Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Wiege oder Familienbett? Allein oder zusammen? Wie schlafen wir alle am besten?

Moderator: Giraeffchen

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EleanorRigby
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Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von EleanorRigby »

Liebe SuTlerinnen,

ich komme einfach nicht weiter und brauche dringend mal Euren Rat!
Auf einen Satz gebracht: Wir möchten etwas an unserer Schlafsituation verändern (und zwar möglichst sanft), doch wissen nicht wie, da unsere Kleine beim Abdocken sofort protestiert und sich dann so in Rage bringt, dass gar nichts mehr funktioniert. Kennt Ihr das?

Etwas genauer:
Unsere Tochter ist 17 Monate alt, stillt noch (abends zum Einschlafen, nachts und morgens) und schläft nicht durch. So weit, so normal. ;-)

Allerdings finden mein Mann und ich das nächtliche Stillen zunehmend anstrengend. Klar, wenn sie nur zweimal in der Nacht stillen möchte, sich von alleine wieder abdockt und ich dabei auch eigentlich weiterschlafe, ist es problemlos. Aber die Nächte, in denen sie sich nicht anders beruhigen lässt und sich auch nach ausgiebigem Stillen bzw. Nuckeln nicht mehr abdocken lässt, sind anstrengend. Da ich seit 9 Monaten wieder arbeite, wird mir das manchmal zu viel.

Nun möchten wir etwas ändern. Am liebsten wäre mir, wenn wir das nächtliche Stillen einschränken könnten und wenn sie sich vor allem abdocken ließe. Ich mache mir aber auch Sorgen, dass das Einschränken (im Gegensatz zum kompletten nächtlichen Abstillen) schwierig für die Kleine ist, denn wie soll sie verstehen, dass sie nachts manchmal stillen darf und manchmal nicht?

In jedem Fall möchte ich diesen Prozess der Veränderung so sanft wie möglich gestalten, und hier liegt mein großes Problem:

Bei Pantley oder Gordon gibt es oft diese Methoden, dass man sie immer kürzer stillen lässt und immer früher abdockt. Wenn sie sich nicht beruhigt, wird sie wieder angedockt und das Ganze wiederholt. Unsere Kleine hat aber schon ihren eigenen Willen entdeckt und lässt sich nicht abdocken. Das gibt jedes Mal so eine Empörung und Geschrei, dass sie dadurch auch richtig wach wird -- und sich dann oft gar nicht mehr beruhigen lässt. Das passiert übrigens auch, wenn ich sie nur ganz kurz abdocke und bei Protest wirklich sofort wieder andocke, also gar nicht erst irgendeine Alternative probiere.

Wenn ich diese Methode also zB. beim Einschlafstillen versuche, ist es oft so, dass sie sich in ihrem Ärger darüber wieder so 'wachschreit', dass sie am Ende bis 22h oder 23h wach ist und Einschlafstillen eben nicht mehr funktioniert. Nachts ist sie nach dem Abdocken und Protest zwar nicht ganz so wach, aber ihre Empörung ist groß und das Beruhigen dauert lange und ist sehr schwierig. Heute früh meinte mein Mann zu mir "Jetzt schreit sie nachts mehr, als dass sie stillt" und ich befürchte, dass das stimmt.

Ich habe nicht rausgefunden, wie die sanften Methoden also bei Protest funktionieren sollen. Habt Ihr eine Idee? Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Tochter das einzige Kind ist, das sich wehrt und sich beschwert, wenn ihm die Brust vorzeitig entzogen wird.

Mein Gefühl sagt mir (und meinem Mann geht es genauso), dass sie nachts, wenn sie dann nach dem Abdocken protestiert, nicht wirklich ein Bedürfnis nach Stillen hat, sondern dass sie sich ärgert. Auch tagsüber entwickelt sich schon seit längerem eben dieser typische eigene Wille und richtige Empörung, wenn dem etwas entgegen steht. Trotzdem möchten wir sie natürlich nicht schreien lassen, aber mit den Ansätzen wie "vermutlich braucht sie das gerade einfach" oder "es ist nur eine Phase" komme ich gerade nicht weiter, ich glaube, das hilft dauerhaft weder ihr noch mir. :-(

Kennt Ihr das? Habt Ihr Ideen? Sie versteht schon einiges, wenn wir mit ihr reden, aber akzeptiert es eben nicht immer. Wasser anbieten, mich nachts ausquartieren und für sie ein reichhaltiges Abendessen haben bisher nicht geholfen. Ach so, wir schlafen alle in einem Bett.

