kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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bienchencarolinchen
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von bienchencarolinchen »

Hallo,
jetzt mag ich hier auch mal in die Diskussion einsteigen.
Es wurde zwar schon mal in einem anderen Thread besprochen, aber ich finde es fast schon skandalös, dass Xylit so wenig bekannt ist. Wer im Netz ein bisschen sucht, findet da hoch interessante Artikel inkl. Studien die belegen, dass Xylit ein echter Feind der Kariesbakterien ist. Und das ohne schädliche Nebenwirkungen wie es sie bei Flourid gibt. Es soll sogar soweit gehen, dass durch die Anhebung des PH-Werts nach dem Essen / Trinken, die Remineralisierung durch den Speichel besser wirkt und so kleine Löcher wieder "zuwachsen".
Wir verwenden Xylit erst seit ein paar Wochen, deshalb kann ich persönlich die Wirkung weder bestätigen noch widerlegen - werde aber gerne, wenn gewünscht, berichten. Auch wenn das ein wenig dauern mag, weil ich in meinen 33 Jahren nur zwei minikleine Löcher reparieren lassen musste. Da sind Beobachtungen am Tochterkind vielleicht aussagekräftiger.

Liebe Grüße
Ich bin auf der Suche nach mir selbst. Sollte ich früher als erwartet zurück sein, bitte sagt mir, ich soll auf mich warten!
Tochter 3/12 & 12/14
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greenie bird
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Re: AW: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von greenie bird »

Und zum nächtlichen Wasser anbieten, das ist doch dann, wenn es auch alle zwei Stunden angenommen wird genauso schädlich, dazu braucht es nicht mal Kohlenhydrate.
Habe ich jedenfalls so gelernt...

Gesendet von meinem U9200
Sprache ist ein mangelhaftes Instrument zum Ausdrücken von Gefühlen bzw. scheine ich schlecht darin zu sein, bitte fragt bei zweifelhaften Äußerungen von mir nach...

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jusl
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von jusl »

du hattest das doch irgendwo mal beschrieben, dass die Verarbeitung der Laktose eben nicht schon in der Mundhöhle einsetzt oder irre ich da tatsächlich?
Naja, Laktose wird im Darm verstoffwechselt, durch das Enzym Laktase. Aber Bakterien können Laktose vergären, als Gärungsprodukte entsteht neben Methan und Wasserstoff auch Milchsäure (genau das passiert bei Laktose-intoleranten Menschen im Darm)

Hm, aber Kuhmilch enthält ja auch (nur?) Laktose. Was ist dann der Unterschied zwischen der Kariogenität von Muttermilch und Kuhmilch?
Auch Laktose kann von Kariesbakterien aufgenommen werden, siehe oben (allerdings deutlich schlechter als viele andere Kohlenhydrat-Sorten). Im Gegensatz zu Kuhmilch enthält Muttermilch allerdings spezielle Stoffe, die das Bakterienwachstum hemmen.
(Dies führt z.B. dazu, dass Muttermilch bei Zimmertemperatur nach einer gewissen Zeit eine geringere(!) Keimzahl aufweist als kurz nach der Gewinnung)

Zusammengenommen führt dies zu der Einschätzung bzw. Empfehlung, dass Muttermilch selbst NICHT kariogen ist (also am gesunden Zahn keine Karies verursacht), jedoch bei bestimmten bereits vorliegenden(!) Zahnerkrankungen wie z.B. Karies oder starke Erosionsschäden u.ä. das nächtliche Stillen evtl. eingeschränkt werden sollte, das ist dann eine Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung der individuellen Erkrankung.

Eigentlich ganz einleuchtend, finde ich. ;-)

LG
Julia
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Nautilus
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von Nautilus »

ich auch! Vielen lieben Dank für die genaue Erklärung, Julia!
Liebe Grüße, Nautilus mit Sommersohn (7/12) Frühlingstochter :smilie_und_kind: :slürp* (3/17) und den zwei Herbststernen (09/11+ 11/15)
blaurosa
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von blaurosa »

