Nicht erziehen - wie funktioniert das?

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zimtstern
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von zimtstern »

Irgendwie hört sich das total bescheuert an, was ich da geschrieben habe :oops: . Ich bekomme meine Gedanken zu dem Thema irgendwie nicht in einer vernünftigen Frage zusammengefasst.
(Ich schiebe es mal auf die letzten sehr schlechten Nächte :? )

Mich hat auch weniger das Wort "Nein" ansich gestört. Eher die Strenge der anderen Mütter die dahinter steckt (also böse gucken, laut werden, Kind stark festhalten usw.)
Wir haben hier im Haus halt dafür gesorgt, dass er an Dinge die er nicht darf auch nicht dran kommt und von der Toilette nehme ich ihn halt meistens einfach weg oder lenke ihn mit was anderem ab. Jetzt haben mich die anderen Mütter aber verunsichert: er lernt ja nie nein, wenn man ihm das jetzt nicht schon beibringt.
Zimtstern mit kleinem Keks (02/13) und Sternenkind (05/11)
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zimtstern
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von zimtstern »

Mirimama hat geschrieben:Ich wurde in diesem Fall einfach sagen: “Das möchte ich nicht, das ist dreckig/ungesund/o.ä.“ Dann vielleicht noch das Kind wegnehmen, je nachdem, wie es sich verhält. Um den ersten Geburtstag herum fing es hier auch an, dass alle davon sprachen, dass das Kind jetzt “Nein“ “lernen “ müsse. Ich sehe das anders. Es gibt ganz normale Grenzen, an die das Kind stößt, und da sage ich einfach ganz authentisch, was ich möchte oder nicht. Ansonsten lasse ich mein Kind gewähren. Also in allem Situationen, die nicht gefährlich sind oder meine eigenen Grenzen überschreiten. Gefahreneinschätzung und eigene Grenzen sind natürlich bei jedem Menschen sehr sehr unterschiedlich ausgeprägt und manchmal lohnt es sich, sich selbst zu hinterfragen: Ist da jetzt wirklich gefährlich? Was kan schlimmstenfalls passieren, was kann mein Kind auf der andren Seite vielleicht erfahren? Was sind wirkliche Grenzen von mir und was ist Bequemlichkeit? Etc.

Und ganz grundsätzlich finde ich es interessant, dass Kinder “ Nein“ angeblich am besten lernen, wenn mam es möglichst oft und mit ernstem Gesicht und Tonfall sagt und Konsequenzen folgen lässt. Das widerspricht der allgemeinen Theorie vom Lernen. Ich glaube, ein Kind weiß im Ernstfall am Besten, was “Nein “ bedeutet, wenn auch sein eigenes “Nein “ stets akzeptiert wird. Dies ist aber seltenst der Fall. Meist dürfen die Kinder ja nicht einmal über ihren eigenen Körper entscheiden und ihr “Nein “wird einfach übergangen. DAS ist meiner Meinung nach das größte Problem beim “Nein-Lernen“.
Ich war noch mit dem schreiben meiner Antwort beschäftigt als du das geschrieben hast.
Danke für deine sehr interessante Antwort.
Sehe das eigentlich auch so, wie du das geschrieben hast...
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MaareMum
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Re: AW: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von MaareMum »

Also ich hab mal irgendwo gelesen, dass ein so kleines Kind (also ca 1 Jahr) eh nur ganz wenige Handlungsanweisungen sich merken und befolgen kann. Daher bringt es eh nichts, alles mögliche mit einem Nein zu besetzen, das kann das Kind gar nicht befolgen. Daher war dort auch der Tipp: alles was geht kindersicher machen (auch Blumenerde kann man mit einem Nylonstrumpf kindersicher machen) oder weniger gefährliche Dinge wie Schubladen (Finger einklemmen) ausprobieren und lernen lassen und das "Nein" für die drei oder vier wirklich wichtigen Dinge aufheben (zB waren bei uns Steckdosen trotz Sicherung weiter "Nein", ebenso die Klobürste).

Den Ansatz mit dem Erziehen ist, wenn das Kind nach dem lenken/lassen/führen gewachsen ist, finde ich ne super Erklärung. So versuche ich das eigentlich auch (rein intuitiv).

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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von 08u11 »

Zimtstern, keine Sorge, die lernen das.

