Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

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Inkling
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Inkling »

Seerose hat geschrieben:
AnnaKatharina hat geschrieben: Mädchen werden für ihr Aussehen gelobt, Jungs für ihr Können.
Tja, kann ich nur bestätigen. War ja auch früher so bei Erwachsenen, na, was heißt früher? Heute zum Teil auch noch. :roll:

Nur, verhindern wird das damit, daß wir Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen?
Man macht zumindest Leute darauf aufmerksam, dass - und vor allen Dingen wo- geschlechterspezifisch gehandelt und gesprochen wird. Ich habe auch von der amerikanischen Familie gehört, darüber ist mir erst aufgefallen wie sehr ich diese "bist du aber schick (Mädel)/ kannst du aber toll klettern (Junge)"-Sprachweise unbewusst nutze. Seitdem arbeite ich sehr stark daran das zu ändern, und spreche auch mein Umfeld darauf an. Den Artikel "How to talk to little girls" habe ich bereits unzählige Male verschickt, eine Freundin hat das jetzt in ihr TaMukonzept aufgenommen, andere sehen die Pink stinkt Updates bei Facebook...insofern, indirekt verursacht das Handeln dieser Familie schon ein Umdenken.

Über deren Motivation möchte ich gar nicht urteilen, auf Tahiti ist es seit Jahren normal, einen evtl dritten Jungen als Mädchen zu erziehen damit man später jemanden für die eigene Versorgung hat. Heute dann auch gerne hormonell unterstützt. Nun denn, für mich wärs jetzt nichts, aber sie werden es sich gut überlegt haben. Ist ja nicht grad einfach.
Inkling
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Inkling »

Seerose hat geschrieben:
AnnaKatharina hat geschrieben: Mädchen werden für ihr Aussehen gelobt, Jungs für ihr Können.
Tja, kann ich nur bestätigen. War ja auch früher so bei Erwachsenen, na, was heißt früher? Heute zum Teil auch noch. :roll:

Nur, verhindern wird das damit, daß wir Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen?
Man macht zumindest Leute darauf aufmerksam, dass - und vor allen Dingen wo- geschlechterspezifisch gehandelt und gesprochen wird. Ich habe auch von der amerikanischen Familie gehört, darüber ist mir erst aufgefallen wie sehr ich diese "bist du aber schick (Mädel)/ kannst du aber toll klettern (Junge)"-Sprachweise unbewusst nutze. Seitdem arbeite ich sehr stark daran das zu ändern, und spreche auch mein Umfeld darauf an. Den Artikel "How to talk to little girls" habe ich bereits unzählige Male verschickt, eine Freundin hat das jetzt in ihr TaMukonzept aufgenommen, andere sehen die Pink stinkt Updates bei Facebook...insofern, indirekt verursacht das Handeln dieser Familie schon ein Umdenken.

Über deren Motivation möchte ich gar nicht urteilen, auf Tahiti ist es seit Jahren normal, einen evtl dritten Jungen als Mädchen zu erziehen damit man später jemanden für die eigene Versorgung hat. Heute dann auch gerne hormonell unterstützt. Nun denn, für mich wärs jetzt nichts, aber sie werden es sich gut überlegt haben. Ist ja nicht grad einfach.
Lösche Benutzer 1828

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

[quote="Inkling
Über deren Motivation möchte ich gar nicht urteilen, auf Tahiti ist es seit Jahren normal, einen evtl dritten Jungen als Mädchen zu erziehen damit man später jemanden für die eigene Versorgung hat. Heute dann auch gerne hormonell unterstützt. Nun denn, für mich wärs jetzt nichts, aber sie werden es sich gut überlegt haben. Ist ja nicht grad einfach.[/quote]

Einfach? Das ist grausam und :shock: !
Marilu

Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Marilu »

Inkling hat geschrieben: auf Tahiti ist es seit Jahren normal, einen evtl dritten Jungen als Mädchen zu erziehen damit man später jemanden für die eigene Versorgung hat. Heute dann auch gerne hormonell unterstützt.
:shock: :shock: Und das ist da erlaubt?!! Das ist doch ein klarer Fall von Körperverletzung!
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murkelchen
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von murkelchen »

Ich finde auch, das Geschlecht der Kinder zu verheimlichen, ist überzogen.

