Argumente gesucht

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Blithegrim
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Argumente gesucht

Beitrag von Blithegrim »

Hallo. Nach langer Zeit melde auch ich mich hier mal wieder zu Wort.
Ich hatte heute ein Gespräch mit einer mir bekannten Mutter, mit der ich viel unternehme, in Sachen Umgang mit Kindern aber absolut nicht konform gehe.
Nun ging es um das leidige Thema "Trennung im Kindergarten" - sie lässt ihre Kinder weinend im Kindergarten, während ich das nie tun würde. Sie ist der Auffassung, dass Kinder einem auf der Nase herumtanzen und einen manipulieren undundund.
In ihren Augen ist meine Meinung "falsch" und ich gehe ihrer Meinung nach einen grundsätzlich verkehrten Weg.
Ich möchte meine Meinung und Auffassung immer gerne verteidigen, meist fällt mir aber nicht mehr ein, als mein Bauchgefühl und persönliche Erfahrung und mein Kind, an dem ich sehe, dass mein Weg nicht so verkehrt sein kann.
Ich will ihren Weg sicher nicht verurteilen, aber mir fehlen Argumente für meinen.
Ich stehe dann immer so da, als hätte ich keine Ahnung von der Welt und dem "echten" Leben, weil ich mein Kind mit Liebe und Achtung erziehe.
Was bringt Ihr für Argumente, wenn Ihr auf Mütter stoßt, deren Ansichten komplett anders sind als Eure?
Gerade im Bereich Stillen, Tragen, Familienbett, Bindung?
Ich bin sehr neugierig auf Eure Antworten und Erfahrungen.
Lieben Gruß
blithegrim
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littlesis
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von littlesis »

Hallo, ich finde es auch manchmal schwierig die für andere Mutter scheinbar logischen Argumente zu entkräften. Meist sage ich dann einfach, dass ich denke, dass man einem Kind nicht zu viel Liebe, Geborgenheit und Nähe geben kann. Bzw., dass man es damit nicht verwöhnen kann.



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matah
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von matah »

Auf jeden Fall empfinde ich es als richtig, auf sein Bauchgefuehl zu hoeren. Und den Satz von littlesis: °dass man einem Kind nicht zu viel Liebe, Geborgenheit und Naehe geben kann° finde ich ebenfalls vollkommen richtig. Ich denke jedoch auch, dass hier jeder anders fuehlt, anders tickt und andere Auffassungen vertritt und lebt, und dass dies in einem Rahmen - naemlich solange das Kind keinen akuten Schaden nimmt, auch zu akzeptieren und zu tolerieren ist. Bei der Trennungssituation im Kindergarten ist zu beachten - gehe ich danach entspannt nach Hause oder hab ich noch einen vielleicht weiten Weg zu meiner Arbeit (ohne Gleitzeit), wo ich vielleicht in Schichten jemand anderen abloesen muss, der ebenfalls noch zB Kinderverpflichtungen hat. Also auch die aktuellen Umstaende spielen eine Rolle, mit denen diejenigen zu leben haben, die Loesungen und ein kommunikatives Mitdemkind erfordern. Liebe, Geborgenheit und Naehe zu geben darf nicht bedeuten, dass ich mich °opfere° oder zum Sklaven meiner Kinder mache. Ich selbst zeige meinen Kindern auch meine Befindlichkeiten und achte auf MICH, denn nur so kann ich auf Dauer eine gute Mutter sein. Damit habe ICH gute Erfahrungen fuer mich und meine Kinder machen koennen. Hier jedoch muss jede ihren eigenen Weg finden.
Liebe Grüße von M.H. mit J. 02/03 und P. 04/05
Blithegrim
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von Blithegrim »

Ja, sicher, ich möchte auch keiner Mutter irgendetwas unterstellen oder sie gar verurteilen.
(In diesem Fall allerdings bin ich mir oft nicht sicher, ob das Kind nicht doch irgendwie Schaden nimmt (es geht um Strafen, die ich so niemals anwenden würde).)

