Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

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Herzenssache
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Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Herzenssache »

Hallo liebes Forum,

ich bin noch kinderlos und wünsche mir aber in naher Zukunft ein Kind.
Ich lebe in einer wundervollen und stabilen Partnerschaft in guten Verhältnissen. Ich bin ein sehr hilfsbereiter, liebevoller und sehr reflektierter Mensch. Ich habe viele Freunde, einen tollen Partner und viele Kinder im Umfeld die mich sehr lieben.

Leider hatte ich keine so schöne Kindheit. Ich bin Scheidungskind und lebte alleine mit meiner Mutter. Meine Mutter war ein sehr schwieriger Mensch. Sehr impulsiv und tendenziell cholerisch. Die litt leider seit meiner früheren Kindheit an Depressionen die mit den Jahren sich in eine Manie entwickelt haben. Wir haben sehr sehr heftig und nahezu selbstzerstörerisch gestritten. Ich bin eigentlich diplomatisch und streite wenig. Mit meiner Mutter ist es aber sehr eskaliert, weil sie durch ihre Manie oft die Relationen verloren hat und zwischen "ich mache dir das Leben zur Hölle" und "es tut mir so leid, ich liebe dich über alles" schwankte und oft nach Streits völlig zusammen brach und Stunden heulend in der Ecke saß.

Nun bin ich also so sozialisiert worden und habe natürlich auch die Gene meiner Mutter. Ich merke an mir selbst, dass ich diese Tendenzen habe. Ich kann im Streit unglaublich gemein und verletzend werden und auch sehr stark manipulieren. Habe das nunmal so vorgelebt bekommen und aus Selbstschutz eine unglaublich kalte und berechnende Mauer die ich bei Bedarf hoch ziehen kann.
Diese Art des Streitens kam bisher nur mit meiner Mutter vor. Mit meinem Parten streite ich sehr selten, fair und lerne immer mehr meine Gefühle zu zeigen, mich zu öffnen und ein harmonisches Streitgespräch zu führen. Die alten Muster blitzen aber noch immer auf. Ich kann das kontrollieren und unterdrücken aber mein Partner ist auch sehr ruhig und sachlich so dass ein guter Streit mit ihm nicht so die hohe Kunst ist.
Die Neigung zu Depressionen ist ja auch erblich und ich hatte in der Pubertät tatsächlich Tendenzen in die Richtung. Seit ich ausgezogen bin, ist das zwar gar kein Thema mehr aber ich habe auch ein sehr sorgenfreies Leben und habe Angst, dass ich vielleicht in die gleiche Richtung rutsche, wenn sich das mal ändert.

Meine konkrete Angst ist also irgendwann so zu werden wie meine Mutter und meine Kinder zu zerstören. Meine Mutter war sich dessen durchaus bewusst und auch in Behandlung (mehrfach in der Psychiatrie). Meine Fähigkeit zur Selbstreflektion würde mich dann also auch nicht retten.

Seit Jahren führe ich ein total harmonisches Leben und wüsste ich nicht, wie furchtbar ich sein kann, würde ich sagen mich erschüttert so leicht nichts und ich wäre eine tolle Mutter. Kinder bringen einen aber an seine Grenzen und sind nunmal auch noch oft ähnlich. Ein Kind was vielleicht einen ähnlichen Charakter hat wie ich oder wie meine Mutter... Ich habe Angst, dass da alte Muster aufbrechen.

Ich denke mir immer - ich bin überhaupt nicht wie meine Mutter. Ich mag ähnliche Schwächen haben aber jeder der uns kennt bestätigt, dass wir völlig unterschiedlich agieren. Sie kam auch nie mit anderen Menschen klar. Weder im Job noch privat. Ich bin ziemlich sozial und beliebt und verträglich.
Aber anderseits denke ich, als meine Eltern mich bekommen haben, war sie ja nicht so. Sie ist erst durch die lange Arbeitslosigkeit, die Scheidung, den unerfüllten Wunsch nach einem zweiten Kind in die Depressionen gerutscht und so ist dann Schritt für Schritt alles schlimmer geworden. Was ist, wenn mir das auch passiert?

Ich weiß gar nicht was ich hören will. Vielleicht Erfahrungen? Oder einfach nur meine Sorgen rauslassen.
Danke für "zuhören".
Kattirina
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Kattirina »

Das Mutter-Depressions-Problem kenne ich sehr gut und auch viele andere Gedanken, von denen Du schreibst. Die Ängste, inkl. der Angst, dem Kind vielleicht zu schaden.

So wie Du schreibst, hätte ich Dich gerne als Mutter! Du bist feinfühlig und einfühlsam und reflektiert und klingst, als würdest Du vor der Verantwortung nicht davonrennen.
Herzenssache hat geschrieben: ... in die Depressionen gerutscht und so ist dann Schritt für Schritt alles schlimmer geworden. Was ist, wenn mir das auch passiert?
Klar, wenn dann wirklich eine Depression kommt, hat man ja per Definition leider nicht mehr die Kraft, die Verantwortung zu übernehmen... aber wenn man schon sensibilisiert ist wie Du, hat man immer noch die Möglichkeit, sich schnell Hilfe zu holen, und so auch einigen Schaden vom Kind abzuwenden.

... und was ist, wenn Dir das nicht passiert?! Kann ja auch sein, die Chancen stehen vielleicht 50:50 oder sogar um einiges besser für Dich. Dann hättest Du Dir für nichts und wieder nichts unzählige schlaflose Nächte bereitet, die Du vielleicht besser genutzt hättest um fröhlich Deinen Kinderwunsch zu verfolgen ;-)?