Obwohl ich meine Kids ziemlich rosa angezogen haben, spielen sie doch gern Pirat, Ritter, Indianer - aber eben auch Prinzessin. Autos haben sie schon immer weniger interessiert als Puppen, obwohl wir beides hier haben. Wir hatten eine Zeit lang einen Autoteppich, den wir wieder abschafften, weil keiner damit gespielt hat. Die Puppen, Puppenküche und Co. dagegen werden schon sehr viel bespielt. Meine Grosse mag die Lego Friends Sets, spielt aber auch mit normalen Legos und baut sich eine Polizei.
Sie will immer wieder was anderes werden. Mal ist das Polizistin, mal Ärztin und mal Friseur. :mrgreen: Im Moment Ballerina oder Eiskunstläuferin.
"Guck, ein Bagger!" habe ich aber auch zu beiden Kids gesagt, "obwohl" sie Mädchen sind. Meine Grosse war immer begeistert, wenn sie vom Küchenfenster aus der Müllabfuhr zugucken konnte. :mrgreen:

Die Kleine hat gerade so eine ausgesprochene Prinzessinphase, die mich zunehmend nervt. Nur Kleid oder Rock, nie Hosen. Es ist furchtbar. Dabei mag ich Hosen an ihr und habe ihr auch immer welche angezogen. Gerade sie - das wildere der beiden, der Klettermax - trug immer eher bequeme Hosen, damit sie rennen, klettern und toben konnte. Nun will sie immer eine Prinzessin sein, etwas, was sie von der Grossen hat, die dieser Phase gerade entwächst. Es geht also nahtlos so weiter. Ich bin mir sicher, ein Junge wäre hier auch eine Prinzessin geworden. Und ich hätte nichts dagegen. Meine Grosse macht Ballett. Wäre die Kleine ein Junge und würde ihr das nachmachen wollen dürfte er das gern. Nun ist sie aber ein Mädchen und macht es nach und darf deswegen auch, wenn sie dann gross genug ist (und immernoch Interesse hat). *g* Will sie lieber Eishockey spielen, werde ich das auch erlauben. ;)

Ich habe nichts gegen rosa Prinzessinnenzeug, verstehe aber auch nicht, warum es nun rosa Duplosteine geben muss. Manches Spielzeug war vorher neutral und wurde dann pink. Wir haben z.B. der Grossen damals einen Nachziehhund von F***** Pr*** gekauft. Der hatte ganz normale Farbe, also weiss mit braunen Flecken. Dann gab es ihn irgendwann in beige. Und als dann meine Kleine da war, sah ich den irgendwann plötzlich in weiss mit pinken Ohren. o.O Little People Schulbus...bei meiner Grossen war der gelb, inzwischen gibt es den auch in pink und da gibt es ja unzählige Beispiele. SOWAS kaufe ich dann auch nicht (kann aber die Verwandschaft nicht immer davon abhalten, solchen Kram zu schenken. Einmal gab es ein pinkes Spielzeughandy und jetzt zu Weihnachten gab es ein kleines Set Prinzessinnenduplo).

Was ich eigenartig finde ist, dass selbst neutrale Farben jetzt nicht mehr neutral sind. Früher waren rot und blau , jetzt rosa und blau die Mädchen/Jungenfarben. Inzwischen ist aber auch pastellgelb für einen Babyjungen zu mädchenhaft, pastellgrün für ein Mädel okay, für einen Jungen auch, aber bitte nur in Verbindung mit rosa/blau. DAS finde ich echt komisch.

