Ich denke schon, dass man hier die Eltern bzw. Artikel darin kritisieren darf - warum auch nicht? Gerade bei dem Artikel, auf den du dich berufst, wäre aber vielleicht auch ein Austausch in Noras Thread hilfreich? Spannend finde ich z.B., dass du das Interview so positiv für Frau Kast-Zahn liest - Nora ziteirt drüben nämlich einen Leserbrief, der ihr genau das Gegenteil vorwirft, nämlich, Frau Kast-Zahn nicht fair zu behandeln und ihre Methode abzuwerten. Für mich zeigt das: Wie man Frau Kast-Zahn und ihrem Buch/Programm gegenübersteht, wird vermutlich die Lesart des Interviews ganz stark beeinflussen.
Ich finde das Interview sehr gelungen, weil man Noras kritische Haltung herauslesen kann, sie Frau Kast-Zahn aber nicht an den Pranger stellt und ihr Gelegenheit gibt, zu der Kritik Stellung zu nehmen. (Für mich ist das hohe journalistische Schule. Kritisch, aber nicht voreingenommen nachzufragen und der "Gegenseite" Raum zu geben, obwohl man selbst eine andere Meinung vertritt - das halte ich für sehr anspruchsvoll und ich finde es hier gut gelungen.) Ob man nun Noras kritische Nachfragen für überzeugender hält oder die Meinung von Frau Kast-Zahn, das muss dann der Leser entscheiden. Als Werbung für JKKSL habe ich das Interview jedenfalls nicht gelesen. Und man muss Frau Kast-Zahn auch einfach zugestehen, dass sie mit dem Verweis auf die fehlenden Ergebnisse zur Schädlichkeit von Schlafprogrammen schlicht Recht hat. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die beweisen, dass ferbern schadet. Es scheint sich auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern oder die Bindung zu den Eltern nicht negativ auszuwirken. Damit muss man sich einfach auseinandersetzen, auch und gerade als Kritiker des Programms.
Ich fand Frau Kast-Zahn in dem Interview übrigens weder einfühlsam, noch logisch.

Zeitschrift liegt gerade nicht bei mir, sonst könnte ich dir mal die Stellen zitieren, an denen ich das fest mache. Ein Punkt war z.B. die etwas nebulöse Aussage zum Schluss, Kinder dürften nicht alles erlaubt bekommen/immer ihren Willen bekommen o.ä. - da frage ich mich ernsthaft, was das mit dem Schreien eines siebenmonatigen Kindes zu tun hat. Es wird sicher nicht schreien, um seinen Willen zu bekommen. (Und selbst wenn... Was soll es denn sonst tun?)
Ein anderer Punkt war, dass sie davon ausgeht, die Kinder würden nicht aufgrund eines echten Bedürfnisses schreien, denn die seien ja alle erfüllt - Kind satt, sauber, Bedrüfnis nach Nähe durch vorherige Interkationen mit den Eltern und das Wiederhereinkommen der Eltern gesichert. Da frage ich mich dann, was Frau Kast-Zahn unter "Nähe" versteht. Ich nämlich: körperliche Nähe, Gerade und insbesondere bei Babies.
Außerdem habe ich mich während des Lesens gefragt was sie glaubt, warum die Babies weinen, wenn nicht aus Angst und Verzweiflung. Und dann sagt sie ja aber, man dürfe aber bei ihrer Methode durchaus früher zum Kind gehen, wenn man den Eindruck habe, es schreie aus Angst und Verzweiflung... äh? Habe ich echt nicht verstanden. Demnach funktioniert die Methode nur, wenn ich denke, mein Kind schreit um mich zu ärgern oder weil es sauer ist, weil es nicht bekommt, was es will. Das alles sind aber Dinge, die ich einem siebenmonatigen Baby schlicht nicht zutraue. Und dann bleiben als Ursachen eben nur noch: Angst, Trauer, Verzweiflung. Und da rät dann auch Frau Kast-Zahn zum Hingehen... Irgendwo beißt sich da doch die Katze in den Schwanz?
Das jetzt mal nur als Ausgangspunkt, um zu verdeutlichen, dass man das Interview auch anders lesen kann. Vielleicht magst du es ja nochmal lesen und dann drüben mitdiskutieren?