LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

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Shauni
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Shauni »

Kapitel 1-5

Ich fand es auch sehr leicht und schnell zu lesen und musste auch eher innehalten, im mir vor Augen zu führen, was er da alles so distanziert beschreibt.
Ich habe bislang auch nicht viel zum Thema Sklaven gelesen und wenn ging es eher um Menschen, die seit Geburt Sklave waren. Dadurch, dass hier ein freier Mensch versklavt wurde, kommt die Geschichte bei mir irgendwie emotional stärker an - einfach auch, weil ich hier auch eher in solche Gedanken komme, was wäre, wenn ich plötzlich nicht mehr frei wäre. Und Northup ist ja letztendlich, wenn man den historischen Kontext beiseite lässt, ein recht durchschnittlicher Familienvater, der mit seiner ebenfalls berufstätigen Frau seiner Familie ein gutes Leben ermöglichen möchte.
Es kommt aber auch schon in diesen ersten Kapiteln sehr gut heraus, was für ein starker und mutiger Mensch Northup ist, der sich trotz übler Misshandlungen dagegen wehrt, seine Freiheit aufzugeben und sich, trotz aller Gefahren, ja auch noch anderen Menschen anvertraut und um Hilfe bittet, die ihn auch in mehr Schwierigkeiten bringen könnten.

Zum Thema: beweisen, dass man frei ist: wenn ich es im Buch richtig verstanden habe, bekam man entweder Papiere, wenn man von seinem Herrn freigelassen wurde oder man hat wohl als frei geborener eher in einem Staat gewohnt, in dem die Sklavenhaltung verboten war, dann konnte man Papiere beantragen (quasi wie unser Reisepass), um zu belegen, dass man frei war. Daher sollte Northup ja nicht sagen, dass er aus New York kam, da damit schon ein wichtiger Hinweis gegeben war, dass er ein freier Mann war.
Viele Grüße
Shauni mit dem großen M (01/14) und dem kleinen j (02/17)
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Mausebaby
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Mausebaby »

Ganz bis einschließlich kapitel fünf habe ich es nicht geschafft, dank krankenlager zuhause...
Mir ging es zwischen drin ähnlich, dass ich mühe hatte, die personen alle auseinander zu halten. Das hat sich dann aber gegeben.
Mit dem sklaven-thema hatte ich mich schonmal in einem anderen buch beschäftigt, deshalb war ich darauf schon etwas vorbereitet.
Allerdings fand ich es echt heftig, als zuerst der kleine junge (wie heißt er noch gleich?? S.24) nach seiner mama ruft u northup beschreibt, dass das ja das einzig schlimme für den jungen war, da dieser die ganze andere dramatik um seine situation noch gar nicht begreifen kann.
Und als er dann anfing von eliza zu schreiben, musste ich kurz pause machen... Wie unmenschlich das doch alles war.
Steffi mit großem Mädchen (09/03) und kleinem Mädchen (12/12) und mini Mädchen (01/15)
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cn684
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von cn684 »

Kapitel 1 - 5




Der Schreibstil macht sehr deutlich das es um reale Personen/Orte/Erlebnisse geht. Das ist als "Leser in der Zukunft" sehr umständlich zu lesen, aber der Bezug zu den vielen beschriebenen Orten und Leuten, das es lebende, unbeteiligte Personen gibt, die ihn als freien Mann kannten, das sein Bericht soweit möglich bezeugt werden kann, ist für ihn nach seiner Versklavung, wo er als Sachgegenstand behandelt wurde, wohl sehr wichtig.

Gerade das, was er nicht schreibt/beschreibt, wo er so sachlich rübergeht (Gefühle, Schmerzen, Verzweiflung) bleibt mir besonders im Kopf und zwingt mich immer wieder an ihn zu denken.

Beschäftigt habe ich mit dem Thema Sklaverei auch nie, außer eben in "Vom Winde verweht" oder "Onkel Tom´s Hütte". Was mich verblüfft ist die Art der Entführung - das scheint mir aus Sicht der Sklavenhändler doch sehr umständlich. Wollten die Händler speziell ihn oder nur einen musikalischen Sklaven oder ist er rein zufällig ausgewählt worden?
Liebe Grüße

Julia

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elfenblume
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von elfenblume »