Tut mir leid für den langen Text, auch nach 5 Kürzungsrunden hab ich's nicht knapper geschafft... Ich weiß, hier wiederholen sich die Themen und Probleme, aber beim Lesen der anderen Threads fiel mir wieder auf, dass jedes Kind eben doch ganz anders ist. :-)

Schonmal ganz, ganz lieben Dank Euch!
Eleanor
Liebe Grüße, Eleanor
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Kräuterhexe1983
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von Kräuterhexe1983 »

Ich kann dir leider nur auf einen winzigen Teilbereich antworten:
EleanorRigby hat geschrieben: Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Tochter das einzige Kind ist, das sich wehrt und sich beschwert, wenn ihm die Brust vorzeitig entzogen wird.
Tut mir
Nein, ist sie nicht. Ich hab das gleiche Theater hier. Mein Zwerg ist zwar erst 10 Monate alt aber er nimmt nachts weder Nuggi noch Wasserflasche dabei stillt er gar nicht wirklich sondern nuckelt eben nur. Versuch auch immer ihn abzudocken nachdem er ganz offensichtlich wieder schläft aber sobald die Brust draussen ist, fängt er an zu schimpfen. Mein Vorteil ist einfach, dass ich im Moment noch zuhause bin und ich mich zur Not Mittags nochmal mit ihm hinlegen kann. Deswegen bin ich das "Problem" auch noch nie konsequent angegangen aber manchmal nervt mich das auch.
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nido56
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von nido56 »

Bei uns hat das immer kuerzere Stillen nachts aus den gleichen Gruenden nicht funtioniert. Er wurde wach, wollte die Brust, dockte genuesslich an und war zufrieden. Habe ich ihn dann wieder abgedockt, wurde er richtig, richtig wuetend, bruellte sich in Rage etc. etc. Das habe ich 2 Naechte lang versucht, aber es fuehlte sich fuer mich falsch an. In der 3. NAcht habe ich ihm beim Einschlafstillen erklaert, dass die Brust danach auch erstmal schlafen muss, er aber am naechsten Morgen dann wieder soviel stillen kann, wie er moechte. Nachts habe ich ihn dann rumgetragen, erklaert, dass noch mitten in der Nacht ist und die Brust daher noch schlaeft, und gar nicht mehr stillen lassen. Bei uns hat das viel, viel besser funktioniert, er hat zwar gemeckert, aber deutlich weniger und deutlich kuerzer. Nach 10 Tagen sind wir jetzt bei leise reden und Ruecken streicheln angekommen, und er schlaeft auch schnell wieder ein. Heute nacht wollte er gar nicht mehr auf den Arm. Also, der Pirat kommt offensichtlich besser mit klaren Ansagen klar als mit sanftem Umgewoehnen. Oder vielleicht liegt mir das auch eher.

Tagsueber will er jetzt mehr stillen und fordert das auch deutlich ein. Ich gehe, soweit wie moeglich auf ihn ein, damit er sieht, dass die naechtlichen Stillpausen nicht bedeuten, dass er jetzt bald ganz verzichten muss. Allerdings versuche ich, weniger typische Stillsituationen zu schaffen und viel zusammen zu unternehmen.
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von Kräuterhexe1983 »

Wie alt ist dein Kind Nido?
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von nido56 »

Jetzt 19 Monate. Da war es natuerlich einfacher, ihm zu erklaeren, was nun passiert. Bei ihm haette ich mich vor dem Ende des 1. Lebensjahres wohl eher nicht ans naechtliche Abstillen rangewagt. Mit ca. 15 Monaten hatte ich den Eindruck, dass sich bei ihm etwas aenderte, dass er mich nachts nicht mehr so verzweifelt brauchte, auch schonmal bei Papa einschlafen konnte, manchmal Naechte hatte, in denen er weniger aufwachte etc. Ab da haette ich es, denke ich, angehen koennen, aber ich war mir da noch so unsicher, dass ich es wohl nicht durchgezogen haette.
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von EleanorRigby »

Hallo,

vielen lieben Dank fuer Eure Antworten (trotz meines langen Romans)!

@Kräuterhexe: Schoen, dass wir nicht allein sind. :-)
Ja, ich hatte natuerlich auch schon frueher immer wieder daran gedacht, etwas zu veraendern. Aber dann wollte ich es doch nicht genug und hatte Sorge, unserer Tochter zu viel abzuverlangen und wollte ihr mehr Zeit geben (sie hatte naemlich mal eine Super-Schlaf-Phase, da hat sie einmal kurz vor Mitternacht gestillt -- dann bin ich dann ins Bett -- und dann morgens gegen 7h wieder, aber so, dass man noch genug Zeit hatte, in Ruhe gemeinsam aufzuwachen). Ich dachte, sie schafft das vielleicht einfach von alleine. Aber das Geschrei, das wir momentan haben, kann auch nicht in ihrem Sinne sein.

