Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

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uwi
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Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von uwi »

Hallo zusammen,

unser Kleiner weint viel, wobei viel sicher auch relativ ist ...
Anfangs haben wir es immer versucht, ihn abzulenken, sei es mit stillen, herumtragen, der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt.
Nun wurde es aber seit letzter Woche immer schlimmer. (Der Kleine ist grade sieben Wochen alt und steckt wohl mitten im Entwicklungsschub). Und leider ließ er sich nun durch gar nichts mehr beruhigen. :cry:

In einem anderen Forum wurde ich auf einen Artikel aufmerksam gemacht.

http://www.geburtskanal.de/index.html?m ... ml?Banner=

(der Link funktionierte eben nicht ...)

Jedenfalls gehts in dem Artikel darum, dass Baby auch schon seelischen Schmerz empfinden können und es wichtig ist, dass sie diesen auch einfach mal raus lassen. Die Autorin beschreibt, wie man sein Baby dabei unterstützen kann. Man legt sich das Baby bauchlängs auf die Brust. Arme und Beine sollten nicht herum rudern können. Der Kopf sollte auf der Brust des Haltenden liegen.
Da wir nun schon recht verzweifelt waren, haben wir das einfach mal ausgetestet. Samstag waren es 30 Minuten bis er sich beruhigt hat. Gestern 7, heute 5 ... die Intensität des Schreiens scheint dabei von Mal zu Mal abzunehmen. Es läuft im Übrigen genauso ab, wie der Artikel beschreibt.
Ich finde es ganz erstaunlich und irgendwie auch logisch.

Natürlich schließen wir vorher jegliche andere Schreiursache aus: also Hunger, nasse/volle Windel, selbst beim KiA waren wir schon und der kleine Mann ist kerngesund.
Er kam fast 3 Wochen zu früh. Die Geburt verlief wahnsinnig schnell (90 min Kreißsaal, er ist mein erstes Kind). Drei Tage nach der Geburt waren wir für fast 48 Stunden gerennt wegen gelbsuchtbehandlung. Er war von Anfang an sehr anhänglich, dementsprechend hart war die Zeit für uns beide.

Mich würde interessieren, ob hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat?
Liebe Grüße von uwi mit großem Sohn (*04/2014) und kleinem Sohn (*05/2016)

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uwi
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von uwi »

Hier nochmal der korrekte Link zum Artikel, der sollte funktionieren.

http://www.geburtskanal.de/index.html?m ... &topFrame=
Liebe Grüße von uwi mit großem Sohn (*04/2014) und kleinem Sohn (*05/2016)

Neuhier
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Neuhier »

Nicht die gleiche Erfahrung weil wir ein sehr zufriedenes Baby haben und hatten.

Wir hatten allerdings mit 5 oder 6 Wochen einen Tag wo er nur gebrüllt hat. Wir haben alles versucht, ihn zu beruhigen. Nichts half.
Irgendwann war ich so fertig mit der Welt, dass ich mich ins Bett gelegt hab und ihn mir bäuchlings quer über den Oberkörper (so ähnlich wie du schreibst). Es hat keine 30 Minuten gedauert, da hat er geschlafen (er war von der Brüllerei ähnlich fertig wie ich).
Nachdem er sowas vorher und danach nie wieder hatte war wohl an dem Tag / in der Phase irgendwas, was ihn belastet hat und keine noch so gut gemeinte Zuwendung half. Bis auf das.
Offenbar haben alleine Ruhe, kein unruhiges Rumgehampel und der (mütterliche) Herzschlag ausgereicht um dem Baby die nötige "Erdung" zu geben.
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Linda89
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Linda89 »

Wir hatten auch eine zwei bis dreiwöchige Schreiphase. Ich hab den kleinen immer ins Tragetuch genommen und ihm zugehört. Mein Freund hatte ihn auch immer im Tragetuch, hatte aber Oropax drin und im dunklen Raum Computer gespielt. Ich fanddas erst doof, weil ich fand, dass wir ihm zuhören sollen. Aber wir waren dann in der Schreiambulanz und die haben gesagt, dass wir nur da sein müssen. Dann fand ich auch das Oropax okay. Die Phase ging übrigens circa drei Wochen. Wir haben dann angefangen, extrem drauf zu achten, dass er hingelegt wird, wenn er müde wird. War im Alter von drei Monaten so alle 1,5 Stunden.
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Berenike
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Berenike »