Kapitel 1-5
Ich bin gestern mit dem ersten Abschnitt fertig geworden. Ich finde das Buch ist sehr einfach geschrieben, allerdings hatte ich auch Probleme die Namen der Personen auseinander zu halten. Das geht mittlerweile am Ende des 5. Kapitels deutlich besser. Berührt hat mich besonders, weil für mich irgendwie unvorstellbar, dass Northup in manchen Passagen die Vorurteile aufgrund der Hautfarbe so hautnah beschreibt.
Beispielsweise: "Ich selbst hatte mein ganzes Leben die freie Luft des Nordens geatmet und war mir sicher, dass in mir die gleichen Emotionen und Leidenschaften herrschten, die auch die Brust eines weißen Mannes füllten; sicher auch dass ich die Intelligenz besaß, die einem Mann mit hellerer Hautfarbe gerecht werden würde." Unfassbar, dass es Zeiten gab in denen das überhaupt jemand in Frage gestellt hat! Die Art und Weise der Entführung und Versklavung ist schlimm und unglaublich, alleine das Wort "Sklavenstall" sagt eigentlich schon alles. Elizas Geschichte ging mir ziemlich unter die Haut, die arme Mutter und ihre zwei Kinder...
@cn684: Ich glaube nicht, dass er wegen seiner Musikalität ausgewählt wurde, eher wahrscheinlich weil er gesund und stark war und eine leichte Beute, da er eine Arbeit benötigte. Diese Vorstellungen waren meiner Meinung nach nur "Show", ein Trick ihn in Staaten zu locken, wo Sklaverei erlaubt war.
Am Ende des 5. Kapitels schließlich ein Hoffnungsschimmer durch Manning, der den Brief von Northup tatsächlich zur Post gebracht hat, was scheinbar aber leider folgenlos blieb. Unklar ist mir, ob durch den Brief wenigstens seine Familie erfahren hat, was ihm zugestoßen ist. Was denkt ihr?
Wäre für euch Sonntag für den 2. Abschnitt denkbar oder ist das zu kurz?
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Shauni
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Shauni »

@elfenblume: die Familie hat zumindest über Clem Ray aus dem Sklavenbau in Richmond erfahren, was ihm zugestoßen ist (Kapitel 4), der auf der Flucht in die Freiheit zufällig beim Schwager von Northup Unterschlupf gefunden hat. Ob das die erste Nachricht an die Familie war, weiß ich aber auch nicht...
Viele Grüße
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Mausebaby »

Cn684, stimmt, das habe ich auch gedacht, dass das sehr umständlich war, einen einzigen potentiellen sklaven so zu entführen.
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von elfenblume »

@shauni: Stimmt, genau, hab es grad nachgelesen, das hatte ich schon völlig vergessen.
Ein bisschen erinnert mich alles an den Frauenhandel in Europa, wo Frauen unter falschen Versprechungen gelockt, entführt und zur Prostitution gezwungen werden...
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Jamelek
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Jamelek »

Kapitel 1-5

Sehr flüssig geschrieben. Hätte ich so garnicht erwartet. Was mich anfangs verwirrte, ist dass es sich hier um einen Tatsachenroman handelt aus 1800. Eher selten, dass soetwas derart lange übermitelt wurde, zumal damals viele nicht lesen und scheiben konnten.

Ich finde es teilweise fast zu sachlich und emotionslos geschrieben.

Wie bereits geschrieben, Menschen waren wirklich wie Gegenstände behandelt, nichts wert, gar nichts. Richtig übel wurde mir beim Lesen, als Eliza und die KInder auftauchen. Einfach diese Mutter-Kinder Verbindung, da ist unsereins gleich viel näher dran. Einfach nur soo schrecklich. Da muss ich doch sehr schlucken beim Lesen.

Kapitel 1 und 2, die Umstände der Entführung fand ich auch eher seltsam aufwendig, bzw. erst auch naiv von ihm. Aber woher sollte zur damaligen Zeit auch ein einfacher Mann von solchen Machenschaften gewarnt sein?
Jamelek
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von elfenblume »

@alle: Wie gehen wir denn jetzt weiter vor? Lesen wir zeitgleich, wenn ja, ist der nächste Termin für euch mit Sonntag in Ordnung oder ist das zu kurzfristig? Warten wir noch bis alle den ersten Abschnitt durch haben? Bin unschlüssig, ob ich schon weiterlesen soll/darf?
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Shauni
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Re: LESERUNDE - "Zwölf Jahre ein Sklave" von Solomon Northup

Beitrag von Shauni »

Für mich wär Sonntag in Ordnung, vielleicht schaffen die anderen bis dahin ja auch noch ihre Eindrücke zum ersten Abschnitt zu schildern. Was sagt vor allem Ihr, die noch nichts geschrieben habt?
Viele Grüße
Shauni mit dem großen M (01/14) und dem kleinen j (02/17)
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