Wir machen das eigentlich auch so, dass wir unsere Wohnung so gut wie möglich kindersicher haben und fahren gut damit. Bei uns ist/war die Klobürste einfach nicht zugänglich (stand im hintersten Eck, verbarrikadiert hinter Putz- und Windeleimer) und z. B. auch der Herd ist gut gesichert (Kochfeld Induktion und Backofen hochgestellt). Da gab's auch hier im Forum schon Stimmen, dass das ganz unnötig oder sogar falsch sei, weil die Kinder ja lernen müssten, dass der Herd gefährlich ist. Okay, wir sind hier eingezogen als A. 11 Monate alt war und haben dann die Küche dementsprechend geplant. Extra umbauen wegen Krabbelkind würde ich auch nicht. Aber: ich kann Dir versichern: wir hatten hier ein sehr entspanntes Leben (bei uns läuft der Backofen halt auch öfter mal unbeaufsichtigt, weil Mann sich am Samstag ne Pizza bäckt und ich gerne mal Kuchen backe oder so) und unsere Kinder wissen trotzdem seit langem, dass man einen Herd besser nicht anfasst. Das ist einfach nur für kurze Zeit wirklich interessant, danach hatte sich das von selbst erledigt. Da viel Energie in Erziehung zu stecken lohnt sich nicht :D .
Also bei Sachen, die für die Kinder nicht gut/gefährlich sind, sehe ich da weniger ein Problem. So gut wie möglich sichern und sonst eben tatsächlich ganz deutlich 'Nein-Sagen' (bei uns vor allem im Straßenverkehr). Schwieriger finde ich fast die eigenen Bedürfnisse und Empfindlichkeiten. Da merke ich zum Teil schon, dass ich da dazu neige, zu viel laufen zu lassen und zu wenig auf mich selbst zu achten. Da arbeite ich noch an mir, hier gleichzeitig authentisch und trotzdem freundlich zu bleiben.
Mirimama hat geschrieben: Und ganz grundsätzlich finde ich es interessant, dass Kinder “ Nein“ angeblich am besten lernen, wenn mam es möglichst oft und mit ernstem Gesicht und Tonfall sagt und Konsequenzen folgen lässt. Das widerspricht der allgemeinen Theorie vom Lernen. Ich glaube, ein Kind weiß im Ernstfall am Besten, was “Nein “ bedeutet, wenn auch sein eigenes “Nein “ stets akzeptiert wird. Dies ist aber seltenst der Fall. Meist dürfen die Kinder ja nicht einmal über ihren eigenen Körper entscheiden und ihr “Nein “wird einfach übergangen. DAS ist meiner Meinung nach das größte Problem beim “Nein-Lernen“.
Das stimmt. Ich ertappe mich da auch selbst dabei. Z. B.: Samstagmorgen, schönes Wetter und ich denke mir: wie schön, heute gehen wir in den Zoo, das gefällt allen. Meine Zwerge sind aber noch müde, hungrig und wollen sowieso nie losgehen. Trotzdem empfange ich sie gleich mit: Wollen wir heute in den Zoo? Bin enttäuscht, wenn sie antworten: Nein und setze es trotzdem durch :cry: Vielleicht besser, in so einem Fall nur zu fragen, wenn die Sache wirklich in Frage steht und sonst einfach von mir zu reden: Es ist schönes Wetter heute, ich habe keine Lust, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen. Ich möchte in den Zoo!
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Sabina
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von Sabina »

Sagt mal, gehört für euch 'nicht loben' auch zu unerzogen?

Das Loben finde ich nämlich für die psychische Entwicklung eines Kindes, für das spätere Zurechtfinden im Erwachsenenleben und in unserer Gesellschaft sehr wichtig. Ich betrachte es als positive Rückkopplung, die meinem Kind ein gutes Gefühl gibt und Mut macht beim nächsten Mal nochmal so zu agieren. Genau, wie ich ihm auch sage, dass etwas nicht gut war und ich hoffe, dass es dadurch lernt nicht nochmals die Blumentöpfe zu leeren, das Klo zu verstopfen etc.

Das wird später im Arbeitsalltag nicht anders sein und ich glaube, dass man seinem Kind keinen Gefallen macht, wenn man es nicht lobt. Natürlich sage ich nicht bei jedem Furz "oh, super!" Aber wenn ich eine Zeichnung geschenkt bekomme, wenn das Kind das erste Mal auf's Töpfchen geht, wenn er eine tolle Sandburg baut, die ersten Schritte macht, nach wochenlangem Streit endlich mal wieder freiwillig Zähne putzt, Hände wäscht etc. freue ich mich und sage ihm das auch.