Hi,

ich hab neulich in das in der Broschüre verlinkte Buch von Aletha Solter reingelesen (Warum Babys weinen) und ich muss sagen, ich war sehr zwiegespalten... Da steht ja schon auch veraltetes Zeug drin (man darf Babys nicht mit Stillen überfüttern und muss Stillabstände einhalten, Stillen ist eine "Ersatzhandlung" etc.).
Der psychologische Überbau, der dahinter steckt, lautet kurz gefasst: man soll sich von seinen Gefühlen nicht ablenken, sondern diese durchleben und ausdrücken und das nicht nur selbst als Erwachsener, sondern man soll auch dem Baby die Möglichkeit geben, so mit den eigenen Emotionen umzugehen. Wenn man es immer beruhigt (im Sinne von "ablenkt", mit Schnuller, Spielzeug, Rumtragen!, Stillen!), kann es die Gefühle nicht verarbeiten und entwickelt dann möglicherweise pathologische Verhaltensmuster und kann auch später die eigenen Gefühle nur verdrängen. Da wir heutigen Erwachsenen alle abgelenkt wurden, sind so viele von uns seelisch nicht ganz im Gleichgewicht (um es etwas vorsichtiger auszudrücken, als es im Buch steht). Die Lösung für dieses Problem ist das Re-Evaluation Counseling, eine von A. Solter entwickelte Therapieform. Ein bisschen liest sich das Buch halt auch wie Werbung dafür.

Das finde ich ein bisschen schwierig. Über die emotionale Lage von Säuglingen kann es nun mal leider nur Vermutungen geben und da ist eine so richtig wie die andere. Die Unterscheidung, ob ein Kind jetzt vor Erschöpfung oder Erleichterung nach dem Weinen eingeschlafen ist, kann man durch reines Beobachten nicht treffen, denke ich. Da müssten schon diverse psychologische/neurologische Tests laufen, wenn man das überhaupt messbar unterscheiden kann.

Was ich an dem Ansatz aber gut finde: ich habe mich selbst dabei beobachtet, wie ich zum Kind sage "ist doch alles gut", "du musst nicht weinen" etc. Seit ich das Buch gelesen habe, versuche ich das zu vermeiden und was anderes zu sagen, denn ich gehe davon aus, dass eben NICHT alles gut ist, wenn das Kind weint. Ich weiß zwar dann nicht was, versuche es aber trotzdem ernst zu nehmen und eben zu trösten statt abzulenken, wie ja im Buch auch vorgeschlagen wird. Ich finde es aber im Gegensatz zum Buch nicht verwerflich, mit Stillen, Tragen und anderen Formen körperlicher Zuwendung zu trösten.
Ich habe eine Tochter (01/14) und einen Sohn (10/16).
vrenal
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von vrenal »

Hier genau wie bei Dir. Als mein Sohn zwei Wochen alt war, ging das abendliche Schreien los. Stundenlang. Wir waren verzweifelt. Dann bin ich auch auf den Artikel beim Geburtskanal gestoßen und wir haben es so gemacht. Da hat sich das abendliche Schreien von 4 - 5 Stunden auf 20 - 30 Min. reduziert. Und mit 10 Wochen war es ganz weg.
Die Geburt war für mich und wohl auch für ihn sehr schlimm. Ich denke, er musste echt seine Seelenqual loswerden und erstmal hier ankommen. Heute ist er ein fröhlicher Junge, allerdings immer noch sehr, sehr anhänglich.
LG
Vrenal

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Ainoha
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Ainoha »

Mein Kleiner (4 Wochen) ist eigentlich ein super ruhiges Kind, dass so gut wie gar nicht weint. Aber manchmal hat er auch solche Phasen. Dann weint und schreit er auch einmal in höchster Verzweiflung. Ganz anders als das Weinen, wenn er irgendetwas braucht, ihn etwas stört, etc. Da hilft auch nur, ihn auf die beschriebene Art festzuhalten. Und ich glaube auch, dass es dadurch besser und seltener wird. Zumindest sind schon jetzt die Abstände grßer geworden und es dauert auch nich mehr so lange, wie beim ersten mal.

