Danke Euch erstmal für Eure aufbauenden Worte. Komme momentan selten zum Schreiben, schaffe es eher nur zu lesen.
Uns geht es ganz gut. Der Keks ist tagsüber super gelaunt, sogar besser drauf als vor der OP. Er wird meistens von uns getragen (wie vorher auch schon), nur dass er, wenn wir essen, nicht wie sonst auf der Krabbeldecke rumkugeln darf, wie er möchte. Das nervt ihn ein bisschen, deshalb kommt er dann meistens in seine Wippe.
Die Nächte bzw. auch die Tagschläfchen sind durchwachsen. Nachdem er die ersten Nächte dieses panisch schreiende Aufwachen hatte, waren die nächsten Nächte eigentlich sehr gut. Er weint zwar lauter als vorher, aber ließ sich durch stillen gut beruhigen und schlief dann sofort weiter. Die letzten beiden Nächte waren wieder schlimmer, da wollte er einfach nicht einschlafen. Immer wieder reißt er die Augen auf und weint. Außerdem schläft er auch nur mit halb geschlossenen Augen.

Aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass sich das bald wieder geben wird. So ein kleines Menschlein muss das Geschehene ja auch erstmal verarbeiten.
Zur Schlafsituation der Eltern auf der Kinderstation kann ich eigentlich nicht wirklich etwas positives sagen. Es ist eben so, wie ihr beschrieben habt. Was mir wahrscheinlich schon sehr, sehr geholfen hätte: wenn die Elternliege wenigstens in etwa die gleiche Höhe wie das Gitterbettchen hätte. Dann hätte ich nicht die ganze Nacht neben dem Bettchen stehen müssen, sondern hätte mich beim Händchenhalten wenigstens hinlegen können (habe meinen Arm zum Schluss eh nur noch durch die Gitter gequetscht, da er spätestens wieder wach wurde, wenn ich die Gitter hochgemacht habe). Natürlich ist es ein Krankenhausaufenthalt und kein Urlaub, aber die Mütter laufen ja auch auf dem Zahnfleisch und ein bisschen Erholung in den (doch ohnehin sehr kurzen) Nächten wäre da sicherlich gut gewesen. Nun ja, wir waren eine Woche dort, andere Familien trifft es ja deutlich schlimmer.
Rückblickend denke ich, haben mich die Kommentare der anderen auch nur so sehr getroffen, weil ich ja auch ziemlich angespannt war (die Angst, der Schlafmangel etc.). Eigentlich bin ich es ja auch von zu Hause gewohnt, dass mein Mann und ich mit unseren Ansichten zum Thema Stillen/Tragen/Schlaf meist allein dastehen. Aber hier trifft es mich nicht so sehr. Ich fand es besonders befremdlich, dass die Schwestern nicht glauben konnten, dass ein 6 Monate alter Säugling nachts noch öfter stillen will. Sobald er weinte standen die Nachtschwester mit Schmerzmitteln im Zimmer. Wenn ich sagte, dass er wahrscheinlich Hunger hat, bekam ich immer verdutzte Gesichter.
Was mich außerdem zweifeln ließ, war der direkte Vergleich mit dem kleinen Baby, das mit uns auf dem Zimmer lag. Er ist einen Monat älter als mein Schatz und hatte quasi den gleichen Eingriff (nur er muss nach der OP nicht besonders gelagert werden, weil bei ihm eine andere Naht geöffnet wurde). Er wurde nie gestillt (die Mutter hatte eine Hormonbehandlung und wohl deshalb keine Milch), mochte nie getragen werden und schlief von Anfang an im eigenen Bettchen im eigenen Zimmer (ich meine dies alles völlig wertfrei! Jede Familie muss selbst entscheiden, was sie wie handhabt). Die Mama und ich sind ungefähr im selben Alter, sie ist eine ganz liebe Person, die sich ganz toll um ihren Zwerg kümmert. Sie sagte, der Kleine hätte nie weinen müssen, alles hätte von Anfang so geklappt (ich glaube ihr dies auch). Und ihr Kleiner kam schon lachend von der Intensivstation, obwohl er nichts sehen konnte, weil die Augen ganz, ganz schlimm zugeschwollen waren. Und er schlief durch, war generell ganz, ganz genügsam, hat sich über alles und jeden gefreut. Es kam mir nicht so vor, als hätte er gelitten. Auf der anderen Seite mein Schatz, gestillt, getragen, gemeinsam schlafend, und für ihn war alles dort eine Pein. Er weinte sooooo viel, völlig verzweifelt.

Weil er eben auch nachts so viel weinte, fand die andere Mama auch keinen Schlaf. Nach zwei Nächten war sie auch völlig am Ende, weinte und weinte. Und ich weinte natürlich mit, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte und wütend war auf mich. Ich gab mir die Schuld, dass mein Kleiner solche Probleme mit der Situation hatte. Die Mama zog dann ins Hotel und die Oma verbrachte die letzten beiden Nächte bei ihrem Enkel. Und dann immer diese unterschwelligen Kommentare... Das war eigentlich der Hauptgrund, warum ich so sehr gezweifelt habe. Jetzt zu Hause sieht die Welt natürlich wieder ganz anders aus. Jedes Kind ist eben anders und meines braucht und fordert eben viel Nähe ein. Wenn ich ehrlich bin, finde ich das sogar besser, als ein Baby zu haben, das keinen Unterschied macht, ob ich oder jemand anders es betreut. Aber eben in der angespannten Kliniksituation konnte ich auch nicht mehr klar denken. Ich fühlte mich einfach schlecht, dass mein Baby wegen mir noch mehr leiden musste...
So, ist ganz schön lang geworden und tat einfach mal gut, hier alles nieder zu schreiben. Und ich möchte nochmals betonen, dass ich es nicht verurteile, wenn eine Mama ihr Kind nicht stillt/trägt oder es allein schläft! Leben und leben lassen, nur diese Einstellung hätte ich mir andersrum eben auch gewünscht.