Ist pucken schädlich?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

Benutzeravatar
Ainoha
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 625
Registriert: 29.10.2013, 03:00

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von Ainoha »

Ich find auch, dass die Studienergebnisse nur bedingt gegen das pucken sprechen:
(1) Bestimmte Formen des Wickelns erhöhen das Risiko für Hüftdysplasie (u. a. Kutlu et al.; Akman et al.; Mahan & Kasser).
Bestimmte Trageformen sind auch schlecht fürs Kind. Trotzdem ist Tragen im allgemeinen nichts schlechtes für das Kind.
(2) Das Risiko an Atemwegsinfektionen zu erkranken wird deutlich erhöht (Yurdakok et al.).
Das ist für mich ein Indiz gegen das Pucken.
(3) Durch das lange ruhige Liegen besteht die Gefahr der Abplattung des Hinterkopfs (Bloch).
Warum sollten die Kinder mit Pucken länger liegen als ohne. Durchaus möglich, dass sie viel kürzer liegen.
(4) Wickeln führt bei normal entwickelten Babys zu einer verspäteten Gewichtszunahme nach der Geburt (Bystrova et al.). Dieser Effekt wird von 327 den Autoren der Studie auf den verringerten direkten Hautkontakt zwischen Baby und Mutter zurückgeführt.
Wenn es tatsächlich mit dem verringerten Hautkontakt zusammen hängt, gleiches Argument wie oben. Warum sollten die Babys weniger Hautkontakt haben. Es kann doch durchaus sein, dass sie viel getragen und gekushcelt werden.
(5) Mütterliches Beziehungsverhalten, affektive Zuwendung und Gegenseitigkeit werden durch Wickeln nachhaltig erschwert, wie anhand einer Untersuchung von Mutter-Kind-Dyaden bei einjährigen Babys festgestellt wurde (Bystrova).
Wenn das Baby nur gepuck wird, wenn es sowieso schlafend in seinem Bett liegen würde, dann gibt es doch auch keinen Grund für weniger Kontakt.
(6) Interkulturelle Studien zeigen, daß Wickeln mit einem verringerten Körperkontakt zwischen Kind und Mutter einhergeht (Barry & Paxson).
Dito. Ist es vielleicht eher so, dass in Kulturen gepuckt wird, in denen weniger Körperkontakt zu Baby üblich ist. Ich erinnere mich an den Film "Babys" wo das Baby aus der Mongolei fast die ganze Zeit eingewickelt allein im Zimmer lag. Aber ich denke, würde es nicht eingewickelt werden, würde es halt einfach so allein dort liegen...

Ich finde das Argument mit der vertrauten Enge schon einleuchtend. Auf der anderen Seite überlege ich mir, das Babys doch dafür gemacht worden sind, nach der Geburt eben nicht mehr im Mutterleib zu sein. Warum sollte es ihnen also solche Probleme bereiten?

Ich denk auch, dass einzige was hilft, ist das Baby zu beobachten und sich auf sein Gefühl zu verlassen, ob pucken ihm hilft oder ihn stört.
Liebe Grüße von mir und dem Kolibri (04/14)...
Benutzeravatar
Astria
hat viel zu erzählen
Beiträge: 213
Registriert: 01.02.2014, 17:00

Re: AW: Ist pucken schädlich?

Beitrag von Astria »

miss_undercover hat geschrieben:Aus meiner Sicht ist das mal wieder eine Frage des Maßes. Unsere beiden Töchter waren als Babys hin und wieder im Pucktuch, wenn es ihnen gut tat. Sie waren beide "Ruder-Babys", die sich durch ihr eigenes wildes Rumgefuchtel mit den Ärmchen schnell vom Schlafen abhielten. Eingepuckt schliefen sie ruhig und gut. Und waren sie wach, wurden sie wieder ausgewickelt. Von weniger Körperkontakt kann bei uns ganz gewiss keine Rede sein, die Kleinen waren so gut wie immer im Tragetuch oder auf dem Arm, aber meine Jüngste zum Beispiel schlief eine zeitlang besonders gern und gut gepuckt im Babybalkon, so kam sie am besten zur Ruhe. Für mich war die Argumentation, dass Pucken Babys die Enge und Geborgenheits aus dem Mutterleib schenkt, einleuchtend. Gleichzeitig habe ich aber auch darauf geachtet, sie nicht zu "fesseln", sondern ihnen eben Begrenzung zu geben, wie man sie ihnen mit einer festen Umarmung oder im Tragetuch auch geben würde.

