9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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AMINA
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von AMINA »

Das klingt alles ziemlich schlimm und verfahren - ich hatte auch eine Postpartale Depression, die leider nicht - also: gar nicht - behandelt wurde. Obwohl ich keine Angststörung dazu hatte, kann ich das absolut nachvollziehen, dass du dich wären so einer Phase total außer Gefecht gesetzt und außer Stande siehst, dich um das Kind zu kümmern. Langfristig kann ich dir nur die Daumen drücken, dass du stillfreundliche Mediziner findest, die dir helfen, da wieder "raus" zu kommen, mit Medikamenten, die weder dir noch dem Baby schaden. Ärzte und Therapeuten, die nicht sehen, wie wichtig die Stillbeziehung momentan für dich ist, die Stillen als "Luxus" ansehen, sehen vielleicht auch nicht dein "ganzes" Problem?! Es mag bequem sein, dir ein paar Pillen zu verabreichen und "dann ist alles gut". Aber das wäre es eben nicht, es ist nur "abgeschaltet", nicht "abgeschafft".
Wenn ich dich richtig verstehe, geht ja nicht nur um das Stillen, sondern auch insgesamt um dein Gefühl, ihn "allein" zu lassen, eine "Rabenmutter" zu sein, für 9 Tage den gesamten Kontakt zu ihm zu unterlassen (telefonieren geht ja in dem Alter noch nicht) - das greift viel tiefer, als die Frage "Muttermilch oder Flaschenmilch". Wie kommen denn deine Schwester und das Kind miteinander aus? Wäre sie in der Lage, einen "Anfall" von dir evtl. abzufangen?
Theoretisch - also rein physich - müsste es klappen, dass du 9 Tage mit Abpumpen überstehst und trotzdem noch Milch hast, wenn du wieder kommst.
Was in dir und dem Kind in dieser Zeit allerdings psychisch vorgeht, kann wohl niemand vorhersagen.

Wenn es "nur" um die Immunisierung gegen Hepatitis B und Diphterie geht, solltest du dir ernsthaft überlegen, ob du das Risiko nicht lieber eingehst und den Kleinen mitnimmst, um dich wohler zu fühlen.
Ich bin eine echte Impfbefürworterin, auch weil ich eine Ausbildung im medizinischen Bereich habe, aber du solltest gut abwägen. Was meint denn dein Mann dazu? Ich meine: Wenn du ein Risiko für das Kind da eingehst, geht ihn das ja auch etwas an.
Soweit ich weiß, gibt es in Deutschland auch immer wieder Fälle von Diphterie - meist aus Reisen in die GUS-Staaten mitgebracht - wirklich "sicher" sein kannst du dir hier also momentan auch nicht. Und die Übertragungswege von Hepatitis B (Körperflüssigkeiten) wird dein Kind bei sorgsamer Hygiene in der Türkei auch nicht "betreten".
Masern, Mumps, Windpocken und Meningokokken können dir auch hier begegnen (gegen den Haupt-Meningokokkenstamm in Deutschland kann man momentan noch nicht mal impfen, das sind eher die Nebenstämme, bzw. die, die in anderen Ländern häufiger sind), einzig bei Polio (Übertragungsweg Fäkal-oral) wäre ich da etwas skeptischer.
Du könntest auch mal bei der Türkischen Botschaft anfragen, ob die dir weiter helfen können, z.B. mit Daten aus dem Gesundheitsministerium zu den einzelnen Krankheiten und Regionen.
Letztlich sind natürlich auch das nur Statistiken und es hilft einem wenig, wenn die Wahrscheinlichkeit nur 1% beträgt und man erwischt genau dieses eine Prozent - aber das gilt für alle Länder, für dein ganzes Leben.
Annetteh
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von Annetteh »