Ich glaube, er ist schon sehr erschöpft nach dem Weinen. Aber die Male, die es bisher vorkam, kam er mir doch auch einfach gelassener vor. Dann guckt er noch eine Weile mit diesen ruhigen und weisen Baby-Augen in der Gegend herum und irgendwann schläft er dann ein. Also nicht, als würde er vor Erschöpfung einschlafen.
Nur gestern wars anders. Da war er bis zum Schluß unruhig und ist dann doch irgendwann eingeschlafen, ein paar mal unterbrochen von erneutem Aufwachen und weinen. Das Einschlafen war, glaub ich, eher aus Erschöpfung. Aber heute bin ich krank, er schon den ganzen Tag unruhig, und ich glaube, das Weinen hängt eher damit zusammen. Also davon ausgehend denke ich schon, dass man zumindest ein bisschen feststellen kann, ob es Erschöpfung oder Erleichterung ist.

Und nun schläft er endlich ganz ruhig und ich werd mich mal schnell dazulegen.

(PS: Er wurde aber auch grade von meinem Mann auf Anraten unser Haushaltshilfe mit einem Ei gereinigt (einem nicht aufgeschlagenem). Das hilft gegen böse Blicke und Energien. Unsere Haushaltshilfe hat mir schon prophezeit, dass er jetzt ruhiger werden wird. :P )
Liebe Grüße von mir und dem Kolibri (04/14)...
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uwi
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von uwi »

Danke für eure Erfahrungsberichte!

Ganz wichtig finde ich, nochmal zu erwähnen, dass man, bevor man diesen Weg geht wirklich ausschließt, dass nichts anderes das Baby beruhigt.
Ich höre immer wieder die gleichen idiotischen Sprüche, dass Babys einfach auch mal schreien müssen. Und das am besten allein in ihrem Bett. :roll:
Wenn unser Sohn das Meckern anfängt gibt es ja verschiedene Möglichkeiten die wir abchecken. Windel, Hunger, Bauchweh....

Nun ist es während der Schübe aber leider so, dass gar nichts half. An die Brust wo er sonst immer gerne saugt, ging er nicht nur wenn er wirklich Hunger hatte. Was noch ging war raus und tragen. Ich weiß nicht wie viel Stunden am Tag ich draußen verbracht habe.

Es gab dann aber auch Momente wo er sich nicht hat binden lassen.
Ich hlaube hier nicht daran dass er vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Denn 30 min dauerte das Längste mit Halten. Im Gegensatz dazu stehen vier Stunden unter Beruhigungsversuchen. Also durchhalten kann er.

Wie gesagt ich versuche immer erst andere Wege.
Und heut bspw.hab ich ihn auch mal zehn minuten schimpfen lassen und danach hat er die Brust wieder genomnen.
Aber während der Schimpfphase hab ich die Ratschläge aus dem Artikel angewendet.

Ob man nun per se sagen kann dass Verdrängung immer schlecht ist, das glaub ich nicht. Ich schieb Schmerz manchmal auch ganz gern weg, denn sich drin verlieren kann auch nicht gesund sein.
Liebe Grüße von uwi mit großem Sohn (*04/2014) und kleinem Sohn (*05/2016)

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Yashira
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Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Yashira »

Ich habe damals immer auf die Uhr geschaut.
Meistens waren es 2-5 Minuten. Ich habe ihn einfach nur getröstet. Also ihn "erzählen" lassen. Ich hatte ihn im Arm und wir lagen im Bett. Die Brust war in Reichweite. Wenn er fertig war mit weinen hat er in Ruhe angedockt und dann geschlafen.
Diese Sätze "ist doch alles gut" / "du brauchst doch nicht weinen" versuche ich mir seit dem auch abzugewöhnen. Das mag man doch selbst auch nicht wirklich hören?!



Unterwegs mit einem Apfelgerät
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*** Matthias 09/13 *** Hendrik 05/16 IUFT 33. SSW ***
Lösche Benutzer 17982

Re: Tränenreiche Babyzeit - ist Weinen wichtig?

Beitrag von Lösche Benutzer 17982 »

Hallo!
Ich bin neu hier, hab mich auch bei den Vorstellungen schon vorgestellt u jetzt mein erster Beitrag, ui;)

Hab auch das Buch von aletha solter gelesen u bin etwas skeptisch, finde auch dass der Artikel besser erklärt aber was ich noch immer nicht weiß ist, wie ich draufkomme ob meine kleine schreit weil sie was braucht oder sich beschweren will. Sie ist jetzt 5 Monate u stillen hilft immer, auch halbstündlich, u wenn ich sie nicht stille steigert sie sich schnell so rein dass sie "hicksen" anfängt.
Hat wer einen Tipp wie ich das unterscheiden kann oder woher wisst ihr was euer Kind braucht? Wie gesagt, meine würde auch den ganzen Tag durchgehend stillen...
lg
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