Die ganzen Gefahren sehe ich bei moderatem (!) Pucken gar nicht:

Meine Töchter waren übrigens die einzigen Babys unserer Krabbelgruppen, die KEINEN platten Hinterkopf hatten, weil sie ja fast immer im Tuch waren und nie irgendwo rumlagen - außer nachts zum Schlafen, aber da liegen nicht gepuckte Kinder ja auch. Sie haben häufig und viel gestillt und toll zugenommen, und waren motorisch sowie von der Hüftentwicklung her völlig unauffällig. Mir ist schon klar, dass solche Einzelfallbeobachtungen keine Statistik widerlegen, aber ich wüsste doch gerne, auf welche Weise und vor allem wie lange am Tag die in den Studien untersuchten Kinder gepuckt waren.
Das kann ich so unterschreiben. Wir haben bis etwa vier Monate nachts gepuckt da unser Kind wild mit den Armen ruderte und nicht schlafen konnte. Tagsüber haben wir nie gepuckt.
Einen platten Hinterkopf gab es hier nicht. Wir haben soviel getragen tagsüber, und nachts hat der Kopf auch mal so und mal so.
Mädchen 05/2013
sutnahpele
alter SuT-Hase
Beiträge: 2329
Registriert: 28.08.2011, 00:21

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von sutnahpele »

Ainoha hat geschrieben:Ich denk auch, dass einzige was hilft, ist das Baby zu beobachten und sich auf sein Gefühl zu verlassen, ob pucken ihm hilft oder ihn stört.
Also, in dem Artikel, auf den ich mich beziehe, wurde davon ausgegangen, dass gepuckte Kinder, obwohl sie äußerlich ruhig erscheinen, einen hohen Stresspegel haben. Letzteres ist ja messbar. Soweit ich mich erinnere, bezieht sich das v.a. auf das Einbinden der Arme und die Enge. Gegen das Argument mit der Enge, die das Kind an den Mutterleib erinnern soll, bringt der Autor vor, dass die starke Enge des Pucktuchs eher an die Geburt erinnert, welche ja eine Ausnahmesituation auch für das Ungeborene darstellt, das vor der Geburt wesentlich mehr Platz hatte, und ja auch unter der Geburt einen sehr hohen Adrenalinspiegel aufweist.

Ich muss den Artikel finden, dann kann ich vielleicht noch ein paar präzisiere Antworten geben. Uns als Eltern hat er überzeugt. Wenn etwas potentiell schädlich sein könnte und gleichzeitig keinen großen Nutzen hat, dann muss ich es nicht an meinem Kind ausprobieren. Ich finde auch nicht, dass man den Mororeflex einfach "wegschnüren" sollte. Meine Meinung als medizinischer Laie :wink:
Dezemberkind 2011, Novemberkind 2014, Oktoberkind 2018, Maikind 2023, Januarbaby 2026.
Benutzeravatar
beccarei
Dipl.-SuT
Beiträge: 5272
Registriert: 25.10.2012, 19:04

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von beccarei »

Wir haben versucht, zu puken. Es wurde von der Kleinen nicht akzeptiert, wenn dann erwartet wurde, dass sie irgendwo alleine liegt und schläft.
Ich wirklich schlimmen Schreiphasen hatte ich sie aber gepukt auf dem Arm. Das schien eher zu beruhigen als ungepukt.
Liebe Grüße,
Becca
(Mit der Bari-Sax-Spielerin (2012), dem Posaunisten (2015) und dem Kämpfer im Herzen (2015)
Benutzeravatar
julia1982
ist mit Leidenschaft dabei
Beiträge: 698
Registriert: 14.03.2013, 21:17

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von julia1982 »

Sutnahperle, es wäre toll wenn Du hier den Autor der von Dir geschilderten Studie angeben könntest. Das interessiert mich. Würde mir gern ein Bild über die Qualität des Studiendesigns und die Validität dieser Studie machen, da die von Dir beschriebenen Effekte in Studien wie u.a. der in der namhaften Zeitschrift Pediatrics veröffentlichten Untersuchung ausdrücklich nicht nachgewiesen wurden (eher im Gegenteil!).


Gesendet von meinem iPhone mit Tapatalk
Julia mit kleiner Raupe (03/13) und Herzenskind (03/16)
Benutzeravatar
MaareMum
Dipl.-SuT
Beiträge: 4462
Registriert: 24.01.2012, 22:10
Wohnort: Deutschland

Re: AW: Ist pucken schädlich?

Beitrag von MaareMum »

Dem glaube ich mal schlichtweg nicht.
Ich bezweifle, dass man mit einem Puck Tuch Kräfte dauerhaft aufbringt, die denen unter der Geburt gleichen.