Meiner Schwester (auch postnatale Depressionen) haben sie sogar abgeraten schnell abzustillen. Ich versteh die Psychater/Neurologen nicht, die diese Liste von Licht und Schatten nicht akzeptieren :x Das ist doch unverantwortlich. Meine Schwester hatte ein Medikament in der Stillzeit und jetzt beim zweiten Kind auch ein leichtes Antidepressivum trotz stillen. Versteh sich da echt nicht, Dich in dieser Situation zu lassen :?
LG Annette mit
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Weidenkätzchen
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von Weidenkätzchen »

Hallo,

danke an alle, für die lieben Worte und das Verständnis! Ja, ich verstehe es nicht, mein Mann versteht es nicht, mein Psychologe versteht es nicht. Aber gegen "Das kann ich mit meinem Gewissen nicht verantworten" kann man einfach schlecht gegen Argumentieren. Ich habe sie gebeten mir die Liste von Schatten und Licht (hab ich bei Embryotox rausgesucht) zu erklären, also zu den Wirkstoffen, so dass ich weiß, wie viel der Bube ab bekäme. Daraufhin hatte sie eben kaum noch gute Argumente und hat mir nur noch mehr Angst gemacht, dass auch schon "kleinste" Mengen genügen, um ihn nachhaltig zu schädigen. Das will ich natürlich nicht. Auch wenn ich jetzt schon von mehreren Stellen gehört habe, dass das nicht stimmt, nimmt mir diese Art einfach die Kraft und den Mut zu kämpfen. Das hat schon alle meine Kraft gekostet und heute habe ich glaube ich mein letztes bisschen in der Akutsprechstunde aufgebraucht - ohne Erfolg.

Wir werden in einem guten Hotel Urlaub machen, mit 4,5 Sternen und 91% Weiterempfehlung.Also sollte der Standard gut sein. Ich glaube, ich tue der Türkei und dem Hotel damit fürchterlich unrecht, aber in mir ist alles so duster, dass ich schon davon ausgehe, dass er dort krank wird, dass ich in eine Situation gerate, die ich nicht "handeln" kann. Früher war ich großer Fan von Individualurlaub, hab kaum ein Risiko gescheut, daran ist derzeit gar nicht mehr zu denken- mit Baby so oder so nicht. Egal welche Krankheit: ob nun Tetanus oder Grippe, ich habe derzeit vor allem Angst- dabei kann mir natürlich zunächst einmal keiner helfen.

Die Angst vor diesen Krankheiten sind auch nur ein Ausdruck meiner Angststörung, das macht es halt nur nicht leichter. Meine (allerdings impfkritische) Kinderärztin hat uns im Gespräch auch das ok gegeben, wohl über seinen Impfstatus Bescheid wissend, sonst hätten wir nicht gebucht. Ursprünglich wollte ich im ersten Lebensjahr nicht impfen lassen, weil ich als Kind (und auch jetzt noch) immer sehr heftige Impfreaktionen hatte. Das hat sich eben wegen mir in den letzten Wochen geändert.

Bleibt eben noch die Angst, mich nicht um ihn kümmern zu können. Meine Schwester mag ihn sehr und kommt auch gut mit ihm zurecht. Ich weiß aber nicht, ob man ihr einen so heftigen Panikanfall und dann die kurzweilige Verantwortung für ein Kind zutrauen kann. Das ist halt schon für "richtig" Erwachsene harter Tobak :( Und ja, ich fühle mich wie eine fürchterliche Rabenmutter. Allein, dass ich mich das fragen muss: kann ich mich überhaupt alleine um mein Kind kümmern? Das allein sollte schon keine Frage sein. Ich würde für Internet sorgen und jeden Abend mit ihm skypen, aber das ist eben auch nicht das gleiche und würde es ihm vielleicht noch schwerer machen.
Ich bin so dankbar, hier auf Verständnis zu stoßen: sowohl für das stillen, als auch für meine Überlegung ihn hierzulassen. Ich wollte erst gar nicht schreiben, weil ich Angst hatte schon wieder verurteilt zu werden. Das das nicht der Fall ist, macht mich ein wenig optimistischer und ich bin sehr dankbar dafür.

