Ja, Essen als Thema ist wunderbar, da stimme ich dir zu. Dem Kind ein Stück vom ganz besonders guten Käse zu Essen zu gebe um danach mit einem verzweifelten Kind darüber diskutieren zu müssen, warum es nicht mehr gibt, macht mir keinen Spass.
Hm, verstehe. Offenbar spielt da auch der Charakter Deines Kindes eine Rolle. Ich kenne das von meinen Kindern z.T. auch: Manchmal weiß ich schon vorher, dass "ein bisschen" von irgendeiner schönen Sache zu MEHR Stress und Generve führt als eben einfach "gar nix" von dieser schönen Sache. Typische Situation: Keiner fragt nach Schokolade, alle sind happy - aber dann bringt der Opa plötzlich was mit, und um das bisschen wird sich am besten noch gestritten, und alle haben Jieper auf noch mehr und sind genervt. VORHER waren aber alle zufrieden!..
Ich persönlich (Pragmatin!..) tendiere dann eindeutig dazu, auf das "bisschen" zu verzichten, wenn meine Kinder mit "gar nix" deutlich glücklicher und zufriedener sind.
Wo siehst du eigentlich die Grenze zwischen den zu reglementierenden und den unregelmentierten Lebensmitteln. Wie sieht es z.B. mit Bananen, Rosinen, Nüssen aus? Würdest du diese reglementieren, oder das Kind bei Verlangen auch die vierte Banane essen lassen?
Also ich kann daraus wirklich keine allgemeingültigen Regeln ableiten oder sowas, aber ich kann gerne sagen, wie ich's mach:
Wenn mein Kind zufällig heute Lust auf 4 Bananen (= ein halbes Kilo ungefähr) hat, dann bitte sehr, kein Problem. Wenn es morgen wieder 4 sind, und die ganze nächste Woche auch jeden Tag 4 usw., dann würde ich mich sicherlich wundern, aber reglementieren würde ich erst, wenn ich Anlass zur Sorge hätte, dass irgendwas
nicht stimmt hinsichtlich Gesundheit, Ausgewogenheit, Gewohnheit oder so.
Bananen sind sehr gesund - wenn das nun zufällig das Liebslingsobst meines Kindes ist und auch die sonstige Ernährung stimmt, dann wüsste ich nicht, was dagegen spricht.
Rosinen seh ich persönlich anders, halt weil hoch zuckerhaltige Trockenfrucht. Jeden Tag ein halbes Kilo Rosinen würde ich persönlich wohl nicht erlauben. Ein halbes Kilo Nüsse liefert bereits viel mehr Fett und Kalorien, als ein Kind überhaupt pro Tag braucht. Kann mir kaum vorstellen ehrlich gesagt, dass sich ein gesundes Kind damit derartig zuhaut (und falls es das doch tut bzw. tun würde, also dauerhaft, würde ich einschreiten. Und vielleicht ne andere Art der Beschäftigung vorschlagen.).
Und ist es in Ordnung einem zweijährigen Kind täglich zum Frühstück einen Becher Milch mit einem halben Teelöffel Honig zum trinken zu geben, oder ist da die Grenze zur Süßigkeit letztlich auch schon überschritten?
Also ich persönlich gebe meinen Kindern im Alltag keine extra gesüßten Getränke. Wirklich gar keine. Es gibt ja genug Getränke, in denen von Natur aus Zucker drin ist, Apfelschorle usw.
Auf die Idee, Zucker in den Tee, Zucker in Milch o.ä. zu tun, ist bei uns noch keiner gekommen - mir schmeckt das überhaupt nicht, vielleicht deshalb.
Wie sieht es morgens mit Marmelade und Honig als Brotaufstrich auf (da werden dann die Brote tatsächlich meistens gegessen...)
Ich persönlich (ich muss leider immer so anfangen

) finde Marmelade und Honig auf Brot ab ca. Schulalter total OK - allerdings nur zum Frühstück. Meine Kinder essen sehr gerne Marmelade (ich auch! Es gibt sooo tolle Marmeladen!..), und wir hatten schon mal irgendwann die Debatte, ob's nicht auch zwischendrin OK ist, als schneller Snack sozusagen, wenn das Mittagessen mal aufällt oder nachmittags, wenn's noch zu lang hin ist bis zum Abendessen... ich weiß noch, das uferte dann irgendwie aus und wurde deshalb schnell wieder abgeschafft. Morgens finde ich wie gesagt OK, aber sie essen von sich aus inzwischen oft sowieso was anderes, Frischkäse und Aufschnitt, oder Müsli usw., von daher ist Marmelade/Honig bei uns kein besonderes Thema. Standard-Nachmittagssnack ist hier Obst. Im Sommer auch oft Eis.
Im Kleinkindalter haben meine Kinder keinen süßen Brotaufstrich bekommen.
Bis irgendwann in 2013 übrigens war das Standard-Frühstück bei uns Nu*ella-Brot (bestand mein Mann drauf

) - bis das tatsächlich auch ausuferte (sah mein Mann auch komplett ein!..). Folge war 100 % eiskalter Entzug, gibt's bei uns nicht mehr. Ich konnte dieses braune Industrieschmierzeugs einfach nicht mehr sehen, und mich hat soooo genervt, dass wir da alle praktisch süchtig nach waren. So ne Einheitsgeschmack-Mischung aus billigem gehärteten Pflanzenfett und Zucker ist für mich persönlich so attraktiv die Kartoffelbrei aus der Tüte (igitt!) - das ist einfach nix, was ich essen WILL! Auch wenn meine Gehirnchemie selbstverständlich (klaro!) sagt: "Los, lecker Vanillin-Zuckerfett, rein damit!"
Entsprechend ist Nu*ella und co für mich persönlich auch was völlig alles als z.B. die superleckeren Marmeladen, die es bei uns für gewöhnlich gibt, von Mutter im Urlaub eigenhändig gekocht usw., da schmeckt man die Sonne noch förmlich... sowas hat für mich eine komplett andere Qualität, mit einem ganz anderen Respekt vor natürlichen Lebensmitteln.
Sorry, ich glaube nicht, dass ich Dir da gerade eine Hilfe bin.

Jede Familie muss unterm Strich selbst herausfinden, mit welcher Art Ernährung sich alle am wohlsten fühlen. Ich sehe es aber als meine Aufgabe als Eltern an, meine Kinder bei der Entwicklung eines gesunden Umgangs mit unserem heutigen, geradezu grotesken Überfluss an Lebensmitteln aktiv zu unterstützen.
LG
Julia