HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

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Camille1984
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HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Camille1984 »

Als bekennender Eltern-Leser habe ich heute die neue Ausgabe mit großen Bauchschmerzen gekauft. Warum? Frau Kast-Zahn verteidigt darin ihr Buch und Programm Jedes Kind kann schlafen lernen.

Sie versucht in einem Interview allen Eltern zu erklären, dass ein Schlafprogramm noch keinem Kind geschadet hat und dass es nirgendwo Beweise gibt, dass es ihnen denn auch nur schaden könnte. Familienbett, Einschlafbegleitung usw... verteufelt sie zwar nicht explizit, doch sie betont immer wieder, dass ja nur die wenigsten Eltern damit auf Dauer umgehen könnten und irgendwann genervt seien. Dann käme die Zeit, den Kindern das Schlafen beizubringen.

Ich habe das Interview nur überflogen und die Zeitschrift liegt im Auto. Ich war erschrocken, wie einfühlsam sie ihr Schlafprogramm verkauft. Natürlich klingen ihre Antworten logisch und werden wieder einmal viele uninformierte Eltern darin bestärken, dass ein bisschen schreien lassen gar nicht so schlimm ist.

Ja, auch wir haben manchmal aktiv etwas an dem Schlafverhalten unseres Sohnes geändert, aber er musste dabei nie alleine schreien und Angst haben! Und auch wenn wir leider kein Familienbett mehr haben, würde ich nie so etwas mit ihm machen.

Ich bin einfach nur geschockt, traurig und enttäuscht und weiß nicht, ob ich weiterhin ein Leser dieser Zeitung sein mag... :cry:
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metri
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von metri »

das wird hier schon diskutiert
http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... &start=330
und im SUT die Eltern kritisieren darf man nicht (mein Eindruck aus früheren Diskussionen)
LG von Elina mit Tochter Amelie (04/08)
Lösche Benutzer 14500

Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Ich denke schon, dass man hier die Eltern bzw. Artikel darin kritisieren darf - warum auch nicht? Gerade bei dem Artikel, auf den du dich berufst, wäre aber vielleicht auch ein Austausch in Noras Thread hilfreich? Spannend finde ich z.B., dass du das Interview so positiv für Frau Kast-Zahn liest - Nora ziteirt drüben nämlich einen Leserbrief, der ihr genau das Gegenteil vorwirft, nämlich, Frau Kast-Zahn nicht fair zu behandeln und ihre Methode abzuwerten. Für mich zeigt das: Wie man Frau Kast-Zahn und ihrem Buch/Programm gegenübersteht, wird vermutlich die Lesart des Interviews ganz stark beeinflussen.

Ich finde das Interview sehr gelungen, weil man Noras kritische Haltung herauslesen kann, sie Frau Kast-Zahn aber nicht an den Pranger stellt und ihr Gelegenheit gibt, zu der Kritik Stellung zu nehmen. (Für mich ist das hohe journalistische Schule. Kritisch, aber nicht voreingenommen nachzufragen und der "Gegenseite" Raum zu geben, obwohl man selbst eine andere Meinung vertritt - das halte ich für sehr anspruchsvoll und ich finde es hier gut gelungen.) Ob man nun Noras kritische Nachfragen für überzeugender hält oder die Meinung von Frau Kast-Zahn, das muss dann der Leser entscheiden. Als Werbung für JKKSL habe ich das Interview jedenfalls nicht gelesen. Und man muss Frau Kast-Zahn auch einfach zugestehen, dass sie mit dem Verweis auf die fehlenden Ergebnisse zur Schädlichkeit von Schlafprogrammen schlicht Recht hat. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die beweisen, dass ferbern schadet. Es scheint sich auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern oder die Bindung zu den Eltern nicht negativ auszuwirken. Damit muss man sich einfach auseinandersetzen, auch und gerade als Kritiker des Programms.

Ich fand Frau Kast-Zahn in dem Interview übrigens weder einfühlsam, noch logisch. :-) Zeitschrift liegt gerade nicht bei mir, sonst könnte ich dir mal die Stellen zitieren, an denen ich das fest mache. Ein Punkt war z.B. die etwas nebulöse Aussage zum Schluss, Kinder dürften nicht alles erlaubt bekommen/immer ihren Willen bekommen o.ä. - da frage ich mich ernsthaft, was das mit dem Schreien eines siebenmonatigen Kindes zu tun hat. Es wird sicher nicht schreien, um seinen Willen zu bekommen. (Und selbst wenn... Was soll es denn sonst tun?)
Ein anderer Punkt war, dass sie davon ausgeht, die Kinder würden nicht aufgrund eines echten Bedürfnisses schreien, denn die seien ja alle erfüllt - Kind satt, sauber, Bedrüfnis nach Nähe durch vorherige Interkationen mit den Eltern und das Wiederhereinkommen der Eltern gesichert. Da frage ich mich dann, was Frau Kast-Zahn unter "Nähe" versteht. Ich nämlich: körperliche Nähe, Gerade und insbesondere bei Babies.
Außerdem habe ich mich während des Lesens gefragt was sie glaubt, warum die Babies weinen, wenn nicht aus Angst und Verzweiflung. Und dann sagt sie ja aber, man dürfe aber bei ihrer Methode durchaus früher zum Kind gehen, wenn man den Eindruck habe, es schreie aus Angst und Verzweiflung... äh? Habe ich echt nicht verstanden. Demnach funktioniert die Methode nur, wenn ich denke, mein Kind schreit um mich zu ärgern oder weil es sauer ist, weil es nicht bekommt, was es will. Das alles sind aber Dinge, die ich einem siebenmonatigen Baby schlicht nicht zutraue. Und dann bleiben als Ursachen eben nur noch: Angst, Trauer, Verzweiflung. Und da rät dann auch Frau Kast-Zahn zum Hingehen... Irgendwo beißt sich da doch die Katze in den Schwanz?