________________
vom Handy aus
Gruß, MaareMum
mit dem Großkind (2011) an der Hand und dem Kleinkind (2014) im Tuch
Benutzeravatar
ixmix
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1532
Registriert: 27.01.2014, 14:23

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von ixmix »

Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass wir unsere Maus auch gepuckt haben, nur so ist sie zur Ruhe gekommen. Die ersten Monate hat sie so nachts neben mir geschlafen. Ohne Pucken hätte sie nicht mehr Körperkontakt bekommen, ganz im Gegenteil, sie war, besonders wenn sie übermüdet war, so "wühlig", dass sie gar keine Ruhe zum Kuscheln gefunden hat, geschweige denn zum Schlafen.
Ich habe auch das Buch von Karp gelesen und konnte seine Theorie gut nachvollziehen, besonders, wenn ich mir unsere Maus angeguckt habe.
Jetzt ist es noch so, dass ich sie, wenn sie nicht beim Stillen einschläft, mit meinen Armen quasi begrenze, damit sie nicht im Bett herumkullert und zur Ruhe kommen kann. Früher hätte das allein aber nicht gereicht.
Tagsüber findet sie die Ruhe im Tragetuch, aber ich kann ja schlecht mit Kind im Tragetuch schlafen. ;-)


Gesendet von meinem iPad mit Tapatalk
Sommermädchen 2013
Frühlingsmädchen 2017
Adventsjunge 2018
sapphire
hat viel zu erzählen
Beiträge: 219
Registriert: 23.08.2012, 13:55
Wohnort:

Re: AW: Ist pucken schädlich?

Beitrag von sapphire »

wir haben die ersten 4 Monate lang nachts - und NUR nachts - zum schlafen gepuckt. es war ein Segen weil die maus so nicht stündlich durch ihr eigenes gezappel wach wurde und so auch mal 2-3 stunden am Stück geschlafen hat. geschadet hat es ihr nicht alle;) offensichtlicher nutzen war eine erhholsamere Nacht für uns beide.

Gesendet vom Handy.
Liebe Grüße von
Claudia mit der Maus (05/12)
Benutzeravatar
Patricia77
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 135
Registriert: 23.01.2008, 20:01
Wohnort: Rhein Main Gebiet

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von Patricia77 »

In dem Buch von Karp geht es um die Theorie, das "4. Trimenon" zu ersetzen. Das kann ich noch nachvollziehen, allerdings bin ich nicht einverstanden, dass Pucken (ohne Körperkontakt und Bewegung) das zu ersetzen vermag. Es ist ja nicht nur die bloße Begrenzung (und das sich dadurch selbst spüren), das dem Baby fehlt. Mit Tragen könnte man das gut erklären, mit bloßem Pucken nicht. Das ist es auch, was ich aus dem Vortrag von Frenken mitgenommen habe.

Aus evolutionsbiologischer Sicht, könnte ein ruhig in einer Position daliegendes Baby auch ein Resignationsprogramm aktiviert haben. Für längere Zeit, als üblich in einer Position zu verharren entspricht nicht der Natur des Traglings, sondern eher der des Nesthockers. In vielen Elternforen geht es darum, das Kind zu Pucken, um es auch mal länger ablegen zu können. Zum Teil wird von stundenlangem Schlaf durch das Pucken berichtet. Ich habe diese Aussage leider sehr oft gehört/gelesen. Also scheint es doch das Ziel einiger Eltern zu sein, ihr Kind für einen gewissen Zeitraum ruhig zu stellen. Sehr oft hört man: er/sie mochte das Pucken erst nicht, nach ein paar Mal war er/sie aber beim Pucken immer sofort ruhig (nach der Schreiphase beim Einpucken). Das könnte ein Ansatzpunkt für ein Resignationsprogramm sein!

Ein Baby würde nicht überleben, wenn es dauerhaft den Krafteinwirkungen ausgesetzt wäre, die durch eine Geburt entstehen, aber ich denke schon, das ein Kind durch anhaltende Enge daran erinnern werden kann. In dem Buch von Frenken ist, soweit ich mich erinnere, die von sutnahpele angesprochene Studie bezüglich des Cortisolspiegels benannt. Ich muss mich einmal durchwühlen. Allerdings kann es auch sein, dass ich mich irre, ich habe hier so viel gespeichert über das Pucken, leider unsoriert, aber ich schaue mal nach.
Mama von Prinzessinnenhexe 05 und (B)engel 08
zertifizierte Trageberaterin der "Die Trageschule"
zertifizierte AFS Stillberaterin
Heilpraktikerin in Ausbildung (seit Mai 2012)
mirahh
gehört zum Inventar
Beiträge: 557
Registriert: 25.06.2012, 19:07

Re: Ist pucken schädlich?

Beitrag von mirahh »

Spannend! Abo!
Pucken hat bei uns nicht funktioniert, weil der kleine direkt geschrieen hat beim einwickeln und ich das nicht ertragen konnte. Das mit dem Resignationsprogramm würde ja die Ruhe und der erhöhten cortisolspiegel gleichzeitig erklären.
Ich bin gespannt auf einen Link oder eine Literaturangabe, wo ich die Studie finden kann!

Im Vorbereitungskurs für baby 2 jetzt wurde das einbinden mit armen am Körper auch ohne Einschränkung empfohlen.
mirahh mit dem Kleinen (1/2012) und der Mini-Krabbe (3/2014) und dem Knöpfchen im Bauch (9/2016)
Antworten

Zurück zu „Schlaf, Kindlein, schlaf...“