Generell tragen meine Kinder eher helle Farben. Ich mag einfach dunkelblau und dunkelgrün nicht so gern an meinen, weil sie gerade mit dunklem blau wirklich krank aussehen oder als hätten sie fürchterlichen Schlafmangel und deshalb Augenringe. Sie sind sehr blass, bei beiden schimmern die kleinen Äderchen unter den Augen durch, das wirkt noch viel stärker, wenn sie etwas dunkelblaues tragen. In diesem Herbst/Winter habe ich gemerkt, dass das bei dunklen lilatönen (also eben eher bläulichen als rötlichen) auch so ist. Ein Junge würde bei mir also auch eher gelb, hellgrün, hellblau, rot, hellgrau und ja - rosa tragen. Kleider würde ich ihm jetzt nicht extra anziehen, aber wenn er dann irgendwann möchte, dürfte er. Ich denke aber, dass den meisten Jungs eben im restlichen Umfeld schon mitgegeben wird, dass Jungs keine Kleider tragen. Da hilft es auch nicht, bis sie 1-2 Jahre alt sind das Geschlecht zu verschweigen, denn genau das ist dann ja das Alter, in dem der Einfluss von aussen überhaupt etwas ausmacht. Ich denke, man würde sein Kind automatisch zum Sonderling machen, wenn es komplett neutral aufwächst. Und wie gestaltet man das überhaupt? Wenn das Kind sprechen kann und gefragt wird, "Bist du ein Junge oder Mädchen?", verbietet man dem Kind dann zu antworten? Im Freibad/am See, wenn man das Kind umzieht, passt man dann immer ganz genau auf, dass ja kein Nachbar/Bekannter sieht, welches Geschlecht das Kind hat?

Meine Mädels wachsen schon sehr "mädchenhaft" auf, da kommt sicherlich viel von mir...weil ICH mädchenhafte Sachen einfach total gerne mag. Und ich weigere mich, mich dafür zu schämen und meine Kinder nun extraneutral anzuziehen, wenn ich finde, dass ihnen rosa eben gut steht und ich das gerne ansehe. Meine Grosse entwickelt gerade eine Vorliebe für hellblau. Finde ich toll, steht ihr nämlich auch ausgezeichnet. *g* Wenn sie dunkelblau mögen würde, dürfte sie das auch, aber ich werde es ihr nicht von mir aus vorschlagen. ;) Wenn sie jetzt sagt, sie will kein rosa mehr, dann bekommt sie kein rosa mehr (auch wenn ich es schade finden würde *g*).
Ich denke wirklich es reicht, wenn man das Kind nicht wissentlich und willentlich einschränkt. "Nein, du bekommst das Raumschiff nicht, das ist doch was für Jungs!" , "Was? Du willst die Krone? Aber nein mein Sohn, das ist doch für Mädchen". Wenn man sowas vermeidet, ist man schon auf einem guten Weg, denke ich.
LG von Jenni
mit

grosser Maus - 11/06
und
kleiner Maus - 02/10
Inkling
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Inkling »

Fragt mich nicht, uns ist im Hotel eine Mitarbeiterin mit extremer Girl Power aufgefallen, und Beine dass den Männern die Augen ausgefallen sind. Wir kamen mit ihr ins Gespräch, und sie hat uns das erzählt (war früher Junge, wurde dann aber umerzogen, später auch hormonell). Sie hat uns auch andere gezeigt, und ich denke nicht, dass es gelogen war. Habe jetzt aber keine Fachliteratur dazu gelesen.

Ob das erlaubt ist? Läuft vermutlich unter "kulturelles Überbleibsel". Wenn ich das richtig verstanden habe läuft das seit mehreren hundert Jahren so, wenn man mit zuvielen Söhnen gesegnet war. Ob Frankreich das heute reglementiert, weiß ich nicht. Wir reden hier von kleinen Südseeinseln mit vielen anderen Problemen, an die man sich wahrscheinlich erst trauen würde (Alkohol, hohe Arbeitslosigkeit, hoher Anteil an extrem übergewichtiger Bevölkerung, etc).
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gelberSchuhschrank
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von gelberSchuhschrank »

Ich finde, dass wir manchmal schon zu extrem sind, wenn es um Geschlechterrollen geht.