Das jetzt mal nur als Ausgangspunkt, um zu verdeutlichen, dass man das Interview auch anders lesen kann. Vielleicht magst du es ja nochmal lesen und dann drüben mitdiskutieren?
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Schokoflocke
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Schokoflocke »

Miffi hat geschrieben: Das jetzt mal nur als Ausgangspunkt, um zu verdeutlichen, dass man das Interview auch anders lesen kann. Vielleicht magst du es ja nochmal lesen und dann drüben mitdiskutieren?
Wo ist der dieser andere Thread? Ich habe offensichtlich (noch?) keinen Zugriff...
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von SchneFiMa »

Schokoflocke hat geschrieben:
Miffi hat geschrieben: Das jetzt mal nur als Ausgangspunkt, um zu verdeutlichen, dass man das Interview auch anders lesen kann. Vielleicht magst du es ja nochmal lesen und dann drüben mitdiskutieren?
Wo ist der dieser andere Thread? Ich habe offensichtlich (noch?) keinen Zugriff...
Der ist im geschützten Bereich und man braucht 100 Beiträge. Die 3 Monate Mitgliedschaft hast du ja bereits.
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von (ka) »

...zum Thema dazu gibt es keine Studien ... Das stimmt so nicht. Es gibt durchaus wissenschaftliche Erkenntnisse dazu das es nicht gesund ist für die (Hirn)Entwicklung ein Baby ungetröstet in einen anhaltenden Stresszustand zu versetzen mit all seinen körperlichen Auswirkungen.. Das kann man schon ziemlich wissenschaftlich erklären das das nicht gesund ist...

(Bei Erwachsenen ist das schließlich für kaum jemanden verwunderlich)
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Ja, Nora hat diesen Punkt ja im Interview auch angesprochen. Und gerade da hat Frau Kast-Zahn für mein Empfinden sehr wenig überzeugend. Hast du das Interview gelesen? Im Endeffekt läuft es auf eine "Babies weinen doch alle mal" (mag sein, aber im regelfall erleben sie wohl doch, dass ihre Eltern sie trösten, Körperkontakt aufnehmen etc.) und meinem Lieblingsargument "hat uns ja auch nicht geschadet". Tja. Nur dass man das eben nicht sagen kann. Vielleicht wären ja alle jetzt 50-60-jährigen glücklicher/schlauer/Sontwas, wenn man sie nicht hätte schreien lassen? Ich fand ihre Antworten auf das von dir genannte Argument, Ka, wirklich schwach.
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von (ka) »

Ne miffi hab ich nicht ... Daher kann ich sonst zu dem Interview oder ihren Antworten da auch gar nix sagen .. Ich finde (als gesundheitswirtin die Statistik und studiendesigns hoch und runter hatte im Studium) dieses Argument mit den fehlenden vergleichsstudien einfach schwach und dumm.
Das sagt einem ja schon der logische Menschenverstand das es keine vergleichs- und langzeitstudien mit Probanden geben kann zu diesem Thema, weil kein ethikrat dem zustimmen würde heutzutage. Da muss man dann schon andere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Beurteilung hinzuziehen, die es dann eben aber durchaus gibt. (Und die dann wiederum der Frau kast-Zahn vielleicht nicht gefallen wer weiß)

Ist jetzt etwas ot - Entschuldigung
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Lösche Benutzer 14500 »

Macht doch nix, ich finde das spannend. :-)
Und das Problem ist, dass es solche Studien eben doch gibt - es fehlen ja nicht Studien, sondern die, die es gibt (und es gibt sie, ist halt eine anfallende Stichprobe, nämlich Kinder, die quasi eh geferbert wurden, nicht extra für die Studie) zeigen eben nicht, dass geferberte Kinder sich ungünstiger entwickeln als nicht-geferberte. Tatsächlich habe ich neulich eine gelesen, in der hat sich das Interaktionsverhalten zwischen Kindern und Müttern nach dem ferbern sogar verbessert... Dazu wurde aber auch drüben in Noras Thread schon etwas gesagt: Nur, weil etwas nicht schädlich ist, heißt es nicht, dass es eine gute Idee ist.

(Sorry, nur noch halb anwesend, mittwochs muss ich Rizzoli & Isles gucken... :-))
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Leyket
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Re: HILFE - Kast-Zahn spricht in Eltern

Beitrag von Leyket »

Ich hab das Interview auch gelesen und bei mir ist vor allem hängen geblieben, dass Eltern dabei immer auf ihr Herz hören sollten. Die Frage, ob ihr das nicht wehgetan hätte, ihr eigenes Baby zu hören wie es verzweifelt weint, bejat sie aber im Vorfeld und spricht sich für mein Empfinden damit selbst ab bei der Durchführung auf ihr Mutterherz geachtet zu haben.
Und ich unterstelle jeder Mutter, die diese Methode anwendet, dass ihr Mutterherz bitterlich weint und missachtet werden muss um die Methode überhaupt mal 30 Sekunden durchführen zu können.

Ich fand das Interview für meinen Geschmack nicht klar genug Stellung beziehend, aber das liegt an meiner Position und meiner Meinung zum Ferbern. Insgesamt find ich es aber gelungen und Kast-Zahn nicht überzeugend.
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