Diese Mutter, die mich heute so nachdenklich stimmt, unterstellt ihren Kindern, sie zu manipulieren und sie vertritt streng die Auffassung, dass ihre Kinder sie "verarschen" - ihr Wortlaut. Ich persönlich finde sie sehr, sehr hart und wenig einfühlsam.
Es ist ihre Art, meine eine andere - sie nimmt mich allerdings absolut nicht ernst und findet mich zu weich.
Ihrer Meinung nach liegt meine Art (die bedürfnisausgerichtete Art) daran, dass ich "nur" ein Kind habe und sie drei - hätte ich drei, würde ich genauso sein wie sie.
(was ich nicht glaube)

Umgekehrt wage ich es nicht, meine ehrliche Meinung zu ihrer Art der Erziehung zu sagen, weil ich denke, dass es mir einfach nicht zusteht.
Gestern allerdings HABE ich etwas gesagt, nachdem sie sich zum Zähneputzen auf ihren Fünfjährigen gesetzt hat.
Ihre Antwort: Das muss sein, anders macht er es nicht mehr, sonst macht er es nie, er tanzt mir nur noch auf der Nase herum und vielleicht lernt er so, dass er nicht in die Hose pinkeln soll. --- ????----
Meine Antwort: Ich verzichte lieber ein paar Tage aufs korrekte Zähneputzen, als ihn zu zwingen, weil ich gemerkt habe, dass er Angst vor der Zahnbürste bekommt, nachdem ich ihn dabei festgehalten habe. Nach einiger Zeit hat sich das Problem von selbst gelegt.
Sie: Zähneputzen ist aber wichtig.DU verstehst das nicht.... undundund.

Versteht Ihr?

Auf die Antwort, dass man einem Kind nicht zuviel Liebe und Geborgenheit geben kann, antworten Mütter wie sie mit Argumenten wie "Du hast ja nur ein Kind, klar kannst Du all Deine Liebe ihm geben..." oder eben, dass man dadurch die Kinder verwöhnt und sie einem auf der nase herumtanzen.
Wenn ich das so schreibe, kann ich kaum fassen, dass ich soviele Mütter kenne, die dieser Meinung sind.

Komischerweise hat aber noch nie jemand erlebt, wie mir mein Sohn auf der Nase herumtanzt... *g* und ich opfere mich bei weitem nicht für ihn auf!

Ich möchte diese Mutter nicht zu schlecht machen, aber es beschäftigt mich sehr, wie jemand so mit seinen Kindern umgeht und mir unterschwellig nachsagt, ich sei zu schwach, Kinder zu erziehen (aber ich hab ja nur eins...) - und es ärgert mich tierisch, dass ich in solchen Diskussionen keine Argumente finde. Ich beende solche Diskussionen mittlerweile mit einem augenrollenden:"Aber ich hab ja nur ein Kind und der geht noch nichtmal in den Kindergarten, was weiß ich denn schon!"
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Nautilus
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von Nautilus »

Da diese Frau für Dich ebensowenig Respekt zeigt wie für ihre Kinder, würde ich mir in der Tat überlegen, ob ich Diskussionen führe oder nicht. Meiner Meinung bringen die ja nur dann was, wenn der andere Part offen ist für andere Meinungen, aber es scheint ja, als wisse sie genau, was richtig und was falsch ist.
Und bei Vorwürfen in deine Richtung, die ja auch ihre Vorgehensweise rechtfertigen bzw. absichern sollen (Du bist zu weich, also bin ich richtig), wäre bei mir die Schmerzgrenze ehrlich gesagt erreicht. Was hast Du von diesem Austausch?
Wenn Du weiterhin Kontakt haben möchtest, würde ich fast vermuten, dass Du am besten fährst, wenn Du nicht diskutierst, sondern schlicht sagst, dass Du es aus Überzeugung anders machst und darüber gar nicht diskutieren willst.
Für Argumente fehlt mir gerade die Zeit *sorry* ;)
Liebe Grüße, Nautilus mit Sommersohn (7/12) Frühlingstochter :smilie_und_kind: :slürp* (3/17) und den zwei Herbststernen (09/11+ 11/15)
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littlesis
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von littlesis »

Ich glaube, dass man mit manchen Müttern auch gar nicht diskutieren kann. Es wird für sie immer noch irgendeinen Grund geben, warum sie nunmal im Recht sind und warum ihr Gegenüber eben keine Ahnung hat. Zum Beispiel die Tatsache, das sie drei Kinder hat und du nur eins.
Da hilft wahrscheinlich kein Argument der Welt und Diskussionen bringen diese Mütter wahrscheinlich nur noch mehr in die Abwehrposition. Konstruktive Vorschläge werden da gar nicht mehr wahrgenommen.
Ich habe solch krassen Dinge wie draufsetzen noch nie mitbekommen und wüsste nicht, wie ich da reagieren würde.
Ich habe bisher vor allem die anti-ferbern-Diskussionen geführt. Da muss ich sagen versuche ich schon recht deutlich die Nachteile rauszustellen und Alternativen aufzuführen. Wenn ich allerdings merke, dass ich auf taube Ohren stoße und diejenige drauf beharrt, dass das alles so richtig ist, was sie tut, stelle ich nur klar, dass ich das niemals machen würde und dann ist das Thema erledigt. Ich habe aufgehört mich dermaßen aufzureiben, wenn es nichts bringt. Dann ziehe ich mich eher von derjenigen zurück und meide Gespräche über Kinder mit ihr.


