pflicht von eltern, sich auch um sich selbst zu kuemmern. aber ich versuche alles, das nicht zu lasten des kindes zu tun. und ich habe wege gefunden zu stillen und trotzdem und auch gerade deswegen eine gluecklich und entspannte mutter zu sein.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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