@nido: Vielen Dank fuer Deinen Bericht. Ich hatte von Eurer Erfahrung auch in anderen Threads schon gelesen. Dieser Satz hat mir wirklich geholfen:
nido56 hat geschrieben:Also, der Pirat kommt offensichtlich besser mit klaren Ansagen klar als mit sanftem Umgewoehnen.
Ich hatte mich vielleicht etwas sehr auf das sanfte Reduzieren/Abstillen fixiert, mir war gar nicht in den Sinn gekommen, dass der schnelle Weg fuer sie vielleicht einfacher sein koennte. Ich habe das richtig verstanden, dass Du ab der ersten Nacht dann nachts gar nicht mehr gestillt hast?
Und an anderer Stelle hatte ich gelesen, dass Du auch wieder Vollzeit arbeitest. Wann habt Ihr denn dann noch Zeit zum Stillen? Bei uns waere das nur das Einschlafstillen (obwohl wir das bei bestimmten Anlaessen auch ausfallen lassen, dann bringt der Papa sie ins Bett, das dauert halt laenger, aber geht auch) und das morgendliche Stillen. Da haben wir aber gar nicht sooo viel Zeit, weil wir gegen 8h das Haus verlassen muessen dh. es waere vermutlich auch nur einmal. Und ausgerechnet morgens moechte unsere Kleine interessanterweise am wenigsten stillen. Ich wuerde ihr halt gerne alternative Stillzeiten anbieten, damit sie nicht komplett abgestillt wird, wenn sie noch nicht bereit dafuer ist.

Ich werde mir mal ueberlegen, wie es fuer uns vielleicht funktionieren koennte, der neue Ansatz ist wirklich eine Hilfe, lieben Dank!

LG
Eleanor
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von nido56 »

Ich habe es 2 Nächte lang mit Abdocken versucht und als das nicht geklappt hat, dann vom Einschlafen gegen 22h bis 6h morgens gar nicht mehr gestillt. Doof finde ich nur, wenn er z.B. um 5:30 aufwacht, der Arme. Ich halte mich aber bisher an die 6h-Grenze, weil ich befürchte, sonst immer früher nachzugeben.

Wir stillen immer zur Begrüssung, wenn ich von der Arbeit komme, je nach Arbeitszeiten zwische 17 und 19h, zum Einschlafen und morgens zwischen 6 und 7h. Ich muss aber auch erst um 8h aufstehen. Im Moment will er abends auch zwischendurch mal kurz, aber ich denke, das wird sich wieder regeln, wenn er die nächtlichen Veränderungen mal ganz verinnerlicht hat.
nido mit dem Piraten (01/2012)
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von posy »

Kommt mir auch bekannt vor!

Bei uns hat Nidos Methode gut funktioniert und in ganz schwierigen Zeiten Umziehen. D.h. ich bin nach dem 2 Uhr-Stillen umgezogen auf die Couch. Beim Familienbett ist das nämlich so eine Sache: Wenn man den guten Milchduft immer in der Nase hat, mag man auch mal zwischendurch andocken. :wink:
Nach en paar Nächten Kuscheln mit Papa (wir hatten auch Wasser zum Trinken da, war aber gar nicht gewünscht), bin ich zurück ins große Bett und die Stillfrequenz hatte sich verändert. 8)

Alles Gute für Euch!
Liebe Grüße von Nina mit dem großen (05/07), dem mittleren (10/09) und dem kleinen Tragling (2/2013)
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von kleinodia »

Same here.
Abdocken bringt nur Ärger.
Ich versuch's auch grad mit nicht stillen. Finde ich irgendwie auch fairer als erst rannlassen und dann Bei der ersten von mind. 3 nächtlichen Stillmahlzeiten klappt das inzwischen auch. Jetzt will ich die 2.00h Mahlzeit angehen, wenn das klappt wär's super (sofern sie dann auch weiterschläft).

Aber anstregend ist das schon!
kleinodia mit Rübenbaby (März 2013)
EleanorRigby
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Re: Protest beim Abdocken - wie dann sanft weniger stillen?

Beitrag von EleanorRigby »

Vielen Dank fuer Eure Antworten!

@Nido: Danke, dann hatte ich's richtig verstanden. Ja, ich denke, wir koennten dann noch maximal 2x/Tag stillen, wobei ich zoegerlich bin, wenn sie's morgens nicht so richtig will. Aber das veraendert sich ja dann vielleicht auch.

@posy: Umgezogen war ich schon, das schien auch erst zu helfen, der Papa konnte sie dadurch auch oefter ohne Stillen einfach wieder einschlaf-kuscheln, aber nach zwei Naechten deutete sie immer sofort auf die Tuer, weil sie wusste, dass ich dorthinter war. :-) Vielleicht hat sie in der Zeit vielleicht sogar minimal seltener gestillt (wir sind uns nicht so sicher), aber das veraendert sich sofort, sobald ich wieder zurueckziehe. Und laenger als die 1-2 Wochen habe ich es alleine nicht ausgehalten.

@kleinodia: Das heisst, Du laesst einfach nach und nach eine Stillmahlzeit nachts ausfallen? Und gab's grosses Theater, wie hat das Beruhigen bei Euch funktioniert?

Lieben Dank weiterhin fuer die Ideen und aufbauenden Worte!
LG
Eleanor
Liebe Grüße, Eleanor
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