Danke nochmal für den Hinweis auf Xylit - in unserem Lavera Neutral Gel ist Xylit,vielleicht kann ich ja doch ohne schlechtes Gewissen dabei bleiben. Hat jemand von Euch zufällig eine seriöse STudie zu Xylit ohne viel Suchen parat? Dann wäre ein Link schön. :wink: Danke!
Töchterchen, geboren im Februar 2011 zu Hause, über alles geliebt, gestillt, getragen und familiengebettet
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bienchencarolinchen
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von bienchencarolinchen »

blaurosa hat geschrieben:Danke nochmal für den Hinweis auf Xylit - in unserem Lavera Neutral Gel ist Xylit,vielleicht kann ich ja doch ohne schlechtes Gewissen dabei bleiben. Hat jemand von Euch zufällig eine seriöse STudie zu Xylit ohne viel Suchen parat? Dann wäre ein Link schön. :wink: Danke!
Keine Studie, aber doch halbwegs seriöse Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=3724

Ich nehme drei Mal täglich einen Teelöffel Xylit und lasse ihn im Mund zergehen. Nach ca. 3 Min. spucke ich aus und spüle NICHT aus.
Wenn ich mich recht erinnere reicht die Xylitmenge in Zahnpasten nicht aus um einen antikariogenen Effekt zu verursachen (bin da aber jetzt nicht ganz sicher :oops: )
Ich bin auf der Suche nach mir selbst. Sollte ich früher als erwartet zurück sein, bitte sagt mir, ich soll auf mich warten!
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smibo
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von smibo »

jusl hat geschrieben:
2. Mumi enthält Laktose und diese ist wissenschaftlich bewiesen kariogen.
Ich nehme an, "diese" bezieht sich auf "Laktose", nicht auf "Mumi"? (Das wird aus Deinem Satzbau nicht klar). Dann mag ich anmerken, dass Muttermilch Stoffe enthält (z.B. bestimmte Oligosaccharide), die das Wachstum von Bakterien HEMMEN, auch das ist belegt.
Es stehen eine handvoll unseriöser Studien dagegen mit einer sehr geringen Fallzahl, die das Gegenteil behaupten möchte.
Für ausführliche Info über die Nicht-Kariogenität von Muttermilch mag ich auf die Arbeiten von Brian Palmer verweisen, der ist international anerkannter Experte auf dem Gebiet, und er liefert auch eine sehr ausführliche Bibliographie. Siehe z.B. hier: http://www.brianpalmerdds.com/caries.htm oder hier http://www.scielo.br/pdf/jped/v80n5s0/en_v80n5s0a12.pdf
(Und im Quellenverzeichnis dieses Papers sind Lancet-Autoren dabei, also von unseriös kann da keine Rede sein)

LG
Julia

PS: Und es ist nicht nötig, die Postings anderer User als "totalen Schwachsinn" zu bezeichnen. ;-) Hier im SuT darf freundlich argumentiert und diskutiert werden.
Hallo Julia,

kann leider nur kurz antworten:

Da Mumi Laktose enthält (etwa 5bis7%) kann man beide nicht voneinander trennen. Die Kariogenität der Laktose ist bekannt und diese wird sowohl von Mutansstreptokokken als auch von Laktobazillen (beteiligt bei der Kariesentstehung und der Progression) verstoffwechselt. Zwar ist reine Saccharose um ein Vielfaches aggressiver jedoch kann mandie Kariogenität der Laktose nicht bezweifeln.
Auch enthält Mumi nicht nur Karies hemmende Wirkstoffe sondern remineralisierende und säureneutralisierende Stoffe. Das macht sie zu einem gewissen Grad schützend wenn andere Faktoren komplett ausgeschaltet werden. Einer der Faktoren ist das Fehlen von bakterieller Plaque, was in der Praxis insbesondere bei einem Kleinkind ziemlich unwahrscheinlich ist.

In der 2. Arbeit werden einige Studien zitiert, die meine Argumentation unterstützen. (Schreibe mit dem smartfone, daher kann ich keine Zitate kopieren, siehe ab seite 202). Die Laktose der Mumi ist kariogen und sollten insbesondere weitere Risikofaktoren hinzukommen wie z.b. die verminderte speichelfließrate während des Schlafs sowie die verminderte Pufferkapazität, so kann dies zur Karies führen trotz positiver Eigenschaften. Auch wird eine Altergrenze von 18 monaten gegeben was wohl mot dem Durchbruch der ersten Milchmolaren zu tun hat. Je mehr Zähne und je distaler sie stehen desto schwieriger wird es die optimale Mh einzuhalten.

In der Übersichtsarbeit wird auch allgemein von ECC gesprochen. Heute teilt man die ECC in Typ I-III. Typ I ist das Baby Bottle Syndrom udn trifft definitiv nicht auf gestillte Kinder zu. Typ III ist eine massive Karies, die häufig bei vernachlässigten Kindern vorkommt. Typ II ist die Karies, die langsam anfängt und eher im Alter ab 3 Jahren sich klinisch zeigt. An dieser Karies erkranken die meisten Kinder die über einen längeren zeitraum einen häufigen Genuss kariogener Mahlzeiten hatten.