Oops, jetzt wurde ich zu ausführlich. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob die 'nicht loben' Strategie auch zum Thema 'unerzogen' gehört.
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MaareMum
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Re: AW: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von MaareMum »

Seh ich genauso. Ich finde Loben total wichtig und kann diesem Blos-Nicht-Loben absolut Null-Komma-Null abgewinnen. Aber eben natürlich wohl dosiert, nicht bei jedem Furz (das machen hier teilweise die Großeltern und das nervt so).

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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von zilpzalp »

Zum Thema loben wollte ich nur schnell was schreiben. Es geht dabei, zumindest so wie ich es verstanden habe, nicht darum, ein Kind nie zu loben. Nur sollte auf Lob zur Manipulation des Kindes verzichtet werden. Ein Kind sollte sowieso nie manipuliert werden (deswegen ja auch unerzogen), egal ob das mit Strafen oder Loben funktionieren soll.
Ich hatte vor kurzem dazu Juul gelesen (mit dem ich nicht so hundertprozentig übereinstimme, einfach weil er nichts in der Fachliteratur veröffentlich hat und auch keine Fachliteratur zitiert). Er schrieb, dass die Kinder so gesehen und akzeptiert werden wollen, wie sie sind. Sie wollen nicht unbedingt gelobt werden. Ein Kind das auf der Rutsche oben steht und die Mama ruft, will nicht hören, wie toll es doch ist, dass es schon allein die Rutsche hoch kann. Sondern es will einfach nur die Rückversicherung von der Mutter, das es gesehen wird, so wie es ist.
Genauso, wenn ein Kind auf die Mutter wartet (z.B. mit dem Papa oder bei der Tamu) und sich die Zeit vertreibt mit Bild malen. Dann kommt die Mutter, und das Kind will ihr das Bild schenken. Dann will das Kind kein Lob dafür, wie toll es doch das Bild gemalt hätte. In dem Moment hätte das Kind der Mutter alles, was es in der Hand gehalten hätte, gegeben (dieses Verhalten konnte ich bei meiner Kleinen tatsächlich beobachten). Sondern das Kind will, dass sich die Mutter über das Kind freut, so wie es ist. Wenn man also das Bild geschenkt bekommt, dann nicht loben, wie toll es doch gemalt hat, sondern einfach sagen, wie schön es ist, dass man sein Kind wieder sieht. Das Bild braucht da gar nicht erwähnt zu werden (weil es als Gegenstand austauschbar ist).

Aber natürlich sollte man loben, wenn man das Bedürfnis dafür hat, wenn das Kind endlich was geschafft, hat, für das es lange gekämpft hat, oder wenn es etwas komplett neues gelernt hat. Dann kann und soll man sich natürlich mit dem Kind freuen. Aber man sollte nicht alles loben, nur weil man ein Kind mit dem Loben in eine bestimmte Richtung mit seinem Verhalten drängen will (das wäre wie der Hund von Pavlov...)

Ich hoffe, das war jetzt einigermaßen verständlich ausgedrückt...

Achja, wir sind eher in der unerzogen-Ecke zu finden, aber nicht hardcoremäßig. Wir versuchen einfach unseren Weg zu finden, der einige unerzogen-Elemente hat...
mit großer Schwester *2/2012, kleinem Bruder *05/2015 und ganz kleinem Bruder 8/2018
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Re: AW: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von MaareMum »

Aber das Beispiel mit dem Bild bei der Tagesmutter wäre doch eher so: ich komme rein und begrüsse und umarme mein Kind, und dann erst geht es um das Bild und ich rede mit dem Kind über das Bild. Es kommt doch vermutlich eher niemand von uns rein und sagt als erstes "tolles Bild".

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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von Tutti »

Lest euch diesen Text mal durch. Der fasst perfekt zusammen, was das Problem am Loben ist :
http://www.mit-kindern-wachsen.de/fuenf ... ut-gemacht
There is no way to be a perfect parent
but a million ways to be a good one

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R (07/16)
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Re: Nicht erziehen - wie funktioniert das?

Beitrag von agnesss »

Ich lobe mein Kind tatsächlich nicht.
Er ist ein sehr glücklicher kleiner Knirps und ich bin überzeugt davon, dass er weiß wie toll ich ihn finde :)
(Man kann auch anders wertschätzend zusammenleben.)
A. mit Chefmäuserich (04/12) und Chefmäusin (07/17)
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