jetzt sind viele Beiträge hinzugekommen, seit ich angefangen hatte zu tippen (komme momentan nur sehr unterbrochen zum Lesen und Schreiben hier
Es lässt sich schwer im Voraus sagen, ab welchem Alter man sein Kleinkind als "zu alt" zum Stillen empfinden wird. (Und man wird unter Umständen auf dem Weg merken, dass vieles von dem, was man als "das ist dann aber eindeutig zu lange" empfand, als das Baby noch winzigklein war, von gesellschaftlichen Konventionen viel mehr geprägt war als vom eigenen Empfinden, wenn der "Zeitpunkt X" dann auf einmal da ist.)
Der große Vorteil an der Sache ist aber: man muss das auch gar nicht Monate vorher schon vorhersagen können. Dein Kind wird von Tag zu Tag einen Tag älter werden. Und wenn Du eines Tages merkst, dass Du es z.B. nächste Woche (oder sogar "morgen") nicht mehr stillen möchtest und Du Dir da sicher bist und Deine Entscheidung getroffen hast, wirst Du einen Weg finden, Deinem Kind das verständlich zu machen und es über den (verständlichen) Schmerz des Verlustes anders hinwegzutrösten, andere Beruhigungsstrategien zu entwickeln und Nähe, Geborgenheit und Sicherheit anders zu vermitteln als durch Stillen.
Ich habe eine Vermutung, was Du und Dein Mann mit "den Absprung nicht schaffen" meinen. Das klingt ein bisschen so, als wäre das Stillen in Euren Augen jenseits eines bestimmten Datums (sei das nun nach einem, zwei, ... Jahren) nur noch "(schlechte) Angewohnheit" - und noch mehr: etwas, von dem man umso schlechter loskommt, je länger man es dem Kind "angewöhnt" hat. So eine Sichtweise kann einem ziemlichen Druck machen, möglichst bald das Stillen einzuschränken.
Vielleicht hilft es demgegenüber die Fakten anzuschauen: Stillbedürfnis ist keine Angewohnheit (die ein Kind also nicht hätte, wenn man es nicht stillen würde), sondern ist als Bedürfnis im genetischen Bauplan des Menschen so vorgesehen - und zwar in den ersten Lebensjahren, nicht den ersten Lebensmonaten. Das heißt keinesfalls, dass man deshalb ein Kind nicht abstillen dürfe
Auf einem völlig anderen Blatt stehen die Dinge, die Du seitens Deines Kindes völlig zu Recht als übergriffig empfindest. Sowas kann einem wirklich das Stillen verleiden - und auch ohne Stillen würdest Du dich ja von Deinem Kind nicht unfreiwillig entkleiden, kneifen, beißen oder ähnliches lassen wollen. Da ist ganz klar ein Punkt erreicht, an dem Du im Interesse Eurer beiderseitigen Beziehung (ob nun Stillbeziehung oder nicht) Deine Grenzen wahren solltest. Wenn Du in der Boardsuche hier im Stillforum Begriffe wie "Kneifen"/"Kneift" oder "Beißen"/"beißt" eingibst, findest Du einige Threads zu diesen Themen. Auch der Thread zu "unerwünschtem Fummeln" aus unserer Linksammlung Stillwissen könnte interessant sein.
In der Linksammlung findest Du auch Gedanken zum "vorzeitigen Abstillen" (also zum Abstillen, bevor Dein Kind von sich aus ganz aufs Stillen verzichen würde).
Du bist sehr reflektiert und schaust genau auf Deine Beweggründe und Eure Situation. Ich denke, Ihr werdet einen guten Weg miteinander finden, sei es nun ein baldiges Abstillen oder eine verbesserte Stillbeziehung. Alles Gute für Euch!