Was mich auch hier wieder stört ist die "schwachsinnige" Behauptung, dass Funde aus dem Jahr 12.000 v.c. wenig Kariesaktitvitaet zeigen und dies wird in Verbindung mit der Mumi gebracht. Karies benötigt die Erreger, um auszubrechen. Funde haben gezeigt, dass die Infektiobsrate sich erst im laufe der Jahrhunderte steigerte. Wenn heute 98% der Menschen infizirrt sind, dann waren es vor mehreren Tausend Jahren weniger als 20%.
Genauso ist es auch mit einigen heutigen isolierten stämmen und Ureinwohner, dass die Infektionsrate relativ gering ist.

Ich habe ausserdem nicht das Posting der Userin als "Schwachsinm" bezeichnet sondern die studie. Ich gehe davon aus, dass die Userin nicht höchstpersönlich an der Studie beteiligt gewesen ist :) wenn sich jemand gekränkt fühlt dann tut es mirbleid nur sollte man bitte differenzieren.

So, die antwort wurde wohl doch mehr als erwartet.

Letztendlich kann ich als Zahnärztin nur den rat geben:

Stillt solange ihr könnt und solange die Kleinen wollen. Nur achtet darauf, dass die Mh optimal ist, die Zähne fluoridiert werden,die Kleinen keine zu häufige Nahrungsfrequenz bekommen und spätestens ab dem Durchbruch der Backenzähne nachts eine Stillpause eingelegt wird. Diese Empfehlung stammt nicht von mir sondern von der international anerkannten American academy of Pediatric Dentistry.

Werde mich nun aus der Diskussion heraushalten.

Alles Gute
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Katha
Dipl.-SuT
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von Katha »

Ich muss gestehen, ich bin doch verunsichert.
Bei kl. Hasen sind die ersten Backenzähne mit 12 Monaten durchgebrochen. Und er ist auch jetzt nicht so verständig, dass ein nächtliches Abstillen in Frage käme. Er ist das im Halbschlaf, wenn er aufwacht und versteht ja noch nicht mal in dem Zustand, wenn ihm der Papa sagt, "Mama ist kurz auf dem Klo". Dazu muss er erst wach werden und selbst da ist er immer noch am Wimmern.
Wie ich da wg. der Zähne Nachts abstillen sollte und auch MÖCHTE, wenn es mich ansonsten überhaupt nicht stört, wir alle drei damit halbwegs genügends Schlaf bekommen (was anders sicher nicht der Fall wäre), habe ich keine Ahnung.
Selbst tagsüber ist die Stillfrequenz bei uns noch sehr hoch.

Aber im Prinzip sagt Du ja trotzdem, dass ich mutwillig die Zahngesundheit meines Kindes auf Spiel setze.
smibo hat geschrieben:In der 2. Arbeit werden einige Studien zitiert, die meine Argumentation unterstützen. (Schreibe mit dem smartfone, daher kann ich keine Zitate kopieren, siehe ab seite 202).
Kannst Du die bitte nachreichen?
Wie bezieht sich die Metastudie denn auf die zitierten Studien, die Du meinst?
smibo hat geschrieben:Was mich auch hier wieder stört ist die "schwachsinnige" Behauptung, dass Funde aus dem Jahr 12.000 v.c. wenig Kariesaktitvitaet zeigen und dies wird in Verbindung mit der Mumi gebracht. Karies benötigt die Erreger, um auszubrechen. Funde haben gezeigt, dass die Infektiobsrate sich erst im laufe der Jahrhunderte steigerte. Wenn heute 98% der Menschen infizirrt sind, dann waren es vor mehreren Tausend Jahren weniger als 20%.
Genauso ist es auch mit einigen heutigen isolierten stämmen und Ureinwohner, dass die Infektionsrate relativ gering ist.
Bin keine Medizinerin und habe im Studium Empire auch etwas vernachlässigt, aber ich habe es bei Zusammenfassungen der Studie so verstanden, dass die Kariesrate bei Säuglingen auch im Verhältnis zur Infektionsrate geringer war als heute.
Katha mit dem Hasen *01/2012
"Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken." Khalil Gibran[/color]

Viel vom iPhone, Buchstabendreher, Tippfehler... inkl. [/size]
Elena
Miss SuTiversum
Beiträge: 14231
Registriert: 05.08.2009, 17:08

Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von Elena »

Katha hat geschrieben:
Wie ich da wg. der Zähne Nachts abstillen sollte und auch MÖCHTE, wenn es mich ansonsten überhaupt nicht stört, wir alle drei damit halbwegs genügends Schlaf bekommen (was anders sicher nicht der Fall wäre), habe ich keine Ahnung.
Selbst tagsüber ist die Stillfrequenz bei uns noch sehr hoch.