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Re: Argumente gesucht

Beitrag von Lösche Benutzer 5749 »

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Wenn Du weiterhin Kontakt haben möchtest, würde ich fast vermuten, dass Du am besten fährst, wenn Du nicht diskutierst, sondern schlicht sagst, dass Du es aus Überzeugung anders machst und darüber gar nicht diskutieren willst. 
Das unterstreiche ich. Mir geht es ähnlich wie dir, blithegrim, dass ich nicht sehr schlagfertig bin und auch schon manchmal blöd da stand, weil ich einfach nichts sagen konnte. Ich sage mir jetzt, dass ich es einfach anders lebe und vielleicht sehen manche Leute dann, dass es auch anders geht und kommen darüber ins Nachdenken.
Wenn du doch etwas sagen willst, dann vielleicht so etwas wie "Ich versuche mein Kind ernst zu nehmen in dem, was es sagt und tut. Ich glaube nicht, dass es mich die ganze Zeit verarschen will, sondern, dass es Bedürfnisse hat und diese irgendwie äußert. Ich versuche herauszufinden, was mein Kind wirklich braucht."

Zum Thema Bindung gibt es auch wissenschaftliche Studien, mit denen man argumentieren könnte, wenn man sie denn kennt. Leider weiß ich nur, dass es Studien gibt, aber nichts Genaues. Vielleicht weiß da irgendjemand mehr??
matah
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von matah »

Ich frage mich, inwieweit es ueberhaupt moeglich ist, dass (kleine) Kinder eine Erwachsene manipulieren und °verarschen° koennen. Da ist wohl ein grosser\gesamter Anteil, der beim Erwachsenen selber liegt? Sich auf ein Kind setzen um es zu etwas zu bewegen\ zwingen ist rohe Gewalt\Entmuendigung\Respektlosigkeit usw und da gehoert wohl eher der Erwachsene bestraft. Was das Ganze bringt sagt sie ja selber: Anders macht er es nicht MEHR. Ich befuerchte bei solchen Massnahmen bleibende psychische Schaeden.
Ja, Blithegrim, wir kannst du zu schwach sein dein (eines) Kind zu erziehen wenn dieses (eine) Kind beim jetzigen Stand eures Miteinander dich nicht verarscht und manipuliert? Die Logik der Bekannten erschliesst sich mir nicht. Ich habe das Gefuehl du machst es richtig!
Liebe Grüße von M.H. mit J. 02/03 und P. 04/05
Bani
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von Bani »

Hm, ich selber war noch nie in der Situation, dass jemand mir direkt gesagt hat, so wie ich es mache ist es falsch. Ich habe die Einstellung, dass jeder es so machen soll, wie er es für richtig hält. Ich kenne Mütter, die ihre Kinder ferbern, hab schon gesehen, dass weinende Kinder, die sich den Kopf gestoßen haben, neben die Mutter auf den Boden gesetzt werden, damit sie sich beruhigen... Ich selber finde das schlimm für die Kinder, käme aber nie auf die Idee, den Müttern zu sagen, dass sie das falsch machen. Genauso möchte ich auch nicht gesagt bekommen, dass es falsch ist noch zu stillen, zu tragen oder meinen Sohn nicht weinen zu lassen. Ich würde der Bekannten also höchstens sagen, dass du es eben anders machst und sie das respektieren soll. Meiner Meinung nach kann man Menschen, die von ihrer Meinung überzeugt sind, sowieso nicht durch Argumente vom Gegenteil überzeugen. Wir würden uns ja auch nicht durch Argumente dazu bringen lassen, unsere Kinder anders zu behandlen, oder? :)
Bani mit Sohn (05/12) und Tochter (07/14)
Jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise. Joachim Ringelnatz
Sahara
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Re: Argumente gesucht

Beitrag von Sahara »

Ich habe mein Kind auch schon weinend im Kiga gelassen, weil ich wusste, dass sie sich beruhigt, wenn ich wieder gehe. Sie wurde sehr liebevoll von der Erzieherin entgegengenommen und da war es für mich in Ordnung so.
Ich bin berufstätig, ich muss früh weg. Oder kann irgendjemand hier zu seinem Chef gehen und sagen: "Ich kann heut nicht arbeiten, mein Kind hat im Kiga geweint, ich nehm sie wieder mit nach Hause " ?!?!?
Wir erziehen nicht - wir leben zusammen.
Familienbett heisst, wenn dein Baby dir nachts unbewusst über den Arm streicht.
Du bekommst Gänsehaut davon...und deckst euch beide zu. Sahara 2011
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