Wir haben da so viele Vorurteile. Zwar habe ich mir mal vorgenommen, meine Kinder da viel Freiraum zu lassen, aber das ist echt schwer.
Schon allein Kleidung zu finden, die nicht knalle Rose oder mit Bob der Baumeister ist......

Ich versuch dann halt meinen Kinder einfach die Wahl zu lassen. Und wenn jetzt der Große ne Puppe will, dann bekommt er die.

So eine völlig neutrale Erziehung ist, glaube ich, nicht möglich. Schon allein die Tatsache, dass Mama die Kinder und ihre Periode bekommt, ist doch eine Geschlechterrolle....
Wenn man Kinder echt so erziehen möchte, dann muss man sich wohl sehr isolieren oder mit gleich Denkenden zusammen leben.
Elena
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Elena »

Ich wollte immer mal das Buch von Marianne Grabrucker über ihr (wohl eher gescheitertes) Experiment zu diesem Thema lesen, ich kenne sie nämlich persönlich als sehr beeindruckende Frau.

Ich selbst war nie das typische Mädchen. Ich war eher Pippi Langstrumpf oder Indianer zu Karneval als Prinzessin, ich habe nie rosa getragen. Ich hatte nie Lust, mich bei der Hochzeit als Prinzessin zu verkleiden und habe mir mein (kurzes) Brautkleid dann selbst genäht, als ich nichts fand, das zu mir passte. Meine Eltern haben keine klassische Rollenverteilung gelebt, meine Mutter ist eine sehr starke Frau und arbeitet sehr gerne. Fürs Mittagessen war immer mein Vater zuständig, es gab im Haushalt eigentlich gar keine Aufgaben, die klar einem der beiden zugeteilt waren. Mir ist erst spät aufgefallen, dass es wahrscheinlich nicht sooooo viele Zahnärzte gibt, die ihre Kittel selbst bügeln...

Bei uns läuft das jetzt ähnlich. Ich habe ein "Männerstudium" abgeschlossen, wir arbeiten beide Teilzeit und unsere Mädels tragen zwar auch mal Kleid und Pink (wenn auch kein Rosa, solange ich das verhindern kann), aber meist Jeans und "neutrale" Farben. Ich finde es nicht schlimm, wenn ein Mädchen eindeutig "mädchenhafte" Interessen zeigt. Solange man ihr die nicht aufdrängt und solange das nicht dazu führt, dass man sie in ihren Möglichkeiten behindert. Ich käme nie auf den Gedanken, mein Mädchen mit Kosenamen "Prinzessin" zu nennen oder ihr freiwillig irgendwas Rosanes zu kaufen. Aber das ist meine persönliche Abneigung...

Spannendes Thema, ich werde mir mal das Buch kaufen!
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von Millefiori »

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liebe Grüße von mir mit Bild 11/03 , Bild 07/07 und Bild 06/09

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Auf meinem Grabstein soll stehen: Schau nicht so doof, ich läge jetzt auch lieber am Strand!
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tania
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Re: Kinder geschlechtsneutral aufwachsen lassen

Beitrag von tania »

ich habe es mir gut ueberlegt, finde, dass der ansatz das geschlecht seines kindes nicht zu sagen sehr viel fuer sich hat. da wir aber windelfrei machen und unser grosser sehr selten hosen anzog bis er zwei war, haetten wir das geschlecht des kleinen eh nicht verheimlichen koennen.

der grosse traegt sehr viel rosa rot und lila, gerade gestern erst hat er sich rosa gummistiefel mit benjamin bluemnchen drauf ausgesucht. dem kleine steht roetliches aber so gar nicht, der wird in blau, meist dunkles blau mit etwas gruen und gelb gewandet.

ich bin bei dem thema eher aufmerksam. die gleichaltrigen (plus minus zwei jahre) freundInnen meines sohnes sind alles maedchen, die aelteren und kleineren alle jungs.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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