Aber im Prinzip sagt Du ja trotzdem, dass ich mutwillig die Zahngesundheit meines Kindes auf Spiel setze.
Ich kann nur sagen, wie ich es gemacht habe bzw. machen würde, wenn keine Vorbelastung beim Kind bzw. bei den Eltern da ist (und ich bin ja eigentlich recht pingelig, was die Vorbeugung angeht):

- tagsüber mindestens morgens und abends gründlich putzen
- auf vernünftige Fluoridierung achten
- tagsüber Pausen zwischen einzelnen Mahlzeiten einhalten
- nachts weiterstillen, aber auch mal versuchen zu reduzieren. Aber nicht gegen erheblichen Widerstand des Kindes. In einem halben Jahr wird es sich wahrscheinlich viel einfacher ablenken lassen. Ich würde abwägen zwischen einer gewissen, eher geringen Wahrscheinlichkeit für eine Zahnschädigung und den Problemen, die auf der anderen Seite auf alle Beteiligten zukommen. Ich würde immer mal wieder austesten, ob es evtl. mit Stillpausen nachts geht. Wie schädlich das Stillen nachts möglicherweise ist, hängt ja auch entscheidend davon ab, ob nun alle anderthalb Stunden richtig getruken wird oder nur alle 3-4 Stunden zaghaft genuckelt wird, so dass kaum oder keine Milch fließt! Das ist ja eine Riesenbandbreite des nächtlichen Stillens.

Ich bin bisher immer bei Erscheinen der ersten Backenzähne wieder schwanger geworden und die Milch ging zurück, so dass bald nur noch Trockennuckeln stattfand (und die Kinder anfingen durchzuschlafen). Da hatte ich es also einfach. Aber beim dritten und voraussichtlich letzten Kind würde ich es so angehen wie beschrieben. Meine Kinder haben mit einem Jahr noch einen sehr großen Teil der Nahrung nachts aus der Brust geholt. Das lässt sich nicht in kurzer Zeit friedlich ändern. Aber man kann immer mal schauen, wieviel das Kind zulässt.
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wuselknusel
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Re: kinderzahnarzt meint langzeitstillen macht karies

Beitrag von wuselknusel »

Über dieses Thema habe ich mich auch sehr intensiv erkundigt und mir Gedanken gemacht, vor allem, was die Kariogenität der Laktose anbelangt. Mal aus ernährungsphysiologischer bzw. lebensmittelchemischer Sicht betrachtet: Das für Säuglinge wichtigste Enzym, die Lactase (β-Galactosidase, EC 3.2.1.23), ist Bestandteil des Lactase-Phlorizinhydrolase-Komplex. Dieser Disaccharidasekomplex sitzt v. a. membranständig im Dünndarm. Die Lactase (Region IV der Polypeptidkette des Enzyms) hydrolysiert Lactose zu Glucose und Galactose; auch die Spaltung von Cellobiose und Cellotriose ist möglich. Die Kapazität des Enzyms bildet den limitierenden Schritt in der Lactoseverdauung, es besitzt postnatal das Leistungsmaximum und nimmt später drastisch ab.
Nun können natürlich auch Bakterien Exoenzyme ausbilden, siehe weiter oben. Allerdings müssen auch die von den Bakterien gebildeten Enzyme eine gewisse Enzymkapazität bereitstellen, damit die Lactose überhaupt verstoffwechselt werden kann. Und meiner praktischen Erfahrung nach ist dieses Enzym nicht besonders leistungsfähig, es gibt weitaus aktivere Enzyme!
Mein persönliches Fazit: Es muss schon sehr viel Milch nachts getrunken werden und der entsprechende Bakterienapparat mit den Enzymen im Mund des Kleinkindes vorhanden sein, damit allein die verstoffwechselte Lactose nennenswert den pH-Wert im Mund senken kann. Es dürften also eine Reihe weiterer Faktoren und v.a. Veranlagung vorhanden sein, damit sich Karies ausbilden kann. Stillen kann sicherlich einen Beitrag dazuliefern, ist aber sicherlich nicht die Ursache.
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