Mein Mann macht sich kaum Sorgen um die Krankheiten (eben weil man die auch in D bekommen kann), sondern um mich. Er ist da sehr nüchtern. Mein Psychologe riet mir bewusst die Entscheidung zu treffen, die Entscheidung erst später zu treffen und hat mir die Angst vor Traumatisierung genommen und auch ein bisschen das schlechte Gewissen. Mein Mann akzeptiere das und umsorgt mich derzeit gut, so dass ich mich ein wenig erholen kann und mit ein bisschen weniger Kopfkirmes darüber nachdenke.

Noch eine Stillfrage:

Heute war ich pünktlich in der Akutsprechstunde, weil ich noch einmal nach einem (stillverträglichen) Akutmedikament fragen wollte. Dabei war sie wie immer dagegen und hat mir wieder ein schlechtes Gewissen gemacht, aber was dann kam war der Klopfer:

"Sie wissen aber, dass Stillen bei manchen Frauen Depressionen verstärkt? Abstillen ist die beste Möglichkeit!"

Leider war ich ohne Termin in der Akutsprechstunde, da hat sie nie, nie Zeit (ist für Kurzkontakte), aber DAS kann ich mir nicht vorstellen. Ich dachte bisher, dass das Oxytocin das etwas abfängt. Wenn ich es google finde ich auch nur positive Wirkungen. Ich halte das für einen Trick, bin aber so verzweifelt, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich glauben soll...wenn sie mich wirklich dermaßen versucht hat auszutricksen, dann nehme ich die 15 Therapiesitzungen bei meinem Psychologen (Kooperationsvertrag und da Privattherapeut an sie gebunden über die Krankenkasse) noch mit und dann sieht die mich nicht mehr wieder.

Vielen Dank fürs Lesen und für die Anregungen!
Frau vom Herzmann, Mama vom Herzjungen 11/12. Trägt dank Hilfe leidenschaftlich gern, stillt und ist für jeden Spaß zu haben.


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saiidi
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von saiidi »

Oh mann da mußt du ja was mitmachen. Tut mir so leid für dich.
Leider kann ich dir nichts raten.
Ich möchte dir nur sagen daß ich dich total toll finde daß du dich von der doofen Ärztin nicht ins Bockhorn jagen lässt.
Ich wünsche dir alles, alles erdenklich Gute.
Liebe Grüße
Saiidi

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Re: AW: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von LaraKessel »

Also ob stillen Depressionen begünstigt bezweifelt ich. Ich bin nach dem Abstillen (obwohl es langsam war) in ein tiefes Hormonloch gefallen. Meine Schwester musste nach denn Abstillen wieder in Therapie (sie hat Depression). Also in deiner momentanen Situation würde ich nicht abstillen, wer weiß wie es dir danach geht.

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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von Wortgewitter »

Also, ich habe PPD gehabt und auf Empfehlung eines guten Arztes (als ich endlich einen hatte!) weitergestillt. PPD geht ja auch mit massiven Gefühlswidersprüchen und -Problemen dem Kind gegenüber einher, und da ist Stillen ein wichtiger Bestandteil einer Therapie gewesen, zumindest bei mir.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute und es tut mir sehr leid, dass es Dir so schlecht geht. Mein Gefühl sagt mir, dass Du nicht fahren solltest, wenn es denn irgend geht. Ich glaube kaum, dass Du damit irgend jemandem einen Gefallen tust, auch Deiner Schwester nicht...

Viel Kraft Dir für Deinen Weg.
Wortgewitter mit Groß (5/09) und Klein (11/11) und Winzigklein (8/15)
und zwei **

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Ich möchte jemanden einsingen,
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von Katha »

Ach Mensch, dass Dir die Ärzte auch nicht helfen.
Hast Du evtl. schon mal direkt bei Schatten und Licht angefragt, ob sie Dir einen Neurologen / Psychiater empfehlen können, der sich mit dem Stillen und der Medikation auskennt? (mir fällt gerade der Fachbegriff nicht ein)

Ich weiß, mit Depression kostet jeder Anruf Kraft.

Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass es im ganzen Ruhrgebiet nur so Sch*sser gibt, die sich nicht informieren.

Oder vielleicht hier noch einen Extra-Thread starten - Überschrift
Stillfreundlicher Neurologe / Psychiater im Ruhrgebiet gesucht
möchte das nur nicht über Deinen Kopf hinweg starten.

Alles Liebe
Katha mit dem Hasen *01/2012
"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

Viel vom iPhone, Buchstabendreher, Tippfehler... inkl. [/size]
AMINA
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von AMINA »

Weidenkätzchen hat geschrieben: "Sie wissen aber, dass Stillen bei manchen Frauen Depressionen verstärkt? Abstillen ist die beste Möglichkeit!"
Beim Stillen werden allerhand Hormone ausgeschüttet, ja. Aber soweit mir bekannt ist, ist da nichts dabei, was Depressionen verstärkt - eher im Gegenteil!
AMINA
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von AMINA »

Wortgewitter hat geschrieben:Also, ich habe PPD gehabt und auf Empfehlung eines guten Arztes (als ich endlich einen hatte!) weitergestillt. PPD geht ja auch mit massiven Gefühlswidersprüchen und -Problemen dem Kind gegenüber einher, und da ist Stillen ein wichtiger Bestandteil einer Therapie gewesen, zumindest bei mir.
Also das war bei mir genauso: Ich hab in meiner PPD das Gefühl gehabt, dass mir das Kind total fremd war, ich mir selbst allerdings auch. Erst durch das Stillen und weil das so gut und lange geklappt hat / klappt, konnte ich die Ängste und die Depression abbauen.
Soweit ich weiß, können die Hormone in der Schwangerschaft bzw. wenn man hormonell verhütet und der Hormonumschwung im Wochenbett, Depressionen auslösen, aber das sind ganz andere Hormone, als die, die durch Stillen ausgeschüttet werden...

Fü mich hört sich das einfach nach einer echt üblen Ärztin an - soll sie dir doch mal sagen, welche Hormone das sein sollen?! Vermutlich ist sie endokrinologisch aber nicht mal soweit bewandert, dass sie dir das genau erklären kann...
Du tust mir echt Leid!
AMINA
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Re: 9 Tage Stillunterbrechung - was tun?

Beitrag von AMINA »

Weidenkätzchen hat geschrieben: Mein Psychologe riet mir bewusst die Entscheidung zu treffen, die Entscheidung erst später zu treffen und hat mir die Angst vor Traumatisierung genommen und auch ein bisschen das schlechte Gewissen. Mein Mann akzeptiere das und umsorgt mich derzeit gut, so dass ich mich ein wenig erholen kann und mit ein bisschen weniger Kopfkirmes darüber nachdenke.
Das Treffen von bewussten Entscheidungen wird dir im Moment sicher durch die Depression erschwert. Aber er hat recht: Bewusste Entscheidungen, die du selbst gewollt hast und aus eigener Überzeugung triffst, führen dich tatsächlich wieder ins "normale" Leben zurück und stärken dich. Du erlangst die Handlungsmacht zurück, die dir die Angst und die Depression geraubt haben.
Eine Frage: Könntest du dir vorstellen, dass es dir hilft, wenn du es schaffst, ihn mitzunehmen, entgegen deiner Angst vor den Krankheiten und dem ungewollten Abstillen vorzubeugen? Irgendwie wäre das ja ein massiver Erfolg gegenüber der Ärztin.
Vielleicht gibt es ja in dem Hotel eine Kinderbetreuung bzw. die Möglichkeit, eine solche Kinderbetreuung zu organisieren - so dass deine Schwester im Ernstfall nicht allein mit ihm wäre?!
Natürlich ist auch die Entscheidung, ihn bei Papa zu lassen gut, wenn du sie selbst und überzeugt (also weniger aus Angst heraus) getroffen hast. Ebenso die Entscheidung, weiter zu stillen, egal was deine Ärztin auch sagt...
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