Ich will Deine Ängste gar nicht runterspielen, zu mir kommen sie ja auch regelmäßig. Dieses hypothetische "was soll bloß werden wenn?" Aber ich blockiere das dann (mit mehr oder weniger Erfolg) ganz bewusst und erinnere mich stattdessen kurz an sämtliche Weltuntergangsszenarien, die ich in der Vergangenheit schon durchgemacht habe im Kopf. Wie oft hatte ich nicht vor einer Arzt-Untersuchung gefühlt schon hier und dort mal einen Tumor (oder eine Person, die mir nahesteht), und vor wie vielen Autofahrten und Flügen habe ich nicht schon an die Unfallstatistik gedacht? Das war rückwirkend alles für die Katz, ich hätte mir meine Energie sparen sollen für die anderen kleinen und großen Unglücke, die dann tatsächlich in der Realität auf einen zukommen, und von denen man es nicht ahnen kann.
Kattirina mit Sommersohn 2011
Herzenssache
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Herzenssache »

Danke für deine Antwort. Ich hatte jetzt schon etwas Sorge, dass ich hier nur zu hören kriege "krieg bloß kein Kind".
So wie Du schreibst, hätte ich Dich gerne als Mutter! Du bist feinfühlig und einfühlsam und reflektiert und klingst, als würdest Du vor der Verantwortung nicht davonrennen.
Das ist aber lieb. Dankeschön.

Ja, das Gedankenkarussell... Was passiert wenn die Beziehung scheitert (er ist mein erster Freund, ich weiß nicht wie sich Trennungen anfühlen), wie komme ich dann klar... Was ist wenn mein Kind genauso zickig, stur, schwierig wird wie ich... oder die cholerische Ader (zieht sich recht konsequent durch die Familie meiner Mutter) erbt?

Ich bin sehr "kindisch". Das ist einerseits toll, ich kann wahnsinnig gut spielen, bin kreativ, spontan, offen, habe keinerlei eingefahren Vorstellungen und bin für jeden Quatsch zu haben. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass ich mich unnötig unreif verhalte und rumnöle, maule. Da denk ich mir dann manchmal, ich bin gar nicht erwachsen genug, gar nicht fährig ein Kind zu haben.

Vor einem Jungen habe ich übrigens gar keine Sorge. In meiner Vorstellung wird der wie mein Freund oder wie die Jungs im Bekanntenkreis oder mein Vater. Es gibt kein Muster in das ich reinfallen könnte wo ein Mann eine Rolle spielt. Die Angst gibt es nur vor den Mutter / Tochter Situationen.
Ich verspüre gegenüber meiner Mutter einen tiefen Hass. Auch wenn mein Kopf weiß, dass ich das Wichtigste für sie war, dass sie mich sehr geliebt hat und es eben versucht hat so gut zu machen wie sie konnte und sich ja sogar Hilfe geholt hat. Ich weiß auch wie sehr sie diese heftigen Streits (mit Körperlichkeit) fertig gemacht haben und dass sie das nicht wollte und sie kaputt gemacht hat. Ich habe einfach so Angst, dass ich das vielleicht irgendwann genauso mache und auch merke aber nicht anders kann. :(
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tania
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von tania »

es sind immer momente - gute und schlechte. du wirst sehr oft unzufrieden mit dir sein wie du mutter bist. eure beziehung wird sich aller wahrscheinlichkeit nach sehr veraendern. leben mit kindern ist nicht einfach. es macht es nicht einfacher, wenn die eigene kindheit schwierig war. aber: die angst eine schlechte mutter zu sein ist normal und hilfreich. nimm es als ansporn.
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Herzenssache »

Danke Tania,

im Freundeskreis hab ich da irgendwie das Gefühl total exotisch zu sein. Ich hatte das mal angedeutet dass ich eben Sorge habe als Mutter nicht gut zu sein. Das konnte keiner verstehen, meinten ich wäre doch immer so toll mit Kindern...
Auf die Frage, wie sie mal ihre Kinder erziehen wollen bekam ich recht einstimmig die Antwort "na wie unsere Eltern uns erzogen haben". Das fanden alle völlig logisch, hätte ja gut funktioniert, man würde sich erinnern wie die Eltern das gemacht haben und müsste sich nun nicht in jeder Situation was neues einfallen lassen und außerdem könnte man die eigenen Eltern bei Bedarf dann befragen. Da dachte ich schon... hmm. .
Havelwelle
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Havelwelle »

Du hast anscheinend einen Partner gefunden, der dich gut erden kann... nimm das ruhig in Anspruch! Ich glaube für DEIN Kind wirst DU die beste aller Mütter sein :)
Unsere Riesen-Zwergin *15.1.14
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von Alexa479 »

Hallo,

du machst dir Gedanken, reflektierst dich selber, weißt wo deine Schwachstellen sind, kennst deine Schattenseiten und traust dich auch noch Sie anzusehen!!! Das ist eine Qualität vor der ich meinen Hut ziehe!
Ganz ehrlich, mach dir nicht so einen Kopf und wenn du merkst es könnte in die falsche Richtung driften, bin ich mir sicher das du es erkennst und dir Hilfe holst!!!

Ich hatte auch oft Angst wie ich wohl als Mutter bin, sein werde....und tue es auch immer noch... ich denke das ist auch gut so!!!

VLG und alles Gute!!!
Glückliche Mama :D
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bienenmeister
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Re: Die Angst eine schlechte Mutter zu sein...

Beitrag von bienenmeister »

Liebe Herz,

Ich schreibe vom PC aus nochmal. Ich bin selbst in derselben Situation,habe allerdings schon ein zweijähriges Kind.

Liebe grüße
mit Äffchen (02/2012) und Sommerhoffnung (07/2015)
Tragen für Fortgeschrittene: Heute mal ohne Tuch!

.... lost in translation ....
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