Warum ich schreibe... Ich fürchte, früher oder später werde ich mit meinem Vater bezüglich unserer "Erziehungsmethoden" kollidieren. Für meinen Mann und mich ist klar, dass wir unseren Kleinen nicht schreien/weinen lassen, sofern möglich, und falls wir keine Ursache finden, dann wird er eben gehalten und es wird zugehört. Okay, meckern lassen wir ihn schon ab und zu, wenn es z.B. mit seinem Spielzeug nicht so klappt, wie er will. Aber wir können deutlich unterscheiden, ob er nur so meckert oder ob er quenglig wird (ein Zeichen für Hunger oder müde) - schreien/weinen ist ja noch mal eine Stufe heftiger.
Man muss vielleicht vorher noch sagen: Sowohl ich als auch mein Bruder sind Flaschenkinder (ich kam in der 33. SSW mit heftiger Lungenentzündung zur Welt und verbrachte die ersten acht Wochen auf der Säuglingsstation in einem anderen KKH, meine Mutter pumpte zwar, aber es reichte nicht und bei meinem Bruder wäre sie beinahe verblutet und die Medikamente verhinderten wohl, dass die Milchbildung richtig in Gang kam). Wir schliefen von Anfang an in unserem Zimmer in unserem Bett. Ich sei von Anfang an eine sehr gute Schläferin gewesen, man musste mich immer zum Essen wecken.
So. Mein Vater vertritt noch die Ansichten "Ach, lass ihn mal schreien, ist gut für die Lungen!", "Renn nicht gleich, ihr verwöhnt ihn nur!", "Seht ihr, er weiß schon, dass ihr kommt wenn er schreit, deshalb schreit er auch bei Kleinigkeiten! Er weiß schon genau, wie er bekommt, was er will!"
Leider kann ich meinem Vater durch freundliche Worte nicht klar machen, dass das veraltete Ansichten sind. Ich habe ihm schon öfter gesagt, dass wir Krümel nicht weinen lassen wollen, dass man Kinder in dem Alter noch gar nicht verwöhnen kann. Auch dass unser KiA, unsere Hebamme und viele Fachleute das so sehen, bringen ihn nicht zur Einsicht. Er tut das immer ab. "Ach, ein bißchen schreien hat noch keinem geschadet!" mit einem leichten Grinsen im Gesicht...
Naja, immerhin versteht, dass wir Familienbett machen, denn sonst "musst du ja dauernd aufstehen zum Stillen, ist schon klar, dass das so bequemer ist." Und auch gegen das Tragen hat er sich noch nicht ausgelassen oder dass ich in der Öffentlichkeit stille.
Am Sonntag waren wir mit meinen Eltern essen. Krümel war ganz begeistert dabei, immerhin durfte er Pommes und Gemüse manschen. Doch dann wurde er ziemlich quenglig, immerhin war er schon um die drei Stunden wach. Mein Mann hat fertig gegessen, den Kleinen geschnappt und ist mit ihm Buzzi raus. Hat auch wunderbar geklappt. Hinter uns saß ein Pärchen mit einem 6 Wochen alten Baby (haben wir rausgehört, als sie sich mit den Tischnachbarn unterhalten haben), das sie sofort nach dessen Geburt zur Pflege bekommen haben. Es schlief im KiWa, hat sich kurz gemeldet und hat dann auf dem Arm vom Pflegepapa selig weitergeschlummert. Mein Vater: "Das ist halt der Unterschied, wenn es ein Flaschenkind ist. Schläft einfach weiter. Und bestimmt auch durch."
Und gestern dann auch noch: "Sitzt er schon im Hochstuhl? Da kannst ihn ruhig schon reinsetzen, er hält sich doch schon gut." - ja, Krümel hält sich auf dem Arm schon schön aufrecht und versucht auf dem Schoß Sit ups, aber von sicher sitzen kann noch keine Rede sein. Auch hier scheiterten alle Erklärungsversuche.
Ich habe mir mittlerweile ein paar Sprüche zurecht gelegt, allerdings fallen mir die in den Situationen nie ein. Solange ich oder mein Mann dabei sind, kein Problem, wir können eingreifen. Aber wenn meine Eltern alleine mit dem Zwerg sind... Meine Mutter sieht in unserem Denken keine Probleme, aber sie kann sich eben nicht gegen meinen Vater durchsetzen. Mein Vater ist leider jemand, der gerne Recht hat, dessen Ansichten die einzig richtigen sind und mit Kritik seitens seiner Familie überhaupt nicht umgehen kann...
Wie geht es euch mit euren Ansichten und euren Eltern?
Sorry für den ewig langen Post und danke fürs Lesen. Tat gut, das mal zu teilen.